yomo

In wenigen Wochen soll die ambitionierte neue Sparkassen-App Yomo endlich für eine breite Masse verfügbar sein, nach einer Beta-Phase ist das zweite Quartal anvisiert, heißt es im Handelsblatt. Mit der App wollen die Sparkassen Fintechs wie N26 angreifen und eine jüngere Zielgruppe für sich erschließen.

Das ist ein mutiges Vorhaben. Aber Yomo hat eine Chance verdient, die ersten Screenshots sehen sogar schick aus und auf Twitter hat das Social-Media-Team einen guten Job gemacht.

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Abseits schöner Produktbilder sind in den vergangenen Monaten allerdings Details zu Yomo – kurz für „Your Money“ – nach außen gedrungen, die klarmachen: Die hippe Sparkassen-App wird vermutlich wieder mehrere Geburtsfehler haben.

Wer sich bei Yomo anmeldet, bekommt je nach Postleitzahl eine Sparkasse zugeordnet, heißt es jetzt. Zehn Institute haben das Projekt gestartet, die rund 400 anderen Sparkassen können Yomo per Lizenz nutzen. Für die junge Zielgruppe, die Yomo erreichen möchte, greift das zu kurz: Es widerspricht ihrer Lebenseinstellung, als Mitglied der Generation Y will man sein Geld nicht bei der Sparkasse Wiederbrück oder Börde liegen haben.

Die regionale Zuordnung wäre nur halb so wild, würde sie sich nicht auch im Angebot niederschlagen: Das Konto selbst ist gebührenfrei, aber die Zusatzleistungen wie eine Kreditkarte oder die Höhe der Dispozinsen legen die regionalen Sparkassen fest. Aus Nutzerperspektive ist das kompliziert und unverständlich.

Wer kommuniziert mit dem Kunden?

Fraglich ist auch, wer sich um den Kundenservice kümmert. So wird es eine Herausforderung sein, die Kommunikation zwischen einer Social-Media-affinen Zielgruppe und der jeweiligen Sparkasse elegant zu koordinieren. Die Hamburger Sparkassen-Tochter Star Finanz, die die App entwickelt, wird sicher eine zentrale Rolle spielen. Aber wie schnell kann sie auf kontospezifische Fragen über Facebook oder Twitter reagieren?

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Das Vorbild N26 hatte in den vergangenen Wochen massiv mit einem mangelhaften Kundensupport zu kämpfen. Das zeigt einmal mehr: Wenn es um Geld geht, wollen die Nutzer eine schnelle Reaktion, und zwar über alle verschiedenen Kanäle. Der Unmut wird unverzüglich in die sozialen Netzwerke getragen. Es bleibt zu bezweifeln, dass die Sparkassen bei dem komplizierten Yomo-Konstrukt eine schnelle Kunden-Kommunikation durchhalten können.

Zweifel sind auch bei dem Plan angebracht, dass das Yomo-Konto das normale Girokonto mit der bekannten Sparkassen-App gar nicht ersetzen soll. Aber was ist dann der Zweck? Eine Banking-App sollte ja möglichst alle Lebensbereiche erfassen, mit möglichst vielen Funktionen wie Investments oder Auslandsüberweisungen. Und nicht nur ein Basis-Konto mit schöner Oberfläche sein.

Die Erwartungen an das Projekt sind auf jeden Fall hoch. Eine Galionsfigur, die Yomo auf Tech-Konferenz bewerben könnte, ist bislang noch nicht in Sicht. Kopf hinter dem Projekt ist stattdessen ein Vorstand der Münchner Sparkasse, Dr. Bernd Hochberger. Spritzig geht anders, wie in einem Interview kürzlich deutlich wurde. Da sagte er zum Beispiel über Yomo: „Kein neues Projekt ist ohne Risiken – wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Das ist nicht ganz richtig: Die Sparkassen hätten ruhig mal ein bisschen mehr riskieren können.

Bild: Yomo