Younect- und Cleverheads-Gründer Martin Gaedt

Kam die Idee zu früh?

Für die Recruiting-Plattform Younect hat alles ein bisschen zu lang gedauert. Ursprünglich wollte Gründer Martin Gaedt qualifizierte Berufseinsteiger an Unternehmen mit Ausbildungsplätzen vermitteln, wofür er 2008 Kapital von der Berliner Investitionsbank bekam. Der Start lief gut. Über 30.000 Schüler hatten sich seit dem Launch des Portals im Jahr 2007 registriert.

Doch der Gründer konnte nicht genug Arbeitgeber davon überzeugen, mitzumachen. „Viele Firmen jammerten über Fachkräftemangel. Sie waren aber nicht dazu bereit, Geld in die Hand zu nehmen, um ihre Einstellungsverfahren zu modernisieren,“ sagt Gaedt im Gespräch mit Gründerszene. „Wir waren mit unserer Idee einfach zu früh dran.“

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Nachdem Gaedt mit Hunderten von Unternehmen gesprochen hatte und sich das niedrige Interesse abzeichnete, stampfte er ein, was er bisher mit Mitgründerin Kathinka Alexandrow und seinem Team aufgebaut hatte. In einem Kamingespräch mit einem Kunden, so Gaedt, sei daraufhin ein neues Geschäftsmodell für Younects Online-Recruiting entstanden: Unternehmen, die qualifizierten Bewerbern absagen, empfehlen sie anderen Arbeitgebern weiter.

Doch warum sollten Firmen ihre Konkurrenz stärken? „Um ihren guten Ruf zu halten, Fachkräfte positiv zu stimmen und sie vor allem in der Region unterzubringen,“ sagt Gaedt. So könne ein Unternehmen einige Zeit später erneut auf den Kandidaten zukommen, sollte sich eine geeignete Stelle öffnen.

Als zusätzlichen Anreiz zum Mitmachen erhalten Firmen, die einen ihrer Bewerber über die Plattform erfolgreich weiter vermitteln, eine Prämie vom neuen Arbeitgeber der Fachkraft. Damit könnten Firmen die monatlichen Kosten für die Plattform-Mitgliedschaft decken oder Profit erzielen.

Altlasten brachten Younect die Insolvenz

Doch auch für diese Idee dauerte es länger als erwartet, Firmen ins Boot zu holen. Zu lange. Younect ging das Geld aus, die Gesellschafter zogen die Reißleine und Insolvenz wurde angemeldet. Als das Verfahren im November 2014 eröffnet wurde, war nicht klar, wie es mit Gaedt und seinem Team weitergehen würde. Der Gründer erzählt: „Das ist alles andere als eine schöne Erfahrung. Aber unsere Kunden haben uns unterstützt und motiviert, nicht aufzugeben.“

So fanden er und Alexandrow sieben neue Gesellschafter, die bereit waren, in eine Neugründung mit dem bestehenden Geschäftsmodell zu investieren: die Cleverheads GmbH.

Gaedt sieht sein Startup gestärkt. Mittlerweile gibt es das Portal in 50 deutschen Regionen, über 1.000 Unternehmen sind angemeldet. „Damit haben wir endlich eine attraktive Größe, die weitere Firmen anzieht,“ sagt er. Gaedts Ziel für dieses Jahr: Mindestens 50 Prozent der Bewerber zu vermitteln.

Bild: Martin Gaedt