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Der Zalando-Tech-Standort in Berlin von innen

Börsenkonzern? Sexy klingt anders. Die Vorstellung von sich stapelnden Aktenordnern, Staub und langen Wegen hat wenig mit Innovation zu tun. Und damit verbunden werden möchte man sicherlich nicht – schon gar nicht, wenn man Zalando ist und alles daran setzt, sich als Tech-Firma zu positionieren. Bloß nicht der Bürokratie zum Opfer fallen. Bloß nicht das nächste Quelle werden.

Die Gefahr ist, während der schnellen Expansion ungelenk zu werden – und schnell gewachsen ist Zalando sicherlich: Mittlerweile arbeiten für das 2008 gegründete Unternehmen über 7.000 Angestellte. 10.000 sollen es werden. Allein in Berlin gibt es fünf Büros, die überblickt werden müssen und zuletzt wurde noch ein Tech-Standort in Dublin eröffnet, an dem in drei Jahren 200 Entwickler an Zalandos Zukunft arbeiten sollen.

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Denn in die steckt Zalando viel. Neben den eigenen Projekten kaufte das Unternehmen vor kurzem auch zu: den Hamburger Adtech-Spezialisten Metrigo zum Beispiel, nach Gründerszene-Informationen für einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Oder einige Entwickler des insolventen Berliner Startups Txtr. Um den innovativen Geist im Unternehmen einzufangen, geht Zalando nun einen Schritt weiter und baut eine eigene Abteilung für innovative Ideen auf. In das sogenannte Innovation Lab sollen Mitarbeiter ihre Einfälle bringen und umsetzen können.

Dafür will Zalando ihnen alle notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen. Die Projekte sollen ein bis drei Monate lang laufen. Der Verantwortliche für das Lab, Bastian Gerhard, erklärt: „Tiefergehende Forschungsprojekte brauchen natürlich länger. In den meisten Fällen sollte es aber nicht mehr als einen einwöchigen Sprint dauern, einen ersten Prototypen zu erstellen. Potenzial soll frühestmöglich identifiziert werden. Wirklich großartige Ideen werden jede Unterstützung bekommen, damit sie umgesetzt und auf den Markt gebracht werden.“ Wie viel Geld allerdings überhaupt in das Lab fließen soll, verrät Zalando nicht.

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Ob Zalando gemerkt hat, dass es langsamer wird? Forschungs- und Innovationsabteilungen sind in Konzernen die Regel, teilweise wird viel Geld hinein gesteckt – die Erfolge variieren. So hatte beispielsweise auch Kodak – die Fotofirma, die die digitale Revolution verpasste – eine entsprechende Abteilung und entwickelte sogar das erste digitale Kameramodell. Die Projekt-artige Struktur des Zalando-Labs und die vorgesehene Schnelligkeit könnten aber ein klarer Vorteil sein. Gerhard sagt: „Innovation beinhaltet für uns grundsätzlich jede noch so kleine Verbesserung von Produkten, Services oder Prozessen, die einen echten Mehrwert bietet. Natürlich sind wir parallel permanent auf der Suche nach dem ,nächsten großen Ding’ im Fashion E-Commerce, ob nun für Kunden, Marken oder andere Business Partner.“

Auf die Idee für das Lab sei der E-Commerce-Händler gekommen, da zahlreiche Ideen aus seinen sogenannten Hack Weeks liegen geblieben sind. Bei diesen erarbeiten Teams eine Woche lang Projekte - viele davon im digitalen Bereich, einige befassten sich mit Hardware Prototyping. Weiter gebe es einige neue Produkte im technischen Umfeld, die man unterstützen wolle, sagt Bastian Gerhard, sowohl im Online- als auch Offline-Bereich. 

In Zukunft sollen zehn Mitarbeiter die Abteilung organisieren und beispielsweise nötige Entwickler und andere Spezialisten für die Projekte einbinden. Das Lab ist vor allem als Anlaufstelle für die eigenen Mitarbeiter gedacht. „Es soll aber auch dazu dienen, Meet-Ups, Barcamps oder Hackathons zu hosten. Darüber hinaus werden wir gemeinsam mit externen Businesspartnern und akademischen Einrichtungen experimentieren“, plant Gerhard. Die Ideen zu sammeln ist ein wichtiger Start – doch dann gilt es, die vielversprechenden auch umzusetzen.

Bild: Zalando