Keine Vertriebsstruktur, kaum Werbung und keine großen Auftritte. Das ist eigentlich nicht die beste Strategie, mit welcher man ein Produkt los wird. Dennoch gelang es Tesla im vergangenen Jahr, 1.582 Model S in Deutschland abzusetzen. Damit verkaufte das Unternehmen aus San Francisco 2015 laut Kraftfahrzeugbundesamt mehr Elektrofahrzeuge als BMW oder Mercedes auf deren heimischen Markt.

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BMW konnte 2015 vom deutlich günstigeren i3 nur 1.051 Elektroautos in Deutschland verkaufen. Wie viele davon in Privathände gekommen sind, oder ob ein Großteil der verkaufen BMW i3 in Flottenbeständen landeten, weist die Statistik aus Flensburg nicht aus. Das ist enttäuschend wenig für den Aufwand, den BMW mit dem i3 betreibt. Weder fruchtete die millionenschwere Marketingkampagne, noch der verstärkte Einsatz beim eigenen Carsharing DriveNow.

Aber so oder so – die Zahlen sind für BMW ernüchternd. Das gilt auch im Hinblick auf die Konkurrenz. So verkaufte zum Beispiel Mercedes insgesamt 1.161 reine Elektrofahrzeuge, also etwas mehr als BMW. Das ist insofern erstaunlich, da Daimler den Verkauf des Elektro-Smart und der elektrifizierten B-Klasse anders als BMW kaum mit Werbung unterstützt. Die 676 Elektro-Smart dürften zum größten Teil in Flotten gelandet sein, wo sie im Kurzstreckenbereich eingesetzt werden.

Ungekrönter König der Elektroautos deutscher Hersteller ist VW. 1.648 reine E-Autos aus Wolfsburg fanden 2015 einen neuen Besitzer. Der VW Up! macht dabei mit 853 Fahrzeugen den Löwenanteil des Verkaufs aus. Allerdings muss sich VW hinter einem weiteren Importeur anstellen. Renault setzte von seinem kleinen Zoe 1.787 E-Autos ab. Der kleine Stadtflitzer mauserte sich zu einem der meist verkauften Elektrofahrzeuge aller Zeiten. Mit etwas mehr als 20.000 Euro ist der Wagen günstig, seine (theoretische) Reichweite von 240 Kilometern ist ideal für die Stadt. Zusätzlich hat Renault viel Geld in Werbung und Marketing gesteckt.

Die Beispiele Renault und Tesla zeigen, dass sich Elektroautos in Deutschland durchaus verkaufen lassen. Dafür muss man allerdings das richtige Angebot haben. Tesla holt die reichen „Nerds“, also jene an Technik interessierten Käufer, die das Geld für eine Investition in das Model S haben. Am unteren Ende der Preisskala zeigt Renault, dass es auch anders geht. Ein innovatives Konzept mit attraktiven Angeboten im Mittelklassesegment überzeugt offenbar immer mehr Käufer.

Auch wenn die deutsche Autoindustrie zur Zeit um die Einführung einer Prämie beim Kauf eines E-Autos ringt – das allein wird nicht helfen, wenn das Angebot nicht stimmt. Die bisher gezeigten Konzepte der Hersteller werden aber vor 2018 nicht auf dem Markt sein. Viel Zeit für Tesla und Renault den Vorsprung auszubauen.

Bild: Tesla