Ein Beitrag von Roland Eisenbrand, Head of Content bei OnlineMarketingRockstars.de.

Dass viele reich­wei­ten­starke Youtuber unter ihren Videos Affiliate-Links plat­zie­ren und Pro­vi­sio­nen erhal­ten, wenn ein User, der dar­auf klickt, auch etwas ein­kauft, wis­sen dank TV-Moderator Jan Böh­mer­mann mitt­ler­weile selbst Men­schen außer­halb der Online-Marketing-Szene. Doch dar­über, wie häu­fig sol­che Links ange­klickt wer­den, waren bis­lang keine gesi­cher­ten Infor­ma­tio­nen öffent­lich bekannt – bis heute. Wir haben für Euch Klick­sta­tis­ti­ken von Youtubern wie Dagi Bee und Karl Ess auf­ge­stö­bert und auf deren Basis ver­sucht, hoch­zu­rech­nen, wie viel Geld die Video-Sternchen mit die­ser Methode ver­die­nen. Die Ergeb­nisse haben selbst uns teil­weise über­rascht.

Es ist mitt­ler­weile gän­gige Pra­xis in der Szene: Unter ihren Videos pos­ten Youtuber Links zu Pro­duk­ten in Online-Shops. Bei den ver­link­ten Arti­keln kann es sich um Pro­dukte han­deln, die die Kanal­be­trei­ber im jewei­li­gen Video vor­ge­stellt und pro­mo­tet haben, oder um Geräte, die sie selbst für ihre Video­pro­duk­tion benut­zen.

Fünf­stel­lige Fest­be­träge für Affiliate-Links?

So ver­lin­ken viele der Youtuber die von ihnen ver­wen­dete Kamera im Online-Shop von Ama­zon; Let’s Player, die sich beim Spie­len von Com­pu­ter­spie­len abfil­men, bewer­ben bei­spiels­weise den von ihnen angeb­lich genutz­ten Game Ser­ver. Wie Youtuber Phil­ipp Steuer in einem Gast­bei­trag für Online Mar­ke­ting Rock­stars erklärte, erhal­ten die Kanal­be­trei­ber von ihren Geschäfts­part­nern für die Plat­zie­rung sol­cher Links fünf­stel­lige Fest­be­träge im Monat. Häu­fi­ger dürfte aller­dings die Ver­gü­tung auf Pro­vi­si­ons­ba­sis erfol­gen.

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Vor dem Pos­ten der Links wan­deln die Kanal­be­trei­ber in der Regel den ursprüng­li­chen, meist sehr lan­gen Affiliate-Link mit­tels eines URL-Verkürzers von Bit.ly oder Google in eine kür­zere, hand­li­che URL um, mit der die User dann auto­ma­tisch auf den Tracking-Link wei­ter­ge­lei­tet wer­den.

Die­ses Vor­ge­hen dient ver­mut­lich meh­re­ren Zwe­cken: Zum einen schre­cken die Kurz-Links offen­bar die Nut­zer weni­ger ab und stei­gern die Klick­rate, zum ande­ren zäh­len die URL-Verkürzungs-Tools jeden Klick. Mit­tels der Reporting-Funktion kön­nen die Youtuber somit kon­trol­lie­ren, ob die Zahl der Käufe (und damit die Höhe der Pro­vi­sion), die der Shop-Betreiber ihnen zuschreibt, in einem glaub­haf­ten Ver­hält­nis zur Klick­rate ste­hen.

Nicht alle den­ken daran, den öffent­li­chen Zugriff auf Link­sta­tis­ti­ken zu sperren

Meist ist der Zugriff auf diese Sta­tis­ti­ken für die Öffent­lich­keit gesperrt. Wir haben jedoch Bei­spiele auf­ge­tan, bei denen die Youtuber offen­bar ver­ges­sen haben, diese Option zu akti­vie­ren. Jeder User, der bei die­sen Fäl­len an Kurz-Links unter den Domains Bit.ly und Amzn.to (letz­tere wird eben­falls vom Betrei­ber von Bit.ly genutzt) ein „+“ anhängt, oder bei Links mit dem For­mat goo.gl (Googles URL-Verkürzer) ein „.info“ hin­zu­fügt, kann die Nut­zungs­sta­tis­ti­ken somit ein­se­hen. Diese bie­ten tiefe Ein­bli­cke: Wie häu­fig wurde der Link an wel­chem Tag ange­klickt, aus wel­chen Län­dern kamen die Klicks und auf wel­chen Platt­for­men wur­den sie gepos­tet.

