Inkubatoren in Deutschland

Über die Wichtigkeit von Inkubatoren für die deutsche Gründerszene muss an dieser Stelle nicht mehr gesprochen werden. Das allein zeigen die Erfolge einiger Programme sowie die steigende mediale Präsenz von Inkubatorenprogrammen in Deutschland. Aber der Markt wird unübersichtlicher und es drängt sich die Frage auf, welche Inkubatoren in Deutschland für Gründer besonders interessant sind.

Zunächst sollte zwischen zwei Arten von Inkubatoren unterschieden werden:

  • Hochschul-Inkubatoren: Dies sind Gründerzentren, die direkt oder indirekt an eine Universität oder Fachhochschule angeschlossen sind. Dort werden häufig forschungsintensive Projekte auf den Markteintritt vorbereitet. Im Unterschied zu den unternehmerischen Inkubatoren dürfen an diesen Programmen in 95 Prozent der Fälle nur Studenten der jeweiligen Hochschule teilnehmen.
  • “Unternehmerische” Inkubatoren (Investoren): Der Unterschied zum Hochschul-Inkubator besteht darin, dass sich der Inkubator seine Leistungen mit Gesellschaftsanteilen bezahlen lässt. Diese symbiotische Form der Unternehmensgründung wird in Deutschland zunehmend populärer.

Da sich die Wirtschaftswoche in der letzten Woche schon ausführlich mit dem Thema Hochschul-Inkubation auseinandergesetzt hat, soll an dieser Stelle vor allem näher auf die unternehmerischen Inkubatoren eingegangen werden.

Worauf müssen Gründer bei Inkubatoren achten?

Die Partner bzw. Gesellschafter des Inkubators sollten über ausreichend Gründungserfahrung verfügen und dabei sollte die Anzahl der Erfolge die unternehmerischen Niederlagen übersteigen. Um dem Start-Up die bestmögliche Beratung zukommen zu lassen, sollte das Inkubatorenteam über ein großes Netzwerk verfügen, auf das bei speziellen Fragestellungen zurückgegriffen werden kann.

Im besten Fall hat der Inkubator bereits mehrere Unternehmen erfolgreich durch den Gründungsdschungel begleitet (Stichwort Track-Record). Gespräche mit Gründern von inkubierten Unternehmen sind daher sehr zu empfehlen, um einen Eindruck von der Beratungsqualität, dem Umfang des bereitgestellten Kapitals sowie des Erfahrungspotenzials der Inkubatoren zu erhalten. Keinesfalls sollte man sich von der bloßen Bereitstellung von Räumlichkeiten bzw. technischer Infrastruktur beeindrucken lassen.

Welche Inkubatoren gibt es in Deutschland?

Nachdem Gründerszene im letzten Jahr eine Reihe neuer Inkubatoren in Deutschland vorgestellt hat – etwa durch ein Interview mit Sarik Weber von Hanse Ventures, einen Artikel zum Launch von You Is Now, eine Erklärung zur Funktionsweise von HackFwd oder ein Interview mit Tobias Johann von Rheingau Ventures – soll es auch weiterhin um einen guten Überblick gehen und die Klärung wesentlicher Fragen gehen:

  • Wer betreibt das jeweilige Inkubationsprojekt überhaupt, das heißt welche Manpower steckt mit welcher Erfahrung und welchem Netzwerk in den verschienden Inkubatoren?
  • Welche Erfolge kann das Management vorweisen bzw. gibt es neben den bekannten Start-Ups auch Portfoliounternehmen, über die möglicherweise schlecht berichtet wurde?
  • Gibt es auf den Websiten oder in der einschlägigen Presse Details zu Beteiligungsquoten, also wie viel die Gesellschafter abgeben müssen, und in welcher Höhe die Beteiligung in Euro (min/max) erfolgt?

Diese und weitere Fragen sollen mit der folgenden Liste der wichtigsten deutschen Inkubatoren – wenn auch nicht abschließend – beantwortet werden.

1st Mover – Düsseldorf

Gesellschafter: Klemens Gaida

Erfolge: k.A.

Beteiligungsquote: k.A.

