Exit-Strategie, IPO, Börsengang, Unternehmensverkauf, Firmenverkauf

Dieses Traumszenario beflügelt die Phantasien Vieler. Doch bis ein Unternehmen an dieser Stelle steht und seinen IPO feiern kann, muss ein langer und steiniger Weg hinter sich gelassen werden. Nicht nur, dass die direkten Vorbereitungen für einen Börsengang eine wahre Tortur für die ganze Firma und insbesondere das Management-Team darstellen, sondern das Kunststück besteht vielmehr darin, die Firma erst einmal bis zu dieser Position zu bekommen. Das erfordert mehrere Jahre extrem harter Arbeit.

Der IPO – Ein Exit auf Zeit

Ein Börsengang ist eigentlich keine ideale Möglichkeit zum direkten Exit. Der IPO selbst dient meist dazu, dem Unternehmen neue Finanzmittel in Form von Eigenkapital zu beschaffen, um den weiteren Wachstumskurs zu unterstützen. Dabei werden Anteile am Unternehmen in Form von Aktien ausgegeben. Im Zuge dieses Prozesses kann auch ein Teil-Exit der Gründer oder bisherigen Anteilseigner geschehen.

Dies wird aber von den Aktien-Analysten und zukünftigen Aktionären genau unter die Lupe genommen. Die Gründe, warum dieser Exit geschieht, werden dann hinterfragt: Glauben die Gründer oder bisherigen Investoren nicht mehr an die Erfolgsgeschichte und das weitere Wachstum? Gibt es potenzielle Probleme, weshalb man jetzt aus dem Unternehmen ausscheiden möchte? Ist das Management-Team weniger “commited” wenn es nach dem IPO weniger oder keine Anteile hält?

Wenn eine dieser Fragen mit “Ja” beantwortet wird, würde die Bewertung rapide sinken oder der ganze Börsengang als Exit-Strategie stände auf dem Spiel. Da dies niemand will, wird oft erst einmal ein Exit vermieden und gleichzeitig eine Haltefrist von typischerweise zwölf Monaten vereinbart. In dieser Zeit darf das Management keine Aktien der eigene Firma veräußern – egal wie der Kurs steht. Wenn diese Frist verstrichen ist, vermag auch das Management seine Aktien zu veräußern. Hier tritt aber genau der gleiche “Investor-Signaling”- Effekt auf, wie schon beim Börsengang: Wenn das Management nach dem IPO plötzlich größere Mengen der eigenen Aktien verkauft “muss irgendwas im Busch sein”. Vorstandsverkäufe sind ein wichtiger Indikator an der Börse.

Warum dann ein Börsengang?

Zum einen möchte nicht jeder von heute auf morgen seine gesamten Anteile der Firma verkaufen und auf Weltreise gehen. Immerhin hat man viele Jahre harter Arbeit in den Aufbau gesteckt und ist emotional mit dem Unternehmen verbunden. Ein Börsengang bietet hier den Vorteil, einen Exit über einen längeren Zeitraum zu strecken und somit aus dem Unternehmen  via IPO “herauszuwachsen”. Da die Aktien an der Börse gehandelt werden, ist ein Exit-Verkauf, so lange man sich nicht in einer Haltefrist befindet, jederzeit problemlos machbar und fällt bei kleineren Stückelungen auch nicht unbedingt negativ auf.

Oftmals sieht der Gründer auch den wahren Wert des Unternehmens in noch viel höheren Sphären als die Bewertung, welche Investoren im Moment bereit sind zu zahlen. Gerade bei stark wachsenden Firmen ergibt sich eine große Diskrepanz zwischen der Bewertung basierend auf historischen Zahlen (EBIT, EBITDA, Sales-Multiples) und dem zukünftigen Exit-Potenzial einer Firma. Da Investoren nicht unbedingt die gleiche Informationsdichte über die Industrie und die zukünftige Entwicklung haben, wie es das Management hat, sind diese oftmals nicht bereit, eine solch hohe Exit-Bewertung von Anfang an zu zahlen.

