Zoobe lenard krawinkel Animation

Lenard Krawinkel, Gründer und CEO der Animations-App Zoobe

Ringelsocken, hochgerollte Hose, bunte Sneakers: Zoobe-Gründer Lenard Krawinkel hat sich bereit gemacht für seine Präsentation. Während er hüpft und ausladend gestikuliert, bewirbt er seine 100-Prozent-Smile-App, wie Krawinkel Zoobe nennt. Denn – davon ist der Gründer überzeugt – die mit der App verschickten Botschaften bringen jeden zum Lachen.

Krawinkels Avatar

Tatsächlich ergibt ein kurzer Test in der Redaktion, dass selbst hartgesottene Redakteure grinsen müssen, wenn die animierte Version der Wickie (aus „Wickie und die starken Männer“) ihnen eine Nachricht überbringt. Nutzer können aus etwa 90 animierten Figuren in der App wählen. Einige wenige sind gratis, andere können gekauft werden. Dann spricht man eine Nachricht in das Mikrofon des Handys, wählt einen Hintergrund und kann das Video per Link oder als Datei versenden. Eine Technologie hat Zoobe dabei patentiert: Die animierten Figürchen bewegen die Lippen passend zur eingesprochenen Nachricht.

Doch wie kommt ein Gründer eigentlich auf die Idee, dass Menschen für ihre Kommunikation neben Whatsapp, Snapchat und Co. nun unbedingt farbenfrohe Avatare benötigen?

Je nach Inhalt der Nachricht würden Botschaften unterschiedlich überbracht, findet Krawinkel. Bei einem Besuch im Berliner Zoobe-Büro erklärt er: „Der Alltag ist dominiert von Automatisierung. Wo bleibt da der Mensch, das Gefühl?“ Beseelung ist ein wichtiges Stichwort für ihn. Mit Zoobe will er Emotionen in die Kommunikation bringen. Seine Vision: Irgendwann hat jeder einen eigenen Avatar, mit dem er kommunizieren kann. Krawinkel besitzt bereits einen eigenen. Albern?

Kleine, sprechende Schweine, Hasen und Pandabären mögen nicht jedermanns Sache sein. Zuletzt animierte Zoobe einen Bären namens Emil für die B.Z., der die wichtigsten Nachrichten aus Berlin in Videoclips vermitteln soll. Meedia schrieb, der „Problem-Bär“ mit der Fiepsestimme habe das Zeug zum Running-Gag, gehe es darum, sich über die B.Z. lustig zu machen.

Dennoch finden viele Nutzer Gefallen an Zoobe. Vor allem Frauen zwischen Ende 20 und 70 Jahren. „Der Frauenanteil bei unseren Nutzern liegt bei 65 bis 70 Prozent“, so Krawinkel. Er glaubt: „Grundsätzlich legen die Frauen vor und die Männer ziehen nach.“ Geplant ist, bald Charaktere in die App aufzunehmen, von welchen sich die männliche Zielgruppe besser vertreten fühlen soll.

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Insgesamt wurde Zoobe weltweit über drei Millionen Mal heruntergeladen, knapp die Hälfte der Downloads entfallen auf Deutschland, Russland und die USA. Brasilien und Aserbaidschan folgen auf Platz vier und fünf. Die Messaging-App Viber, die monatlich von knapp 240 Millionen aktiven Nutzern verwendet wird, hat Zoobe integriert. In Viber und Zoobe wurden seit Januar 2014 über 100 Millionen Videos erstellt. Geteilt werden können die Clips auch auf YouTube. Vor allem in Russland sind die populär: Laut Zoobe haben die Top-20-Zoobe-Videos dort über neun Millionen Views.

In Mexiko kooperiert Zoobe mit der Volkssängerin Verónica Castro. Castro schickte regelmäßig Zoobe-Videos über Twitter an ihre Fans – dann schlug Krawinkel ihr vor, einen eigenen Avatar nur für sie zu entwerfen. Dabei herausgekommen ist ein kitschiger Schmetterling in allen Farben des Regenbogens. Damit sendet Castro nun fast täglich eine Botschaft an ihre 275.000 Follower.

Trotz wachsender Bekanntheit der App schreibt das Unternehmen laut Jahresabschluss im Bundesanzeiger keine schwarzen Zahlen. 2013 lag demnach der Jahresfehlbetrag bei 1,5 Millionen Euro. Seitdem steigerten sich Reichweite und Downloads deutlich, doch über aktuellere Geschäftszahlen spricht Krawinkel nicht. Nur so viel: Ziel sei es, auf eine Milliarde Videos im Jahr 2016 zu kommen. Momentan sei man noch in der Phase, in welcher Markt und Nutzer an das Charakter-Messaging gewöhnt würden.

Geld soll dann neben In-App-Käufen auch über Partnerschaften mit Filmproduktions- und Gamingfirmen hereinkommen. Die könnten Zoobe als Werbeportal nutzen. Beispielsweise ist seit dem Kinostart von Paddington der animierte Bär in der App verfügbar, sodass Fans sich damit Nachrichten schicken können. Kooperationen bestehen ebenfalls mit Keinohrhasen, Zweiohrküken und dem Handyspiel Cut the Rope. Denkbar ist, die Technologie als Whitelabel anzubieten.

Hauptinvestor mit 22 Prozent der Anteile ist das Berliner Medienunternehmen DCM, Krawinkel selbst hält noch 28 Prozent an seiner bereits 2008 gegründeten Firma. Am Anfang finanzierte er Zoobe selbst, im Jahr 2011 gab es dann eine Seed-Runde und ein erstes Team wurde aufgestellt. Heute arbeiten 30 Mitarbeiter bei der App.

Zoobe statt Dreamworks

Krawinkel hat schon einmal ein Unternehmen mitgegründet: Ambient Entertainment, eine Filmproduktionsfirma. Das war im Jahr 2000, vier Jahre später erschien mit Back to Gaya der erste Animationsfilm aus Deutschland. Über die Jahre wuchs die Firma und um die 100 Mitarbeiter wurden angestellt. „Damals haben wir ganz von vorn angefangen. Keiner hatte eine Ahnung, wie man beispielsweise Haare animiert. Wir beschäftigten also einen Medizinstudenten, der einen Haar-Tick hatte und drei Jahre lang daran saß – bis die Haare endlich gut aussahen.“

Ein Zoobe-Charakter

2007 wurde Krawinkel dann abgeworben, von Dreamworks. Er sollte in Indien ein Studio aufbauen, doch die Sache platzte kurzfristig. Krawinkel und seine Frau saßen auf gepackten Koffern – und gingen kurzerhand nach Berlin. Dort ging es Garagen-mäßig los, beschreibt Krawinkel. Viele Smartphones habe es noch nicht gegeben, Flatrates sowieso nicht. Doch die Idee stand: „Alle Assets sind da, wenn man einen animierten Film fertigstellt. Aber danach kann man die Charaktere kaum noch verwenden“, sagt Krawinkel. „Dabei gehen die Menschen ins Kino, weil sie die Figuren lieben. Wenn sie mit den Charakteren nun Botschaften überbringen können, wäre das doch toll.“

Bis heute verfolgt Krawinkel seine Vision – woher kommt die Ausdauer, so hartnäckig dran zu bleiben? „Mich treibt es an, wenn ich sehe, dass sich meine Energie sich auf mein Team überträgt. Zoobe ist nicht nur ein Gimmick. Es soll Leuten einen Mehrwert bieten – eine neue Kommunikationsform, um sich auszudrücken.“

Bilder: Zoobe