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Zalando (www.zalando.de) ist derzeit wohl eines der meist beachteten Internet-StartUps Deutschlands – kreativer Fernsehspots und umfangreicher Onlinemarketing-Maßnahmen sei Dank. Entsprechend setzt der Schuhshop aus Berlin tagtäglich horrende Summen um. Eben diese Bekanntheit könnte ihm jedoch nun zum Verhängnis geworden sein: Ein kleiner Anbieter aus München (www.calando.de) meldet Markenansprüche an und fordert den Internetriesen der Samwers heraus.

Was ist passiert? Im deutschen Markenrecht kann zwar eine Marke angemeldet werden, doch auch durch das Tätigwerden in einem Segment entsteht ein Recht, das dann als Unternehmenskennzeichen fungiert. Ist ein Anbieter also bereits seit längerem in einer bestimmten Branche tätig, kann ein Konkurrent nicht ohne weiteres eine Marke anmelden, sondern muss potentiell entstandene Kennzeichenrechte berücksichtigen.

Unternehmenskennzeichenrecht: Wo sich Zalando und Calando überschneiden

So geschehen nun auch im Falle Zalando: Zalando hat am 03. September 2008 eine Marke beim Deutschen Patent und Markenamt (www.dpma.de) angemeldet, währenddessen war mit “Calando” jedoch schon seit 1999 ein Player am Markt, der in einem ganz ähnlichen Segment aktiv ist. Rechtsanwalt Alexander Graf von Kalckreuth, der die Calando AG in dieser Sache vertritt, korrespondiert daher anwaltlich mit Zalando, weil dieses nach Ansicht von Calando ein entsprechendes Unternehmenskennzeichenrecht verletzt habe.

Calando bietet Marken die Möglichkeit, sich zielgruppenaffin zu positionieren und die eigene Kundenbindung zu optimieren. Dies geschieht mit Events, durch Werbeaktionen in der Calando-Community und  über eine Art Shoppingclub-Konzept. Im „Calando Club“ werden Mitgliedern von Calando online monatliche Vorteils-Aktionen in den Bereichen Fashion und Lifestyle angeboten. In Zusammenarbeit mit exklusiven Partnern bietet der Calando-Club also – ähnlich der Zalando Lounge – exklusive Rabatte für Mitglieder an. Mit einem “Calando Key” kann daneben dauerhaft bei ausgewähten Shopping-Partnern online und offline eingekauft werden.

Verwechslungsgefahr zwischen Zalando und Calando

Calando dürfte sicherlich nicht annähernd so vielen Nutzern bekannt sein, wie Zalando, doch für die Bekanntheit einer Streitpartei interessieren sich Gerichte bekanntlich wenig. Entscheidend ist bei solchen Fällen eine potentielle Verwechslungsgefahr, die vor allem dann zustande kommt, wenn beide Streitparteien im selben Segment aktiv sind.

Von Seiten Calandos hieß es, dass schon jetzt Nutzer die beiden Marken im Tagesgeschäft verwechseln sollen und dass sich die Aktivitäten speziell bei der Zalando Lounge überschneiden. Calando argumentiert, dass so eine klare Verwechslungsgefahr bestünde, da beide Webseiten Mitgliedern online die Möglichkeit bieten, in zeitlich begrenzten Aktionen Produkte exklusiver Modelabels  zu Vorteilskonditionen zu erwerben. Zalando wie auch Calando betreiben E-Commerce und eine Online-Community, die als Shoppingclub aufgestellt ist (Zalando Lounge vs. Calando Club).

Hinsichtlich der Frage, ob sich “C” und “Z” wirklich so leicht phonetisch verwechseln lassen – man denke etwa beispielhaft an die deutsche Stadt “Celle” oder in “Cäsar” – verweist Alexander Graf von Kalckreuth auf Richtersprüche des Europäischen Gerichtshofes und der Agentur zur Eintragung Europäischer Marken HABM, laut denen “die beiden Buchstaben für eine mögliche Unterscheidung zweier Kennzeichen nicht ausreichend relevant sind.” Regelmäßig käme es zu Verwechslungen, weil man das “C” durchaus auch wie ein “Z” aussprechen könne.

Glaubt man der bisherigen juristischen Korrespodenz zwischen beiden Parteien, bestehen auf Seiten von Zalando Zweifel an einer Verwechslungsgefahr zwischen Calando und Zalando. Ein ironischer Nebenschauplatz: In seinem Glossar optimiert Zalando unter dem Buchstaben Z auch auf sämtliche Fehlschreibungen von Zalando mit eigenen Landingpages – inklusive “Callando”.

Zalando vs. Calando: Was droht dem Schuhshop der Samwers?

Von Gründerszene befragte Experten räumen dem Unterfangen durchaus eine Chance auf Erfolg ein, wobei die Verwechslungsgefahr der beiden Portale und die Kennzeichenansprüche zu den Entscheidungsmomenten werden dürften. Letztenendes könnte alles auf einen Vergleich hinauslaufen, bei dem Zalando eine vermutlich stattliche Summe an Calando überweisen müsste, sollten sich die Ansprüche der Münchner verfestigen.

Glaubt man Calandos Anwälten, sei aber auch die Durchsetzung eines Unterlassungsanspruches eine Option, die ernsthaft in Erwägung gezogen wird – diese würde sich dann wohl vor allem auf die Zalando Lounge und die dortige Verlinkung auf www.zalando.de beziehen.

Nach dem üblichen Säbelrasseln dürfte eine Einigung das wahrscheinlichste Szenario sein. Informationen von Gründerszene zufolge hatte Calando bereits eine Einigung angeboten, wenn es zu einer einmaligen Zahlung von 250.000 Euro sowie einer jährlichen Zahlung von 50.000 Euro durch Zalando käme. Nachdem die Frist dafür verstrichen ist, dürfte ein Folgeangebot teurer kommen. Ein Treffen zum Besprechen der Rechtslage wurde durch Calando abgelehnt, eines zur Entwicklung einer Einigung soll folgen.

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