Wertsteigerung nach dem IPO

Nehmen wir mal das Beispiel Google. Zum Börsengang im Jahre 2004 wurde das Unternehmen zu 85 US-Dollar pro Aktie an die Börse gebracht, was damals einem Wert von 23 Milliarden Dollar entsprach. Heute, sechs Jahre nach dem IPO, steht die Aktie bei zirka 500 Dollar und die Firmenbewertung bei 160 Milliarden US-Dollar, was einer Wertsteigerung um 700 Prozent in sechs Jahren entspricht. Diese Wertsteigerung ist kein Produkt des Zufalls und sicherlich haben die Google-Gründer auf einen solchen Verlauf gehofft – bezahlen wollten die Aktionäre diese Bewertung beim Börsengang jedoch nicht.

Oftmals spielt auch ein psychologischer Faktor eine Rolle. Durch den Börsengang erreichen Gründer und Geschäftsführer einen deutlich höheren Bekanntheitsgrad, was dem einen oder anderen sicherlich schmeichelt und daher ein unterschwelliger Beweggrund für einen IPO sein kann.

Wie gestaltet sich ein Börsengang bzw. IPO?

Bei einem Börsengang muss das Unternehmen für potenzielle Investoren fit gemacht werden. Dies ist ein sehr langer und intensiver Prozess, bei dem viele Ressourcen, sowohl finanziell als auch zeitlich, verbraucht werden. Zur Vorbereitung des IPOs engagiert das Unternehmen einen Berater – meist eine Investmentbank – der die wichtigen Schritte koordiniert. Die Kernkomponenten des Prozesses sind die Erstellung des Börsenprospekts, die Roadshow, das Book-Building und das Listing.

Das Prospekt ist eine Sammlung aller wichtigen strategischen und finanziellen Informationen zum Unternehmen und wird von der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, www.bafin.de) geprüft. Es dient dazu, den Investoren ein möglichst faires und korrektes Bild des Unternehmens zu vermitteln. Dafür wird eine Menge von Informationen gesammelt, aufbereitet und von den Banken geprüft, da diese dafür im Rahmen der Prospekthaftung gerade stehen müssen. Kurz vor dem eigentlichen Börsengang wird die Investmentbank eine Roadshow veranstalten, bei welcher eine Reihe von Terminen mit wichtigen Investoren, Fondsmanagern und vermögenden Privatkunden abgehalten werden.

Während der Vorbereitungen werden auch Research-Analysten mit eingebunden, da diese die Aktie mit in ihr Research aufnehmen sollen, um Coverage für die Firma zu erzeugen. Die Coverage ist für das Unternehmen wichtig, da damit auch zukünftig ein konstanter Neuigkeitsfluss für Investoren sichergestellt ist. Bereits während oder kurz nach der Roadshow wird die Preisspanne für die Aktie festgelegt und es folgt das Book-Building-Verfahren. Die Großinvestoren, Fondsmanager und auch Kleinaktionäre platzieren ihre Gebote mit Angabe von Preis und Anzahl der Aktien. Wenn die Nachfrage groß genug ist, wird die Aktie schlußendlich an der Börse gelistet und der Handel kann beginnen. Bei zu geringer Nachfrage kann ein Börsengang auch abgesagt oder verschoben werden. Dies kann sowohl an dem Unternehmen selbst, als auch an einem schlechten allgemeinen Börsenumfeld – zum Beispiel 2008 nach der Pleite von Lehman Brothers – liegen.

IPO, und dann?

Nach dem Börsengang ist vor dem Börsengang. Wenn das Unternehmen einmal an der Börse notiert ist, kommt eine Menge zusätzlicher Arbeit auf das Management-Team zu. Die Research-Analysten werden des Öfteren vorbeikommen, um über die Zukunft der Firma zu sprechen und ihre Analysen zu schreiben. Zudem wird jede Information von Investoren auf die Goldwaage gelegt. Für das Unternehmen bedeutet dies, dass eine penibel abgestimmte PR her muss. Gleichzeitig gilt es auch, die Informationsvorschriften der BaFin zu erfüllen, damit keine Investoren benachteiligt werden und Strafen drohen. Aber das Unterfangen hat auch Vorteile. Wenn das Listing an der Börse einmal geschafft ist, kann man leichter eine weitere Kapitalerhöhung durchführen. Zudem hat man es einfacher, Anteile zu verkaufen und kann dies darüber hinaus viel feiner justieren.

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Bildmaterial: KMJ
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