Crowdfunding Fragen

Crowdfunding – in welchen Finanzierungsphasen?

Die Finanzierung über Crowdinvesting steht nicht nur Startups offen, sondern kann auch in späteren Phasen zur Projektfinanzierung, beispielsweise dem gezielten Aufbau eines neuen Absatzmarktes, herangezogen werden. Einige Plattformen haben sich auf bestimmte Finanzierungsphasen spezialisiert. Bei Seedmatch findet ein Funding idealerweise kurz vor oder nach dem Markteintritt, also in der Seed- oder Startup-Phase, statt.

Es ist wichtig für das Vertrauen der Investoren, dass die Startups die Concept-only-Phase bereits hinter sich gelassen haben und somit greifbarer werden, betont auch das Team von Companisto. Das Konzept von Bergfürst ist hingegen auf Unternehmen ausgerichtet, die den Proof of Principle erbracht haben und nun Kapital benötigen, um den Markt zu durchdringen. Die von Bergfürst begleiteten Unternehmen haben somit bereits eine Round-A-Finanzierung mit Business Angel beziehungsweise VC hinter sich.

Exit oder langfristige Beteiligung?

Bei Finanzierungen über Crowdinvesting steht meist weniger der Exit als mehr die mittel- bis langfristige Beteiligung an einem Unternehmen im Vordergrund. Gründerplus nennt eine Beteiligungslaufzeit zwischen fünf und zehn Jahren. Danach können die Investoren und das Startup den Exit wählen. Bei Seedmatch dauert eine Beteiligung in der Regel vier bis sieben Jahre. Nach Ablauf der im Vertrag festgelegten Mindestbeteiligungsdauer können die Investoren die stille Beteiligung zuerst kündigen. Zwei Jahre später besteht diese Möglichkeit dann auch meist für das Startup.

Bergfürst differenziert sich durch den Erwerb von Aktien durch die Crowd. Genau wie die Gründer und bereits involvierten Frühphaseninvestoren, können die Crowdinvestoren ihre Aktien im Trade Sale oder IPO verkaufen. Die Frühphaseninvestoren und das Management akzeptieren einen Lock up. Die freien Aktionäre können zusätzlich jederzeit über den elektronischen Handelsplatz, den Bergfürst betreibt, handeln. Aus Sicht von Companisto macht hingegen die Chance auf hohe Renditen durch einen (frühen) Exit den Reiz eines Frühphaseninvestments in ein Startup aus. “Dem hohen Risiko müsse auch eine Chance auf hohe Gewinne gegenüber stehen”, heißt es.

Sind Kapitalerhöhungen möglich?

Eine Kapitalerhöhung durch einzelne Crowdinvestoren ist nach erfolgtem Funding meist nicht vorgesehen. Generell stehen Kapitalerhöhungen, im Rahmen neuer Finanzierungsrunden, den Startups offen und sind meist auch notwendig. Die Attraktivität einer Anschlussfinanzierung kann durch die vertragliche Ausgestaltung einer vorangegangenen Finanzierung mittels Crowdinvesting stark beeinflusst werden. “Dies sollte bei der Wahl der Plattform nicht außer Acht gelassen werden”, betont Companisto. Gründerplus nutzt die einmalige und begrenzte Investitionsmöglichkeit beispielsweise gezielt, um die Attraktivität der angebotenen Beteiligungen zu steigern.

Bergfürst geht davon aus, dass wachsende Unternehmen auch weiteres Kapital benötigen. Alle Varianten die das Aktiengesetz bietet, sind über die von Bergfürst betriebene Plattform denkbar: Kapitalerhöhungen mit und ohne Bezugsrecht sowie Sachkapitalerhöhungen. Seedmatch schlägt einen anderen Weg ein und gibt an, nachträgliche Kapitalerhöhungen uneingeschränkt zu ermöglichen.

Wie erfolgt die Unternehmensbewertung?

Insbesondere im Falle eines Exits kommt der Bewertung des Unternehmens eine große Bedeutung zu. Hier bestehen teils erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Plattformen. Während Seedmatch den Unternehmenswert zum Zeitpunkt der Kündigung mittels EBIT- oder Umsatz-Multiple festsetzt, lässt Gründerplus den Startups viel Freiraum, indem diese den Unternehmenswert selbst nach gängigen Ermittlungsmethoden festlegen.

