Gesellschaftsform

Der Unternehmensgründer hat regelmäßig eine Vielzahl von Aufgaben und Problemen, die möglichst schnell erledigt werden wollen. Nicht selten geht dabei die Wahl der richtigen, und das heißt für das wirtschaftliche Vorhaben sinnvollsten, Gesellschaftsform etwas unter oder wird als lästige administrative Formalie wahrgenommen. Dies kann erhebliche Konsequenzen für den Unternehmensgründer haben, wenn das operative Geschäft in der Folgezeit zwar gut anläuft, das rechtliche Gewand durch eine unpassende Gesellschaftsform aber nicht recht passt.

Unternehmensgründer-Entscheidung: Wahl einer Personengesellschaft oder einer Kapitalgesellschaft?

Die erste Weggabelung, die vor jedem Unternehmensgründer bei der Auswahl seiner Gesellschaftsform erscheint, ist die grundsätzliche Entscheidung, ob das Geschäft als Personengesellschaft oder als Kapitalgesellschaft geführt werden soll. Die gängigsten Personengesellschaften für ein Gründungsunternehmen – nur für spezielle Bereiche ist zum Beispiel eine Partnerschaftsgesellschaft nach deutschem (oder anderem europäischem) Recht oder eine Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWiV) ratsam – sind dabei die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die offene Handelsgesellschaft (OHG), die Kommanditgesellschaft (KG).

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Personengesellschaften haben gemeinsam, dass die Haftung grundsätzlich nicht beschränkt und die Besteuerung transparent ist, das heißt nicht auf der Ebene der Gesellschaft, sondern erst bei den Gesellschaftern erfolgt. Gerade steuerliche Überlegungen können die Wahl vor allem einer Kommanditgesellschaft sinnvoll werden lassen, zumal sich hier bei der Haftungsbegrenzung interessante Gestaltungmöglichkeiten eröffnen (siehe unten bei der GmbH & Co. KG). Die Wahl einer GbR oder einer oHG kommt eher bei einer kleineren Personengemeinschaft in Betracht.

Die Haftungsbegrenzung macht für die meisten Unternehmen insbesondere eine Kapitalgesellschaft interessant. Die in Deutschland wichtigsten Kapitalgesellschaften sind die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), neuerdings auch in der Variante als haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG), die Aktiengesellschaft (AG), die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KgaA), die europäische Aktiengesellschaft SE sowie die englische private company limited by shares (Ltd.). Die französische société à résponsabilité limitée (SARL oder S.à.r.l.) ist hierzulande recht unbekannt und ist nach Einführung der UG noch weniger wichtig. SE und KGaA sind aufgrund ihrer rechtlichen Regelungsintensität normalerweise nicht für Unternehmensgründer zu empfehlen. Zudem zeichnet sich am Horizont die Einführung einer europäischen Privatgesellschaft ab („Societas Privata Europaea“ – SPE), deren genaue Ausgestaltung noch nicht endgültig ist und hier daher nur der Vollständigkeit erwähnt sein soll.

Gesellschaftsform für Unternehmensgründer: Kommanditgesellschaft

Bei der Kommanditgesellschaft handelt es sich um eine Personengesellschaft, die Besteuerung erfolgt also auf der Ebene der Gesellschafter. Die Kommanditisten haften (grundsätzlich) für ihre erbrachte Einlage, während der Komplementär die Gesellschaft vertritt und unbeschränkt haftet. Dieses Haftungsrisiko kann dadurch aufgefangen werden, dass eine Kapitalgesellschaft als Komplementär auftritt. Sofern also eine GmbH die Komplementärfunktion übernimmt („GmbH & Co. KG“), wird nur mit dem Stammkapital der GmbH gehaftet (abgesehen von einigen Sonderfällen). Anerkannt ist auch, dass andere, auch europäische Kapitalgesellschaften diese Komplementärfunktion übernehmen können, also etwa die englische Limited mit geringem Stammkapital („Limited & Co. KG“), aber auch die Unternehmengesellschaft („UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG“) oder die weniger gebräuchliche, französische GmbH („Sàrl & Co. KG“) bzw. die Aktiengesellschaft („AG & Co. KG“ sowie auch „KGaA & Co. KG“).

Die Limited & Co. KG wird dabei nicht nur von solchen Unternehmen gewählt, die durch die weltweit bekannte Gesellschaftsform Limited sich einen besonderen Vorteil in einem internationalen Zusammenhang erhoffen. Durch Wahl dieser Gesellschaftsform lässt sich auch die unternehmerische – nicht die betriebliche – Mitbestimmung umgehen. Dies dürfte aber für Unternehmensgründer zunächst nicht relevant sein: Unternehmen, die in den Bereich des Mitbestimmungsgesetzes fallen, sind nur solche, die in der Regel mehr als 2.000 Arbeitnehmer beschäftigen (vgl. § 4 Abs. 1 MitbestG).

