Dieses Wochenende war ich in Warszawa (lies: Warschawa :) zu einer Verantaltung von ‚YPIN‚ – Young Polish International Network.

YPIN ist ein Netzwerk junger Polen mit dem Ziel, die Internationalität Polens zu fördern und unter den Mitgliedern einen Austausch zu schaffen.
Modelliert ist es nach dem ‚Tönnissteiner Kreis‚, einem deutschen Netzwerk, welches dem einen oder anderen ein Begriff sein dürfte.

YPIN gibt es seit ca. 5 Jahren und derzeit gibt es ca. 150 Mitglieder und pro Jahr kommen ca. 30 weitere dazu. Aufnahmekriterien sind, dass ein Mitglied bei Antrag unter 30 Jahre alt sein muss, mindestens 1 (oder waren es 2?) Jahre im Ausland gewesen sein muss, sowie mindestens die Sprachen englisch, deutsch und polnisch beherrscht.

Ich nehme an Veranstaltungen dieser Art recht selektiv teil, aber diese hier finde ich aus persönlichen Gründen interessant.

Ich bin in Polen geboren und als ich 7 Jahre alt war nach deutschland gezogen. Ich spreche zwar polnisch, habe aber ausser ein wenig Business (spreadshirt Werk in Legnica, ePuls.pl und jetzt ein neues Projekt über welches ich bald mehr berichten werde) sowie meiner engen Familie wenig Bezug zu dem Land. Ich mag es aber sehr :) Die Polen sind ein sehr herzliches & gastfreundliches Völkchen und zudem liebe ich die Sprache. Es gibt drei oder vier verniedlichungsformen – die auch tatsächlich oft im Alltag gebraucht werden, was sehr amüsant ist :)

Weiter ist Polen auch aus Entwicklungssicht und politisch sehr interessant.
Das Land ist recht dynamisch aber in vielen Punkten relativ zu z.B.
Deutschland noch nicht besonders weit entwickelt – was natürlich auch Raum für Opportunities bietet.

Die Parteienlandschaft z.B. ist (noch) nicht besonders gefestigt und alle Paar Jahre formieren sich neue Parteien welche zum Teil schnell zweistellige Wahlergebnisse vorweisen können. Teilweise ist es auch recht lustig (oder sollte man sagen traurig-lustig?) – von den Eskapaden des polnischen Zwilingspaares hat der eine oder andere in deutschen Zeitungen sicher auch schon mal gelesen. Gerade gab es wieder einen recht skurrilen Skandal, bei dem sich Premier und Präsident (einer der Zwillinge) nicht einigen konnten, wer zu einem EU Gipfel fliegt. Am Ende sind beide geflogen und zwar mit zwei separaten Fliegern weil der Premier den Präsidenten nicht mitnehmen wollte… hmmm (übrigens ist glaube der Präsident hier der ‚durchgeknallte‘).

Ökonomisch entwickelt das Land sich denke ich relativ gut, im dritten Quartal z.B. 5% Wachstum (yoy). Aus Finanzkrisensicht zumindest bislang keine großen Verwerfungen. Es gibt aber noch viel zu Entwickeln und das Land ist an vielen Stellen noch nicht modernisiert – z.B. ist die Wirtschaft recht stark vom Agrarsektor geprägt, welcher zudem auch noch recht unproduktiv ist. Das stellt natürlich ein gewisses Strukturproblem dar. Auch hat sich das Bildungswesen wohl nicht so super entwickelt und zeitigt mangelnde Qualität – was schade ist, denn meines Erachtens der wichtigste Zukunftsfaktor für ein relativ ressourcenarmes Land wie Polen. Hier sei am Rande erwähnt, dass im Sozialismus nicht alles unbedingt schlecht war, die Bildungssysteme z.B. waren – wenn auch nicht nachhaltig aufrecht zu erhalten
– deutlich besser als in vielen Weststaaten (ich erinnere mich, als ich im zweiten Jahr in Deutschland eingeschult wurde – nach einem Jahr polnischer Grundschule war ich meinen deutschen Mitschülern in Fächern wie Mathe bereits deutlich voraus und alles war für mich Wiederholung…).

Das Thema Unternehmertum ist in Polen deutlich schwächer ausgeprägt. Gründungslehrstühle und ähnliche Initiativen wird man vergeblich suchen, auch sind Dinge wie Businessplanwettbewerbe o.ä. deutlich dünn gesät. Unternehmertum selber scheint auch noch nicht so akzeptiert zu sein.

Aber es gibt auch gute unternehmerische Erfolge sowie eine eigene Web-Szene.
Sehr gut ist z.B. das Portal onet.pl, eine Art polnisches WEB.de aber extrem-erfolgreich – in relativen Indikatoren schlägt es so weit ich weiss alle europäischen (und auch US-amerikanischen) Portale um längen.

Wie auch immer, ich habe schon viel mehr geschrieben als ich eigentlich wollte deswegen schnell zurück zu YPIN… es war ein excellentes Wochenende mit guten Diskussionen (für meinen Geschmack Sessions je etwas lang, kann man um 33% kürzen ;) und sehr guten Teilnehmern und auch ein bisschen Spaß (Getränke & Tanz). Unter anderem habe ich am Sonntag früh auch eine lebhafte Diskussion zum Thema ‚Staatsdiener oder Unternehmer‘ geleitet bei der es eben um Unternehmertum ging.

War sehr cool und ich kann allen polnischstämmigen deutschen YPIN sehr empfehlen :) Folgend ein kurzes Video in welchem die aktuellen YPIN Sprecherinnen die Initiative in eigenen Worten vorstellen… Film ab!

Link: Interview YPIN