Öffentliche Förderung, Förderprogramme, Fördermittel

Die Suche nach Kapital ist eine Aufgabe, von der fast jedes StartUp ein Liedchen singen kann. Oft hat man es nicht einfach, genug eigene finanzielle Ressourcen aufzubringen, um das eigene Unternehmen zu gründen. Daher muss das nötigte Geld von irgendwo anders herkommen. Typischerweise denkt da der Großteil direkt an VCs oder Business-Angel, welche freudestrahlend Eigenkapital zur Verfügung stellen oder an Banken, die ein Darlehen ausgeben. Dabei vergisst man leicht, dass es auch eine große Vielfalt an Fördermöglichkeiten von öffentlicher Seite gibt, welche die obigen Maßnahmen unterstützen oder ersetzen können.

Denn auch die Politik hat begriffen, dass Firmenneugründungen und die damit einhergehenden Innovationen für ein Wissensland wie Deutschland extrem wichtig sind. Auf verschiedenen Ebenen (EU, Bund, Länder) hat Sie daher Fördermittel geschaffen, um jungen Firmen bei der Gründung oder dem Wachstum unter die Arme zu greifen. Zudem hat sich die Politik als Ziel gesetzt, bestimmte Regionen, wie beispielsweise die neuen Bundesländer, gesondert zu behandeln, um etwaige Ungleichgewichte in der wirtschaftlichen Verteilung auszumerzen. Neben Neugründungsförderung steht vor allem die Stärkung des Mittelstandes im Kern der Förderpolitik, da dort fast 60 Prozent der Beschäftigten Deutschlands arbeiten. Man will insbesondere hier den Gehalt an Innovation hoch halten, um weltweit mithalten zu können.

Um gerade StartUps einen einfacheren Einstieg in diese doch etwas komplexere Thematik zu geben, hat Gründerszene eine Reihe zur öffentlichen Förderung erstellt. Vereinfacht dargestellt gibt es in Deutschland drei Kategorien von Förderung, welche für StartUps und junge Unternehmen interessant sein können: Kredite, Zuschüsse und Beteiligungsprogramme. Im ersten Teil wird eine Einleitung in die generelle Thematik der Förderung gegeben, um dann in den nächsten Teilen spezifischer auf einzelne Programme aufmerksam zu machen und deren Funktionsweise zu erläutern.

1. Bürgschaften und zinsvergünstigte Kredite

Ein Kredit ist geliehenes Geld von einem Kreditgeber an einen Kreditnehmer. Der Kredit, auch Fremdkapital genannt, zählt neben dem Eigenkapital zu den zentralen Elementen der Geldbeschaffung. Für den Unternehmer, der hier als Kreditnehmer auftritt, ist es wichtig zu verstehen, dass er Sicherheiten benötigt. Denn der Kreditgeber will am Ende der Laufzeit sein Geld schließlich wiedersehen. Dabei hilft ihm eine Sicherheit das Risiko eines Ausfalls zu minimieren. Gerade bei jungen Unternehmern sind jedoch ausreichende Sicherheiten meist nicht vorhanden. Und auch Eltern und Verwandte haben selten Lust, für risikobehaftete Unterfangen zu bürgen.

Daher hat der Staat die Möglichkeit errichtet, mit Hilfe von Bürgschaften einen vereinfachten Zugang zu Krediten zu erhalten. Die Bürgschaft gibt dem Kreditgeber (in der Regel der Hausbank) die Absicherung, dass er selbst bei einem Totalausfall des Kreditnehmers nicht komplett leer ausgeht, sondern einen Großteil des Geldes wiedersieht.

Die zweite Anreizvariante zur Erleichterung der Kreditfinanzierung sind zinsvergünstigte Kredite, welche die Attraktivität von Fremdkapital für den Mittelstand steigern sollen. Hier sind die Kreditbedingungen gegenüber den am Markt erhältlichen Preisen deutlich günstiger. Das erlaubt es Unternehmen, auch hohe Kreditsummen aufzunehmen, die auf Grund des Cash-Flows zu marktüblichen Konditionen nicht finanzierbar wären oder deren Risikoprofil eine Finanzierung über Fremdkapital zu teuer werden ließe. Die Bandbreite der öffentlich geförderten Kredite reicht von einfachen Mikrokrediten bis hin zu Krediten in Millionenhöhe. Im zweiten Teil wird Gründerszene einige der Programme beschreiben.

