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Die vier Gründer von Spiri: Die vier Gründer von Spiri: Stefan Holm Nielsen, Nikolaj Due Østerbye, Jesper Rosetzsky und Hermann Søren Halskov Nissen (v.l.)

Eine Mitfahrt bei Spiri soll nicht teuerer sein, als eine Busfahrt durch die Stadt – nur, dass man sich maximal zu viert ein Auto teilt. Einen festen Fahrer oder Chauffeur gibt es allerdings nicht. Man meldet sich freiwillig. Dafür muss man nur einmal seinen Führerschein bei der Plattform nachweisen, ähnlich wie bei DriveNow.

Der Fahrer wählt seine Wunschstrecke per App aus und muss dann selber nichts für die Fahrt bezahlen. Einzige Bedingung: Unterwegs müssen Mitfahrer eingesammelt werden, die einen ähnlichen Weg zurück legen möchten. Die E-Fahrzeuge sollen an eigens dafür eingerichteten Stationen bereitstehen, die in der Stadt verteilt werden.

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Die Passagiere sehen in der App gegebenenfalls einen Match für ihre Strecke und können sich dafür anmelden. Der Algorithmus errechnet dafür die kürzeste Strecke und richtet ein virtuelle „Bushaltestellen“ ein. Der Fahrer bekommt dann per App gesagt, wo er Passagiere aufsammeln muss.

Dafür greift der sogenannte On-Demand Carpooling-Service von Spiri auf das Ridesharing-Netz von Drivr zu. Die beiden dänischen Unternehmen, die zusammen auf ein 10-Millionen-Euro-Investment kommen, sind dafür eine Partnerschaft eingegangen: Drivr liefert die Software, das 2015 gegründete Startup Spiri die Fahrzeuge. In Berlin werde der Service schon Anfang kommenden Jahres mit etwa 15 Autos starten, sagt Spiri-Mitgründer Stefan Holm Nielsen zu Gründerszene. In einen Wagen passen vier Leute. Kostenpunkt: 2,70 Euro.

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Es werde der Ansatz verfolgt, möglichst energieeffiziente Mobilität anzubieten, erklärt Nielsen. Preiswert, umweltfreundlich und jederzeit verfügbar – das seien die drei Kernthesen des dänischen Startups. Was vom Konzept her ein bisschen so wie UberPool klingt, hat jedoch noch eine Besonderheit: Die Fahrzeuge wurden vom dänische Startup Spiri komplett selbst konzipiert. Damit fährt das Startup einen deutlich anderen Ansatz als die restlichen Ridehailer um Uber, Lyft, Gett oder Blacklane, die auf etablierte Automobilmarken setzen.

„Doppelt so effizient wie ein Tesla Model S“

An der Entwicklung des gerade mal 450 kg (Leergewicht) schweren Gefährts mit E-Antrieb waren Leute beteiligt, die zuvor bei Tesla und anderen namhaften Automobil-Herstellern beschäftigt waren. Nielsen etwa war zuvor als Ingenieur bei Aston Martin und Siemens tätig.

Durch die Leichtbauweise komme der Spiri bis zu 320 km weit, obwohl die Batteriekapazität nur 36,5 kWh betrage, heißt es. Nielsen merkt allerdings im Interview an, dass im Stadtverkehr bei Stop-and-Go und wenn das Gaspedal häufiger durchgetreten wird, eher 90 Kilometer Reichweite mit einer Ladung realistisch sind. Der Spiri sei doppelt so effizient wie ein Tesla Model S, heißt es. Der Prototyp wird am heutigen Dienstag in Kopenhagen präsentiert.

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Der Spiri soll ein energieeffizientes E-Taxi werden, das jeder durch die Stadt fahren kann.

Was ein Spiri in der Produktion kostet, will der Gründer nicht verraten. Nur, dass er vergleichsweise sehr günstig sei, da auf Extras weitestgehend verzichtet wurde. Trotzdem biete das E-Auto mehr Beinfreiheit als eine Mercedes S-Klasse, so das Unternehmen. Für ausreichend Komfort und Sicherheit sei bei dem vollvernetzten Fahrzeug gesorgt. „Alle Passagiere sind aus Sicherheitsgründen über die App registriert und die Fahrzeuge können rund um die Uhr überwacht werden“, heißt es. Wenn x-beliebige Fahrer am Steuer sitzen, dürfte die Vertrauensfrage wohl künftig sehr ins Gewicht fallen.

Im Testlauf, der in Berlin und Kopenhagen startet, solle deshalb vor allem auf die User Experience wert gelegt werden, so Nielsen. Ein Bewertungssystem scheint unumgänglich – ob es wirklich kommt, steht aber noch nicht fest. Außerdem stellt sich die Frage, warum man sich den Aufwand antun sollte, selber zu fahren. Die rund drei Euro Ersparnis werden wohl kaum der Anreiz sein. Sich selbst die Route auszusuchen, vielleicht schon eher. Allerdings will jeder schnell ans Ziel kommen. Jedoch Mitfahrer unterwegs aufzulesen und abzusetzen – dauert das nicht viel zu lang für den Fahrer?

Bild: Spiri