Gesellschaftsform für Unternehmensgründer: Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Bei der Gesellschaft mit beschränkter Haftung, der GmbH, handelt es sich um die üblichste Gesellschaftsform bei Unternehmensgründern. Vom Mindeststammkapital in Höhe von 25.000 Euro muss bei der Gründung wenigstens die Hälfte einbezahlt werden, es werden für die Gründung einer GmbH also mindestens 12.500 Euro benötigt. Denkbar ist auch die Gründung durch Einbringung von Sachwerten. Dienstleistungen sind jedoch (anders als bei der Limited) nicht einlagefähig. Die Sachgründung unterliegt aber aus Gläubigerschutzgesichtspunkten besonderen Anforderungen. In der Praxis ist die Sachgründung daher häufig für Unternehmensgründer nicht praktikabel.

Ein häufiges Argument gegen die GmbH als Gesellschaftsform und für die Limited ist das Erfordernis der notariellen Beurkundung der Gründungsdokumente. Bei Licht besehen handelt es sich aber bei den Notarkosten um einen nur sehr geringen Betrag, der ernsthaften Gründungen nicht entgegenstehen sollte (bei Gesellschaften mit 25.000 Euro Stammkapital, von denen 12.500 Euro sofort einbezahlt werden, betragen die Notarkosten alles in allem weniger als 500 Euro). Auch die Übertragung von GmbH-Anteilen muss notariell beurkundet werden, was jedoch ebenfalls kein unüberwindliches Hindernis darstellt. Im Gegenteil diszipliniert diese Pflicht und zwingt die Beteiligten zu einer einigermaßen sauberen Papierform. Diese disziplinierende Funktion der GmbH als Gesellschaftsform kann gerade bei Jungunternehmen durchaus heilsam sein.

Eine neuere Variante der GmbH ist die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Das Stammkapital ist deutlich geringer (zwischen einem Euro und 24.999 Euro) als bei einer „normalen“ GmbH. Der Rückgriff auf ein Musterprotokoll als Satzung soll nicht nur zu Verwaltungsvereinfachungen führen, sondern auch Gründungskosten sparen. Insgesamt muss man aber darauf hinweisen, dass es sich bei der UG (haftungsbeschränkt) um einen gesetzlichen Testballon handelt, der bereits durch die sperrige Firmierung den begrenzten Kapitaleinsatz der Gründer nach außen deutlich macht. Die Wahl der Unternehmergesellschaft als Gesellschaftsform ist daher nur empfehlenswert, wenn ein geringer Kapitaleinsatz wichtiger ist als alle anderen Erwägungen. Zu erwähnen ist hier noch, dass die UG ebenfalls nur notariell gegründet werden kann. Da ein Notar dabei wenig verdient, ist die Begeisterung der Notare für diese Gesellschaftsform gering. Entsprechend schwierig kann es sein, einen Notartermin zu erhalten.

Gesellschaftsform für Unternehmensgründer: Aktiengesellschaft

Die Aktiengesellschaft kann in der Praxis nicht nur als großes (börsennotiertes) Unternehmen auftreten, sondern auch in der Form einer so genannten kleinen AG agieren, also nicht börsennotiert sein und nur wenige (ggf. auch nur einen) Aktionär haben. Das Grundkapital in Höhe von 50.000 Euro muss bei der Gründung dieser Gesellschaftsform nur zu einem Viertel eingebracht sein. Zuweilen hört man bei Gründern, dass bewusst die AG statt der GmbH gewählt werden soll, da dieser Gesellschaftsform eine höhere Seriösität beigemessen wird. Gerade bei offensichtlich kleinen und jungen Unternehmen ist diese Aussage sehr zweifelhaft.

Anders als bei der GmbH ist für den Verkauf und die Abtretung von Anteilen (Aktien) keine notarielle Beurkundung erforderlich. Dieses Argument wird aber nur dann wichtig sein, wenn sehr schnell sehr viele Gesellschafter beteiligt werden sollen. Jedenfalls unterliegt die Aktiengesellschaft dem rechtlichen Grundsatz der Satzungsstrenge und ist daher in der Ausgestaltung und Verwaltung sehr viel weniger flexibel als die GmbH. Für junge Startups, die insbesondere in der Anfangsphase eines geschmeidigen rechtlichen Gewands bedürfen, ist dies unbedingt in die Überlegungen einzubeziehen.

