Kapitalakquise, Wirtschaftskrise, Lawrence Leuschner, Trade-a-Game, Interview

Die Vision der trade-a-game GmbH ist es, das größte Internetkaufhaus für Gebrauchtware der Welt zu werden und mit Ihrer kürzlich abgeschlossenen Finanzierungsrunde über 1,6 Millionen Euro sind die beiden Gründer und Geschäftsführer Lawrence Leuschner und Marcus Börner der Finanzierung dieses Weges auch ein gutes Stück näher gekommen. Gründerszene war neugierig und wollte von Trade-a-Game-Gründer und -Geschäftsführer Lawrence Leuschner wissen, welche Erfahrungen er mit der Kapitalakquise in der aktuellen wirtschaftlichen Lage gemacht hat. Aber seht selbst:

Trade-a-Game (TAG) ist sehr gut positioniert und verzeichnet seit Beginn ein enormes Umsatzwachstum, auf mittlerweile sehr beachtlichem Niveau. Welches waren die Gründe für Eure Entscheidung noch einmal VC-Geld aufzunehmen?

Der Markt in Deutschland für gebrauchte Medienartikel (Games, DVDs, CDs) ist ein stark wachsender mit einer Größe von zirka zwei Milliarden Euro. Wir befinden uns in einem sehr kompetitiven Marktumfeld mit den Gobal Playern Ebay und Amazon. Um sich als Nummer Drei hinter diesen beiden zu positionieren, benötigen wir eine sehr gute Infrastruktur, um uns nachhaltig am Markt zu etablieren. Von einer skalierbaren Logistik bis hin zu einem top Prozessmanagement muss alles auf das starke Wachstum unseres Unternehmens abgestimmt sein. Zudem investieren wir massiv in neue Kunden. Das alles kostet Geld und dafür ist frisches Eigenkapital in Form von Venture Capital die beste Möglichkeit auf dem Kapitalmarkt für uns gewesen.

Wie lange hat es gedauert die aktuelle Runde zu closen?

Wir haben am 16. September 2008 unsere Investment-Strategie für die Kapitalerhöhung formuliert. An diesem Tag hat die viertgrößte Investmentbank der USA, Lehman Brothers, Insolvenz angemeldet und vieles auf dem Kapitalmarkt hat sich geändert. Daher haben wir erst eine kleine Runde im bestehenden Gesellschafterkreis gemacht und im Januar 2009 unsere Roadshow gestartet. Nach zirka sechs Monaten harter Arbeit war alles unter Dach und Fach und wir konnten ein paar Biere öffnen ;-).

Merkt man, dass es derzeit schwieriger ist, VC zu raisen als noch 2007/2008? Wenn ja: Wie äußert sich das konkret?

Aufgrund der Umstände auf dem Kapitalmarkt haben sich die Venture Partner ein wenig restriktiver verhalten und die Risikobereitschaft ist dementsprechend gesunken. Das Kapital in unseren Größenordnungen wurde eher für das bestehende Portfolio zurückgehalten. Mit dem abgeschlossenen Geschäftsjahr 2008 und einem Umsatz von einigen Millionen hatte unser Businessplan jedoch eine bessere Basis und somit eine höhere Glaubwürdigkeit in den Verhandlungen in 2009 als in den Verhandlungen für unsere erste VC-Runde im Mai 2008.

Wie habt Ihr die Investoren angesprochen? Per Kaltakquise über das eigene Netzwerk oder via Beraterunterstützung?

Mit Hilfe unserer beiden Lead-Investoren DuMont und TheMediaLab haben wir ausgewählte Venture Partner und BAs direkt kontaktiert. Das hat natürlich sehr viel geholfen.

Wie läuft die Ansprache? Formell per Brief oder eher jovial per „Du“ und E-Mail?

Intro über Mail und dann kam es ziemlich schnell zu einem Besuch oder einem Conference Call.

Wie hoch war der Aufwand von Eurer Seite? Waren alle Gründer involviert und wenn ja mit welchem Anteil ihrer Zeit?

