Nach der Entscheidung pro Eigenkapital in Millionenhöhe gilt es als Unternehmensgründer den Venture-Capital-Investor vom Investment zu überzeugen. Doch wie entscheidet ein Venture-Capitalist, ob eine Geschäftsidee es wert ist, in sie zu investieren? Olaf Jacobi, Partner beim Münchner Venture-Capital-Investor Target Partners (www.targetpartners.de), gibt in seiner Gründerszene-Kolumne einen Einblick, wie Venture-Capital-Investoren vom Zeitpunkt an dem ein Businessplan eintrifft bis hin zum Abschluss der Finanzierungsrunde vorgehen.
Geht es darum zu entscheiden, ob in ein Unternehmen mit einer bestimmten Geschäftsidee investiert wird, handeln Venture-Capital-Investoren vom Eingang des Businessplans an bis zum Abschluss der Finanzierungsrunde anhand einer festen Struktur:
Sie nehmen nach Eintreffen des Businessplans, eine erste Beurteilung vor. Anschließend wird gemeinsam mit dem Jungunternehmer ein Term-Sheet erstellt. Zum Schluss folgen eine systematische und detaillierte Analyse, die Due-Diligence und das Erstellen der Investment-Verträge. Beginnen wir damit, die Vorgehensweise nach Eintreffen des Businessplans zu beschreiben und darzustellen nach welchen Schritten die Beurteilung erfolgt.
Erfassen des Inhalts
Im Monat erreichen einen Venture-Capital-Investor in Deutschland zwischen vierzig und einhundert Businesspläne, die bevorzugt per E-Mail entgegengenommen werden. Die Businesspläne werden anschließend in einer Deal-Flow-Datenbank erfasst, um alle Deals in einem strukturierten Prozess zu analysieren und zu evaluieren.
Anschließende Kategorisierung
Nachdem Investmentmanager sich mit dem Inhalt des Businessplans vertraut gemacht haben, gilt es den Business-Case, zu evaluieren. Dabei prüfen die Investoren, ob die Geschäftsidee im Investment-Fokus liegt. Also, ob der potentielle Kapitalnehmer in einer Industrie aktiv ist, die das Venture-Capital-Unternehmen fokussiert. Wichtig ist auch, ob das Unternehmen im angestrebten Investment-Gebiet des Venture-Capital-Investors ansässig ist und ob sich das Unternehmen gerade in einer der Finanzierungsphasen, in die das Venture-Capital-Unternehmen investiert, befindet. Ist es demnach beispielsweise im Seed- oder Early-Stage anzusiedeln?
Konsequenz der Kategorisierung
Trifft einer dieser Punkte nicht zu, wird der Investmentmanager den Businessplan nicht weiter verfolgen. Anschließend gilt es, die Geschäftsidee zu kategorisieren und dabei eine erste Bewertung vorzunehmen. Der Aufbau der Kategorien variiert innerhalb der verschiedenen Venture-Capital-Unternehmen. Target Partners verwendet beispielsweise die Stufen eins bis drei, wobei eins als sehr interessant und drei als nicht interessant gilt. Cases, die die Stufe eins oder zwei erreicht haben, werden evaluiert.
Evaluierung des Business-Cases
Der Venture-Capital-Investor nimmt in diesem Zusammenhang erste Untersuchungen auf, um diese anschließend zu bewerten. Dabei erfolgt die Prüfung des Business Cases gemäß unterschiedlicher Faktoren.
Markt, Produkt & Technologie, Kunden, Wettbewerb – der erste Schritt der Evaluierung
Ein Faktor bei dieser Evaluierung, ist der Markt. In diesem Punkt stellt sich die Frage, wie hoch der Bedarf der Dienstleistung oder des Produktes des Unternehmens auf dem Markt ist. Auch müssen sich die Investoren fragen, wie groß der bereits bestehende Markt auf diesem Unternehmensfeld ist. Wie viele potentielle Nutzer sind eigentlich wahrscheinlich und wie hoch ist in diesem Zusammenhang der erzielbare Umsatz?
Ein weiterer Faktor ist das Produkt und die damit verbundene Technologie. Für die Investmentmanager muss klar sein, ob das Produkt funktionsfähig ist und ob es bereits eingesetzt werden kann. Denn ein anderer und sehr entscheidender Aspekt, sind die Kunden. Dabei ist interessant, ob bereits ein Kundenstamm existiert. Trifft dies zu, gilt es zu klären, aus welcher Zielgruppe sich dieser zusammensetzt.