Gesellschaftsform für Unternehmensgründer: Englische Limited

Im Zuge von Urteilen des Europäischen Gerichtshofs zur Freiheit im europäischen Binnenmarkt hat die englische Limited in den Jahren 2003 bis 2007 als Gesellschaftsform erheblichen Erfolg auch bei ausschließlich in Deutschland operierenden Unternehmen gefeiert. Hauptgründe hierfür waren – neben einer effektiven Vermarktungsstrategie der entsprechenden Gründungs-Servicegesellschaften – die schnelle und kapitalschonende Gründung einer Limited.

Diese Begeisterung ist inzwischen einer realitätsnäheren Einschätzung gewichen, da viele Unternehmen feststellen mussten, dass die Verwaltung einer englischen Gesellschaftsform Spezialkenntnisse bei der Verwaltung, aber auch bei der Beratung, dem Handelsregister ggf. auch beim Gericht erfordert. Als englische Gesellschaftsform gilt für die Limited englisches Gesellschaftsrecht. Dadurch wird die Administration der Gesellschaft sehr häufig arbeits- und kostenintensiver als bei einer deutschen Gesellschaftsform wie der GmbH.

Häufig wurde auch nicht bedacht, dass die nur in Deutschland tätige englische Limited zwingend eine deutsche Zweigniederlassung erfordert. Die Erfahrung zeigt, dass diese Eintragung der Zweigniederlassung bei weitem nicht so schnell und unkompliziert läuft, wie von vielen Anbietern beworben. Bei ausschließlicher Tätigkeit in Deutschland unterliegt die Limited der üblichen deutschen Besteuerung. Die Buchführung muss allerdings deutschen und englischen Anforderungen genügen, so dass der Verwaltungsaufwand erneut vergrößert wird. Sollte die Limited in die engere Wahl gezogen werden – wofür es durchaus Gründe geben kann, beispielsweise wenn eine Tätigkeit im Ausland angestrebt wird –, lohnt sich eine seriöse und qualifizierte Beratung, um nicht zu einem Zeitpunkt, zu dem sich jeder auf die operativen Herausforderungen konzentrieren möchte, mit rechtlichen Detailproblemen Zeit zu blocken.

Fazit für Unternehmensgründer: Bei der Wahl der Gesellschaftsform genau überlegen

Bei der Auswahl der Gesellschaftsform lohnt es sich, genauere Überlegungen anzustellen und ggf. Expertise einzuholen, um dies nicht später nachholen zu müssen. Häufig lassen sich dadurch Zeit, Mühen und Kosten sparen, die besonders lästig sind, wenn eigentlich das Geschäft die volle Aufmerksamkeit erfordert. Bei der Gründung wird sich regelmäßig die Wahl der GmbH empfehlen, die durch neuere gesetzliche Reformen zusätzlich an Attraktivität gewonnen hat.

Aus steuerlichen Gründen kann eine GmbH & Co. KG sinnvoll sein. Je nach wirtschaftlicher Ausrichtung und im Einzelfall können auch ausländische, vor allem europäische Gesellschaftsformen ratsam sein. Eine spätere Umwandlung in eine andere Gesellschaftsform ist möglich, aber mit gewissem Aufwand verbunden. Wenn die Gründung durch mehrere Personen erfolgt, sollte aber – bei jeder Gesellschaftsform – Wert auf die Erstellung eines für die jeweiligen Verhältnisse passenden Gesellschaftsvertrags gelegt werden. Dieser muss die Rechte und Pflichten aller Beteiligten klar regeln. Zu den unerfreulichsten Streitigkeiten, die man als Wirtschaftsanwalt überhaupt haben kann, gehören Auseinandersetzungen zwischen zerstrittenen Gesellschaftern – sozusagen das wirtschaftsrechtliche Pendant zur Scheidung.

Über die Autoren:

andreas-loberclemens-justDr. Andreas Lober, maître en droit, und Dr. Clemens Just, LL.M., Solicitor (England & Wales) sind Rechtsanwälte und Partner der Sozietät Schulte Riesenkampff Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Frankfurt am Main. Sie beraten – zusammen mit Kollegen aus anderen Fachgebieten – Unternehmen aller Größen, vom StartUp bis zum DAX-Unternehmen. Mehrere ihrer Mandanten wurden in den letzten zwei Jahren mit dem Red Herring Europe Top 100 Award ausgezeichnet bzw. für diesen nominiert, einige Unternehmen begleitet Dr. Andreas Lober seit Jahren, von der Gründungsphase bis zur heutigen Größe mit mehreren hundert Mitarbeitern. Schulte Riesenkampff wurde im Jahr 2009 für den Award „Mittelständische Kanzlei des Jahres“ nominiert.

Nähere Informationen finden Sie auch unter www.schulte-lawyers.de und www.gamelawblog.de.

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