Einer der Affiliate-Deals, der in der grö­ßer wer­den­den Szene der Fitness-Youtuber in den ver­gan­ge­nen Mona­ten für große Auf­merk­sam­keit gesorgt hat, war die Bewer­bung einer „Penis­pumpe“ durch den schwä­bi­schen Body­buil­der Karl Ess, über den wir bereits berich­tet haben.

Ess hatte das für 200 Euro erhält­li­che Pro­dukt des Her­stel­lers Phal­losan (laut Website-Impressum eine Firma mit Sitz in Malta), erst­mals im August 2013 in einem Video pro­mo­tet. In den fol­gen­den Mona­ten ver­linkte er das Pro­dukt in zweien sei­ner Kanäle unter min­des­tens zehn wei­te­ren Videos, in denen er sich mit dem Thema Penis­größe aus­ein­an­der setzte, und die seit­dem ins­ge­samt mehr als eine Mil­lion Mal abge­ru­fen wor­den sind.

Die Sta­tis­ti­ken des Affiliate-Links sind unter Bitly.com/MehrPenis+ öffent­lich ein­seh­bar und zei­gen: Bis­lang haben User 361.500 Mal die Pro­dukt­emp­feh­lung ange­klickt. Damit dürfte sich für Karl Ess die sei­nem Image sicher­lich eher wenig zuträg­li­che Aktion durch­aus gelohnt haben.

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Hat die Penis­pumpe Karl Ess einen sechs­stel­li­gen Umsatz beschert?

Zwar ist öffent­lich nicht dedi­ziert nach­les­bar, wie hoch die Pro­vi­sion ist, die jeder Teil­neh­mer am Phallosan-Partnerprogramm für einen durch ihn zustande gekom­me­nen Kauf erhält. Einen Fin­ger­zeig bie­tet zumin­dest die Web­site des Part­ner­pro­gramms, auf der es heißt, dass jeder, der eine „Phal­losan forte“ pro Tag ver­kaufe, schon mehr als 3.000 Euro pro Monat ein­nähme – dies ent­sprä­che also einer Pro­vi­sion von rund 100 Euro (50 Pro­zent des Pro­dukt­prei­ses) pro Ver­kauf.

Wie Karl Ess selbst in einem Video erklärte, ver­diene er mit dem Deal pro Monat mehr als ein stu­dier­ter Inge­nieur. Dies mag man als über­trie­bene Prah­le­rei abtun. Doch wenn nur jeder Tau­sendste der User, die den Link ange­klickt haben (und damit ja schon ein ers­tes Inter­esse oder zumin­dest Neu­gier signa­li­siert haben), das Pro­dukt auch gekauft haben (die Con­ver­sion Rate also 0,1 Pro­zent beträgt), hätte Karl Ess alleine durch die­sen ein­zel­nen Affiliate-Link schon mehr als 36.000 Euro ver­dient. Bei einer Con­ver­sion Rate von 0,5 Pro­zent betrüge der Umsatz schon mehr als 180.000 Euro. Dass Ess nach eige­nen Anga­ben rund 800.000 Euro pro Monat umsetzt, wirkt mit die­sem Wis­sen und ange­sichts der Viel­zahl sei­ner Akti­vi­tä­ten (wei­tere Affiliate-Links, Ver­trieb eines Online-Fitness-Programms, ein eige­nes Sport-Mode-Label) nicht mehr kom­plett unrea­lis­tisch.

Wie sehen die Klick­ra­ten bei Links zu Pro­duk­ten aus, die nicht in den Videos selbst bewor­ben wer­den, son­dern mit denen die Youtuber ihr Video-Equipment „emp­feh­len“? Auch diese wer­den bei reich­wei­ten­star­ken Kanä­len durch­aus häu­fig ange­klickt, wie ein Blick unter die Videos der Beauty-Youtuberin Dagi Bee (bür­ger­li­che Dag­mara Nicole Buck­ley) beweist. Auch die Sta­tis­ti­ken der dort ver­link­ten Amazon-Artikel sind mit Kennt­nis oben geschil­der­ten Kniffs für jeden ein­seh­bar. So wurde die von Buck­ley emp­foh­lene Kamera inner­halb von 14 Mona­ten rund 132.000 Mal ange­klickt, ein Sta­tiv mehr als 42.000 Mal, ein Beleuch­tungs­strah­ler mehr als 51.500 Mal und das von ihr ver­wen­dete Mac­Book (das neu über 1.000 Euro kos­tet) fast 100.000 Mal.

