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Warum DealStreet insolvent ging

Kurz zur Erinnerung: DealStreet bot Live-Shopping mit einem Entertainment-Auktionsverfahren an: Bei einer Produkt-Auktion stieg durch jedes abgegebene Gebot der Gesamtpreis des Produktes um einen kleineren Betrag, als für das Gebot bezahlt wurde. Gleichzeitig verlängerte sich automatisch die Dauer der Auktion und der letztbietende Teilnehmer erhielt den Zuschlag.

Im April hatte Gründerszene schon angedeutet, dass DealStreet wohl gemeinsam mit zwei weiteren Samwer-Unternehmen die Pforten schließen muss, kaum zwei Wochen später ging das Berliner Unternehmen DealStreet offline. Ursache für den Offline-Gang waren geschäftsmodellinhärente Probleme und womöglich auch ein zu geringer Fokus durch die Gründungsmaschinerie von Investor Rocket Internet. Will man das DealStreet-Modell halbwegs ehrlich führen – was etwa faire Direktkaufpreise und keine Manipulation der Auktionen erfordert, damit die Verbraucherzentralen mitspielen –, wird es schwer gegen die zahlreichen kleinen Anbieter zu konkurrieren, die von ausländischen Gesetzesparadiesen aus die deutschen Gesetze teilweise großzügig biegen. DealStreet hatte es also mit einem geschäftsmodellinhärenten Problem zu tun, bei dem gegen “schmutzige Konkurrenz” auf einem begrenzten Markt gearbeitet wurde, dessen Nutzer keine hohe Kundentreue aufweisen.

Zum Status der DealStreet-Insolvenz

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Wie im Falle einer Insolvenz üblich, wurde auch für DealStreet ein Insolvenzverwalter bestellt, in diesem Fall ein Anwalt aus Berlin-Charlottenburg. Dieser muss nun alle offenen Forderungen, die an DealStreet gestellt werden, zusammentragen und wird versuchen, möglichst viele dieser Forderungen anzugehen. Erfahrungsgemäß erhalten die Gläubiger in einem Insolvenzverfahren nur einen Bruchteil ihrer ausstehenden Forderungen. Im Falle von DealStreet ist dies besonders herausfordernd, da es gilt, Tausende in der Republik verstreute Internet-Nutzer zusammenzutragen. Das DealStreet-Team hatte zwar rechtzeitig einen Insolvenz-Antrag gestellt, jedoch die tagesaktuellen Auktionen nicht eingestellt – ein Fehler für den nun einige Kunden das Nachsehen haben, weil sie auf ihr Geld warten müssen.

Genau genommen haben rund 50.000 Nutzer offene Forderungen gegenüber DealStreet, was sich auf 154.530 Gebote beläuft und einer Summe von etwa 77.000 Euro entspricht. Daneben sind Waren im Wert von etwa 33.000 Euro nicht ausgeliefert worden, weil DealStreet kein Lager und die Waren somit nicht vor Ort hatte, sondern die entsprechenden Produkte einfach bei Amazon und anderen Anbietern einkaufte wenn ein Bedarf vorlag. Der Insolvenzverwalter hat festgelegt, dass bei ersteigerten Waren der Schaden nicht nur in den eingesetzten Geboten besteht, sondern auch im Wert der ersteigerten Sache selbst (welche im Zweifelsfall höher ist).

Das Procedere der DealStreet-Insolvenz

Eine ganze Menge an E-Mails, die der Berliner Insolvenzverwalter nun schreiben darf, da lohnt es sich schon beinahe, ein Angebot von professionellen Newsletter-Versendern einzuholen. Gründerszene verschickt seinen Newsletter mit MailChimp, vielleicht als kleine Anregung.

Alle Gläubiger sind nun aufgefordert, ihre Forderungsanmeldungen schriftlich (also per Mail, Fax oder Brief) dem Insolvenzverwalter mitzuteilen, der diese dann in eine Forderungstabelle aufnimmt. Hierfür gibt es ein Formular, dass an alle Betroffenen versendet wurde bzw. wird. Dabei ist darauf zu achten, dass die Forderungen entsprechend mit Belegen nachgewiesen und persönlich unterschrieben werden. Auch der Nutzername sollte neben allen weiteren persönlichen Angaben in den entsprechenden Unterlagen vermerkt sein. Nur wenn eine Forderung abgelehnt wird, erhält der Betroffene eine Benachrichtigung, ansonsten wird die Forderung berücksichtigt und eingetragen.

Was bleibt, nachdem DealStreet insolvent ist?

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Es bleibt den potentiellen Gläubigern bis zum 17. August 2010 Zeit, ihre Forderungen geltend zu machen. Geprüft werden diese Forderungen gerichtlich jedoch erst im Oktober diesen Jahres, nachdem zuvor am 06. Juli 2010 über eine Einstellung mangels Masse vor Gericht beraten wird. Es ist denkbar, dass ein Großteil der potentiellen Gläubiger keine Forderungen geltend machen werden, weil ihnen der Aufwand für zum Teil womöglich kleine Forderungen recht groß erscheinen dürfte. Überhaupt ist es fraglich, ob alle Gläubiger ihre vollen Forderungen zurückerhalten werden – dies lehrt die tägliche Praxis. Der DealStreet-Insolvenzverwalter gab jedoch gegenüber Gründerszene zu verstehen, dass er mit einer hohen Insolvenzquote rechnet. Als Insolvenzquote wird der prozentuale Anteil bezeichnet, den die Insolvenz-Gläubiger nach Abschluss des Insolvenzverfahrens an der Insolvenzmasse erhalten.

Der Insolvenzverwalter habe DealStreet übernommen, als noch 150.000 Euro auf dem Konto des Penny-Auctions-Anbieters lagen. Er hält es für realistisch, dass die betroffenen Kunden durchaus einen großen Teil ihrer Forderungen zurückerhalten. Dies hänge unter anderem von Gesprächen mit Paypal und Amazon ab, die von der Online-Abwicklung der Produktkäufe betroffen waren. Ferner ist der Insolvenzverwalter mit DealStreet-Konkurrenten über den Verkauf des Programmcodes und der Marke in Verhandlungen. Zum Markenwert bedarf es wohl keiner Kommentare. Technologie, Domain oder Erfahrungsschatz könnten allerdings verkaufbare Insolvenzgüter sein.

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