Bei Mashup Finance spielt die Bewertung auf Grund des Konzepts der Beteiligung in Form von Genussscheinen lediglich im Investitionszeitpunkt eine Rolle, um die prozentuale Beteiligungshöhe am Gewinn zu ermitteln. Die Rückzahlung der Genussscheine erfolgt in Höhe des Nennwertes.

Bergfürst setzt auf eine Handelsplattform. Der Kurs auf der Plattform bestimmt den Unternehmenswert. Etwas komplexer begegnet Companisto der Unternehmensbewertung. Der Unternehmenswert wird durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt, wobei die Bewertung durch Companisto vorgenommen wird. Zu den Einflussfaktoren zählen unter anderem die Skalierbarkeit der Geschäftsidee, die Qualifikationen des Managements, der Businessplan, das Marktpotential und die Wettbewerbssituation.

Es erfolgt eine individuelle Bewertung der Unternehmen und letztendlich entscheiden die “Companisten”, ob sie zu den angebotenen Konditionen in das jeweilige Startup investieren möchten.

Wie am Unternehmenserfolg partizipieren?

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  Auch in Hinblick auf die Beteiligung der Investoren am Unternehmenserfolg werden unterschiedliche Konzepte verfolgt. Gängige Partizipationsformen sind unter anderem Zinszahlungen auf das investierte Kapital, Gewinnbeteiligungen am ausschüttbaren Jahresüberschuss sowie Teilhabe am Unternehmenswert und damit an Exit-Erlösen. Denkbar aber nicht weit verbreitet ist der Genuss von Vorteilen, die sich durch das Geschäftsmodell ergeben.

Mashup Finance setzt neben einem Basiszinssatz und der Gewinnbeteiligung auf diese Komponente, die beispielsweise in Form von Sonderkonditionen für angebotene Produkte oder als Teilnahme an Veranstaltungen ausgestaltet sein kann. Insbesondere aufgrund des sehr konzentrierten regionalen Fokus von Mashup Finance, bietet sich diese Partizipationsform an.

Von Seiten der Investoren gilt es kritisch abzuwägen, welches Konzept den eigenen Bedürfnissen am besten entspricht. Hier unterscheiden sich die unterschiedlichen Plattformen teils sehr deutlich. Companisto betont, dass Investoren nicht ausschließlich am Unternehmenserfolg, sondern vor allem auch am Unternehmenswert und an Exit-Erlösen beteiligt werden sollten. “Nur so profitieren die einzelnen Investoren von einem gewinnbringenden Verkauf des Unternehmens, was bei vielen Plattformen nicht der Fall sei”, betonen die Betreiber.

Welche Mitspracherechte haben Crowdinvestoren?

Die Mitspracherechte der Investoren sind von der Beteiligungsform abhängig. Der Großteil der Plattformen vermittelt stille Beteiligungen. Stille Gesellschafter haben in der Regel kein Mitspracherecht. Seedmatch erklärt, dass umfangreiche Mitspracherechte bei einer großen Crowd schwer umzusetzen und bei einem 250-Euro-Investment nicht verhältnismäßig seien. Damit bleibt die Handlungsfähigkeit des Startups gewahrt, da die Investoren keinen direkten Einfluss auf das operative Geschäft haben.

Je nach Vertrag seien aber bestimmte grundlegende Maßnahmen wie beispielsweise die Änderung des Geschäftszweckes definiert, welche das Startup nur durchführen kann, wenn zuvor die Mehrheit aller stillen Gesellschafter zugestimmt hat.

Bei Seedmatch besteht eine vertragliche Verpflichtung der Startups, die Investoren regelmäßig in Quartalreportings über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Zudem muss der Jahresabschluss den Investoren zur Verfügung gestellt werden. Einige Plattformen, unter anderem Seedmatch und Companisto, erleichtern den Startups die Kommunikation mit den Crowdinvestoren über ihre Plattform, welche als so genannter “One-to-many-Kanal” fungiert.

Seedmatch stellt den Gründern nach dem Funding zusätzlich einen geschlossenen Investor Relations Bereich zur Verfügung, zu dem nur die User Zugang haben, die auch tatsächlich investiert haben. Die Gründer können dort die aktuellen Entwicklungen kommunizieren, wichtige Unterlagen zentral ablegen und sich mit den Investoren auch über Themen austauschen, die noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Gleichzeitig haben die Investoren einen direkten Draht zu den Gründern und können selber Fragen stellen, Kontakte vermitteln oder Anregungen geben, berichtet Seedmatch.

Wie erfolgt die Auswahl der Startups?