2. Zuschüsse

Zuschüsse sind Finanzmittel, die dem Unternehmen zufließen, aber nicht rückzahlbar sind. Meist werden Sie als Anteil bestimmter Kosten des Unternehmens gewährt. Besondere Bedeutung haben hier Zuschüsse für Anschaffungen, so genannte Investitionszuschüsse, oder Gelder zur Personalförderung. Gerne werden diese genutzt, um Regionen attraktiver zu machen und Ansiedlungen dort zu fördern und die lokale Arbeitsmarktpolitik anzukurbeln.

Viele dieser Programme gibt es daher primär in den neuen Bundesländern oder regional schwächeren Gegenden wie dem Ruhrgebiet. Um das Ziel der langfristigen Ansiedlung zu erreichen sind die Zuschüsse an Bedingungen wie etwa eine Mindestverweildauer am Zuschussort gebunden. Damit soll verhindert werden, dass das Geld schnell abgegriffen wird und das Unternehmen ins nächste bezuschusste Nest zieht. Aber auch generelle Zuschüsse zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit junger Unternehmen sind im Angebot der öffentlichen Mittel zu finden. Hier stechen Beratungsgutscheine oder die Förderung von Messeteilnahmen hervor. Im dritten Teil dieser Serie werden einige davon vorgestellt.

3. Öffentliche Beteiligungsgesellschaften

Auch auf politischer Ebene hat man schon lange verstanden, dass Fremdkapital und Zuschüsse alleine nicht ausreichen, um das gesamte Spektrum der Finanzierungsvorhaben abzudecken. Manche Vorhaben sind zu risikoreich für Kredite. Und von Zuschüssen alleine kann eine Firma auch nicht überleben. Um das Bild der Förderung zu komplettieren, gibt es seitens der Politik entweder eigene Gesellschaften oder Unterstützungen für Gesellschaften, die Eigenkapital in junge Unternehmen investieren.

Eine große Bedeutung haben hier mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBGs). Dies sind privatrechtlich organisierte Gesellschaften, welche durch öffentliche Mittel refinanziert werden können. Die Beteiligung geschieht oft in Form einer stillen Minderheitsbeteiligung und auf eine Einflussnahme auf die Geschäftsführung wird verzichtet. Auch einige Landesbanken sind direkt im Beteiligungsgeschäft engagiert. Wie auch die MBGs investieren diese häufig mit stillen Beteiligungen. Das Finanzierungsvolumen fängt bei 50.000 Euro an und geht in der Regel bis 2,5 Millionen Euro.

MBGs und Landesbanken engagieren sich primär auf Landesebene. Für das StartUp heißt das, dass es die Mittel nur in Anspruch nehmen kann, wenn es in dem entsprechenden Bundesland sitzt. Auf Bundesebene hingegen gibt es den High-Tech Gründerfonds. Dieser tätigt Seed-Investments in Höhe bis zu 500.000 Euro, welche aus einer Mischform von offener Beteiligung und Darlehen bestehen.

Hürden und Bürokratie

So schön das auch klingt, aber „alles hat seinen Preis“. Monetär sind viele Förderungen toll, jedoch ist die Beantragung auch mit Aufwand verbunden. Nicht selten muss neben einem langen Antrag auch eine Reihe von Dokumenten von anderen Stellen eingeholt werden. Es empfiehlt sich daher, bei vielen größeren Förderprogrammen das Thema mit der Hausbank zu besprechen. Zum einen wird sie sowieso fast immer irgendwie eingebunden sein. Zum anderen kann sie wertvolle Erfahrungswerte geben, die bei der Beantragung helfen.

