Wie Pharmaindustrie und Berliner Startups zusammenarbeiten - Berlin Partner

Biotech aus aller Welt – BIO International Convention 2016

In einer globalisierten und digitalisierten Welt kann das Gesundheitswesen nur mit einem vernetzten Ansatz effizienter gestaltet werden. Deshalb wird vom 6. bis 9. Juni 2016 in San Francisco die BIO International Convention stattfinden: Die weltweit größte Biotech-Konferenz, auf der die Branche die wichtigsten Trends diskutiert und sich untereinander vernetzt. Vertreten sein wird auch die Stadt Berlin, die sich als europaweit führender Life Science-Standort präsentiert. Warum ist die Hauptstadtregion in diesem Bereich so erfolgreich?

Gemeinsames Ziel Gesundheit: So arbeiten Berliner Industrie und Startups zusammen

Zurückzuführen ist der Berliner Erfolg auf die erfolgversprechende Mischung aus etablierter Pharmaindustrie und innovativer Gründerszene. Welche verschiedenen Formen der Kooperationen gibt es hier zwischen Startups und Konzernen?

1. Bayer CoLaborator: Infrastruktur und fachlicher Support für Gründer

Seit der Eröffnung seines CoLaborators im Mai 2014 in Berlin bietet Bayer Startups aus dem Bereich Life Sciences einen Ort, an dem sie an ihren Produkten arbeiten und in den Austausch mit anderen Akteuren treten können. „Forschung und Innovationen brauchen ein entsprechendes Umfeld – dies bietet der CoLaborator mit einer geeigneten Labor- und Büroinfrastruktur in unmittelbarer Nähe zu den Forschungsreinrichtungen von Bayer“, erklärt Dr. Hans Lindner, Leiter von Global External Innovation & Alliances bei der Bayer Pharma AG. In Berlin ist nicht nur die Pharmazentrale des Unternehmens, sondern auch der größte Forschungs- und Entwicklungsstandort für die pharmazeutische Produktion angesiedelt.

Doch was macht die Stadt als Standort so attraktiv? Neben einer sehr guten Forschungs- und Kliniklandschaft bietet Berlin mit seiner engagierten Gründerszene zahlreiche potenzielle Partner und qualifizierte Mitarbeiter. „Wir möchten Berlin als Gesundheits- und Innovationsstandort weiter nach vorne bringen und den lebhaften Gründergeist dieser Stadt weiter stärken“, fasst Lindner zusammen. Deswegen bleiben Startups, die im CoLaborator forschen, unabhängig und genießen neben den umfangreichen Labor- und Büroräumlichkeiten auch Zugang zum weltweiten Bayer-Forschungsnetzwerk und damit jeder Menge Branchenexpertise.

Bayer Open Innovation: Direkter Austausch mit Wirtschaft und Wissenschaft

Bayer setzt zudem durch das Knowhow von Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft auf eine Ergänzung seiner internen Kompetenzen: „Wir fördern Innovation nicht nur intern, sondern auch außerhalb unserer Unternehmensmauern“, erklärt Dr. Hans Lindner. In diesem Zuge baut Bayer seine sogenannten Open Innovation-Aktivitäten stetig aus und hat in diesem Jahr Grants4Indications ins Leben gerufen. Ziel dieser Crowdsourcing-Initiative ist es, neue Anwendungsfelder für Bayer-Medikamente zu finden und diese möglicherweise in Zukunft in therapeutische Behandlungen für neue Patientengruppen einzusetzen.

Um Startups und Wissenschaftler über solche Aktivitäten zu informieren, hat Bayer kürzlich ein Open Innovation Portal gelauncht, das Initiativen dieser Art übersichtlich bündelt und zum Austausch einlädt.

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Startups im CoLaborator: So lernt Calico von den Großen – und umgekehrt

Seit 2014 ist das US-amerikanische Startup Calico nicht mehr nur in San Francisco, sondern auch im Berliner CoLaborator anzutreffen. Hier entwickelt es monoklonale Kaninchenantikörper für die Biomarkerforschung und Diagnostik, und unterstützt damit den Bereich der personalisierten Medizin.