Portfoliounternehmen: My-Dynastie, Bookpecker, Pinbooks, LikeTV

Zur Zeit wird das Kernteam von 1st Mover (www.1stmover.org) aufgebaut, das heißt es werden Mitarbeiter für die Start-Ups, aber auch 1st Mover selbst gesucht. Eine Beteiligung an den Start-Ups bzw. an 1st Mover ist möglich. Im Gegensatz zu anderen, etablierteren Inkubatoren ist 1st Mover damit noch in der Startphase.

Betafabrik – Köln

Gesellschafter: Michael Schwetje, Dennis Kämker, Lars-Rüdiger Fink

Erfolge (der Gesellschafter): OnVista, Ligatus

Beteiligungsquote: k.A.

Portfoliounternehmen: Townster, Updt.me, JobLeads, GreenPocket, FirstCircle

Bei Betafabrik (www.betafabrik.de) verfolgt man das “Lean-Start-Up”-Konzept, welches sich in erster Linie durch eine „starke Fokussierung auf Geschwindigkeit, Lernen auf Basis von User- und Kundenfeedback und der Analyse daraus resultierender Daten und Kennzahlen sowie der Anwendung standardisierter Tools und Prozesse durch geschulte Mitarbeiter und Teams” auszeichnet.

Die Betafabrik weiß dabei vor allem mit seinen recht erfahrenen Gesellschaftern zu punkten, während die gegründeten Portfoliounternehmen bisher noch nicht so breit bekannt sind.

FoundersLink – Berlin

Gesellschafter: Oliver Beste, Fabian Hansmann

Erfolge (der Gesellschafter): MyToys, Steganos

Beteiligungsquote: k.A.

Portfoliounternehmen: Deal United, RatePay, Aka-Aki

FoundersLink (www.founderslink.com) ist ein Inkubator aus Berlin, dessen Beteiligungen häufig ein sehr fokussiertes Involvement der beiden Gesellschafter Oliver Beste und Fabian Hansmann umfasst. Im Gegensatz zu anderen Inkubatoren stößt FoundersLink nicht viele Gründungen mit geringer Partizipation, sondern ausgewählte StartUps mit intensiver Betreuung an. Thematisch decken Beste und Hansmann dabei vor allem E-Commerce- und IT-Themen ab, interessieren sich aber breit für gut skalierbare Geschäftsmodelle.

HackFwd – Hamburg

Board: Lars Hinrichs, Jean Paul Schmetz, Marco Börries, Michael Jackson, Stefan Richter, Roman Stanek

Erfolge (der Gesellschafter): Xing, OpenOffice

Beteiligungsquote: 30 Prozent

Portfoliounternehmen: DeltaStrike, ReignofSteel, Loved.by, Meettro, Project FS, TheDeadline, Flockofbirds

HackFwd (www.hackfwd.com) ist ein recht innovatives Inkubationskonzept, das vor allem von Xing-Gründer Lars Hinrichs vorangetrieben wird. Der Ansatz: Gründer erhalten von HackFwd Support für ein Jahr und können sich nicht selbst bewerben, sondern bedürfen eines Fürsprechers im Board von HackFwd, der zuvor überzeugt werden muss und dann eine Empfehlung ausspricht. Gesucht werden nach Tech-Geeks und die geförderte Idee soll technisch orientiert und kein Copycat sein. Dafür verlängt HackFwd die Abgabe von 30 Prozent der Anteile.

Die Abgabe von 30 Prozent vor der ersten großen Finanzierungsrunde wird dabei durchaus kritisch betrachtet. Startwerk.ch hatte sich dazu Mitte des Jahres zu Wort gemeldet. Positiv zu erwähnen ist, dass HackFwd das vorherige Gehalt des Gründers weiterzahlt und der Lebensstil somit nicht großartig geändert werden muss. Die gesamt Förderung durch HackFwd dauert ein Jahr, kann aber bei Nicht-Erreichen bestimmter Meilensteine auch schon vorher beendet werden.