Die Auswahl der Startups ist ein elementarer Qualitätsfaktor der Plattformen. Zwar erhalten die Investoren detaillierte Informationen, um ihre Investitionsentscheidung treffen zu können aber eine kritische Auswahl, vor dem Start eines Fundings, ist ein erster wichtiger Schritt, um das Investitionsrisiko zu reduzieren. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle, dass das Risiko selbstverständlich auch nach erfolgter Vorauswahl durch Experten uneingeschränkt hoch ist. Niemand kann für den Erfolg eines Startups garantieren. Die Auswahl erfolgt meist durch die Betreiber der Plattformen, welche gegebenenfalls Expertenmeinungen von Dritten einholen.

Eine Ausnahme bildet beispielsweise Companisto. Hier müssen Team und Geschäftsmodell letztendlich die potentiellen Investoren, die “Companisten“, überzeugen. Die Crowd entscheidet. Zuvor müssen sich die Startups aber auch hier in einer Vorauswahl dem Companisto-Team stellen. Ausschlaggebend sind das Produkt, wobei hier keine Einschränkungen gemacht werden, seine Marktreife und Marktchance sowie das Gründerteam.

Bei Gründerplus erfolgt die Auswahl durch die Plattformbetreiber. Zwingende Voraussetzung für die Vorstellung auf Gründerplus ist die ausreichende Berücksichtigung des E-Commerce-Kerngedankens. Hat das Geschäftsmodell den eCommerce-Bezug, werden die Unterlagen der Startups auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft.

Seedmatch wird bei der Auswahl durch ein externes Investmentteam unterstützt und legt den Fokus auf First-Mover- und Game-Changer-Unternehmen, die zukunftsweisende Technologien und nachhaltige Produkt- und Service-Innovationen im B2C-Bereich entwickeln und anbieten. Auch spannende B2B-Ansätze stehen im Fokus. Unternehmen mit einem Seedmatch-Funding zeichnen sich durch einen hohen, einfach verständlichen Kundennutzen aus.

Der Kriterienkatalog für Startups, die über Seedmatch finanziert werden möchten, beinhaltet unter anderem folgende Aspekte und ist somit teils deckungsgleich mit anderen Plattformen.

  • deutliches und einfach verständliches Alleinstellungsmerkmal
  • klarer Kundennutzen
  • tragfähiges und skalierbares Geschäftsmodell
  • Investmentstory, die begeistert
  • ein teilfertiges, besser ein bereits fertig entwickeltes Produkt
  • Produkt oder Dienstleistung steht für Nachhaltigkeit und Zukunft
  • überdurchschnittliches Wachstumspotential
  • mindestens 50.000 Euro Kapitalbedarf

Welche Finanzierungsvolumen sind realisierbar?

Das maximale Finanzierungsvolumen der Plattformen beträgt meist 100.000 Euro je Funding. Begründet liegt dies in einer Beschränkung, die das Verkaufsprospektgesetz dem öffentlichen Crowdinvesting auferlegt. In § 8f Abs.3 VerkProsG heißt es; “Ausgenommen von der Prospektpflicht sind nur: [...] Angebote, [...] bei denen der Verkaufspreis der im Zeitraum von zwölf Monaten angebotenen Anteile insgesamt 100.000 Euro nicht übersteigt, [...]“. Der zusätzlich notwendige zeitliche und finanzielle Aufwand, um der Prospektpflicht gerecht zu werden, variiert je nach Unternehmen und kann erst ab einem gewissen Finanzierungsvolumen gerechtfertigt werden.

Bereits jetzt ist ein Trend hin zu höheren Finanzierungsvolumen zu erkennen. Seedmatch berichtet, dass auch Fundings über 100.000 Euro vorbereitet werden. Diese werden sich bis hin zu hohen sechsstelligen Bereich bewegen, teilte das Team mit.

Die neue Plattform Bergfürst ist auf Wachstumsfinanzierung ausgerichtet. Emittiert werden vinkulierte Namenaktien. Damit ist das umsetzbare Volumen praktisch unbegrenzt. Angestrebt werden Volumina von zwei bis fünf Millionen Euro in der ersten Phase. Auch Companisto gibt ein unbeschränktes Finanzierungsvolumen an. “Bei Finanzierungsrunden über 100.000 Euro wird der benötigte Verkaufsprospekt erstellt. Damit lassen sich über Companisto Unternehmen in jeder Phase finanzieren”, heißt es von Seiten der Betreiber.

