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Sie sind gemeinsam mit einem motivierten Gründerteam und einer guten Idee der Motor eines jungen Unternehmens: Investoren. Egal ob Venture-Capitalist, Business-Angel oder Inkubator – ohne das nötige Kleingeld gäbe es so manche spannende Business-Idee nur auf dem Papier. Gründerszene hat sich daher einmal die Mühe gemacht und unter dem Motto “Interview mit einem VC” – und nein, Anspielungen an Blutsauger sind gänzlich zufällig – Deutschlands spannendste Geldgeber zu einem Interview gebeten. Dieses mal: Christian Nagel von Earlybird.

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Mein Name ist Christian Nagel und ich bin Partner und Mitgründer von Earlybird (www.earlybird.com). Ich bin selbst Unternehmer und daher neugierig und immer auf der Suche nach einmaligen, disruptiven Geschäftsmodellen, die sehr groß werden können.

Ich habe auch erfahren durch Krisen zu steuern, aber auch Zeiten mit guter Ernte erlebt. Insgesamt verstehe ich mich als sehr aktiven Investor – als Teil des erweiterten Unternehmerteams – da wo es Sinn macht und gefragt ist.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

Wir investieren seit 1998 und haben 450 Millionen Euro in drei Fondsgenerationen unter Management. Fonds Nummer vier wird gerade aufgelegt. Im wesentlichen investieren wir in der ersten institutionellen Finanzierungsrunde, dann weiter bis zum Exit.

Bei besonders disruptiven Geschäftsmodellen steigen wir durchaus auch schon in der Seed-Phase ein. Schwerpunkt sind Internet- und Mobile-Themen, zirka 25 Prozent investieren wir in Med- und Cleantech.

Wie viel investiert ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten? „Das ist eine individuelle Sache“ zählt als Antwort übrigens nicht :-).

Typischerweise investieren wir zwischen 1,5 und drei Millionen Euro in der ersten Runde (wir können insgesamt zirka 15 Millionen pro Beteiligung zur Verfügung stellen bis zum Exit), wodurch wir zwischen 25 und 40 Prozent der Unternehmensanteile erwerben.

Wir achten aber immer darauf, dass selbst nach mehrfachen Finanzierungsrunden genügend Anteile bei den Unternehmern bleiben – denn sie sind das wichtigste Asset!

Bist du selbst an den Investments Deines Fonds beteiligt? Zum Beispiel direkt oder über carry.

Als so genannter General Partner muss/darf man ein bis zwei Prozent des Fondsvolumen investieren. Darüber hinaus gibt es die Carried-Interest-Beteiligung in Höhe von insgesamt 20 Prozent am Gewinn des Fonds, die zur Incentivierung des Investment-Teams gedacht ist – aber eben nur für den Erfolgsfall! Bei uns bekommen unsere Investoren ihr Geld zuerst zurück plus einer Minimumrendite, bevor wir als Investment-Team Geld verdienen.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Die Zusammenarbeit mit hochsmarten Unternehmern mit genialen Ideen und schier unglaublicher Energie. Mit einem super Unternehmerteam gemeinsam aus einem kleinen Pflänzchen Unternehmen, die jetzt hunderte von Mitarbeitern haben und dreistellige Millionenumsätzen machen, zu kreieren, macht irre viel Spaß. Das haben wir bei Earlybird schon ein paar Mal geschafft und sind hungrig auf mehr! Zudem ist die Vielfalt des Jobs intellektuell sehr bereichernd.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung.

Die schlimmste Erfahrung ist, wenn gute Konzepte an schlechter Execution des Teams scheitern und wir dies nicht rechtzeitig erkannt haben. Auch wenn ein Unternehmerteam auseinander bricht bzw. es Streit untereinander gibt, kann das sehr unschön enden – Gott sei Dank kommt das sehr selten vor bei uns; aus 70 Investments weniger als eine Handvoll.
Die beste Erfahrung war zu sehen, wie Konzept-Powerpoint-Präsentationen zu Börsengängen wurden!

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Keine Überraschung: Das Team!

Gibt es das ideale Gründerteam?

Klar, zwei bis drei Unternehmer mit – guter oder schlechter – Erfahrung, komplementären Kompetenzen, exzellenten Managementfähigkeiten und dem entsprechenden Drive. Und im Kopf flexibel sein!

Was muss ein Gründer machen, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen? Welches sind die bedeutendsten Kriterien bei StartUps für Dich?

Erstmal Kontakt aufnehmen! Am besten durch Empfehlung von jemandem aus unserem Netzwerk – wenn man sich etwas anstrengt, bekommt man das locker hin. Das ist wichtig, bei zirka 2.000 Geschäftskonzepten pro Jahr, die bei uns reinkommen. Eine Referenz differenziert, eine Gute noch mehr.

Dann sollte das Modell disruptiv sein und das Potential für einen 300-Millionen-Euro-Exit und mehr haben – also think big! Der angestrebte Markt sollte über eine Milliarde Euro groß und 100 Millionen Euro Umsatz jährlich visibel zum Exitzeitpunkt sein. Das heißt nicht, dass die 100 Millionen bereits nach vier bis fünf Jahren erreicht werden müssen, aber sehr glaubwürdig in den Folgejahren erreicht werden können.

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Skalierung und Marktgröße sind wesentlicher als zeitnah Break-Even zu erreichen. Das sind die Vorteile von einer Zusammenarbeit mit einem VC – wenn wir an ein Team und an ein Modell glauben, haben wir tiefe Taschen.

Welches sind die Top 3 Kardinalsfehler von StartUps in Deutschland?

1. Geheimniskrämerei und dadurch zu später Austausch mit anderen Unternehmern und VCs. Das Risiko, das ein seriöser VC eine Idee kopiert, ist in Realität gleich Null – der Benefit von einem regen Austausch mit Anderen aber dafür sehr hoch! Wenn wir als VC nicht absolut vertraulich arbeiten würden, könnten wir gleich zu machen; wir investieren gerne unsere Zeit und unser Netzwerk, um Unternehmern auch zu helfen, ohne dass wir gleich investieren.

2. Zu wenig auf Skalierung und Internationalisierung achten. Außer der Heimatmarkt ist gigantisch (eine Milliarde plus), muss man früh die Weichen setzen, andere große Kernmärkte zu besetzen.

3. Zu wenig auf die eigene Trommel hauen – gute (internationale!) PR-Arbeit und Positionierung gegenüber möglichen Käufern bzw. dem Kapitalmarkt ist sehr wichtig und wird hier zu Lande ziemlich schlecht gemacht.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Vor zwölf Jahren dramatisch, kaum ein Team hatte Erfahrung bzw. konnte einen Businessplan schreiben. Heute sind wir sehr nah an den USA dran: Es gibt Repeat-Entrepreuneure, es gibt Role-Models, es gibt Cluster – Berlin gleich Internet – es gibt Seed-Finanzierungen, nur gibt es immer noch zu wenig Geld für die erste institutionelle Runde bzw. die Wachstumsfinanzierung.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

Internetthemen, die disintermediär sind, das heißt Wertschöpfungsketten optimieren, Cloud-Themen, Mobile- bzw Cross-Plattform-Spieleplatformen.

Wie stehst du zu Copycats?

Können super sein (siehe Groupon), aber unternehmerisch/intellektuell arm und ziehen tendenziell daher schlechtere Unternehmerteams an – das ist für uns ein Problem, denn wir investieren immer in die Menschen.

Auf welchen StartUp-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Christian, danke für das Gespräch.

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