HackFwd, Hack Fwd, HackForward, HackForward, Lars Hinrichs

Es war die Top-Nachricht dieses Dienstag-Morgens: Lars Hinrichs, seines Zeichens Gründer von Xing und Social-Media-Querdenker, hat eine neue Beschäftigung: „The mission of my new company is simple: Free Europe’s best developers from their day jobs to help them build their own game-changing companies.“ Schön, wenn man noch bescheidene Ziele hat. Dieser Aufgabe will er mit  HackFwd nachgehen, einem Pre-Seed-Investor, der erfolgreichen Techies dabei hilft, aus ihrem aktuellen Job auszubrechen und eine eigene Gründung anzustreben.

Eine stylische Präsenz mit modernem Konzept und europäischer Ausrichtung – allen, die noch nicht mit dem Konzept von HackFwd vertraut sind oder den Gründerszene-Artikel zu HackFwd noch nicht gelesen haben, bietet dieses Video auch einen Einblick in die Entstehung des Hamburger Inkubators.

Zu den Entstehungsprozessen bei HackFwd selbst

Die Arbeitsprozesse von HackFwd sind stark durch die Design-Thinking-Methode der US-amerikanischen Innovationsschmiede IDEO geprägt, wobei mit einer Bedarfsanalyse zu den Bedürfnissen von „Geeks“ begonnen wurde, schließlich lautet das Motto von HackFwd „Put geeks‘ interests first“. Design-Thinking zeichnet sich durch einen starken Fokus auf Nutzerbedürfnisse aus (in diesem Fall Techies) und hat einen starken Hang zu früher Prototypisierung (beispielsweise via Throwaway-Prototyping oder Rapid-Prototyping).

Auf Basis umfangreichen Researchs und unter Verwendung haptischer Recherchemittel (Post-Its, Whiteboards usw.) werden beim Design-Thinking Cluster gebildet, die dann in prototypische Nutzerbeispiele (so genannte Personas) münden, um auf Basis dessen gezielt Innovationen und Konzepte zu entwickeln, die anschließend intensiv iteriert werden. Ein Vorgehen, dass offensichtlich auch bei HackFwd angewandt wurde, mit Techies als Persona – eine aus Investorensicht sehr interessante Berufsklientel, da sich hier echtes Innovationspotenzial und gleichzeitig auch hohe Kosten verstecken.

HackFwd setzt Design-Thinking für seine HackBoxes ein

Soviel zum Setup von HackFwd selbst. Zum Launch des innovativen Inkubator-Konzepts sollten natürlich auch ein paar StartUps parat stehen. Lars Hinrichs spricht hier von „HackBoxes“(man denke an die Analogie der Sandbox im IT-Bereich) und suchte in seinem Netzwerk fleißig danach. Zum Start sind die vier HackBoxen von HackFwd:

  • ZhongWen: ZhongWen ist ein Sprachlern-Tool, das kurzfrististige und langfristige Theorien miteinander verbindet, um lernen nachhaltiger und amüsanter zu gestalten.
  • The Deadline: The DeadLine ist ein intelligenter To-Do-Manager, der dabei hilft, Aufgaben mit den Vorteilen eines Personal-Assistants zu priorisieren und zu vervollständigen.
  • ProductLovers: ProductLovers will die Art, wie Konsumenten über Produkte und Trends im Internet sprechen, fundamental verändern, basierend darauf was sie verdienen.
  • MediaCloud: MediaCloud ist ein Web-Service der Media-Dateien sicher ablegt und das automatische Synchronisieren mit den eigenen Geräten und Freunden erlaubt.