Besteht Einfluss auf die Vergütung des Managements?

Generiert ein junges Unternehmen erste Gewinne, können diese durch die Vergütung der Managementleistung schnell aufgezehrt werden. Wird diesbezüglich keine Vereinbarung vertraglich festgehalten, müssen die Auswirkungen auf die Gewinnbeteiligung der Crowdinvestoren kritisch betrachtet werden. Seedmatch und Companisto geben an, eine angemessene Beschränkung der Geschäftsführergehälter während der Laufzeit der stillen Beteiligung zu berücksichtigen und somit einen angemessenen Missbrauchsschutz zu gewährleisten.

Gründerplus beschränkt sich hingegen auf die Bereitstellung der Plattform zur Vorstellung der Projekte und nimmt keinen Einfluss auf die Finanzkalkulation der Startups. Im Rahmen des Beteiligungsmodells von Bergfürst werden die Vorstandsbezüge durch den Aufsichtsrat festgesetzt, um den Regelungen des Aktiengesetzes gerecht zu werden.

Haften Crowdinvestoren persönlich?

In Bezug auf die persönliche Haftung der Investoren scheint weitgehend Einigkeit zu herrschen. Es bestehen Gestaltungsmöglichkeiten aber üblicherweise wird von einer Nachschusspflicht abgesehen und das Risiko auf den investierten Betrag beschränkt. Dennoch sollte dieser Aspekt keinesfalls außer Acht gelassen werden und Klarheit vor jeder Investition bestehen.

Welche Kosten entstehen im Rahmen eines Fundings?

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Die Kosten je Funding tragen üblicherweise die kapitalsuchenden Unternehmen. Wird die Fundingschwelle nicht erreicht, werden in der Regel keine Kosten in Rechnung gestellt.

Seedmatch erhebt ein Erfolgshonorar in Höhe von zehn Prozent der gefundeten Summe. Bei den kommenden Fundings mit einem Volumen größer 100.000 Euro wird dieser Prozentsatz entsprechend geringer ausfallen. Gründerplus erhebt eine Provision in Höhe von fünf bis zehn Prozent des Fundingbetrags.

Auch Companisto liegt mit neun Prozent in einer ähnlichen Größenordnung; weist aber darauf hin, dass die Kosten für die Zahlungsabwicklung hierin bereits enthalten seien. Diese werden bei anderen Anbietern teilweise zugunsten der Außendarstellung aus der Provision heraus gerechnet und gesondert in Rechnung gestellt. Im Ergebnis ergebe sich bei diesen Anbietern dann eine höhere Provision, merken die Plattformbetreiber an.

Mashup Finance geht einen anderen Weg. Es erfolgt eine Beteiligung in Höhe von 3.000 bis 5.000 Euro an den Unternehmen, und zwar in derselben Form, wie es den Investoren angeboten wird. “Die Beteiligung sei langfristiger Natur und nicht auf den Exit optimiert”, heißt es. “So wird den Unternehmen kein Kapital entzogen und ein starkes Vertrauen von Mashup Finance in die Finanzierungsprojekte gezeigt.”

Crowdinvesting: interessante Finanzierungsalternative?

Alle befragten Plattformen berichten von einer stark gestiegenen Anzahl an Bewerbungen für ein Funding durch die Crowd. Seedmatch vernimmt nicht nur ein stetig steigendes Interesse am Crowdinvesting, sondern hebt auch die zunehmend bessere Qualität der Bewerbungen positiv hervor.

Companisto sieht die hohe Nachfrage neben dem positiven Marketingeffekt und der Möglichkeit Open Innovation durchführen sowie Investoren aktiv einbinden zu können vor allem in der in Deutschland fortbestehenden Lücke der Frühphasen Finanzierung, dem so genannten “equity-gap” begründet. Crowdinvesting kann dazu beitragen diese Lücke zu verringern und damit die Innovationskraft des Landes stärken.

Crowdinvesting kann begeistern

Wie Tanja Höllger als Investorin und Timo Müller als Gründer das Crowdinvesting erleben:

“Crowdinvesting ist eine attraktive Anlagealternative zu Aktien und birgt ein ‘gutes Gefühl’”, berichtet Tanja Höllger, eine erfahrene Investorin. 15 Beteiligungen habe sie auf diesem Wege bereits erworben. Aufmerksam geworden sei sie auf die innovative Investitionsmöglichkeit über das Crowdfunding für den Stromberg Kinofilm. Als die Möglichkeit aufkam schnell und komfortabel in Startups zu investieren, zögerte sie nicht lange. Das Risiko hält Sie für überschaubar. “Die bereitgestellten Informationen sind detailliert und sie vertraue darauf, dass Gründer mit höchstem Engagement für den langfristigen Erfolg ihres Unternehmens eintreten”, sagte sie.

