Zalando Kartons

Fragwürdige Arbeitsbedingungen im Logistikzentrum?

Es ist nicht das erste Mal, dass Beschäftigte des Online-Modeversenders Zalando die Arbeitsbedingungen kritisieren. Diesmal im größten Logistikzentrum des Unternehmens in Erfurt: Zalando kontrolliere die Beschäftigten in seinem Erfurter Lager und setze sie unter Druck, berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Insbesondere sei es den Mitarbeitern verboten, sich ohne ärztliches Attest während der Arbeitszeit hinzusetzen.

Wenn jemand im Lager als zu langsam auffalle, so heißt es in dem Bericht, werde sein Arbeitstempo genau festgehalten. Ob ein Mitarbeiter nach einem Jahr Anstellung einen unbefristeten Vertrag erhalte, werde vor allem über Fehltage und Arbeitstempo entschieden. Außerdem sei es verboten, sich während der Arbeitszeit zu setzen.

Update: Zwischenzeitlich hat Zalando mit einem Statement reagiert. Es bestehe in den Logistikzentren kein Sitzverbot, heißt es darin, auch wenn „viele Tätigkeiten in der Logistik im Stehen zu verrichten“ seien. Ferner gebe es regelmäßige Pausen und man biete verschiedene Maßnahmen zur ergonomischen Unterstützung an. In dem Spiegel-Bericht seien wesentliche Fakten aus Zalando-Sicht nur unzureichend oder falsch dargestellt worden. Unzutreffend sei etwa die Aussage, über die Entfristung eines Arbeitsvertrages entscheide vor allem die Anzahl der Fehltage und das Arbeitstempo. Zalando führe mit allen Mitarbeitern regelmäßige Feedbackgespräche, in denen man die Ziele und Ergebnisse bespreche sowie gegebenenfalls nach Möglichkeiten zur Verbesserung suche. „Von einer Überwachung der Kollegen kann allerdings nicht die Rede sein“, heißt es vom Online-Versender.

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Es ist nicht das erste Mal, dass solche Vorwürfe erhoben werden. Vor gut einem Jahr hatte eine mithilfe einer versteckten Kamera in einem Lager nahe Berlin gedrehte ZDF-Dokumentation ganz ähnliche Vorwürfe gegen Zalando erhoben. Dort habe ebenfalls „Sitzen verboten“ gegolten, für mehrere Hundert Mitarbeiter habe es nur eine Toilette gegeben. Zalando hatte dem Bericht umgehend widersprochen, gleichzeitig aber angekündigt, die Arbeitsbedingungen künftig stärker im Blick zu haben und die Missstände bei den sanitären Anlagen sofort zu beheben.

Mitte Feburar dieses Jahres hatte Zalando vermeldet, im deutschsprachigen Geschäft erstmals die Gewinnschwelle erreicht zu haben. Den Angaben des Spiegel-Berichts zufolge werde das Unternehmen im laufenden Jahr „wohl immerhin in die Nähe einer schwarzen Null kommen“, abhängig vom Verlauf des Herbstgeschäfts. Für 2014 werde erstmals ein kleiner Gewinn erwartet.

Bild: Zalando