Grazia, Jochen Klüppel, VC-Interview

Sie sind gemeinsam mit einem motivierten Gründerteam und einer guten Idee der Motor eines jungen Unternehmens: Investoren. Egal ob Venture-Capitalist, Business-Angel oder Inkubator – ohne das nötige Kleingeld gäbe es so manche spannende Business-Idee nur auf dem Papier. Gründerszene hat sich daher einmal die Mühe gemacht und unter dem Motto “Interview mit einem VC” – und nein, Anspielungen an Blutsauger sind gänzlich zufällig – Deutschlands spannendste Geldgeber zu einem Interview gebeten. Dieses mal: Jochen Klüppel von Grazia.

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Jochen Klüppel, bin seit 2002 bei Grazia (www.grazia.com) und kümmere mich als einer von fünf Partnern vorwiegend um die Internetinvestments, aber auch Medien, Software und Biotech.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

Über alle Investitionsvehikel sind über 100 Millionen Euro „unter Management“. Wir sind generell flexibel und pragmatisch was Sektoren und Finanzierungszeitpunkte angeht.

Wie viel investiert ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten? „Das ist eine individuelle Sache“ zählt als Antwort übrigens nicht :-).

Grazia investiert in der Regel zirka drei bis fünf Millionen Euro pro Unternehmen, über mehrere Runden verteilt. Die jeweilige Bewertung sollte fair sein und Upside-Potenzial, Risikosituation und weiteren Kapitalbedarf berücksichtigen. In der Regel hält Grazia 20 bis 40 Prozent der Unternehmensanteile.

Bist du selbst an den Investments Deines Fonds beteiligt? Zum Beispiel direkt oder über carry.

Ich bin signifikant mit einem Eigeninvestment dabei. Zudem gibt es eine Erfolgsbeteiligung über eine Carry-Struktur.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Jeder Tag ist anders, die Gesprächspartner sind begeisterungsfähig und dynamisch – ich lebe (gedanklich) gerne in der Zukunft.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung?

Ich stand mit meinem eigenen StartUp vor zehn Jahren unter großem Druck als der Internet-Werbemarkt einbrach, dank harter Arbeit und großem Teamzusammenhalt gelang dann noch der Exit an einen führenden Online-Vermarkter.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Team, Team, Idee, aber eigentlich muss beides passen. Hohe Upside-Potenziale müssen erkannt und konsequent erschlossen werden. Das schafft nur ein 1A-Team.

Gibt es das ideale Gründerteam?

Achtzig Prozent des benötigten „Skill-und-Will-Sets“ sollte vorhanden sein, den Rest kann man ergänzen. Aber es hängt auch vom Investitionsbereich ab. Im Internet beispielsweise kann man viel mit Einsatz und Inspiration erreichen.

Was muss ein Gründer machen, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen? Welches sind die bedeutendsten Kriterien bei StartUps für dich?

Er muss uns einfach „umhauen“. Wenn die Chemie nicht stimmt, wird es später auch mit der Zusammenarbeit schwierig. Wir wollen eine verlässliche und faire Partnerschaft aufbauen, um die zahlreichen Stromschnellen gemeinsam umschiffen zu können. Zudem soll es allen Beteiligten ja auch Spaß machen.

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Solange das Geschäftsmodell stimmt, sollte am Anfang der Fokus auf Wachstum liegen. Über die Skalierbarkeit sollte sich dann zunehmend die Profitabilität einstellen. Bei schlechten Finanzierungsbedingungen muss man aber auch schnell den Schalter umlegen können, um mit positiven Cash-Flows überwintern zu können.

Welches sind die Top 3 Kardinalsfehler von StartUps in Deutschland?

Unterfinanziert, unambitioniert, schlechte Vermarktung. Drei führt zu Eins, und Eins dann wiederum zu Zwei. Aber ehrlich gesagt sind die Rahmenbedingungen in Deutschland oft schwieriger, so dass die „Schuld“ gar nicht bei den Gründern liegt.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Alle Zahlen sprechen dafür: Ja, wir hinken den USA deutlich hinterher. Aber nicht nur den USA – auch viele asiatische Länder laufen uns davon. Wir müssen die Bequemlichkeit abschütteln, hungrig sein, Unternehmern Anerkennung zollen. Die momentane Gründungswelle im Internet könnte eine Initialzündung sein. Medien und Politik müssen jetzt aufspringen.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

Ich glaube auch an “antizyklisches” Investieren. Wenn es zu „hot“ ist, dann kann etwas auch leicht anbrennen. Nichtsdestotrotz sind „Internet/Medien“ und „LifeScience/Health“ sicherlich stabile Mega-Trends der nächsten 20 Jahre.

Wie stehst du zu Copycats?

Wir bevorzugen in der Regel neue, innovative Geschäftsideen und -Modelle. Allerdings steckt in jeder Idee auch ein wenig „Kopieren“. Man möchte ja auch auf Bewährtes aufsetzen.

Auf welchen StartUp-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Gute StartUp-Events wechseln ständig, daher gibt es keine feste Planung. Ich bin aber viel unterwegs, oft in Berlin. Eine kurze E-Mail zur Terminabsprache ist am besten.

Jochen, danke für das Gespräch.

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