Know-how: Identifikation und Bewertung von Geschäftsideen (Teil I)
Einer der wichtigsten, wenn nicht der entscheidende Punkt für den persönlichen unternehmerischen Erfolg ist die Auswahl der richtigen Geschäftsidee bzw. des (subjektiv) bestgeeignetsten Marktes. Selbst das beste Team steht auf verlorenem Fuß, wenn die Geschäftsidee nicht greift. Entsprechend lohnt es sich, sehr viel Zeit und Mühe im Vorfeld in das Finden und Bewerten der eigenen Idee (besser: der eigenen Ideen!) zu stecken.
Die gute Nachricht vorweg: Der aktuelle Wandel im Internet und der Medien-Landschaft führt zu zahlreichen Strukturbrüchen und jeder Menge Potential um neue und alte Probleme durch innovative Geschäftsideen zu lösen. Strukturbrüche sind u.A. deshalb aus Gründersicht sehr positiv zu beurteilen, weil sie es jungen, schnellen Unternehmen erlauben in Märkte einzutreten auf denen die etablierten Player noch keine Eintrittsbarrieren errichtet haben. Darüber hinaus ist die Unsicherheit über die zukünftige Marktentwicklung sehr hoch: Intuition und unternehmerisches Gespür für Geschäftschancen können daher mangelnde Ressourcen überkompensieren.
Enstprechend der zahlreichen neuen Wertschöpfungsmöglichkeiten höre ich derzeit von relativ vielen Gründern (z.B. in unserer StudiVZ-Gruppe) , dass sie nicht nur eine, sondern gleich eine Vielzahl von potentiellen Ideen haben. Was dann häufig passiert ist sehr schade: Anstatt sich mit 100% auf eine gute Idee zu konzentrieren werden parallel verschiedene “Projekte” gelaunched, die aber alle nur halbherzig verfolgt werden und daher keine Durchschlagskraft entwickeln.
Insbesondere wenn Netzeffekte eine Rolle spielen (und die Ressourcen begrenzt sind) gilt es seine Gedanken zu fokussieren und die Kräfte auf das Vorrantreiben einer einzigen Idee zu bündeln!
Ich möchte deshalb mit diesem Beitrag nicht nur Anstöße zur Findung von Ideen liefern, sondern (im zweiten Teil) auch Hinweise geben, wie man Geschäftsideen aus subjektiver Sicht bewerten kann um die persönlich bestgeeignetste auszuwählen.
Grundsätzlich gibt es 2 Wege auf denen neue Geschäftsideen entstehen können:
1. Mehr oder weniger zufällig
2. Durch systematische Suche und Analyse
Förderung der “zufälligen” Entstehung von Geschäftsideen
Die zufällige Entstehung von Geschäftsideen hängt natürlich unter Anderem mit der eigenen Kreativität und anderen nur teilweise beeinflussbaren Faktoren zusammen. Trotzdem lässt sich auch die zufällige Entstehung von Geschäftsideen nicht unerheblich fördern, wenn man einige Hebel beachtet.
Neue, (skalierbare) unternehmerische Potentiale entstehen vor allem dort wo eine hohe Dynamik herrscht. Wer sich gezielt in einem Umfeld bewegt in dem technische, gesellschaftliche, rechtliche, oder ökonomische Umbrüche als erstes wirksam werden, steigert seine Chancen Marktlücken und neue Geschäftsmodelle als Erster zu entdecken. Im Web2.0-Umfeld sind beispielsweise besonders die technischen und gesellschaftlichen Veränderungen relevant. Early-Adopting der neuen StartUps (zum Beispiel derjenigen, die auf Gründerszene vorgestellt werden ;-) ) freut daher nicht nur die jeweiligen Gründer, sondern fördert auch das eigene Verständnis für technische Entwicklungen und Nutzerwünsche. Das Lesen der einschlägigen Blogs ist natürlich auch nie verkehrt ;-). Darüber hinaus erhöht auch eine gute Vernetzung mit Gleichgesinnten die Chance auf spontane Eingebungen, da man hierdurch frühzeitiger von interessanten Entwicklungen erfährt. Treffen wie die Barcamps, das StartUp-Weekend oder das Gründerszene-Brunch am Sonntag, sind daher ebenfalls gute Gelegenheiten um der eigenen Ideenfindung auf die Sprünge zu helfen.
