Florian Färber ZipJet Rocket Internet

Über den Dächern Berlins: ZipJet-Mitgründer Florian Färber

„Wir halten uns hier an die Vorschriften“

ZipJet passt perfekt ins Raster der jüngsten Rocket-Strategie, mehr Startups rund um haushaltsnahe Dienstleistungen auszubrüten: Das Startup bietet einen Wasch- und Reinigungsservice bis zur Haustür an. Anfang November startete der Dienst in London, nun kommt er nach Berlin.

Ein 6-Kilogramm-Sack an Dreckwäsche, der innerhalb von 24 Stunden sauber zurückkkommt, kostet in London knapp 17 Euro, gegen einen Aufpreis werden Kleidungsstücke auch chemisch gereinigt und gebügelt. In Berlin wird drei Euro pro Kilogramm berechnet, ein Anzug kostet neun, ein Hemd 1,50 Euro.

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Zu Beginn wird der Dienst in den zentrumsnahen Vierteln Mitte, Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Tiergarten, Schöneberg, Friedrichshain, Charlottenburg und Tempelhof angeboten.

Im Kurz-Interview erklärt Mitgründer Florian Färber, zuvor Head of Business Development beim Reifenhändler Tirendo, wie ZipJet funktioniert, welche Erfahrungen es aus London gibt und was das Startup vorhat.

Nach einem „gelungenen Start“ in London kommt ZipJet nach Berlin. Was heißt „gelungen“?

Genaue Zahlen verraten wir natürlich nicht. Aber ich kann sagen: Wir haben seit dem Start im November jede Woche 30 bis 40 Prozent Wachstum
erreicht. Damit sind wir sehr zufrieden.

Wie zufrieden sind die Kunden?

Wir haben unser Ohr nah am Markt. Und der Markt nimmt uns mehr als gut an, die Qualität stimmt.

Ungefähr zur gleichen Zeit wie Ihr sind in London zwei Wettbewerber gestartet: Lavanda und Laundrapp. Wie setzt Ihr Euch von denen ab?

Zum einen sind unsere Fahrer extrem gut und extrem schnell. Und wir arbeiten nur mit ordentlichen Reinigungen zusammen, nie mit Low-Cost-Betrieben.

Wie identifiziert man ordentliche Reinigungen?

Wir testen alle Anbieter selbst, machen Testwäschen und Testreinigungen. Erst wenn wir zufrieden sind, treten wir mit ihnen in Verhandlungen.

Mit Laundrapp ist einer Eurer Konkurrenten schon mit 1,5 Millionen Pfund finanziert. Habt Ihr mehr Geld?

Das sind vertrauliche Informationen. Aber durch Rocket haben wir natürlich ausgezeichneten Zugang zu Investoren. Wir führen aktuell mehrere Gespräche im Rahmen der ersten Finanzierungsrunde. Das Interesse der Geldgeber ist sehr groß.

Lass uns über den ZipJet-Prozess reden. Wenn ich meine Dreckwäsche loswerden will, dann muss ich erst einmal auf den Abholservice warten, oder? Wie pünktlich ist der?

Pünktlichkeit und Sorgfalt stehen bei uns an oberster Stelle. Bei ZipJet gibt es ein 30-Minuten-Fenster, in dem wir die Wäsche abholen. Das ist unter logistischen Gesichtspunkten schon ziemlich sportlich. Aber wir halten das bislang immer perfekt ein.

Wenn die saubere Wäsche zurückkommt, gibt’s wieder ein Fenster?

Ja. Aber lass mich betonen: 30 Minuten sind sehr gut. Bei manchem Wettbewerber musst Du bis zu zwei Stunden warten.

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Ihr seid inzwischen 40 Mitarbeiter. Wie viele davon sind in London, wie viele in Berlin?

In Berlin sind wir 25 Leute, hier werden die ganzen Shared Services und Zentralfunktionen aufgebaut. London ist einfach ein operativer Standort, mit 15 Mitarbeitern. Dazu gehören übrigens auch die Fahrer.

Die Fahrer sind fest angestellt? Das ist ja beinahe eine Besonderheit.

Wir halten uns hier an die rechtlichen Vorschriften. Die Fahrer stehen in einem Angestelltenverhältnis bei uns.

Gestartet ist ZipJet mit vier Gründern: Marco Sperling, Damian Kastil, Lorenzo Franzi und Dir. Jetzt seid Ihr nur noch zu zweit. Warum?

Damian und Marco haben uns am Anfang beim Aufbau des Unternehmens unterstützt. Nun sind wir hinsichtlich Operations und Shared Services so gut aufgestellt, dass Lorenzo Franzi mit seinem Team in London und wir hier in Berlin ZipJet in weitere Städte ausrollen können.

In welche Städte oder Länder geht es als nächstes?

Natürlich beobachten wir diverse Märkte. Aber erst einmal wollen wir bestehende Märkte vertiefen, die Logistik effizienter machen. Im Februar steht eine Desktop-Version unserer App an. Aber klar, wir werden das Konzept ausrollen. In Deutschland sind Frankfurt, München oder Hamburg noch interessant. Auch in Großbritannien gibt es weitere Städte. Aber es wäre zu früh, jetzt den kompletten Rollout-Plan darzulegen.

Bild: ZipJet