Zuschüsse, Exist, Arbeitsamt, Investitionszulage

Zuschüsse sind geschenktes Geld für den Empfänger und bilden den zweiten wichtigen Pfeiler der öffentlichen Förderung in Deutschland. Es gibt eine Menge verschiedener Arten von Zuschüssen, um Anreize für Gründung, Weiterbildung, Ansiedlung oder Wachstum in bestimmten Regionen zu fördern. Dabei gestalten sich die Förderbedingungen und Antragsverfahren höchst unterschiedlich. Dies liegt vor allem daran, dass die Programme von verschiedenen Stellen auf unterschiedlichen Ebenen vergeben werden. Dies sollte jedoch niemanden entmutigen, da sich der Aufwand wirklich lohnen kann. Man muss nur wissen, was man sucht und wo man suchen muss. Deswegen hat Gründerszene hier die interessantesten Programme für StartUps ausgesucht.

Zuschüsse für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit

Als ein zentrales Element der Arbeitsmarktpolitik gibt es Zuschüsse für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit. Vor ein paar Jahren firmierte das Ganze noch unter dem Namen der Ich-AG. Diese wurde jedoch vom Gründungszuschuss abgelöst. Gerade für den Einstieg bietet dieser ein attraktives Polster für die ersten neun Monate.

Gründungszuschuss des Arbeitsamts

Der Gründungszuschuss dient dazu, Gründungen aus der Arbeitslosigkeit zu fördern. Es ist Zugangsvoraussetzung, vor Beantragung arbeitslos gemeldet zu sein. Die Dauer ist hierbei nicht entscheidend – selbst ein Tag Arbeitslosigkeit reicht schon aus, um das Programm in Anspruch nehmen zu dürfen. Wichtig ist nur, dass der Antragssteller noch mindestens 90 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat.

Die Beantragung wird typischerweise durch ein Gespräch mit dem Arbeitsvermittler des Arbeitsamtes eingeleitet, welchem man die Idee der Selbstständigkeit kurz darlegt. Daraufhin muss man einen Business- und einen Finanzplan verfassen und ihn von einer unabhängigen Stelle (IHK, Fachverbände, Kreditinstitute, Steuerberater, etc.) beurteilen lassen. Dieser wird dann beim Arbeitsvermittler eingereicht. Wenn alles geklappt hat, erhält man neun Monate lang den Gründungszuschuss in Höhe des ALG-Anspruchs plus 300 Euro. Das Geld gibt es steuerfrei und wird im Gegensatz zum ALG nicht auf die Steuerprogression angerechnet.

Zuschüsse für Gründungen aus der Hochschule

Zur Stärkung der Gründungskultur aus der Wissenschaft gibt es das EXIST Programm. Dieses besteht aus drei Teilen: EXIST Gründerstipendium, EXIST Forschungstransfer und EXIST III. Die ersten beiden fokussieren sich auf Unternehmensgründungen und sind daher für StartUp-Gründer die interessanteren.

EXIST-Gründerstipendium

Das EXIST Gründerstipendium gehört wohl zu den bekanntesten Gründerzuschussprogrammen Deutschlands. Die Förderung erfolgt in Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses mit bis zu 100 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben. Personalausgaben werden in Form von Stipendien für maximal drei Personen und Sachausgaben bis zu 10.000 Euro / 17.000 Euro (Einzel-/Teamgründung) gefördert. Die Förderung läuft ein Jahr lang. Aber Achtung: Die Gründung darf nicht vor Antragsstellung erfolgt sein! Das Programm fokussiert sich auf technologieorientierte Gründungen und die Antragsstellung muss die Hochschule übernehmen. Ansprechpartner finden sich direkt an der Hochschule. Der Antrag wird beim Forschungszentrum Jülich gestellt.

EXIST Forschungstransfer

Dieser Programmbaustein dient der Unterstützung “herausragender forschungsbasierter Gründungsvorhaben” aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Es teilt sich in zwei Phasen auf. Phase I läuft 18 Monate und fördert bis zu vier Personalstellen und 60.000 Euro Sachkosten. Die zweite Förderphase dauert wiederum 18 Monate und bringt bis zu 150.000 Euro als nicht rückzahlbaren Zuschuss. Die Antragsmodalitäten sind gleich mit dem EXIST-Gründerstipendium.

Zuschüsse für Ansiedlungen und zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft

Diese Art der Zuschüsse kommen nur in Regionen Deutschlands vor, in denen ein besonderer Anreiz für die regionale Wirtschaft geschaffen werden soll. Generell sind diese daher in den neuen Bundesländern anzutreffen. Aber auch Unternehmen in schwachen Regionen in den alten Bundesländern haben die Möglichkeit, manche dieser Programme in Anspruch zu nehmen. Ob eure Region dazugehört hängt von dem Programm ab und ist in der jeweiligen Programmbeschreibung zu finden.

