Uber und Didi Kuaidi kämpfen um die Vorherrschaft in China

1,3 Milliarden Einwohner, von denen 70 Prozent bis 2045 in Städten leben werden – China ist der attraktivste Markt für neue Taxidienste. Das heißt derzeit auch: Kein Ridesharing-Markt ist derzeit so umkämpft.

Bisher hatte der chinesische Anbieter Didi Kuaidi mit seinen privaten Fahrdiensten die Marktführerschaft inne. US-Konkurrent Uber hat im letzten Jahr aber mächtig aufgeholt. Es bahnt sich ein Kampf zweier Unternehmen an, hinter denen unterschiedliche, aber sehr mächtige Player der chinesischen digitalen Wirtschaft stehen.

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Nachdem Uber im letzten Sommer schon einmal eine Milliarde US-Dollar vom Internetkonzern Baidu, der Bank China Citic sowie den Versicherungsriesen China Life Insurance und Ping An Insurance erhalten hatte, gab es in den letzten Wochen weiteres Geld von chinesischen Unternehmen: Die Fluggesellschaft Hainan, das Versicherungskonglomerat China Taiping sowie der Autobauer Guangzhou kamen für die hohe Summe auf.

Vor allem die Investition durch die Guangzhou Automobile Group kommt etwas überraschend. Der sechstgrößte Automobilhersteller Chinas hat ein Joint Venture mit Honda und Toyota und bemüht sich gerade, weitere Marktanteile zu sichern. Hintergrund des Investments dürfte der Wunsch sein, Uber in Zukunft mit Fahrzeugen der Gruppe auszustatten.

Hinter Didi Kuaidi steht vor allem der E-Commerce-Gigant Alibaba, der sich im Juli 2015 an einer Zwei-Milliarden-Dollar-Finanzierung maßgeblich beteiligt hatte. Dazu kommen verschiedene mächtige Investoren aus dem In- und Ausland, etwa das Internetunternehmen Tencent. Insgesamt hat Didi Kuadi, das im Februar 2015 aus der Fusion der beiden größten Ridesharing-Anbieter entstand, 4,4 Milliarden Dollar eingesammelt und wird mit rund 13 Milliarden Dollar bewertet.

Uber hat für sein weltweites Engagement 8,6 Milliarden Dollar zusammenbekommen und wird mit rund 60 Milliarden Dollar bewertet. Das klingt nach einem deutlichen Vorteil für die US-Amerikaner, doch der chinesische Markt hat seine Eigenheiten. Die Gesetzgebung in Sachen Ridesharing unterscheidet sich je nach Kommune, in einigen Städten ist das Angebot beider Firmen verboten. Allerdings scheren sich weder Uber noch Didi Kuaidi um die meist laschen Sanktionen. Wird ein Fahrer erwischt, bezahlen die Fahrdienste die Strafe.

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Uber hat in China in den letzten Monaten ein gewaltiges Wachstum hingelegt. Laut Bloomberg stieg der Marktanteil zwischen Januar und Dezember 2015 von nur einem Prozent auf 35 Prozent. Der Kampf mit Didi Kuaidi wird daher nicht gerade mit dem Florett ausgefochten. So beschwerte sich zum Beispiel Uber darüber, dass deren Fahrer plötzlich beim Chatanbieter WeChat rausflögen. Und zwar just in dem Moment, in dem Didi Kuaidi mal wieder eine große Rabattaktion auf WeChat angekündigt hatte. WeChat gehört ausgerechnet dem Didi-Kuaidi-Finanzier Tencent.

Auf der anderen Seite ist Uber mit massiven Rabatten in den chinesischen Markt eingestiegen. Teilweise übernahm man bis zu 50 Prozent des Fahrpreises. Das führte einerseits dazu, dass viele Fahrer von Didi Kuaidi zu Uber wechselten, andererseits belasten die Rabatte auch massiv das Budget der Kalifornier. Gleichzeitig investierte Didi Kuaidi in den USA rund 100 Millionen Dollar in den Uber-Konkurrenten Lyft, um dort ebenfalls Druck auszuüben. Auch der indische Konkurrent Ola schloss sich der Anti-Uber-Koalition an, um den US-Dienst vom heimischen Markt fernzuhalten.

Ubers Vorteile liegen klar bei der Software und den Kartendaten, die man vom Teilhaber Baidu bekommt. Allerdings ist Didi Kuaidi in deutlich mehr Städten verfügbar und verfügt über eine breitere Nutzerbasis. Noch ist es zu früh, um absehen zu können, welcher Anbieter sich in China endgültig durchsetzen wird. Klar ist nur, dass die Sache eine teuere Angelegenheit wird – für beide Unternehmen.

Bild: © Bildagentur PantherMedia /