HanseVentures – Hamburg

Gesellschafter: Sarik Weber, Jochen Maaß, Bernd Kundrun, Rolf Schmidt-Holtz

Erfolge: Cellity, Artaxo

Beteiligungsquote: 30 bis 70 Prozent

Portfoliounternehmen: Carmio, HochzeitsPlaza, Captain Travel, TopTranslation

Hanse Ventures (www.hanse-ventures.de) ist ein Inkubator aus Hamburg, der im letzten Jahr an den Start ging und bisher vier Eigengründungen vorzuweisen hat. Operativ treiben vor allem Netzwerker Sarik Weber und SEO-Spezialist Jochen Maaß den Inkubator aus Hamburg voran, während Bernd Kundrun (Ex-Vorstandsvorsitzender Gruner + Jahr AG) und Sony-CEO Rolf Schmidt-Holtz wohl vor allem mit finanzieller Unterstützung und dem weiteren Netzwerk aushelfen.

Bisher ist das Feedback in der Szene zu Hanse Ventures eher verhalten: Es kursieren immer wieder Gerüchte über eine schlechte Stimmung bei Hanse Ventures, was Gründerszene exemplarisch am Ausstieg des Gründerteams von Captain Travel belegte. Dennoch sollte man die Hamburger nicht zu früh verurteilen, denn immerhin gibt es Hanse Ventures erst seit Mai letzten Jahres – innovativere Geschäftsmodelle und eine bessere Stimmung beim inzwischen laut eigenen Angaben rund dreißigköpfigen Team dürfte für den dauerhaften Erfolg dennoch von Nöten sein.

Nabru Ventures – Mettingen (Osnabrück)

Gesellschafter: Michael Urban

Erfolge (des Gesellschafters): Buch.de, Logiprint

Beteiligungsquote: mindestens 10 Prozent

Portfoliounternehmen: Tag-Cloud-Generator, Mindwerk, Sumanauten, Pergamon Verlags GmbH

Mit Nabru Ventures (www.nabruventures.com) möchte Michael Urban der Szene im Münsterland etwas unter die Arme greifen und bietet StartUps neben Investments vor allem Sachleistungen, wie eine Rundumbetreuung in seinen Räumlichkeiten an. Im Gegensatz zu größeren systemischen Inkubatoren wie Rocket Internet ist Nabru Ventures also eher auf regional fokussierte StartUps ausgerichtet und vom Förderungsumfang eher im mittleren Bereich. Für mehr Details: Gründerszene hatte den sympathischen Buch.de-Gründer auch schon einmal vor der Kamera.

Rheingau Ventures – Berlin

Gesellschafter: Philipp Hartmann, Tobias Johann, Kai Hansen

Erfolge (der Gesellschafter): YourDelivery/Lieferando

Beteiligungsquote: k.A.

Portfoliounternehmen: Kuponjo, Markencafe, Customer Alliance, Madvertise, MyAppCoach

Rheingau Ventures (www.rheingau-ventures.com) ist ein eher kleinerer Inkubator, der vor allem mit Knowhow und Kontakten zur Seite steht und bei der Akquirierung größerer Finanzierungsrunden hilft. In einem Interview mit Gründerszene erklräte Tobias Johann bereits die Funktionsweise von Rheingau Ventures und welche Motivation dahintersteckt.

Rocket Internet – Berlin

Gesellschafter: Alexander, Marc und Oliver Samwer, Investment AB Kinnevik, Crédit Agricole

Erfolge: eDarling, Groupon CityDeal, Zalando

Beteiligungsquote: k.A.

Portfoliounternehmen: Panfu, BillPay, LadenZeile, Netzoptiker u.a.

Ein Blick auf die aktuellen Beteiligungen von Rocket Internet (www.rocket-internet.de) verrät dem interessierten Leser bereits, dass Rocket Internet in Deutschland als größter und professionellster Internet-Inkubator gelten darf.Mit Gründungen wie Zalando und Groupon CityDeal hat der Inkubator der drei Samwer-Brüder Alexander, Marc und Oliver bereits bewiesen, dass er erfolgreiche Internetgründungen schnell und erfolgreich aufbauen kann.