Der Aufwand hängt immer von der Anzahl der Parteien mit denen man verhandelt ab. Das gesamte Management-Team, in unserem Fall Marcus, Tim und ich, waren alle involviert. Wir hatten die Aufgaben von Legals, Finanzen und Betreuung klar verteilt. Dadurch konnten wir uns immer wieder alle drei auf das so wichtige operative Geschäft konzentrieren.

Wie wird die Bewertung festgezogen? Nutzt Ihr klassische Bewertungsmethoden wie DCF etc.?

Das Bewertungsthema ist ein oftmals sehr zeitintensiver Bestandteil der Beteiligungsverhandlungen. Gerade bei jungen Unternehmen fällt es jedoch schwer, einen fairen und realistischen Wert mittels der gängigen Bewertungsmethoden abzuleiten. Ein enger Berater der Firma hat uns mal gesagt: „Ein Unternehmen ist immer das wert, was der Markt bereit ist dafür zu zahlen.“ Das ist natürlich eine allgemeine „Weisheit“, die Gründern nicht hilft, die eigene Argumentationsbasis zu stärken, trifft aber den Kern.

Wir haben uns in der Regel an Benchmarks orientiert, die wir mit Hilfe von Umsatz-Multiplikatoren vergleichbarer Unternehmen, die an der Börse gelistet sind, ermittel haben. Aus unseren Erfahrungen ist jedoch das Bauchgefühl wichtiger als die erzielbare Bewertung. Alle Parteien müssen sich wohl fühlen, sonst bleibt etwas Negatives zurück. Faire Verhandlungen in denen offen über Risiken und Chancen kommuniziert wird, haben zumindest bei uns die Bewertung final festgezogen.

Was waren die Aspekte, auf die die Investoren in den Verhandlungen am meisten Wert legten? Gibt es hier Unterschiede zwischen Banken, Business-Angel und Venture-Capitalists?

Management Team, Unternehmensentwicklung, Strategie, Finanzplanung, Bauchgefühl.

Wie viele Termine von Ansprache bis Closing waren notwendig, um mit den Investoren der aktuellen Runde zum Abschluss zu kommen?

Das ging ziemlich schnell, denn hier waren wir uns im Management ziemlich schnell einig, dass die Parteien KFW und Herr Wecken genau die richtigen Partner für uns sind.

Und zum Abschluss: Wie sehen deine Top-5-Learnings aus dem Prozess aus, die Du anderen Gründern als Tipp mit auf den Weg geben würdest?

Aus unserer eigenen Erfahrung kann ich anderen Gründern folgendes mitgeben:

  • ABC: Always be closing!
  • Auf ein paar ausgewählte fokussieren, die für das Geschäftsmodell in Frage kommen.
  • Bei der finalen Entscheidung auf das Bauchgefühl hören.
  • Immer alternativ Backups in der Hinterhand halten.
  • Es dauert immer länger als man denkt! Daher mindestens sechs Monate einplanen.
  • Knall hartes Cash-Flow-Monitoring.
  • Macht Intros über Empfehlungen.

Über den Interviewten:

Lawrence LeuschnerLawrence Leuschner, Jahrgang 1982, gründete gemeinsam mit Marcus Börner im Jahr 2004 die trade-a-game GmbH. Seitdem fungiert er als Geschäftsführer für den Bereich Sales & Marketing. Die trade-a-game GmbH ist Entwickler und Betreiber von trade-a-game.de, einem An- und Verkauf-Shop für gebrauchte Medienartikel.

Im Jahr 1999 absolvierte er ein Austauschjahr im Rahmen eines Stipendium-Programms des Deutschen Bundestages in Greenwood, Texas. Nach dem Wirtschaftsabitur und Abdienen des Wehrdienstes studierte er das Fach Business Administration an der University of Applied Sciences in Wiesbaden. Seine Bachelor-Thesis schrieb Lawrence am Lehrstuhl für Entrepreneurship an der European Business School.

Bildmaterial: Taliesin
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