Venture-Capital-Investoren interessieren sich unter anderem besonders für den Wettbewerb. Hierbei stellt sich die Frage, ob es generell Mitbewerber gibt. Ist dies der Fall, muss klar sein durch welche Wettbewerbsvorteile sich das Unternehmen von bereits bestehenden Konkurrenten abgrenzen kann. Außerdem prüfen die Investmentmanager, wie nachhaltig dieser Vorteil überhaupt ist.
Zweiter Schritt: Firmenstruktur, Management, Finanzplanung sowie Exit
Ein weiterer Punkt, der bei den Investoren auf große Aufmerksamkeit stößt, ist die Firmenstruktur. Die Investmentmanager eruieren, wie sich die Struktur der Gesellschafter gestaltet. Selbst die geplante Managementstruktur wird evaluiert. Fragen, inwieweit etwaige Personen für die Unternehmensleitung vorgesehen sind und wie stark das momentane Team ist, werden geprüft. Die Investoren achten in diesem Zusammenhang auch darauf, dass deutlich erkennbar ist, welche Schlüsselpositionen besetzt werden müssen und ob es dafür bereits Kandidaten gibt. Darüber hinaus wird geprüft, welche Patente und Urherberrechte dem Unternehmen gehören.
Bei der Finanzplanung achten die Investmentmanager vor allem darauf, wie realistisch sich die Finanzplanung gestaltet und wie viel Kapital das Unternehmen tatsächlich benötigt.
Der finale Aspekt, der Exit, der im Rahmen dieser Evaluierung behandelt wird, klärt, ob ein Börsengang mit dem Unternehmen vorstellbar ist, an wen die Firma verkauft werden könnte und welche Exit-Bewertung zu erzielen möglich ist.
Die detaillierte Analyse folgt in der Due-Diligence
Eine Evaluierung stellt noch nicht die Due-Diligence dar. An dieser Stelle haben die Venture-Capital-Investoren noch keine detaillierte und systematische Analyse des Unternehmens beziehungsweise des Geschäftsplans durchgeführt, um einen Gesamteindruck der wirtschaftlichen Lage, der Zukunftsaussichten sowie des Chancen- und Risikoprofils des Unternehmens zu gewinnen.
Im nächsten Beitrag der Kolumnenreihe erläutere ich den Abschluss eines so genannten Term-Sheets, welches die Konditionen und Bedingungen einer Beteiligung dokumentiert.

Klasse Beitrag mit viel Hintergrundinfos, macht weiter so GS, das ist ein wahres asset.
Sorry, aber wollt Ihr uns fuer dumm verkaufen?!
Exakt (!) diese Kolumne erschien vor rund 4 Monaten schon bei Foerderland.de:
http://www.foerderland.de/419+M55548c368d8.0.html
Ich hoffe diese Art von Recycling ist nicht Euer ernst…
@Thomas: Davon habe ich definitiv nichts gewusst. Ich werde dem mal nachgehen, danke für den Hinweis.
@Thoma “Sorry, aber wollt Ihr uns fuer dumm verkaufen?!” JA – NEIN, aehh…, Gegenfrage: Wenn die Bunte von der Gala abschreibt, dann schreist du doch auch nicht, oder?
Im übrigen: Das alles genuegt ehh nur noch bornierten Eitelkeiten gerecht werden zu koennen. Arme VC Landschaft und gleichgeschaltete Startup Media Sippe.
Dazu gesellen sich dann noch die very active Angels und Super Angel Fonds, die sich JAAAA GAAAAR NICHT opportunistisch verhalten. (Nicht wahr Paul, sind immer nur die anderen?! Zur Kolumne Paul Jozefak http://www.vc-magazin.de/news/kolumne/detail.hbs?itemid=item1145868237&recnr=13967&headline=Kolumne+von+Paul+Jozefak+%28Ausgabe+2%2F10%29&more=0 )
Eigentlich ein unangenehmer Menschenschlag, der wahrscheinlich nur dann eine über das Funding hinausgehende Attraktivität ausstrahlt, wenn der (das) Gegenüber, sagen wir Gründer (EBSler) nach dem ersten Funding, so schnell wie möglich auch auf der anderen Seite des Tisches wandern will, damit er den nächsten Gründer (aus dem Vorsemester) mit einem Mini-Funding seeden kann. So gehts dann weiter, bis wir wieder den Bubble platzen sehen/hören.