Thematisch fokussiert Rocket Internet sich dabei vor allem auf Copycat-Themen und gilt in der Branche als harte Konkurrenz, die im gemeinsamen Wettkampf auch schon mal an den Rand des Zumutbaren geht. Dass es bei Rocket Internet um mehr als nur Geld geht, hat Gründerszene in seinem Artikel „Phänomen Samwer-Brüder – Von Fließbandgründungen, Rücksichtslosigkeit und viel Passion“ bereits thematisiert. Ein Nebeneffekt: Gründer halten dabei selten mehr als 15 Prozent der Geschäftsanteile –bei der Top-Performance der meisten Unternehmen im Portfolio dürfte dies allerdings zu verschmerzen sein.

Team Europe Ventures – Berlin

Gesellschafter: Lukasz Gadowski, Kolja Hebenstreit, Pawel Chudzinski, Steffen Höllinger

Erfolge: Spreadshirt, Brands4Friends, StudiVZ

Beteiligungsquote: bis zu 70 Prozent

Portfoliounternehmen: Mister Spex, SponsorPay, Käuferportal, Digitale Seiten, Lieferheld u.a.

Team Europe Ventures (www.teameurope.net) hat seine Entstehung vor allem mit dem Erfolg um Lukasz Gadowskis Gründung Spreadshirt begonnen – seither ist der junge Inkubator aus Berlin stetig gewachsen und hat sich auf Early-Stage-Investments im Internet-Segment fokussiert, wobei Exits bei StudiVZ und Brands4Friends zu den Erfolgen der Berliner zählen.

Von der Dimensionierung her darf Team Europe als etwas kleiner als Rocket Internet gelten, hat aber einen sehr ähnlichen thematischen Fokus. Die Berliner bringen pro Jahr rund zwei Eigengründungen auf den Weg und investieren auch in bestehende Unternehmen. Und dies mit Tickets bis zu 500.000 Euro. Anfang 2010 wurde der Start eines Sechs-Millionen-Fonds von Team Europe Ventures bekannt gegeben. Pro Jahr sollen mit diesem Geld in den nächsten drei Jahren fünf bis sechs Investments bis 500.000 Euro getätigt werden. Was genau es bedeutet, Teil des Portfolios von Team Europe Ventures zu sein, hat Gründerszene schon einmal in seinem Artikel „10 Anzeichen dafür, dass TEV dein Investor ist“ zusammen getragen.

You Is Now – Berlin

Gesellschafter: ImmobilienScout24

Erfolge (des Gesellschafters): ImmobilienScout24, FriendScout24, AutoScout24

Beteiligungsquote: Zehn bis 30 Prozent

Portfoliounternehmen: k.a.

You Is Now (www.youisnow.de) spricht von einem Gesamtpaket von 500.000 Euro, das ausgewählte Gründerteams durch den firmengebundenen Inkubator erhalten. Die Gründer werden, ähnlich wie bei HackFwd, über ein Jahr lang  durch die Ressourcen der Scout24-Gruppe gefördert und gefordert. Ob dieser Zeitraum vollkommen ausgeschöpft werden kann, hängt von der Leistung des Unternehmens ab. Werden bestimmte Meilensteine nicht erreicht, wird das StartUp eingefroren.

Im Oktober letzten Jahres wurde der erste Inkubatorendeal bekanntgegeben. Dabei handelt es sich um einen Online-Marktplatz für den professionellen Gewerbeimmobilienhandel. Hört sich ganz so an, als ob hier vor allem innovative Ideen gefragt sind, die der Immobilienwirtschaft nahe stehen. Es werden zwar Ideen bevorzugt, „die einen Bezug zu den Wertschöpfungsketten der Anbieter, Nachfrager oder Vermarkter in der Immobilienwirtschaft aufweisen“, diese Nähe zu dem Tätigkeitsbereich von ImmobilienScout24 ist aber keine zwingende Voraussetzung für das Zustandekommen einer Zusammenarbeit.

GD Star Rating
loading...
Inkubatoren in Deutschland, 5.0 out of 5 based on 3 ratings
Alle Bilder in diesem Artikel unterliegen der Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung-Keine Bearbeitung, CC BY-ND; Link zum rechtsverbindlichen Lizenzvertrag). Ausgenommen sind anders gekennzeichnete Bilder unter anderem von Panthermedia, Fotolia, Pixelio, Morguefile sowie Pressefotos oder verlagseigenes Bildmaterial.