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Das Erfurter Zalando-Logistikzentrum in einer Computerzeichnung

Zalando schickt seine Manager zur freiwilligen Mitarbeit ins Erfurter Warenlager. Was das soll? Das Unternehmen nennt als Grund eine neue Aktion, bei der Berliner Kollegen den Logistikstandort kennenlernen sollen. Laut einem aktuellen Bericht der Zeit ist das Motiv allerdings ein anderes: dringender Personalmangel im Lager.

Die Zeit zitiert eine interne Mail des Zalando-Top-Managers Moritz Hau. Demnach versprach Hau seinen Kollegen für den mehrtägigen Einsatz einen zusätzlichen Urlaubstag, „Spaß im Team und Einblick in das Lagerhaus“. Der Job solle „ein bisschen wie eine Klassenfahrt“ gesehen werden und er rate, „wirklich nur das Nötigste zu tun und es eher als Auszeit zu sehen, wie eine Zeit im Kloster, ora et labora“. Hau selbst fahre wegen seiner Kinder nicht mit nach Erfurt.

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In der Vergangenheit wurden die Arbeitsbedingungen in Zalando-Logistikzentren immer wieder angeprangert, gerade der Erfurter Standort stand nach einer RTL-Undercover-Reportage vor einem Jahr in der Kritik. Vor diesem Hintergrund wirkt die zitierte Mail beinahe zynisch.

Aber: Auf Nachfrage von Gründerszene zeichnet Zalando ein ganz anderes Bild der Situation. Die Zitate des Managers seien aus dem Kontext gerissen worden.

Die Aufforderung, nur das Nötigste zu tun, beziehe sich demnach nicht auf die Arbeit im Lager, sondern auf den regulären Job der Angestellten, erklärt ein Zalando-Sprecher. Hau lege in der E-Mail nahe, neben der achtstündigen Schicht nicht noch zusätzlich Aufgaben aus dem Büroalltag mitzunehmen. Niemandem werde geraten, sich nicht ordentlich einzubringen, so der Sprecher, „und dass Moritz seine Kinder in Berlin betreuen muss, ist wohl kaum einen Vorwurf wert“.

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Auch gegen die Aussage, Zalando versuche so dem Personalmangel abzuhelfen, wehrt sich der E-Commerce-Riese. Teams seien freiwillig zur Mitarbeit am Logistikstandort in Erfurt eingeladen worden, „zu einem Zeitpunkt, an dem wir aufgrund des Saisonwechsels und der Feiertage sowieso höhere Bestellaufkommen und dementsprechend auch mehr Bedarf an Zeitarbeitskräften erwarten als zu anderen Zeitpunkten im Jahr“, heißt es.

Und weiter: „Wichtig ist jedoch, dass wir mit jeweils 50 Mitarbeitern aus Berlin nicht versuchen, einen Arbeitskräftebedarf zum Beispiel in Erfurt zu decken. De facto haben wir dort dieses Jahr bereits mehrere hundert Mitarbeiter neu eingestellt um unser Ziel, die 3.000 Mitarbeiter am Standort fest zu beschäftigen, zu erreichen. (Anfang des Jahres waren wir 2.300 Mitarbeiter in Erfurt). Unsere Berliner Kollegen sollen lediglich zu einem sinnvollen Zeitpunkt einen Einblick in die Arbeit und Abläufe erhalten. So eine Aktion macht natürlich nur Sinn, wenn eine entsprechende Ernsthaftigkeit damit verbunden ist.“

Manager Moritz Hau kam erst vor wenigen Wochen zu Zalando, zuvor arbeitete er als Länderchef für Deutschland und Nordeuropa für den Konkurrenten Asos.

Bild: NamensnennungKeine Bearbeitung Bestimmte Rechte vorbehalten von Michael Panse