Zinspilot Interview

Andreas Wiethölter (CMO, links) und Tim Sievers (Gründer) von Zinspilot

„Das ist keine Raketenwissenschaft“

Um gute Zinsen zu bekommen, musste Tim Sievers häufig neue Konten bei Anlagebanken eröffnen. Weil ihn das aufwändige Prozedere nervte, beschloss er, aus der Not eine Tugend zu machen. Seit 2012 arbeitet er an der Umsetzung der Plattform Zinspilot, die es Anlegern ermöglichen soll, Zugang zu den Tages- oder Festgeldanlagen anderer Banken zu bekommen – ohne den Aufwand neuer Kontoeröffnungen. Seit Sommer 2014 befindet sich Zinspilot in der geschlossenen Beta.

Im Interview sprechen Gründer und Geschäftsführer Tim Sievers und Andreas Wiethölter, CMO bei Zinspilot, über Wettbewerber, Geschäftsmodell und Zukunftsvisionen – und darüber, weshalb nicht nur Anleger, sondern auch Banken von ihrer Lösung profitieren sollen.

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Tim und Andreas, stellt euch doch erst einmal vor. Was habt ihr bisher gemacht und wie seid ihr als Gründer zusammengekommen?

Tim Sievers: Ich hatte 2010 die Idee zu einer B2B-Anwendung und habe dafür einen Innovationspreis von der EU und der Hansestadt Hamburg gewonnen, inklusive einem Budget für die Entwicklung des Prototypen. Dann habe ich meinen Job als Investmentmanager gekündigt, Anfang 2011 die Deposit Solutions GmbH gegründet und die Kontoführungsplattform Deutsche-Kautionspartner.de in Betrieb genommen. Das ist eine Anwendung für die Verwaltung von Mietkautionen, die zugleich auch die technische Basis für Zinspilot ist. Ich hatte damals schon die Idee zu Zinspilot und habe das parallel weitergetrieben.

Andreas Wiethölter: Genau, und ich bin dann letzten Sommer dazugestoßen. Zuvor war ich mehrere Jahre Geschäftsführer beim Finanzportal OnVista und auch tätig für die OnVista Bank. Da hat mich allerdings zuletzt sehr geärgert, dass ich keine attraktiven Tagesgeldkonten anbieten konnte und habe nach Lösungen gesucht. Dabei bin ich auf Zinspilot gestoßen und habe mich dazu entschieden, einzusteigen.

Worum geht es denn konkret bei Zinspilot?

Tim Sievers: Zinspilot ist eine Single-Account-Lösung für Tages- und Festgeldanlagen. Das heißt, man kann damit über nur ein Konto bei seiner Hausbank auf die Tages- und Festgeldanlagen von Drittbanken zugreifen. Anleger haben ja oft das Problem schlechter Zinsen bei ihrer Hausbank. Wenn sie aber außerhalb ihrer Hausbank eine Tages- oder Festgeldanlage in Anspruch nehmen wollten, mussten sie bisher ein Konto dort eröffnen, was natürlich sehr aufwändig ist. Mit der offenen Architektur von Zinspilot spart sich der Privatanleger jetzt die zusätzliche Kontoeröffnung und muss nicht mehr Kontobelege bei unterschiedlichen Geldinstituten abrufen, Steuerbescheinigungen bei verschiedenen Instituten hinterherlaufen, Freistellungsaufträge verteilen und so weiter.

Ist denn vor euch noch keiner auf diese Idee gekommen?

Tim Sievers: Naja, ehrlich gesagt ist das ja keine Raketenwissenschaft. Es gibt eine solche offene Architektur auch schon in anderen Produktbereichen, zum Beispiel für Immobilienkredite oder Investmentfonds. Zinspilot ist sozusagen die logische Forführung für Tages- und Festgeld. Letztlich ist aber die Umsetzung nicht trivial, darin auch unsere Innovation. Diese war uns nur möglich, weil wir bereits eine Kontoverwaltungsplattform betreiben.

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Ihr wollt mit eurer Lösung nicht nur Privatanleger ansprechen, sondern auch die Banken.

Tim Sievers: Genau, sowohl Hausbanken als auch Anlagebanken. Die Hausbank möchte den Kunden natürlich gerne behalten und ihm sozusagen im Zinsbereich auch etwas Gutes tun – kann es sich aber häufig gar nicht leisten, so gute Zinsen zu bieten, dass sie mit Wettbewerbsangeboten mithalten kann. Mit unserer Lösung hat sie jetzt die Möglichkeit, ihren eigenen Kunden Drittangebote, also die Zinsangebote anderer Banken, zugänglich zu machen. Sie müssen die Einlagen dann eben nicht auf die eigenen Bilanz nehmen und die Kunden sind nicht frustriert oder laufen am Ende gar davon. Für viele Sparkassen und Volksbanken könnte das ein Riesenproblem lösen – auch, weil viele deutsche Banken gerade sogar zu viele Einlagen haben.

Und die Anlagebanken?

Tim Sievers: Für die bietet das Ganze auch Vorteile. Denn die Anlagebanken haben das Problem, dass sie im Moment sehr hohe Marketingausgaben tätigen und komplexe Retailprozesse aufbauen müssen, wenn sie an Privatkundeneinlagen wollen. Über unsere Plattform geht das stark vereinfacht und ohne Marketingausgaben für die Anlagebanken.

