Das Re2you-Team mit CEO Ghazaleh Koohestanian (zweite von rechts)

Das Internet wird zunehmend durch geschlossene Ökosysteme geprägt. Google hat sein eigenes, Apple sowieso, Microsoft hätte gern eins und Samsung auch. Der User soll auf der Plattform, für die er sich einmal entschieden hat, gefangen bleiben. Für den Nutzer ist das bequem, beim Anbieter wird die Datensammlung immer größer. Bisher beschränkten sich die Ökosysteme auf das Netz und auf mit dem Netz verbundene Geräte. Aber das Internet of Things breitet sich aus, zum Beispiel in Autos.

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Die Autohersteller wollen ihre Daten allerdings nur ungern an Apple und Co. weiter geben. Das Startup Re2you verspricht eine Lösung dieses Problems: Die Software des Unternehmens ignoriert beziehungsweise umgeht die verschiedenen Betriebssysteme einfach. Mit Re2you soll es egal sein, ob eine App auf iOS, Android, Windows oder sonstwo läuft. Die Ghazaleh Koohestanian, Gründerin und CEO, erklärt, was Re2you so besonders macht und warum die ersten Autohersteller schon Kontakt aufgenommen haben.

Was genau ist die Idee von Re2you?

Re2you stellt eine Technologie zur Verfügung, mit der man seine Daten und Applikationen im Netz harmonisieren kann. Und zwar völlig unabhängig vom Betriebssystem, das man nutzt. Es ist spielt keine Rolle, ob ich auf einem Android-Gerät gerade einen Chat führe, den ich lieber auf meinem iPad weiterführen möchte. Mit Re2you schiebt man den Chat einfach dahin, wo hin man ihn haben will. Man kann sich das als eine Art Cloud-Browser vorstellen. Auch Hootsuite ist ein ein guter Vergleich. Aber wir beschränken uns nicht nur auf soziale Netzwerke, sondern haben alle Applikationen im Auge. Der Nutzer soll sein persönliches Internet, also seine Apps, immer da haben, wo er gerade ist und dies unabhängig vom Betriebssystem, das er gerade zur Verfügung hat.

Wer steckt hinter der Firma? Wie viele Angestellten habt ihr?

Im Moment arbeiten knapp 30 Leute für unsere Firma. Ein großer Teil unserer Mitarbeiter sitzt in Berlin und in Melbourne, Australien. Dort wird Re2you entwickelt und weiter vorangetrieben. Dazu gibt es noch unseren Co-Founder Stephan Plan, unseren CTO Luke Smith, der in Australien sitzt, und Jenny Kohn, die sich um das Marketing kümmert. Wir wachsen kontinuierlich und befinden uns gerade auch wieder auf Suche nach neuen Mitarbeitern.

Welche Investoren haben die Firma bisher finanziert und wie viel Geld ist in die Entwicklung geflossen?

Re2you hat seine bisherige Entwicklung über Angels und vor allem durch Bootstrapping finanziert. Stephan und ich haben durch unsere Jobs, die wir vorher und teilweise nebenbei gemacht haben, immer noch genug Geld verdient, das wir dann in die Firma stecken konnten. Das war für uns beide auch eine große persönliche Herausforderung. Wegen der dynamischen Entwicklung des Unternehmens ist nun aber eine größere Finanzierungsrunde in Vorbereitung.

Die Idee hinter Re2you scheint einzigartig. Wie habt ihr abgesichert, dass die Idee nicht von anderen kopiert wird?

Wir haben vier Jahre Entwicklungsarbeit in die Software gesteckt. Von der ersten Idee bis heute. Und wir wissen, dass die Systemarchitektur nicht mit einem Onlineshop vergleichbar ist. Man kann sich vorstellen, dass die Herausforderungen ziemlich groß sind, wenn man plattformübergreifend arbeitet. Zusätzlich haben wir sieben verschiedene internationale Kanzleien mit dem Schutz unserer Patentrechte beauftragt. Uns war schnell klar, dass wir vor allem in diesem Punkt viel investieren müssen.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Re2you wird Software- und Plattformleistungen erstellen und im B2B-Bereich lizensieren. Umsätze werden einerseits aus Entwicklung- und Implementierung der Re2you-Software in bestehende Systeme generiert, andererseits kommen dann so Punkte wie Maintenance und Upgrades. Ein wichtiger Punkt ist aber Nutzung der Software per Lizenzvertrag.

Gibt es schon Kunden, die sich für das Modell interessieren?

Die Vorstellung der ersten Alpha- und Beta-Versionen in verschiedenen Unternehmen hat ein großes Echo gefunden. Wir sitzen mit einigen Dax-Unternehmen – zum Beispiel mit einem deutschen Automobilhersteller – zusammen und es geht konkret darum, wie man Re2you in die bestehende Serverinfrastruktur integrieren kann.

Ist Re2you nur an B2B oder auch an B2C interessiert?

In der ersten Entwicklungsphase werden wir uns sehr stark auf den B2B-Bereich fokussieren, da dort der Bedarf für unsere Produkte sehr ausgeprägt ist. Auf der Grundlage der Erfahrungen, die die Kunden unserer B2B-Kunden mit der Plattform und den Produkten machen werden, werden sich weitere Geschäftsmodelle auch im B2C-Bereich aufbauen lassen.

Welche Umsätze erwartest Du bis Ende 2016?

Wir werden im Jahr 2016 signifikante B2B-Umsätze generieren. Wir befinden uns in einer sehr dynamischen Entwicklungsphase des Unternehmens, sowie in der Vorbereitung einer anstehenden Finanzierungsrunde. Wir möchten daher über Pläne und Planzahlen derzeit nicht spekulieren.

Bild: re2you