Frankfurt Skyline

Die Skyline von Frankfurt, hier findet der Zalando-Börsengang statt.

Fragen und Antworten zum Zalando-Börsengang

Heute geht Zalando auf das Frankfurter Börsenparkett, morgen schon Rocket Internet. Aber nicht jeder kennt sich mit „Börse und Aktien“ aus. Ist die Zalando-Aktie eigentlich auch was für Privatanleger? Bricht der Kurs gleich wieder ein, wie einst bei Facebook? Und was ist das Risiko für Zalando? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum ersten wichtigen Börsengang in dieser Woche.

1. Alle reden von der Zalando-Aktie. Aber ist das für Privatanleger überhaupt interessant?

Die Aktien sind eine Wette auf die zukünftige Entwicklung des Zalando-Geschäfts – und damit natürlich risikobehaftet. Ob man als Privatanleger diese Unsicherheiten in Kauf nehmen will, muss jeder selbst überlegen. Sollte die Geschäftsentwicklung besonders positiv sein, locken immerhin recht hohe Renditen. Auch wenn der Anteil an Privatanlegern bei anderen Tech-Unternehmen zuletzt üblicherweise bei weniger als drei Prozent lag, war bei Zalando im Vorfeld eine recht hohe Nachfrage von nicht-institutioneller Seite festzustellen.

2. Heißt das, die Anlage bei Dax-Unternehmen ist sicherer?

In der Tendenz ja. Allerdings sind auch die zu erwartenden Kursanstiege zumeist geringer. Dax-Unternehmen haben ein über viele Jahre gewachsenes Geschäftsmodell, große Schwankungen in kurzen Zeiträumen sind eher selten – kommen aber auch schon mal vor.

3. Viele (Dax-)Unternehmen zahlen eine Dividende als weitere Möglichkeit, mit den Aktien Geld zu verdienen. Ist das bei Zalando auch zu erwarten?

Mit Dividenden sollten Anleger in den nächsten Jahre eher nicht rechnen, denn Zalando räumt dem weiteren Wachstum klar Priorität ein – und das kostet Geld: Man sei bereit, bei sich bietenden Möglichkeiten und wenn es erforderlich ist, zu investieren und Margenbelastungen in Kauf zu nehmen, heißt es vom Online-Versender.

4. Die Facebook-Aktie ist nach dem IPO deutlich eingebrochen. Wird das bei Zalando auch passieren?

Wer nicht besonders risikofreudig ist, sollte jedenfalls abwarten. Die Facebook-Aktie war Monate später erheblich günstiger zu bekommen. Wer gewartet hat, profitiert heute vom deutlichen Anstieg der Facebook-Aktie in der Zeit danach.

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5. Bekommt Zalando nicht starke Probleme, falls der Kurs einbricht?

Zalando geht beim Börsengang auf Nummer sicher: Die platzierten Aktien stellen nur einen Anteil von 11,3 Prozent am gesamten Unternehmen dar, weil für den IPO neue Anteile ausgegeben werden – die bisherigen Investoren bleiben an Bord. Zudem wurde der Zeitpunkt für den Börsengang gut gewählt. Zum einen weil das Investoreninteresse an Tech-Unternehmen im Umfeld etwa des Alibaba-IPOs hoch zu sein scheint. Zum anderen konnte Zalando in den vergangenen Jahren nach einem schwachen dritten ein gutes viertes Quartal vorweisen – und dürfte so im ersten Quartalsbericht gleich einen Umsatzanstieg ausweisen.

6. Auch Gründerszene hat immer wieder geschrieben, Zalando habe sich für die Börse fein gemacht. Was bedeutet das?

In den vergangenen Monaten hat der Online-Versender stark Kosten eingespart. 2013 wurden keine neuen Märkte angegangen, Experimente wie den Luxus-Ableger Emeza oder den Eigenmarken-Webshop Kiomi hat Zalando eingestellt, die Werbeausgaben deutlich reduziert. Das Ziel: Bis zum Börsengang einen (wenn auch kleinen) Gewinn ausweisen zu können, um zu zeigen, dass das Geschäftsmodell funktioniert.

7. Zalando und Rocket Internet sollen jeweils mehr wert sein als einige gestandene Dax-Werte. Woher kommen diese Bewertungen eigentlich?

Beim Feststellen des Marktwertes rechnen Banken den aktuellen Umsatz mit einem (oftmals Branchen-orientierten) Multiplikator basierend auf ihren Erwartungen hoch, ziehen Vergleiche mit ähnlichen Unternehmen heran oder fragen Großinvestoren vorab, welchen Preis sie bereit wären zu zahlen. Ob ein so junges Unternehmen tatsächlich so viel wert ist, muss es erst über die Zeit beweisen.

8. Aber Zalando hat doch nun mehr Zahlen veröffentlicht. Kann man aus denen nicht vieles herauslesen?

Zalando mag kein Startup im herkömmlichen Sinne mehr sein. Als junges, wachsendes Unternehmen mit hohen Investitionsanforderungen und beweglichen Strukturen sind die Zahlen aber nicht sehr aussagekräftig. Beispielsweise lässt sich noch nicht erkennen, wie sich die Zalando-Margen im Laufe der Zeit entwickeln werden. Derzeit ist das Unternehmen abhängig von Zulieferern, mittelfristig dürfte es aber Zalandos Ziel sein, vor allem die Eigenmarken der höheren Margen wegen auszubauen. Auch gibt es hierzulande keine börsennotierten Firmen, die direkt mit Zalando vergleichbar wären. Das gleiche Problem gab es schon zu Zeiten des Neuen Marktes – der dann bekanntlich zusammenbrach.

9. Es ist ja immer wieder vom Platzen der Dotcom-Blase die Rede. Was heißt das eigentlich?

Kurz vor der Jahrtausendwende gab es einen ersten Hype um Internetunternehmen, auch damals gab es mehrere große IPOs. Allerdings waren die Erwartungen zu euphorisch: Der Fernsehrechte-Vermarkter EM-TV zum Beispiel war nach dem gefeierten Börsengang 1997 vier Jahre später faktisch pleite. Anderen Unternehmen erging es ähnlich, viele Anleger verloren ihr Geld.

10. Okay, angenommen ich will die Aktie haben – wo kann ich sie bekommen?

Die Zalando-Aktie wird im Prime Standard der Börse Frankfurt gehandelt und kann bei Interesse etwa bei Banken und Sparkassen oder Direktbrokern bezogen werden.

11. Ich habe mir Zalando-Aktien gekauft, worauf muss ich nun achten?

Zum einen auf die Kursentwicklung. Die lässt sich auf entsprechenden Portalen verfolgen. Auch ein Blick auf die Wettbewerber kann nicht schaden, im Falle von Zalando insbesondere auf den britischen Anbieter Asos. Wer Gewinne realisieren und die Aktie schnell wieder verkaufen will, sollte bedenken, dass auf den Kursaufschlag die Abgeltungssteuer von 25 Prozent fällig wird.

Bild: www.reisen-sehenswuerdigkeiten.de  / pixelio.de