Es gibt aber auch Banken, die ihre Kunden mit allem bedienen wollen.

Andreas Wiethölter: Das ist richtig. Es gibt auch die Art von Anlagebanken, die den Kunden langfristig gewinnen wollen – weg von der Hausbank. Das ist eher nicht die Gruppe der Banken, die wir ansprechen.

Das sind dann also eure Wettbewerber?

Andreas Wiethölter: Es gibt ja viele Anbieter von Tages- und Festgeld, die sich im gleichen Space tummeln, das ist ein riesiger Markt. Es gibt also natürlich Mittbewerber unter den Auslandsbanken und deutschen Banken, die selbst direkt Einlagengeschäft betreiben. Außerdem gibt es Marktplätze für Festgeld wie zum Beispiel WeltSparen. Aber nach unserem Kenntnisstand gibt es außer uns keine anderen Single-Account-Lösungen auf dem Markt, also die technische Lösung, um nur mit einem Konto auf die Angebote vieler Banken zugreifen zu können.

Wie ist denn der aktuelle Stand bei euch?

Tim Sievers: Wir haben die Plattform seit Juni in der geschlossenen Beta in Betrieb, mit den ersten Anlegern und den ersten Banken auf beiden Seiten. Wir wollen das Angebot jetzt erweitern und die Plattform dann für alle Sparer öffnen. Anleger müssen dann aber nicht darauf warten, dass ihre Hausbank teilnimmt. Jeder kann bald direkt mit der Eröffnung eines Zinspilot-Kontos bei einer unserer bereits aktiven Partnerbanken starten.

Und wie wird über eure Plattform Sicherheit für den Anleger garantiert?

Tim Sievers: Gelder, die über Zinspilot angelegt werden, profitieren von dem gleichen Einlagenschutz, wie jede andere Tages- und Festgeldanlage auch. Die Kundengelder sind immer durch die Einlagensicherung derjenigen Bank geschützt, wo sie angelegt sind.

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Noch seid ihr in der Startphase. Wie wollt ihr mit Zinspilot künftig Geld verdienen?

Tim Sievers: Unsere offene Architektur ist komplett kostenlos für die Anleger – und für die Hausbanken ebenfalls. Unser Geschäftsmodell besteht darin, dass die Anlagebanken uns dafür ein Honorar zahlen, dass ihnen die Marketing- und Verwaltungsaufwendungen erspart bleiben – die sie sonst im Direktgeschäft hätten, wenn sie eben selbst eine Retail-Infrastruktur aufbauen und betreiben müssten, um diese Art von Einlagen einzuwerben. Das ist auch ein wichtiger Punkt für unsere Sparer: Wir finanzieren uns eben nicht aus dem Zins, sondern die Banken vergüten uns aus ihren Kosteneinsparungen.

Wie seid ihr denn bisher finanziert?

Tim Sievers: Unser B2B-Geschäft, das ich anfangs alleine gegründet hatte, ist natürlich nicht so sehr der klassische Venture-Case. Anfangs habe ich das auch alleine finanziert. Inzwischen sind aber auch Investoren bei Deposit Solutions eingestiegen: der VC E.ventures und eine Gruppe Business Angels, unter anderem Stefan Wiskemann, Christoph Linkwitz und Stefan Glänzer. Für unsere Venture-Kapitalgeber ist natürlich vor allem der Geschäftsbereich Zinspilot spannend, aber beteiligt sind sie an allem, auch an der B2B-Plattform.

Ihr sitzt hauptsächlich in Hamburg, aber auch in Madrid. Gibt es Pläne, auch den Markt außerhalb Deutschlands zu bedienen?

Tim Sievers: Unser Konzept involviert ja nicht nur deutsche, sondern auch ausländische Anlagebanken, damit der Sparer da eine große Angebotsvielfalt hat. Insofern sprechen wir auch mit Anlagebanken außerhalb Deutschlands und da ist es eben sinnvoll, ein Büro in Madrid zu haben. Aktuell sind wir mit mehreren europäischen Anlagebanken im Gespräch. Darüber hinaus gibt es von unserer Seite auch Pläne, in weitere Sparer-Märkte zu expandieren. Nach unseren Recherchen gibt es dieses Bedürfnis nach einer Single- Account-Lösung auch in weiteren europäischen Märkten. Erst einmal steht unser Marktstart in Deutschland aber im Fokus.

Wo seht ihr euch langfristig mit Zinspilot?

Andreas Wiethölter: Wir wollen Zinspilot natürlich zunächst erfolgreich machen und möglichst viele Anleger über Zinspilot.de direkt gewinnen. Aber unsere Vision dahinter ist, dass wir viele klassische Hausbanken in Deutschland überzeugen können, unseren Anlegerservice zu übernehmen und ihren Kunden anzubieten. Wir haben mit unserer Plattform die große Chance, einen neuen Marktstandard für Tages- und Festgeldanlagen zu etablieren.

Tim und Andreas, danke für das Gespräch.

Bild: Zinspilot