Investitionszulage (IZL)

Die Investitionszulage dient dazu, Investitionen in bestimmten Gebieten Deutschlands (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) zu fördern. Investitionen, welche “abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter” darstellen und an verschiedene Bedingungen geknüpft sind, (siehe Link oben) können für die Förderung in Frage kommen. Der Antrag wird einfach rückwirkend am Jahresende beim Finanzamt gestellt. Die Höhe beträgt maximal 25 Prozent des Anschaffungswertes und verringert sich in den folgenden Jahren. Das Verfahren ist relativ unbürokratisch. Gegen Ende des Jahres gibt das Finanzamt Anträge aus, mit denen die IZL beantragt werden kann. Zusammen mit den Originalbelegen und einer KMU-Erklärung reicht man diese dann beim Finanzamt ein. Das ganze ähnelt ein wenig einer Steuererklärung. Wenn ihr einen Steuerberater habt, könnt ihr diesen direkt darauf ansprechen und es von diesem erledigen lassen.

Gemeinschaftsaufgabe “Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur” (GRW)

Die “Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur”, wie das Programm richtigerweise heißt wird oft mit GA oder GRW abgekürzt. Gefördert werden vor allem Investitionen oder Personalausgaben in bestimmten Regionen Deutschlands. Da das Programm zu Teilen vom Bund und vom Land finanziert wird, kann jedes Bundesland die Förderung im gewissen Rahmen anpassen. Die Vergabe erfolgt bei Neuansiedlung oder bei Erweiterung der Betriebsstätte. Hier wendet man sich am besten direkt an Stellen, welche Ansiedlungen unterstützen (zum Beispiel Berlin Partner, ZAB Brandenburg etc.) oder an eine der Stellen, welche im obigen Link erwähnt wird.

Der Antrag ist etwas kompliziert und die Hausbank muss das Vorhaben beurteilen. Mit einer Hausbankenbeurteilung und dem Antrag kann dann ein vorläufiger Maßnahmenbeginn beantragt werden. Danach müssen noch andere Ämter wie die IHK oder das Arbeitsamt Stellungnahmen abgeben. Bis die endgültige Zusage kommt, vergeht dann in der Regel bis zu einem halben Jahr. Der vorzeitige Maßnahmenbeginn erlaubt jedoch, wie der Name schon sagt, mit dem Vorhaben vorzeitig anzufangen, ohne die Förderung zu riskieren.

Innovationsmanagement in kleinen Unternehmen

Gerade am Anfang ist externes Fachwissen meist dringend nötig, aber gleichzeitig zu teuer für das eigene Budget. Um diesen Makel zu beheben, fördert das Innovationsmanagement die Erstellung von Studien, Audits, Realisierungskonzepten und Projektmanagement durch externe Berater. Je nach Verwendungszweck liegt die Förderhöhe zwischen fünf und 25 Beratertagen à 800 Euro mit einem Förderanteil zwischen 45 Prozent und 55 Prozent. Eine Initialberatung in Höhe eines halben Tages gibt es kostenlos. Das Programm beschränkt sich auf die neuen Bundesländer sowie ausgesuchte Modellregionen in den alten Bundesländern. Der Ansprechpartner für dieses Programm ist die Euronorm.

Zuschüsse für Beratungen und Vermarktung

Ein weiteres interessantes Feld sind Zuschüsse, welche für Beratung oder Produktvermarktung ausgegeben werden. Hier ist das Feld breit gestreut: von allgemeiner Beratungsförderung über Patenthilfen bis hin zu Teilnahmen an Messen.

Gründercoaching Deutschland

Das Gründercoaching Deutschland ist eine Unterstützung für Gründer, welche Beratungsleistungen vorrangig im wirtschaftlichen Bereich benötigen. Die Höhe des Zuschusses hängt von der Region ab und liegt entweder bei 50 Prozent oder 75 Prozent. Die maximal förderfähige Höhe der Beratungskosten liegt bei 6.000 Euro. Damit ergibt sich eine direkte Förderung zwischen 3.000 und 4.500 Euro. Für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit gibt es besondere Konditionen von 90 Prozent bei 4.000 Euro Beratungskosten. Das Antragsverfahren ist simpel gehalten. Der interessierte Gründer trägt dazu sein Vorhaben in das Antragsformular der KfW ein und vereinbart einen Termin mit einem zuständigen Regionalpartner der KfW zur Beurteilung des Antrags. Dieser führt ein kurzes Gespräch durch und danach reicht er den Antrag bei der KfW ein. Diese schickt dann eine Zusage und die Beratung kann durchgeführt werden. Achtung: Der Berater muss in der Beraterbörse der KfW gelistet sein.

