zeotap

Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass Zeotap erfolgreich ist – ein Big-Data-Startup aus Deutschland, dem Land der Datenskeptiker. Aber zwei Jahre nach dem Start hat sich das Berliner Unternehmen in seinem Geschäftsfeld, der Monetarisierung von Telekommunikationsdaten, etabliert. Es beschäftigt 40 Mitarbeiter an fünf Standorten – und kann nun seine Kapitalausstattung auf fast 20 Millionen Euro erhöhen.

Anderthalb Jahre nach der Serie-A-Finanzierung über acht Millionen Euro holt Zeotap in der Serie B gleich zwei Lead-Investoren an Bord: den New Yorker VC New Science Ventures und den Berliner Kartendienst Here, der seit dem vergangenen Sommer den Autobauern BMW, Audi und Daimler gehört und an dem seit kurzem die Tech-Konzerne Tencent und Intel beteiligt sind. Gemeinsam mit den Altinvestoren Capnamic Ventures, Iris Capital und Business Angels wie dem MIT-Professor Alex Pentland und Ex-Xaxis-COO Mark Grether investieren sie nun zwölf Millionen Euro in das Startup.

Zeotap entstammt dem Berliner Inkubator Hitfox, aus dem schon einige Geschäftsmodelle im Bereich Mobile Advertising hervorgegangen sind. Die Idee hinter dem Ende 2014 ausgegründeten Startup: mit den Kundendaten von Telekommunikationsanbietern eine große, bislang nicht erschlossene Datenquelle für den mobilen Werbemarkt nutzbar zu machen. Zeotap verwertet – anonymisiert – soziodemografische Angaben, Standortdaten sowie Informationen über Interessen und Kaufabsichten. Die Daten werden in einer Plattform gebündelt und Werbetreibenden zur Verfügung gestellt, als Resultat sollen Nutzern dann relevantere Anzeigen ausgespielt werden.

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„Unsere Kunden sind klassische TV-Werbetreibende, die Awareness auf Mobile schaffen wollen und dafür vertrauensvolle Zielgruppendaten benötigen“, erklärt Zeotap-Gründer Daniel Heer gegenüber Gründerszene. Je mehr die Werbekunden über einen Nutzer wissen, desto besser können sie ihn ansprechen.

Bislang liefert eine „hohe einstellige Zahl“ von Telekom-Konzernen Daten an das Startup. Sie sollen aber nur der Anfang sein: Unternehmen in vielen weiteren Branchen bieten sich als Datenlieferanten an. Als nächstes hat Zeotap die Mobilitätsindustrie in den Blick genommen. „Das Auto wird in Zukunft zum Datenhub, das – natürlich pseudonymisiert – extrem viele Signale aus der Umgebung aufnehmen kann.“ Die Autobauer würden, glaubt Heer, bald „vor dem gleichen Problem wie die Telcos stehen, nämlich ob und wie sie diese riesigen Datensätze monetarisieren können“.

Die Ausrichtung hin zum Zukunftsfeld Connected Cars erklärt auch die Zusammenarbeit mit dem neuen Investor Here: Der Mapping-Anbieter ist auf das Sammeln von Umgebungsdaten spezialisiert, außerdem dürfte Here als Türöffner zu seinen Gesellschaftern aus der Autoindustrie fungieren. In dem neuen Geschäftsfeld konkurriert Zeotap zuvorderst mit dem israelischen Startup Otonomo, das sich ebenfalls auf die Zurverfügungstellung und Monetarisierung von Connected-Car-Daten spezialisiert hat und bislang mit 15 Millionen US-Dollar finanziert wurde.

Heer denkt aber schon weiter, hat bereits neue Branchen im Visier. Verwertbare Datenschätze gibt es etwa bei Banken und Finanzdienstleistern oder auch Loyalty-Anbietern in Massen – man denke nur an Kreditkartenabrechnungen. Dass dabei das Thema Datenschutz und Privatsphäre noch wichtiger werden wird, ist dem Zeotap-Chef bewusst. Er betont: „Wir sind die einzige Firma, die einen technischen Weg gefunden hat, die bereits pseudonymisierten Daten zusätzlich so zu schützen, dass sie nicht gegen eine persistente ID abgespeichert werden können.“

Das Startup ist stolz darauf, schon im vergangenen Jahr nach der 2018 in Kraft tretenden EU-Datenschutzgrundverordnung zertifiziert worden zu sein. Bei jedem Expansionsschritt, sagt Heer, stehe das Thema ganz zu Beginn auf der Tagesordnung. „In jedem Land beauftragen wir unter anderem zuerst eine Anwaltskanzlei für proaktives Privacy-Management.“

Bild: Zeotap