„Die prosperierende Biotech-Szene in Berlin bietet uns gute Möglichkeiten, neben dem deutschen auch den europäischen Markt zu erschließen“, erklärt Dr. Michael Drosch, Director of Operations bei Calico. „Bayer bietet uns im CoLaborator eine optimale Infrastruktur – sowohl was Laborräume als auch die Möglichkeit zur Kooperation angeht.“

Die enge räumliche Zusammenarbeit führt zu vielen neuen Learnings, gerade im Hinblick auf die Anforderungen und Sichtweisen der Pharmaindustrie als potenziellen Kunden. Damit ist das Startup bestens auf die Anforderungen des Wettbewerbs vorbereitet. „Obwohl wir eine eigenständige Firma sind, haben wir die Möglichkeit, viel von einem ‚großen Bruder’ zu lernen“, fasst Drosch zusammen.

2. Startup-Sprechstunde: Das Healthcare Lab von Pfizer

Austausch und gegenseitiges Learning stehen auch beim 2015 vom Pharmaunternehmen Pfizer gegründeten Berlin Healthcare Lab im Vordergrund. Hier werden durch Kooperation zwischen Startups und Industrie sinnvolle Ergänzungen zu bereits bestehenden Produkten entwickelt. „Wir arbeiten mit unseren Partnern an Lösungen für Patienten, Angehörige und Ärzte als Ergänzung zu unseren Therapien. Dazu laden wir gezielt Startups ein, vernetzen uns mit Acceleratoren und VCs oder arbeiten mit IT-Unternehmen wie IBM oder SAP zusammen“, erklärt Jutta Klauer, Senior Manager New Media bei Pfizer Deutschland und Co-Founderin des Berlin Healthcare Labs. „Berlin ist in Deutschland Impuls- und Taktgeber. Für Pfizer ist die Stadt der attraktivste Platz in Deutschland, wenn es um die Zusammenarbeit mit Startups geht.“

Die Kooperationen sieht sie als Vorteil für beide Seiten: „Wir lernen spannende Digital Health-Projekte und Arbeitsweisen kennen, und die Startups bekommen von uns exklusive Einblicke in die pharmazeutische Branche. Mit Startups, die zu uns passen, arbeiten wir gemeinsam an der Weiterentwicklung ihrer Ideen, um sie zur Marktreife zu bringen.“ Das Berlin Healthcare Lab veranstaltet regelmäßig Workshops und Pitch-Days und bietet umfassendes Mentoring. Dazu können Teilnehmer die sogenannte Startup-Sprechstunde nutzen: Hier bieten Pfizer-Mitarbeiter und externe Partner pharmaspezifisches Expertenwissen für Gründer – von Big Data über Datenschutz bis hin zur Medizinprodukt-Zertifizierung.

Diese Kooperationen manifestieren sich auch in personellen Strukturen. Die Berliner Gründerin Ekaterina Karabasheva ist beispielsweise seit eineinhalb Jahren bei Pfizer tätig. 50 Prozent ihrer Arbeitszeit widmet sie dem Berlin Healthcare Lab – die verbleibende Zeit nutzt sie für die Weiterentwicklung ihres Startups Jourvie, einer App, die bei der Therapie von Essstörungen unterstützt.

Wie sich die Hauptstadtregion im internationalen Standortwettbewerb durchsetzt

Die Kombination aus Gründergeist und etablierter Industrie sowie die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft bildet eine außergewöhnliche Infrastruktur und macht die Region Berlin-Brandenburg so zu einem Innovationsmotor für Biotechnologie und Pharma. Dieses Gesundheits-Cluster,kurz: HealthCapital, wird durch die Wirtschaftsförderung Berlin Partner und die ZukunftsAgentur Brandenburg gemeinsam koordiniert.

Berlin Partner wird den Auftritt der Hauptstadtregion auf der BIO International Convention organisieren. Am Eröffnungstag der Messe wird dort die Berlin-Brandenburg Night stattfinden, zu der 400 internationale Gäste erwartet werden. Eine ideale Plattform, um globale Geschäftskontakte aufzubauen, zu vertiefen und die Region als facettenreiche Wirtschaftsmetropole internationaler Pharma-Akteuren zu präsentieren – und weiteren zukunftsweisenden Startups den Weg nach Berlin zu ebnen.

 

Artikelbild: pexels.com/Wesley Wilson
Bild im Artikel: Bayer