De-Minimis-Regelung

Da Förderung eine Art der Subventionierung ist, muss man darauf achten, dass diese nicht als wettbewerbsverzerrend gewertet wird. Dies wäre in der EU verboten. Damit dies auch ordentlich überprüft werden kann, müssen Beihilfen bei der Europäischen Kommission angemeldet werden. Nun hat die EU nicht vor, in einem bürokratischen Berg von Minigenehmigungen unterzugehen und hat daher eine De-Minimis-Schwelle von 200.000 Euro geschaffen. Dieser Betrag gilt für einen Zeitraum von insgesamt drei Jahren (laufendes Jahr plus die letzten zwei Jahre) und bezieht sich nur auf den Subventionswert der Förderung. Gerade bei größeren Kreditfinanzierungen ist dies ein Thema. Der Subventionswertrechner der KfW ist hier ein sinnvolles Tool. Solange man jedoch nicht an die 200.000 Euro kommt, ist dies alles kein Problem. Jenseits dessen muss individuell entschieden werden.

Wo finde ich die Infos und wer kann helfen?

Weil die verschiedenen Fördermöglichkeiten auf den ersten Blick schwer verständlich sind und man sich leicht im so genannten “Förderdschungel” verlieren kann, gibt es eine Reihe von Institutionen, die einem bei der Suche unterstützend zur Seite stehen. Auf lokaler Ebene sind es die IHK oder Gründungsnetzwerke. Weiter oben helfen aber auch die KfW und die Landesbanken direkt bei Fragen zu ihren Produkten gerne weiter. Als erste Station der Suche eignet sich generell immer die Förderdatenbank (zur konkreten Suche nach Programmen) und das Existenzgründerportal des BMWi (bei Fragen und generelleren Themen).

In Gebieten mit aktiver Ansiedlungspolitik gibt es einen besonderen Service. Hier gibt es Ämter der Länder (zum Beispiel Berlin Partner, Zukunftsagentur Brandenburg etc.), welche sehr gerne ihre Hilfe in Bezug auf Ansiedlung, Gründung und Expansion anbieten. Zu guter letzt tummeln sich auch eine Menge Förderberater auf dem Markt. Diese bieten meist an, den Förderantrag zu begleiten und können durch ihre Erfahrung wertvolle Unterstützung bieten. Entgegen der öffentlichen Stellen ist ihre Dienstleistung jedoch nur gegen Gebühr zu haben. Gerade bei wenig Erfahrung und komplexen Förderanträgen ist dieses Angebot aber nicht zu unterschätzen.

Aktuelle Veranstaltungstipps:

Europäische KMU Woche

Vom 25. Mai bis 01. Juni 2010 findet die Europäische KMU Woche statt. Diese hat das Ziel, KMUs über Unterstützungsmöglichkeiten zu unterrichten und einen Beitrag zur Innovationskraft Europas zu leisten. Im Rahmen der Woche finden in verschiedenen Stätten Deutschlands Informationsveranstaltungen statt. Ob etwas für euch dabei ist findet ihr auf den Seiten der KMU Woche heraus.

KfW Konjunktur Bus

Der KfW Konjunktur Bus tourt noch bis zum 18. Juni 2010 durch Deutschland, um über aktuelle Produkte der KfW zu beraten. Wann der Bus in eurer Stadt hält findet ihr auf der Bus-Webseite.

Finanzierungs 1×1:

  • Kreditgeber: Derjenige, der den Kredit vergibt. Meist eine Bank.
  • Kreditnehmer: Derjenige, der den Kredit erhält. Typischerweise der Gründer oder das StartUp.
  • Fremdkapital: Geld, dass dem Unternehmen befristet zur Verfügung gestellt wird und rückzahlbar ist, zum Beispiel ein Kredit.
  • Eigenkapital: Geld, das nicht rückzahlbar ist und zur Beteiligung am Unternehmen benutzt wird, etwa ein Anteil am Stammkapital oder Aktien
  • Subventionswert: Der Wertgewinn der Förderung gegenüber den Marktkosten. Insbesondere bei subventionierten Krediten nicht mit der Kredithöhe zu verwechseln, sondern nur der erhaltene Zinsvorteil gegenüber dem Markt!

Linktips:

Artikel zum Thema:

Bildmaterial: Mconnors
GD Star Rating
loading...
Alle Bilder in diesem Artikel unterliegen der Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung-Keine Bearbeitung, CC BY-ND; Link zum rechtsverbindlichen Lizenzvertrag). Ausgenommen sind anders gekennzeichnete Bilder unter anderem von Panthermedia, Fotolia, Pixelio, Morguefile sowie Pressefotos oder verlagseigenes Bildmaterial.