Vor ein paar Tagen vermeldete der Hessische Rundfunk, dass in der Umgebung von Offenbach und Hanau rund 80 Luxusautos spurlos verschwunden waren. All diese Fahrzeuge hatten eins gemeinsam: Sie verfügten über ein sogenanntes „Passive Keyless Entry And Start“-System (PKES, oder Keyless Go). Für etliche Fahrzeuge, auch aus der Mittelklasse, gibt es mittlerweile Schlüssel, die das Auto automatisch öffnen, wenn man sich ihm nähert – ohne dass ein Knopf auf dem Schlüssel gedrückt werden muss. Gestartet wird der Motor dann meist mittels eines „Start/Stopp“-Knopf. Das Problem ist nur, dass sich diese Systeme selbst dann überlisten lassen, wenn sie ihre Signale verschlüsselt senden.

Die Autodiebe bedienen sich dabei eines simplen Tricks. Sie verlängern die Reichweite des Schlüsselsignal mittels Verstärkern auf bis zu 400 Meter. Das einzige, was man wissen muss, ist die Frequenz, auf der der Schlüssel sendet – aber die ist leicht herauszufinden (Internet). Man muss nicht einmal ein Hacker sein, um sich eines anderen Fahrzeugs zu bemächtigen. Die Ausstattung kann man für ein paar Euro bei eBay bestellen. Die Verschlüsselung des Signals hilft dabei überhaupt nicht, denn das Signal wird ja einfach nur verstärkt und nicht gehackt.

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Warum ist es aber so leicht, Schlüssel und Systeme zu überlisten? In den modernen Schlüsseln ist ein RFID-Chip verbaut, der ein „Hallo, ich bin dein Schlüssel“-Signal aussendet. Das Fahrzeug wiederum sendet ein „Hallo, wo bist Du, Schlüssel?“-Signal aus. Dieses Signal ist auf wenige Meter um das Auto begrenzt. Man muss also nur das RFID-Signal des Schlüssel verlängern. Wie schnell das geht, kann man in diesem Video sehen.

Sobald das Auto ein Signal empfängt, öffnet es die Türen. Ein zweites Signal ist für den Start des Motors und die Abschaltung der Wegfahrsperre zuständig. Es wird allerdings parallel übertragen. So lässt sich dann auch der Motor starten, ohne dass man im Besitz des Schlüssels ist. Einige Hersteller haben Systeme, die während der Fahrt permanent prüfen, ob das Signal des Schlüssels noch da ist. Fehlt es, wird der Fahrer gewarnt, dass der Motor demnächst abgestellt wird. Andere Hersteller überprüfen dies nicht mehr, man kann also so lange fahren, wie der Motor läuft. Den meisten Dieben reicht die kurze Aktivierung, um ein Fahrzeug auf einen Hänger zu fahren.

Wehren kann man sich gegen den Diebstahl zur Zeit kaum. Tatsächlich hilft es, den Schlüssel in die gute, alte Alufolie zu wickeln. Möglich ist auch der Kauf einer Tasche, die die RFID-Signale unterbricht. Mehr Sinn würde es allerdings machen, wenn man die Öffnung des Fahrzeugs und den Start des Motors besser absichert, zum Beispiel durch einen Fingerabdruck. So lange die Industrie hier nicht nachrüstet, sollte man die Schlüssel sichern oder auf einen Einsatz ganz verzichten.

Bild: (c) Bildagentur PantherMedia – 13228906 /