zeitgold

Die Zeitgold-Gründer Stefan Jeschonnek, Kobi Eldar und Jan Deepen (von links)

Nein, Zeitgold ist nicht das typische Berliner Startup. Ok, das Büro sieht aus wie ein Startup-Büro. Die Tischtennisplatte ist vorhanden, es gibt einen sehr sympathischen Office-Hund und einer der Geschäftsführer kümmert sich persönlich um den Kaffee. Aber ab hier ist alles etwas anders.

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Von den 20 Mitarbeitern in Berlin-Mitte kommen acht aus Israel. Das kleine Land am Mittelmeer ist bekannt für seine dynamische Startup-Szene, seinen Reichtum an jungen Leuten, die etwas bewegen wollen und durch die Ausbildung in der Armee vor allem in Sachen Digitaltechnik und Programmierung ganz vorne mitspielen. Außerdem weiß man, dass gerade junge Leute aus Israel gerne in Berlin arbeiten wollen. Berlin gilt nicht nur unter ihnen als coolste Stadt der Welt. Inzwischen herrscht ein reger Austausch an Ideen und Menschen.

Eine unglaubliche Menge Zeit und Energie geht drauf

Das Produkt von Zeitgold ist sehr technisch, die Entwickler aus Israel unter der Leitung von CTO Kobi Eldar werden dringend benötigt. Um es mal salopp zu erklären: Zeitgold möchte kleinen bis mittleren eigentümergeführten Unternehmen den arbeits- und zeitintensiven Papierkram abnehmen.

Die beiden Gründer Jan Deepen und Stefan Jeschonnek, die man in der Szene von ihrem ehemaligen Startup SumUp kennt, haben sich bei einem Praktikum in einem kleinen Kaffeeladen angeschaut, wie diese Eigentümer ihre Buchführung, das Mahnwesen und den restlichen Papierkrieg bewältigen. Dabei stellten sie fest, dass eine unglaubliche Menge Zeit und Energie draufgeht, um Ordnung in die Unterlagen zu bekommen, bevor sich dann am Ende doch ein Steuerberater um Rechnungsabschlüsse, Gehaltsabrechnungen und den ganzen Rest kümmern muss. Trotz ihres ganzen Einsatzes können sich die Inhaber außerdem nie ganz sicher sein, ob sie wirklich den komplizierten Steuergesetzen und anderen Vorschriften Genüge getan haben und oft plagt sie ein latent schlechtes Gewissen.

Vielleicht auch mal einen Tag frei machen

Zeitgold will das ändern und sieht seine Aufgabe darin, alle Geschäftsvorgänge von kleineren Unternehmen zu digitalisieren. Damit soll den Inhabern eine Menge Arbeit abgenommen werden. Die gesparte Zeit können sie dann in das eigentliche Kerngeschäft investieren, erklärt Stefan Jeschonnek. So bleibt Zeit, zum Beispiel über Angebot oder Speisekarten nachzudenken – vielleicht auch mal einen Tag frei zu machen. Daher kommt auch der Name: Zeitgold.

Damit das alles funktioniert, sortiert der Ladeninhaber seinen ganzen Papierkram in eine Box, die ein Mitarbeiter von Zeitgold regelmäßig abholt. Die Unterlagen werden dann digitalisiert und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und Algorithmen in eine logische Reihenfolge und Ablage gebracht. Alle Daten sind dokumentenrechtlich sicher aufbewahrt und können dann am Ende fertig sortiert und ohne großen menschlichen Aufwand an den Steuerberater weitergegeben werden, der dann daraus Abschlüsse und Steuererklärungen erstellen kann.

Entscheiden muss am Ende der Mensch

In der Smartphone-App können die Geschäftsinhaber alle ihre Dokumente nachvollziehen und – wann immer sie wollen – eigene Entscheidungen zu Zahlungszeitpunkten oder Rechnungen treffen. Die Zeitgold-Software übernimmt lediglich den reinen Sortierungs- und Ablageaufwand. Entscheiden muss am Ende der Mensch.

Die Gründer sind sich sicher, dass sie mit ihrer Idee ein drängendes Problem vieler kleiner Unternehmer lösen. In den vergangenen Monaten hätten fast alle Testkunden ihre Software und Idee weiterempfohlen. „Uns haben viele Unternehmer gefragt, wann ihre Branche endlich digitalisiert wird. Sie können es gar nicht abwarten, bis hier eine Lösung kommt.“

Mund-zu-Mund-Propaganda soll für Kunden sorgen

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Nach der Entwicklungphase, die aus eigenen Mitteln bestritten wurde, steht jetzt auch die erste große Finanzierung für Zeitgold an. Gute Programmierer und Entwickler sind rar und wollen gut verdienen. Gerade wenn sie aus Israel kommen. 4,2 Millionen Euro gibt es in der Seed-Finanzierung vom US-Investor Battery Ventures und Holtzbrinck Ventures. Dafür will man das Produkt ausrollen. Allerdings wird es keine aufwändige und teure Werbekampagne geben. Die Gründer setzen auf Mund-zu-Mund-Propaganda.

Man legt außerdem Wert auf eine enge Kundenbeziehung. Zwar sind die Nachfragen im Lauf der ersten Monate weniger geworden, weil sich das Produkt immer weiter automatisiert und verbessert hat, aber man will seine Kunden weiter persönlich betreuen und im Zweifelsfall erklären können, was in den oft sehr speziellen Einzelfällen zu tun ist, sagen die Gründer.

Konkurrenz für Zeitgold gibt es natürlich auch. Die zwei früheren Epic-Chefs Uli Erxleben und Janosch Novak haben für ihr Startup Smacc Geld von Rocket Internet bekommen. Und kürzlich erhielt das Unternehmen 1,75 Millionen Euro Forschungsgelder von der Investitionsbank des Landes Brandenburg. Auch die Berliner Unternehmen Albus White, Candis und Reviso arbeiten in diesem Bereich.

Foto: Zeitgold