Zalando, Mirapodo, Schuhshop, Rocket Internet, Otto

Im Oktober 2008 ging Deutschlands nun größter Schuh-Online-Shop Zalando (www.zalando.de) online. Vorbild des Samwer-StartUps war damals das in den USA sehr erfolgreiche Zappos – durch die verstärkte Präsenz des Online-Shops in TV und Medien, gibt es wohl nur noch Wenige, denen Zalando kein Begriff mehr ist. Wird Zalando seine Marktführerschaft in einen potenten Exit überführen und welche Chancen hat Otto-Konkurrent Mirapodo (www.mirapodo.de)?

Zalandos Entwicklung zum E-Commerce-Riesen

Zu Anfang bestand das Sortiment des heutigen Schuh-Imperiums aus einer kleinen Auswahl bestimmter Schuhmarken, die sich jedoch im Laufe des Jahres stetig erweitert hat. Sowohl die Markenvielfalt als auch das Sortiment sind massiv gewachsen und haben dazu geführt, dass Zalando nun quasi Branchenprimus für den Schuhversand über das Internet ist.

Im Februar dieses Jahres hat Zalando sein Angebot im Bereich Mode und Bekleidung aufgestockt. Längst wird nicht mehr nur auf Schuhe gesetzt, sondern Marken für Zalando Sports und Zalando Beauty sichern auch weitere Segmente für den Schuhshop der Samwers. Das Beauty-Segment erweitert die anzusprechende Zielgruppe und mit der Eingliederung des im Mai eingestellten Mode-Online-Shops MyBrands zeigte Rocket Internet ja bereits, wohin die Reise gehen soll: Zukünftig werden wohl alle ernsthaften E-Commerce-Ansinnen der Samwers durch Zalando bearbeitet, schließlich finden sich hier schon ein gut funktionierendes Team, eine enorme Reichweite und umfangreiche Online-Marketing-Maßnahmen unter einem Dach.

Geht die Reise nun gen umfassendes E-Commerce-Portal, wie zum Beispiel Amazon? Auch beim amerikanischen E-Commerce-Riesen wird eine bereits gegebene Infrastruktur intelligent genutzt, um mehrere Themen zu bearbeiten und Cross-Selling-Potenziale auszuschöpfen. Amazon könnte so auch als Exit-Kanal für Zalando interessant werden – immerhin erstand Amazon zuletzt auch BuyVIP –, wenngleich  Amazon selbst mit Javari derzeit selbst einen Schuhshop in Frankreich, Japan und Großbritannien voranbringt und in der Vergangenheit Zalando-Vorbild Zappos übernommen hat. Auch Tengelmann, das derzeit zehn Prozent an Zalando hält, könnte auf Dauer ein spannender Exit-Kanal sein, sollte sich niemand jenseits des großen Teichs finden. Die für Zalando zu bezahlende Summe dürfte dann auf jeden Fall recht deutlich im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Konkurrenz zu Mirapodo & Co.

Seit Februar 2010 ist mit Mirapodo (www.mirapodo.de) auch aus dem Hause Otto ein entsprechendes Konzept am Start, das als 100-prozentige Baur-Tochter firmiert. Während Zalando sich hauptsächlich auf Marketingmaßnahmen konzentriert, arbeitet Mirapodo auch extrem kunden- und serviceorientiert. Ein Blick auf die Alexa-Daten von Zalando, Mirapodo und anderen stationären Schuhketten zeigt, dass Zalando derzeit mit weitem Abstand die Konkurrenz hinter sich gelassen hat.

Mirapodo, Shuhshop, Zalando

Freilich hat der Schuhshop der Samwers beinahe zwei Jahre Vorsprung vor Mirapodo. Sollte Mirapodo der Zalando-Kurve folgen, kann die Baur-Tochter ein ernstzunehmender Konkurrent für Zalando werden. Derzeit jedoch setzt Zalando Maßnahmen wie SEO, SEM und Affiliate-Marketing sehr erfolgreich ein und Mirapodo wird entsprechend nachlegen müssen. Die enge Anbindung an den Otto-Konzern kann hier zum Vorteil gereichen, da auf einen großen Erfahrungsschatz mit dem Versand von Schuhen und Kleidung zurückgegriffen werden kann.

Doch auch Zalando dürfte inzwischen seine unternehmerischen Stellschrauben gut kennen. Bereits jetzt hat Zalando mit der Einbindung des Closed-Shop-Prinzips in seiner Zalando Lounge gegenüber Mirapodo einen Verkaufsvorteil für sich entdeckt: In der Zalando-Lounge können registrierte Kunden seit April 2010 durch Verkaufsaktionen angesagte Mode zu vergünstigten Preisen erwerben. Unter dem Eindruck von Exklusivität entstand so für Zalando ein wichtiger Kanal, der zusätzliche Umsätze sichert und Ladenhüter und Rücksendungen von Kunden können mit Hilfe dieses Prinzips verkauft werden.

Herausforderungen des Geschäftsmodells bei Schuhshops

E-Commerce-Projekte, die wie Zalando oder Mirapodo auf Fashion-Artikel setzen, die stark saisonal variieren und in Kollektionen verkauft werden, setzen im Gegensatz zu anderen Onlinegütern einen hohen Kapitalaufwand voraus, da der gesamte Einkauf der Ware vorfinanziert werden muss und die Lagerhaltung entsprechend hohe Kosten aufwirft. In Verbindung mit einer überschaubaren Marge und unter dem Druck, attraktive Versandpreise bieten zu müssen, wird das auf den ersten Blick so intuitive Modell so sehr kapitalintensiv und erfordert eine ausgiebige Planung.

Die Zukunft wird zeigen, ob Mirapodo dem traditionellen Online-Shop-Modell treu bleibt oder im Shoppingclubsegment und bei anderen E-Commerce-Erweiterungen entsprechend nachzieht. Für Zalando könnte sich nach einem erfolgreichen Weihnachtsgeschäft ein Exit im nächsten Jahr anbahnen – derzeit ist das Unternehmen aus Berlin im Schuhsegment deutlich in Front.

Mitarbeit: Jennifer Martin

Artikel zu Zalando und Mirapodo:

Bildmaterial: Kconnors
GD Star Rating
loading...
Alle Bilder in diesem Artikel unterliegen der Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung-Keine Bearbeitung, CC BY-ND; Link zum rechtsverbindlichen Lizenzvertrag). Ausgenommen sind anders gekennzeichnete Bilder unter anderem von Panthermedia, Fotolia, Pixelio, Morguefile sowie Pressefotos oder verlagseigenes Bildmaterial.