Simpel, aber trotzdem nicht unwichtig: Spontane Geistesblitze sollten umgehend schriftlich notiert werden. Ich habe mir beispielsweise in den letzten Monaten ca. 20 mehr oder wenige konkrete Ideen notiert, um mich zu gegebener Zeit hiervon inspirieren zu lassen. Mehr als die Hälfte davon hätte ich ohne das Aufschreiben nicht wieder rekonstruieren können…
Wichtige, beeinflussbare Stellschrauben für die “zufällige” Entstehung bzw. das Behalten von Geschäftsideen sind daher:
- Vernetzung
- Early-Adopting
- Gezieltes Aufsuchen dynamischer Umgebungen
- Aufschreiben der Geistesblitze
Systematische Suche und Analyse von Geschäftsideen
Zufällige Eingebungen, sind eine Möglichkeit neue Geschäftsideen zu entdecken. Die systematische Suche nach lohnenswerten Oppurtunities ist die andere Möglichkeit. Es gibt eine unberschaubare Vielzahl von Kreativitätstechniken und analytischen Ansätzen die sich nutzen lassen um neue Geschäftsideen zu entwickeln.
Ich möchte hier aber nur 2 Grundideen thematisieren, mit denen ich selber gute Erfahrungen gemacht habe.
- Lösung eigener Probleme
- Adaption erfolgreicher Problemlösungen für neue Märkte
Allen (funktionierenden) Geschäftsideen liegt zu Grunde, dass sie Probleme lösen oder auf anderweitige Art und Weise Nutzen stiften. Am besten kennt naturgemäß jeder die eigenen Probleme oder Kundenwünsche. Entsprechend Nahe liegen dann auch häufig schon gute Geschäftsideen. Zu beachten ist: Je älter und starrer ein Markt ist, desto eher wurden alle lohnenden Marktchancen im Laufe der Zeit schon von anderen Unternehmern genutzt, die sich im Laufe der Zeit dann einen Wettbewerbsvorteil aufgebaut haben, der Marktneueintritte erschwert. Bei der Suche nach Möglichkeiten eigene Probleme zu lösen, sollte man sich daher vor allem auf solche Probleme konzentrieren deren Umfeld (technisch, gesellschaftlich etc.) sich in der letzten Zeit verändert hat. Hier ist die Chance besonders groß, Marktlücken aufzutun oder komplett neuartige Produkte zu “erfinden”.
Der große Vorteil von Geschäftsideen, die eigene Probleme lösen ist, dass man den Markt und die entsprechenden Bedürfnisse sehr gut kennt. Darüber hinaus wirkt man sehr authentisch (was z.B. für die Viralität sehr förderlich ist) und hat großen Spaß, weil man Produkte entwickelt mit denen man sich wirklich identifizieren kann. Ein Nachteil kann darin liegen, dass man evtl. zu Betriebsblindheit neigt und nicht frühzeitig erkennt, dass man mit den Problem eigentlich relativ alleine darsteht bzw. keine Zahlungsbereitschaften zur Lösung vorhanden sind. Beide Risiken kann man aber frühzeitig abschwächen, indem man mit anderen potentiellen Kunden spricht.
Eine zweite, sehr weit verbreitete Möglichkeit systematisch Geschäftsideen zu entwickeln ist natürlich auch das Kopieren und Adaptieren fremder, bereits markterprobter Geschäftsideen. (Nationale) Copycats stellen mittlerweile einen so großen Anteil der neuen Start-Ups, dass man meinen könnte zu dieser Art der Ideenfindung bräuchte man nichts mehr zu schreiben. Allerdings wird hierbei sehr häufig übersehen, dass man erfolgreiche Ideen nicht nur in räumlicher Hinsicht adaptieren kann. Geeignete Anknüpfungspunkte um bestehende Ideen weiter zu entwicklen sind auch sachliche oder technische Adaptionen (zum Beispiel 3D statt 2D) oder die Übertragung des Erfolgskonzeptes auf eine neue Zielgruppe (etwa SchülerVZ statt StudiVZ).
Wer sich mal die Zeit nimmt und einen Sonntagnachmittag lang bestehende Erfolgskonzepte auf Möglichkeiten zu deren
- räumlichen (meist schon passiert)
- sachlichen
- technischen und
- zielgruppenbezogenen
Adaption analysiert, wird überrascht sein, wieviele gute Geschäftsideen auf der Straße liegen…
Der große Vorteil von Geschäftsideen, die keine echten Revolutionen sondern nur Adaptionen darstellen, ist das wesentliche Faktoren sich bereits als erfolgreich erwiesen haben. Entsprechend läßt sich das Risiko fehlender Marktakzeptanz deutlich senken. Problematisch ist, dass besonders naheliegende Adaptionen (SchülerVZ) oder waschechte Kopien (Twitter-Nachbauten) natürlich auch besonders viele Nachahmer auf sich ziehen. Es gilt daher abzuwägen, ob man sich dem zu erwartenden Wettbewerbsdruck stellen möchte oder sich auf innovativere Konzepte zurückzieht bei denen man selber dafür alleine auf weiter Flur startet. Genaueres zur Bewertung und Auswahl von Geschäftsideen aus Gründersicht folgt…



Hervorragend geschrieben, Lukasz. Gehört ab sofort zur Pflichtlektüre jedes Gründers (in spe).
[...] Lukasz Gadowski: Wie Geschäftsideen identifiziert und bewertet werden Hervorragend geschrieben von Lukasz Gadowski, Gründer von Spreadshirt.de, des deutschen Erfolgsmodells in Web 2.0, über das Know-how wie Geschäftsideen identifiziert und bewertet werden. Der Kernsatz von Teil I: Insbesondere wenn Netzeffekte eine Rolle spielen (und die Ressourcen begrenzt sind) gilt es seine Gedanken zu fokussieren und die Kräfte auf das Vorrantreiben einer einzigen Idee zu bündeln [...]
Tschuldige, Jan! *schmeiss in Staub* Vor lauter Müdigkeit habe ich ich mich in der Autrenschaft des Artikels versehen. Die Ehre gebührt natürlich dir. habe es bei mir schon korrigiert. Freue mich dich zu sehen…
Klasse Analyse Jan, die Punkte Fokussierung auf eine Idee und notieren von Geistesblitzen sind extrem wichtig, stimmt ich dir voll zu. Wer hat sich noch nicht schon mal geärgert, dass er einen guten Gedanken später nicht mehr zu 100% (und damit auch nicht mehr so gut, wie zu dem Moment als er kam) zusammenbekommt… :)
Naja, neues steht in dieser Analyse (sic!) jedenfalls nicht.
Über die in Überschrift angekündigkte “Bewertung von Geschäftsideen” wird kein Wort verloren.
Gibt es da nicht unter Umständen auch das Problem der adversen Selektion? Also nichts gegen den Gründerbrunch oder so, aber gerade in aktuellen Zeiten sind viele Schaumschläger unterwegs – meine Meinung.
Hallo Alex, meinst Du adverse Selektion in Bezug auf die Vernetzung? Am Ende verbinden sich nur noch die “lemons” unter den Gründern? Ich denke nicht, schon alleine deshalb weil es relativ gute Screening- und Signaling-Möglichkeiten gibt. Gerade dank Netzwerken wie XING ist es doch relativ leicht sich über gemeinsame Kontakte eine Meinung zu einer Person einzuholen bzw. die Referenzen einzusehen.
@Erwin: Die (subjektive) Bewertung folgt wie angekündigt im 2. Teil.
[...] Auch spannend in diesem Zusammenhang ist die aktuelle Analyse von Jan auf Gründerszene, der sich damit beschäftigt wie eigentliche Ideen überhaupt entstehen. (No Ratings Yet) Loading … [...]
Ein offenes und faires Feedback zu einer Geschäftsidee scheint mir besonders wichtig zu sein, damit man Stärken und Schwächen erkennt. Freunde und bezahlte Berater sind da nicht immer die besten Ratgeber. Besonders sinnvoll ist es, auf die Meinung ehrenamtlich aktiver Mentoren zu setzen, wie sie von vielen Programmen der Gründerunterstützung angeboten werden.
…da wird es mir ganz warm ums Herz, wenn ich sehe wie sich hier und überall anders alle mit dem Gründen eines eigenen Unternehmens auseinander setzen. Eine sehr gute Möglichkeit an interessante Geschäftsmodelle zu gelangen ist wohl auch sich mit völlig anderen Dingen zu beschäftigen. Dann wird der Kopf frei und auf einmal brasseln die Ideen nur so auf einen ein. Dann braucht man keinen Notizblock mehr ;) Aber auch eine Geschäftsidee, die nicht sofort den Markt aufräumt kann funktionieren. Sind wir mal ehrlich… Die wenigsten sind selbstläufer. Dann kommt es umso mehr darauf an das Potential vorher abzusehen und zu bewerten und dann durchzuhalten. Durchhalten, Durchhalten, Durchhalten!!! Naja, wem erzähl ich das…
Ein sehr gelungener Artikel, Jan.
Persöhnlich halte ich vom systematischen Suchen einer Geschäftsidee nicht viel… Nicht dass es nicht klappen würde, sehr viele Serial Entrepreneurs gehen ja so vor. Doch sehe ich hier die Gefahr, sich selber aufgrund von trockenen Marktanalysen im Handumdrehen in ein Projekt zu drücken, hinter dem man am Ende des Tages nicht 100% steht. Klingt einbisschen abgedroschen, aber IMO ist das zutreffend.
Grüße
Gleb
Hi Gleb, ich sehe das mit dem nötigen Fit zwischen Gründer und Konzept sehr ähnlich und werde im 2. Teil ausführlich darauf eingehen. Da geht es dann nämlich vor allem um die subjektive Bewertung einer Idee aus Gründersicht. Trotzdem würde ich nicht auf die systematische Suche verzichten. Je größer die Auswahl an potentiellen Ideen, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines optimalen Fits. Ich selber möchte daher (nächstes Jahr) aus einem möglicht großen Ideen-Pool schöpfen können um dann die bestgeeignetste Option, mit der ich mich am meisten identifizeren kann, wahrnehmen zu können.
VG, Jan
[...] Im ersten Teil ging es um die zufällige oder systematische Identifikation von Geschäftsideen. [...]
[...] Wer sich für die Bewertung von eigenen Ideen interessiert, dem empfehle ich zwei Beiträge von L.G.: Identifikation und Bewertung von Geschäftsideen – Teil I und Teil II. [...]
[...] In Berlin habe ich Oliver Beste (Gründer, MyToys.de) und Fabian Hansmann (Gründer, Steganos Software) getroffen, die kürzlich Founders Link gegründet haben. Founders Link verbindet Ideen, Teams und Kapital und ermöglicht es hierdurch auch denjenigen Gründern durchzustarten, die keine reife Geschäftsidee haben. Darüber hinaus suchen die beiden natürlich ebenso wie andere Business Angel auch Gründer mit Ideen oder Ideen ohne Gründer… Aktuell stärken Oliver und Fabian unter Anderem dem Berliner Mobile-Start-Up Aka-Aki den Rücken. Die Entscheidung das Gründer-Team mit Geld und Know-how zu unterstützen viel dabei leichter als üblich: Aka-Aki-Mitgründer Gabriel Yoran und Fabian hatten bereits zu Jugendzeiten gemeinsam im elterlichen Keller programmiert… [...]
Liebe Leute, dass Thema : “Geschäftsidee” ist eine Wissenschaft!
Bitte, warum schweigt Ihr seit 1 Okt. 2007?
Danke im Voraus für Ihre Antwort!
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