Signo Unternehmen KMU-Patentaktion

Die Patentaktion soll Gründer bei der Sicherung ihrer Erfindung unterstützen. Zuschüsse gibt es dabei für verschiedene Elemente wie Analyse, Recherche, Patentanmeldung oder Rechtsschutz im Ausland, wobei jedes Element eine eigene Höchstförderung hat. Insgesamt kann man damit aber bis zu 8.000 Euro an Kosten sparen. Vergeben wird das Programm durch das Institut der deutschen Wirtschaft. Die Anträge sind an einen der Regionalpartner zu stellen.

Unternehmensberatung

Gründer können bei Beratungen durch Unternehmensberater einen Zuschuss von bis zu 1.500 Euro erhalten. Die Kosten für die Beratung werden je nach Standort zu 50 Prozent oder 75 Prozent erstattet. Zur Antragsentgegennahme und Information hat der Bund extra eine Seite eingerichtet, auf welcher die Anträge digital eingereicht werden können. Ausgegeben wird das Programm durch das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Teilnahme junger innovativer Unternehmen an internationalen Leitmessen in Deutschland

Messen sind gerade am Anfang eine teure Angelegenheit. Um kleinen Unternehmen trotzdem die Chance zur Teilnahme zu geben, gibt es ein Programm, welches 80 Prozent der Kosten übernimmt. Gedeckelt ist die Summe bei 7.500 Euro. Bei Fragen wendet man sich am besten direkt an die AUMA. Der Antrag geht dann direkt an die BAFA. Achtung: Die Teilnahme findet auf einem Gemeinschaftsstand statt.

Zuschüsse für Innovationen

Zentrales Innovationsmanagement (ZIM)

Ziel des ZIM-Programms ist es, risikobehaftete Technologieentwicklung zu fördern. Dazu werden FuE-Projekte gefördert, welche als Einzel-, Verbund-, Netzwerkprojekte oder als innovationsunterstützende Dienstleistung gelten. Die Förderhöhe und der Anteil sind abhängig von der Art des Projekts, dem Standort und der Phase. Maximal können diese 350.000 Euro und 90 Prozent betragen. Der Antrag wird je nach Projektart an die AiF, Euronorm oder VDI/VDE gerichtet. Vorab bietet sich an, telefonisch das Projekt mit der Stelle anzusprechen und dann eine Projektskizze einzureichen. Die dafür benötigten Dokumente werden gerne zur Verfügung gestellt. Klappt dies alles problemlos, kann man den Antrag stellen. Dieser wird dann bearbeitet und im Rahmen der Prüfung wird das Projekt von externen Fachprüfern bezüglich der Innovativität unter die Lupe genommen. Sollte auch dies klappen, steht der Förderung nichts mehr im Wege.

Aufwand und Bürokratie

Gerade bei Zuschüssen ist der bürokratische Aufwand hoch. Es kann leicht vorkommen, dass man sich mehrere Monate mit einem Antrag herumschlägt, bis dieser durch ist. Hier muss jeder selbst abwägen, wie dringlich er dies behandeln will oder nicht. Als Faustregel kann man sagen, dass je höher die potentielle Fördersumme bei einem Antrag ausfällt, desto größer der Aufwand und desto mehr Leute mischen mit. Oft wird gerade bei größeren Zuschüssen verlangt, dass viele verschiedene Stellen eine Stellungnahme abgeben. Es gibt aber auch die Möglichkeit, eine Erlaubnis zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn zu erhalten. Diese erlaubt den Beginn des Projekts auch wenn der Antrag noch nicht bewilligt ist. Damit kann man dann schon mal loslegen und verliert nicht die Förderfähigkeit.

Antragsverfahren / Wettbewerbsverfahren

Ein Punkt, den man beim Screening von potentiellen Zuschüssen nicht aus dem Auge verlieren darf, ist das Vergabeverfahren. Einige attraktive Zuschüsse sind als Wettbewerbsverfahren ausgeschrieben. Man muss erst bei einem Wettbewerb mitmachen und darf, wenn man mindestens eine gewisse Platzierung erreicht, den Antrag stellen. Dies ist für viele StartUps dann meist schon ein K.O.-Kriterium, denn wer will schon teilweise bis zu einem Jahr warten und das Risiko eingehen nicht auf dem entsprechenden Platz zu landen, nur um ein bestimmtes Förderprogramm zu erlangen. Für denjenigen, der hingegen die Zeit und die Lust dazu hat, oder die Gründung erst einmal nebenbei macht, kann dies durchaus interessant sein.

Es wurde sich in diesem Artikel bewusst auf die Bundesprogramme beschränkt. Es gibt noch eine Menge weiterer Programme, welche auf Landesebene angeboten werden. Diese sind zum Teil äußerst interessant für StartUps (zum Beispiel das Programm “Innovationsassistent” in Berlin). Jedoch wäre es der Fülle wegen kaum noch überschaubar.

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Bildmaterial: Alvimann
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