Die Zugriffsstatistik des Affiliate Links zu Dagi Bees Kamera, den die Youtuberin unter ihren Videos platziert

Brin­gen Equipment-Empfehlungen fast 10.000 Euro Umsatz in 14 Monaten?

Zwar ist Ama­zon bei der Ver­gü­tung sehr viel spar­sa­mer als ande­rer Part­ner­pro­gramme: So erhal­ten die Affi­lia­tes nur eine Pro­vi­sion, wenn das Pro­dukt inner­halb von 24 Stun­den nach dem Klick gekauft wird (oder inner­halb von 90 Tagen, falls der Nut­zer es schon in sei­nen Waren­korb gelegt hat). Zudem ist die Pro­vi­sion im Elek­tro­nik­be­reich seit dem ver­gan­ge­nen Okto­ber mit 3 Pro­zent des Kauf­prei­ses rela­tiv nied­rig (davor betrug sie 5 Pro­zent).

Immer­hin ver­gü­tet Ama­zon den Affi­lia­tes im Zeit­raum von 24 Stun­den auch den Kauf jedes ande­ren Pro­dukts des Nut­zers, der über den Affiliate-Link auf die Shop-Plattform gelangt ist. Da Ama­zon der größte und meist genutzte Online-Shop in Deutsch­land ist, dürf­ten auch auf diese Weise durch­aus rele­vante Beträge zustande kom­men.

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Berück­sich­tigt man all diese Aspekte und geht erneut von einer Con­ver­sion Rate von 0,1 Pro­zent aus, so könnte „Dagi Bee“ unse­ren Berech­nun­gen zufolge nur mit den Ama­zon Links unter ihren Videos inner­halb von 14 Mona­ten rund 9.500 Euro ein­ge­nom­men haben – ein net­tes zusätz­li­ches Taschen­geld zu den ande­ren Affiliate-Deals, den Ein­nah­men aus der klas­si­schen Youtube-Werbung sowie den sicher­lich höher dotier­ten Produkt-Placement-Deals, die den Groß­teil ihrer Ein­nah­men aus­ma­chen dürf­ten.

20.000 Klicks an nur einem Tag auf einen Affiliate-Link unter unges „Freiheit“-Video

Auch Let’s Player Unge, der durch sei­nen Kon­flikt mit Media­kraft ins Bewusst­sein des brei­ten Main­streams gelangte, ver­zeich­net sechs­stel­lige Klick­zah­len mit Affiliate-Links. Aktu­ell wirbt er mit dem unter sei­nen Let’s-Play-Videos plat­zier­ten Link Bitly.com/UngeServer für einen Game­ser­ver des Anbie­ters Nitrado: 213.000 Klicks seit Anfang Dezem­ber 2014. Unter sei­nem viel beach­te­ten „Freiheit“-Video (mitt­ler­weile nicht mehr öffent­lich ver­füg­bar) hatte der Gaming-Youtuber für das glei­che Pro­dukt noch den Kurz-Link Bitly.com/UngeTrado plat­ziert. Die­ser wurde bis­lang 68.000 Mal ange­klickt – alleine 21.000 Mal am Tag der Ver­öf­fent­li­chung des Videos.

Die Zugriffsstatistik für den Link Bitly.com/UngeTrado zeigt eine deutliche Spitze am Veröffentlichungstag des „Freiheit“-Videos

Unter sei­nen „Vlogs“ (Video-Tagebüchern) emp­fiehlt Unge so wie Dagi Bee die von ihm ver­wen­dete Kamera. Seit dem Juni 2014 ist die­ser Link 274.000 Mal ange­klickt wor­den. Die güns­ti­gere, von ihm zuvor ver­wen­dete und eben­falls ver­linkte Kamera ist im glei­chen Zeit­raum 191.000 Mal ange­klickt wor­den.

Let’s Player Piet Smit­tie emp­fiehlt unter sei­nen Videos keine Pro­dukte, bit­tet seine Fans aber, falls sie etwas bei Ama­zon kau­fen wol­len, dies über sei­nen Affiliate-Link zu tun, um ihn zu unter­stüt­zen. Seit dem Juni 2012 haben 283.000 User die­ser Bitte Folge geleis­tet. Die Zahl jener User, die geklickt und wirk­lich etwas gekauft haben, dürfte in die­sem Fall wegen der kla­ren Auf­for­de­rung deut­lich höher sein – die Ein­nah­men dem­ent­spre­chend auch.
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Bild: Youtube.com/dagibee, Youtube.com/unge, Youtube.com/karless; Mon­tage: Online Mar­ke­ting Rockstars