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Für Reece Crowther von der Torquay Group ist die Sache klar: „Wer will nicht seinen persönlichen fliegenden Roboter haben?“ fragt er und lacht verschmitzt.

Das britische Unternehmen hat Anfang des Jahres immerhin über drei Millionen Euro für seine Nano-Drohne Zano via Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter eingesammelt. Geplant waren ursprünglich 170.000 Euro. Ja, anscheinend wollen viele Leute einen eigenen fliegenden Roboter.

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Doch gerade in Deutschland gibt es oft Kritik an der Drohnentechnologie. Und doch ist das Land nach Torquays eigenen Angaben der drittgrößte Markt für die Nano-Drohne Zano. Nach den USA und Japan.

Woran liegt die Skepsis der Deutschen? Crowther sieht fehlende Aufklärung als das größte Problem: „Das Problem ist, dass Leute nicht viel über Drohnen wissen. Und wenn die Menschen keine Ahnung haben, dann ist ihre erste Reaktion in der Regel, dass sie skeptisch sind. Wir müssen bedenken, dass Drohnentechnologie unser Leben stark verändern und beeinflussen wird. Und die Menschen mögen Veränderung grundsätzlich nun einmal ungern.“ Das sei bei der Einführung des Internets oder den Anfängen der Smartphones nicht anders gewesen. Jetzt könne niemand mehr ohne.

Zano passt auf eine Handfläche. Die Nano-Drohne ist gerade mal 6,5 mal 6,5 Zentimeter groß und wiegt nur 55 Gramm. Das unbemannte Fluggerät fliegt mit Hilfe von vier Rotoren. Hindernisse erkennt die fliegende Mini-Drohne durch Infrarotsensoren, die Höhe in der es sich befindet, wird mit Ultraschall und Luftdruck gemessen.

Werbung macht das Unternehmen mit der Bezeichnung als „Selfie-Drohne“: Eine HD-Kamera mit fünf Megapixel-Auflösung sorgt für Bilder und Videos aus der Luft. Damit nichts verwackelt, ist ein System zur Stabilisierung installiert, dass die Bewegungen ausgleichen soll. Die Bilder der Kamera, die durch die Schaltflächen auf der iOS- oder Anroid-App bedient werden kann, können dann direkt an das Smartphone gesendet werden.

Zum Ausspionieren braucht man keine Drohne

Ermöglichen Drohnen wie Zano das Ausspionieren von anderen Menschen, wie etwa unseren Nachbarn? Crowther seufzt: „Heute hat jeder ein Smartphone mit einer eingebauten Kamera in der Hosentasche“, gibt er zu Bedenken. „Jemand kann über den Zaun zum Nachbarn klettern und ein Foto von dem in der Sonne liegenden Nachbarn schießen. Dafür braucht man keine Drohne.“

Auch Kritiker, die sich über einen Verlust der Privatsphäre beschweren, werden von Crowther abgespeist: „Die Menschen sind immer um ihre Privatsphäre besorgt“, so Crowther. „Aber mal ehrlich: Seit spätestens 2008 gibt es so etwas wie Privatsphäre gar nicht mehr. Die jüngste Generation weiß doch ganz genau, dass alles, was sie jemals im Internet tun oder veröffentlichen, dort für immer aufzufinden sein wird. Wenn du heutzutage etwas in der Öffentlichkeit machst, dann wird es jemand aufnehmen.“

Zano kann per Smartphone-App gesteuert werden: Kippt das Handy nach vorne, fliegt die Drohne vorwärts. Kippt es zur Seite, fliegt Zano seitlich. Auch eine Folgefunktion gibt es: Dann fliegt Zano hinter dem Smartphone her. Wenn der Akku fast leer ist oder die Drohne zu weit entfernt ist (15 bis 30 Meter je nach Handy), kehrt sie automatisch zum Handy zurück. Geplant ist, dass Zano zwischen 10 bis 15 Minuten fliegen kann.

Im Juni will Torquay die Auslieferung der Drohnen an die Crowdinvestoren starten. Ab Juli können dann auch andere Drohnen vorbestellen, die dann ab August ausgeliefert werden. Etwa 200 Euro soll Zano kosten.

Auch andere Unternehmen wagten sich schon ins Zivil-Drohnen-Milieu: Der französische Hersteller Parrot und das in China positionierte Unternehmen DJI Phantom verkaufen ebenfalls Drohnen für den privaten Gebrauch.

Internet-Riesen wie Amazon oder Alibaba testen schon seit Längerem Lieferdrohnen. Nicht nur das sei eine Möglichkeit, erzählt Crowther. Auch die Auslieferung von Medizin oder sogar Krankentransport sei in Zukunft sicher möglich. Für ihn ist die Sache klar: „Wir sollten aufhören Drohnen als unheimlich zu betrachten.“

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Vor Kurzem machte ein Amerikaner mit seiner No-Fly-Zone-Website Schlagzeilen. Gebe man ein, dass das eigene Zuhause eine No-Fly-Zone sei, dann solle dies an Drohnen-Hersteller vermittelt werden. Auch Torquay will sich mit Zano an bestimmte Regeln halten, sagt Crowther. „Wir wollen die Nutzung unserer Drohnen mit Gesetzesvorschriften verbinden. Damit Zano nicht in No-Go-Gebiete fliegt – wie zum Beispiel Militärflughäfen – wollen wir mit Regierungen zusammenarbeiten. Wenn wir in Zanos Navi einprogrammieren, dass es nicht dort hinfliegen darf, dann fliegt es dort auch nicht hin. Dafür haben wir Zano als eine Closed-Source-Drohne entwickelt, sie kann nicht gehackt werden.“

Crowther ist sich sicher: 99 Prozent aller Nutzer werden mit Zano genau das machen werden, wofür es gedacht ist: Spaß. Tolle Momente mit Freunden und Familien zu erleben und festzuhalten. Kein Ausspähen.

Natürlich gebe es dann immer noch diesen einen Prozent an Nutzern, „die Idioten“. „Solche wird es immer geben. Als das Internet anfing, als die ersten Handys rauskamen – es gab immer Menschen, die diese Dinge nutzten, um etwas Falsches damit zu tun“, so Crowther. „Aber wir sollten wirklich nicht Innovationen zurückhalten, nur weil eventuell dieser eine Prozent der Leute damit dummes Zeug anstellen könnten.“

Bild: Torquay Group