Einmal eingesetzt, blieb man gleich bei der nutzerzentrierten Design-Thinking-Methode und feilte insgesamt ein Jahr (!) an den Launch-StartUps. Während gemeinsamen Wochenenden auf Mallorca half das IDEO-Team mit Rat und Tat. Experten gaben Tipps zu Branding-Strategien, halfen bei der Konzept-Entwicklung und iterierten die bestehenden Ideen. Was für Kosten für ein Jahr lang IDEO-Begleitung anlaufen, kann man sich sicherlich auch als Außenstehender vorstellen – „keine Kompromisse, keine Abstriche“ heißt es intern, wenn von HackFwd gesprochen wird. Die Erkenntnisse aus dieser Zeit sind sehr umfangreich und sehr interessant auf passionmeetsmomentum.com aufbereitet worden.

Was StartUps von HackFwd erwarten dürfen

StartUps im Umkreis von HackFwd erhalten Support für ein Jahr und können sich nicht selbst dort bewerben, sondern benötigen einen Fürsprecher im Board von HackFwd, der zuvor überzeugt werden muss und dann eine Empfehlung ausspricht. Gesucht wird nach Geeks, nicht Nerds. Der Unterschied? Carlo Blatz, der mit MediaCloud eine der vier HackBoxes führt, formuliert es humoristisch: „Ein Geek ist ein Nerd mit einer Freundin“. Damit ist gemeint, dass ein Geek technisch bewandert ist, aber auch ein Sozialleben hat und sich für Thematiken links und rechts seines fachspezifischen Tramelpfads interessiert. Quasi ein cooler Nerd mit Sozial-Kompetenzen.

Ist ein Geek mit einer Idee erstmal gefunden, gibt es ein Jahr Unterstützung. Dies umfasst ein Jahr lang ein Gehalt (bei Geeks wohl schätzungsweise zwischen 45.000 und 50.000 Euro pro Jahr), für bis zu drei Personen sowie einen Block an Geld für das Company-Setup und adminstrative Dienste wie  HR, Rechnungswesen, Legal usw. So dürften etwa zwischen 100.000 und 400.000 Euro pro Company zustande kommen. Geht man von einer durchschnittlichen Investment-Summe von 200.000 Euro aus, entspricht dies einer Pre-Money-Bewertung von ungefähr 450.000 Euro – kein schlechtes Setup, wenngleich 30 Prozent  abgegebene Anteile auf den ersten Blick viel scheinen. Zum Vergleich: Y-Combinator in den USA verlangt 6 Prozent (was aber auch zwischen 2 und 10 Prozent variieren kann), während TechStars 6 bis 10 Prozent und Seedcamp 8 bis 10 Prozent einfordern. Allerdings unterstützen diese die StartUps über eine kürzere Zeit und geben weniger Geld in die jungen Unternehmen hinein. Weitere ähnliche Konzepte aus Europa hat TechCrunch mit Openfund aus Griechenland, The Difference Engine aus Großbritannien, StartupBootcamp in Dänmark und dem  TNW Inkubator in Amsterdam ausgemacht.

Hat es eine Idee bis zu Lars Hinrichs und seinem Board geschafft, wird binnen 72 Stunden die grundsätzliche Entscheidung getroffen. Ist final die Entscheidung für ein Unternehmen gefallen, geht es schnell, schließlich ist alles standardisiert: Eine fertige Company mit fertigen Standard-Verträgen wird zum Notar gebracht und kann zeitnah an den Start gehen. Experten aus den Bereichen Marketing, Strategie, Finanzen u.a. unterstützen das Team und ist das Unterstützerjahr vorbei, heißt es selbst zu schwimmen. So werden pro Jahr rund zehn StartUps durch HackFwd angepeilt und wenn ein Unternehmen erfolgreich läuft, dürfte es auch an weiterem Support nicht fehlen. Der Worst-Case besteht darin, dass ein Produkt, das unternehmerisch nicht gut funktionierte, als Open-Source-Lösung weiter betrieben wird. Vielleicht funktioniert Lars Hinrichs‘ Ziel „I want to see European innovations go global“ ja auf diese Art – egal ob unternehmerisch erfolgreich oder als Open-Source-Lösung.

Artikel zum Thema Lars Hinrichs: