Der Streetscooter hat eine Reichweite von rund 100 Kilometer.

Die Deutsche Post will die Flotte ihrer Lieferwagen in den nächsten Jahren umweltfreundlicher gestalten und bis zu 30.000 Stück eines elektrischen Lieferwagens bauen lassen. Ohne die Hilfe eines Startups hätte das aber nicht geklappt. Entwickelt und gebaut werden die Lieferwagen nämlich vom Startup Streetscooter, das 2010 unter anderem von zwei Professoren und Studenten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen zunächst als privatwirtschaftlich organisierte Forschungsinitiative gegründet wurde.

Von Anfang an hatten sich die Gründer Achim Kampker und Günther Schuh zum Ziel gesetzt einen Lieferwagen zu bauen, dessen Zuladung und elektrischer Antrieb den allgemeinen Standards entsprach. Ein 2011 auf der IAA vorgestelltes Konzeptfahrzeug fand das Interesse der Deutschen Post. Gemeinsam wurde dann ein auf die Ansprüche der Post zugeschnittener Transporter entwickelt. Die Zusammenarbeit war so erfolgreich, dass die Post das nach wie vor in Aachen ansässige Startup Ende 2014 für einen nicht genannten Preis komplett aufkaufte. Firmengründer Kampker leitet als CEO bis heute das Unternehmen und ist zudem Sonderbeauftragter für Elektromobilität bei der Post. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile rund 70 Mitarbeiter.

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Der unter dem Namen „Work“ laufende Transporter bietet eine rein elektrische Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Realistisch dürften im harten Post-Alltag dann vermutlich rund 70 Kilometer sein – für den Einsatzzweck scheint das wohl auszureichen. Obwohl das Fahrzeug relativ groß ist und vier Kubikmeter an Paketen aufnehmen kann, ist der Akku mit 20,4 Kilowattstunden relativ klein ausgefallen. Zum Vergleich: Das Basismodell des Tesla Model S wird mit einem mehr als dreimal so starken Akku ausgeliefert. Hier spielt dann aber Preis der Akkus eine Rolle. Zurzeit kostet ein Lithium-Ionen Speicher zirka 320 Euro pro Kilowattstunde, ein größerer Akku würde also auch die Preis des Lieferwagens weit nach oben treiben.

Derweil darf man sich durchaus wundern, warum die Post eigene E-Fahrzeuge bauen muss. Offensichtlich gibt es keinen Hersteller, der ein passendes Fahrzeug im Programm hat – angesichts einer zweistelligen Millionenanzahl an kleinen bis mittelgroßen Lieferfahrzeugen klafft also eine deutliche Lücke. Allein Nissan hat mit dem e-NV200 Van einen Wagen im Angebot, der eine vernünftige Zuladung mit einem Elektroantrieb kombiniert.

Kaum verwunderlich ist es daher, dass die Post nach eigenen Angaben schon Anfragen aus anderen Branchen erhalten hat. Doch bevor man über einen Vertrieb der eigenen Fahrzeuge nachdenken will, soll zunächst die eigene Flotte an den Start gebracht werden: Vor 2020 wird man das Fahrzeug nicht bei anderen Lieferdiensten sehen.

Bild: DPDHL