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Im Sommer gibt es einen starken Nachfrageüberhang an Wohnmobilen – ein riesiges Geschäftspotenzial für Sharing-Plattformen.

Das Airbnb-Prinzip für Camper hat sich innerhalb eines Jahres von einem Nischenmarkt zu einem hart umkämpften Geschäftsfeld entwickelt. Erst kürzlich haben zwei Startups, die beide eine Sharing-Plattform für private Wohnmobilen anbieten, siebenstellige Finanzierungen erhalten: PaulCamper, 2013 von Dirk Fehse gegründet, und das 2014 an den Start gegangene ShareACamper um die beiden WHU-Absolventen und Gründer Jan Bartel und Florian Dahlmann.

Und auch der derzeitige Marktführer für gewerbliche Vermietungen Campanda hatte erst im vergangenen Jahr fünf Millionen Euro bekommen. Unternehmenskreisen zufolge stehe hier die nächste Finanzierungsrunde unmittelbar bevor. Seit Mitte 2016 bietet das Unternehmen auch privaten Vermietern eine Plattform.

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Doch damit nicht genug – der vierte Mitstreiter ist neuerdings Yescapa. Das französische Startup, das 2011 gegründet wurde und vergangenes Jahr eine halbe Millionen Euro einsammelte, ist im April mit einem ähnlichen Vermittlungsansatz in den hiesigen Markt eingestiegen. Das Portal ist in drei europäischen Ländern und sieben Sprachen verfügbar. „Wir wollen den deutschen und ausländischen Touristen die Möglichkeit bieten, einen Wohnwagen von einem lokale Besitzer anzumieten“, sagt Benoît Panel, Gründer von Yescapa zu Gründerszene. Woher aber kommt das rege Interesse für den deutschen Camper-Markt?

Deutschland ist der größte Markt für potenzielle Vermieter

Hierzulande befinden sich etwa 450.000 Wohnmobile im Privatbesitz, schätzt der Caravaning-Verband CIVD. Europaweit sollen es 2014 etwa 1,7 Millionen gewesen sein, allein in den letzten fünf Jahren sei der Markt um 25,6 Prozent gewachsen. Deutschland ist damit der größte Markt für potenzielle Vermittlungen. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet fallen in Deutschland auf 10.000 Einwohner 56 Reisemobile. „Das ist Platz 3 in Europa hinter Finnland 88 und Schweden 69 und liegt deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 38“, sagt Daniel Rätz, Referent des CIVD.

Wie viele dieser privaten Wohnwagen bereits als Sharing-Fahrzeuge genutzt werden, sei bisweilen nirgends statistisch erhoben worden, so Rätz. PaulCamper habe momentan rund 520 aktive Vermieter gelistet, im April sollen es noch 350 gewesen sein, sagte Dirk Fehse zu Gründerszene. Bei ShareACamper seien es mehrere Hundert, so Gründer Jan Bartel. Das Potenzial ist also längst nicht ausgeschöpft. Alle sind sich in einem Punkt einig: Die Nachfrage auf ihren Portalen sei größer als das Angebot. Die Argumente, um private Wohnmobilbesitzer zu überzeugen, sind auf allen Plattformen gleich: Die meiste Zeit des Jahres steht der Camper ungenutzt herum. Warum also nicht nebenher Geld dazu verdienen und den Wagen untervermieten?

Das lohnt sich natürlich auch für die Portale. Jede Vermittlung wirft eine Provision ab, die sich auf Vermieterseite samt Versicherungsschutz zwischen 10 und 25 Prozent bewegt. Bei PaulCamper kostet beispielsweise ein Wohnmobil je nach Größe und Ausstattung im Schnitt zwischen 59 und 95 Euro pro Tag. Die Preise werden mit Empfehlungen seitens der Portale von den Vermietern selbst festgelegt. Im Endpreis sind hier alle Preisfaktoren wie vereinbarte Kilometer, Versicherung oder Ausstattung enthalten. Bei ShareACamper und Yescapa können durch Zusatzoptionen weitere Kosten anfallen.

Zum Vergleich: Ein gewerblich angemieteter Camper kosten zwischen 100 und 200 Euro. Servicepauschalen sowie Extrakosten für Ausstattung schlagen meist zusätzlich zu Buche. Daniel Rätz vom CIVD merkt hierzu allerdings an, man habe allgemein bei gewerblichen Anbeitern eine größere Verlässlichkeit, dass man als Kunde auch bekommt, was man bestellt und gewünscht hat.

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Wenn im deutschen Winter die Wohnmobile still stehen, geht das Geschäft für ShareACamper in Australien und Neuseeland weiter.

Bei den privaten Vermittlern zählt hingegen die Vertrauensbasis, die sich etwa bei PaulCamper auch über die Bewertungen der Vermieter ausdrückt. Der Preisvorteil sowie der persönliche Austausch machen das Angebot, ähnlich wie bei Airbnb-Wohnungen, dennoch für den Mieter attraktiv. Und auch hier verdienen einige der Vermittlungsplattformen: Bei ShareACamper etwa fallen 10 und 15 Prozent Buchungsgebühr an. PaulCamper hingegen belastet nur die Vermieter mit einer Provision.

Was passiert, wenn die Sommerzeit vorbei ist?

Wer sich derzeit nach einem Camper auf den Plattformen umsieht, wird vor allem eines feststellen: Der Großteil der Wagen ist restlos ausgebucht. „Die Nachfrage steigt stetig, vor allem während des Sommers fehlt es an verfügbaren Wohnmobilen“, kommentiert ShareACamper-Gründer Jan Bartel. In den Wintermonaten sei leider eher das Gegenteil der Fall. Um einen konstanten Cashflow zu garantieren, ist das Startup deshalb auch in Neuseeland und Australien aktiv. Wenn auf einer Seite des Erdballs die Saison endet, geht es am anderen Ende weiter. Ein unternehmerischer Vorteil, den etwa Yescapa oder Paulcamper bisweilen nicht vorweisen können.

Bild: ShareACamper