Die Portfoliobildung sei allerdings unabdingbar, um das Risiko überschaubar zu halten. Investiert werden ausschließlich Beträge, deren Verlust sie finanziell problemlos verkraften könne. Die Möglichkeit des Totalverlustes sollte von keinem Investor außer Acht gelassen werden. Vielleicht ist die Begeisterung auf die eigene Unternehmensgründung zurückzuführen aber im Allgemeinen gefällt ihr schlicht das gute Gefühl bei der Investition in Sachwerte und der Unterstützung eines Gründerteams.

Ihr einziger „Kritikpunkt“ bisher ist, dass die Fundings häufig sehr schnell abgeschlossen sind. “Die vollständigen Informationen stehen meist erst mit Beginn des Fundings bereit. Für die Analyse der Unterlagen und den Kauf der Beteiligung wünsche ich mir mehr Zeit”, sagte Frau Höllger.

Keines der getätigten Investments ist bisher älter als zwei Jahre. Ob die Investitionen auch finanziell eine gute Entscheidung waren, bleibt abzuwarten.

Auch Timo Müller, einer von vier Gründungsgesellschaftern der Lingoking GmbH aus München, weiß auf unsere Frage nach negativen Erfahrungen im Rahmen des durchgeführten Crowdinvesting nicht viel zu berichten. “Es sollten Fundings mit größerem Volumen möglich sein”, sagte er. Dann sei das Crowdinvesting auch für weitere Finanzierungsrunden attraktiv. Im Februar 2012 hat Lingoking über Seedmatch binnen 5,5 Stunden das Fundinglimit von 100.000 Euro erreicht.

Auf die neue Finanzierungsform aufmerksam geworden sind die vier Gründer über einen Wettbewerb, der von Deutsche Startups durchgeführt wurde. Selbst haben sie an diesem Wettbewerb aber nicht teilgenommen. Die Bedenken waren damals noch zu groß. Nachdem die Gewinner des Wettbewerbs eine erfolgreiche Finanzierungsrunde über Seedmatch hinter sich gebracht haben, wurde die Gelegenheit genutzt sich auszutauschen. Die anfänglichen Bedenken wurden kleiner und während der folgenden Gespräche mit den Plattformbetreibern konnten auch die letzten Zweifel beseitigt werden.

“Wir fühlten uns bei Seedmatch gut aufgehoben“, berichtet Timo Müller. Das Auswahlverfahren der Plattform hinterließ einen professionellen Eindruck. „Seedmatch trat uns gegenüber wie ein normaler Investor auf“, erinnert er sich. Über etwaige Probleme durch das Crowdinvesting in Bezug auf Anschlussfinanzierungen haben sich die Gründer bei unterschiedlichen VC-Gesellschaften informiert. Einschränkungen seien hier nicht zu befürchten. Aktuell führen die Gründer Gespräche mit unterschiedlichen Business Angels, um die nächste Finanzierungsrunde zu planen.

“Eine unserer Befürchtungen war, dass wir dem Informationsbedürfnis der interessierten Crowdinvestoren aufgrund der Masse an Anfragen nicht gerecht werden können. Dies war glücklicherweise nicht der Fall“, erzählt der Gründer. “Ganz im Gegenteil; die Kommunikation mit den Investoren läuft sehr angenehm ab und stellt keine unverhältnismäßige Belastung dar“. Die Gründer nutzen die Vielzahl an Investoren gezielt und fordern Feedback aktiv ein.

“Der Multiplikator-Effekt ist beeindruckend. Die Bekanntheit unseres Unternehmens stieg rapide an“, berichtet der Gründer erfreut. Dass Anfragen von ARD und ZDF eintrafen und diese letztendlich auch über das Startup berichtet haben, sei aber vermutlich auf den anfänglichen “Hype“ um das Crowdinvesting zurückzuführen.

Zu der Frühphasenfinanzierung von Lingoking konnte das Crowdinvesting einen wichtigen Beitrag leisten. Das Unternehmen entwickelt sich sehr erfreulich und die veröffentlichten Pläne können eingehalten werden, berichten die Gründer.

Bild: Jorma Bork  / pixelio.de
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