Danke dafür :/ NASEN
@Thomas: Ja, über das Thema habe ich auch schon auf Förderland geschrieben. Für junge Unternehmen ist es meiner Ansicht nach extrem wichtig, dass Sie wissen, wie solche Prozesse bei VC-gebern aussehen – sonst sinken die Chancen auf Beteiligungskapital. Ich hoffe, das ist auch für die Gründerszene-Community interessant.
Hatte den Artikel auf Förderland noch nicht gelesen und auch wenn er nur recycelt wurde, ist er doch interessant – was interessant wäre:
In wie weit gehen pure Zahlen und in wie weit Bauchgefühl in eine Entscheidung mit ein und wo kann man als Gründer ansetzten bzw. geschickt verhandlen und sich selbst gut präsentieren, um das eigene Unternehmen besonders wertvoll erscheinen zu lassen?
- Siehe Oskar Hartmann von kupivip.ru der mit nichts außer seine Vision 8 mio für einen Brands4friends Klon in Russland eingesammelt hat, obwohl der russische Internetmarkt noch lange nicht soweit ist wie in Deutschland (google ist ziemlich klein, kein StudiVZ oder ähnliches wo man riesige Banner schalten kann, was auf FB nicht geht etc.)
@Benny: vielen Dank für Dein Feedback.
Zu Deiner Frage, ob Investitionsentscheidungen auf puren Zahlen und/oder auch auf Bauchgefühl basieren:
Es ist beides. Da niemand (zumindest niemand den ich kenne) die Zukunft 100%ig voraussagen kann und somit auch keine 100%ig verlässlichen Zahlen (z.B. zukünftige Marktgröße, Wettbewerber, Anzahl der Kunden, Umsatz, EBIT, etc.) existieren, sind Investitionsentscheidungen zu einem gewissen Teil auch Bauchentscheidungen.
Wir versuchen den “Faktor Bauch” durch eigenes Know-how, Expertenmeinungen und Szenarien aus vergleichbaren Märkten zu validieren und bzw. zu minimieren.
Ich werde mehr zu den Entscheidungsprozessen eines VCs in zukünftigen Beiträgen schreiben.
@Olaf: Danke für diesen spannenden Artikel! Die unterschiedlichen Tätigkeiten bei Target Partners müssen sehr interessant sein – da würde ich gerne mal 3-4 Wochen dem einen oder anderen Analysten über die Schulter schauen und aufmerksam zuhören und viel viel lernen….
Ein sehr guter Artikel,
mich interessiert vor allem die Entscheidung eines Venture Capitalists.
Sind es neben den harten Fakten auch Dinge wie Sympathie, Präsentation und Auftreten?
Wie sieht es mit den persönlichen Interessen eines Investors aus? Spielen hier Leidenschaft und Begeisterungfähigkeit auch eine Rolle?
Sind Business Pläne überhaupt noch aktuell oder eher Augenwischerei?
Ich stelle mal die provokante Behauptung in den Raum, dass Business Pläne wie man sie klassisch kennt doch nur ne schöne Schreibtischunterlage sind und zu mehr nicht taugen.
Welches Unternehmen hat seine 3 Jahresplanung denn exakt nach Plan eingehalten? Denke 99% nicht. Ein Business Plan ist ein Schönreden, die Fakten zeigen nachher die Realität.
Ließt überhaupt jemand den ganzen Business Plan oder zählen nur die Zahlen und die Executive Summary?
Fragen über Fragen :-)
Freue mich schon auf den nächsten Artikel.
Gruß
Thomas
P.S.: Ist Brands4Friends nicht eine deusche Kopie aus Frankreich?! ;-)
Auch VCs werden ja nicht müde, auf Gründerveranstaltungen zu beteuern, dass man in das Team und nicht in den BP investiert.
Ich frage mich, wie ein in dem Artikel beschriebenes Vorgehen damit korreliert. Die einzige in dem Artikel beschriebene relevante Entscheidung ist, ob das Projekt in den Investmentfocus gehört.
BPs sind Milchmädchenrechnungen. Egal wieviel Analysezeit und Kennzahlen daraus gezogen werden: Es bleiben Milchmädchenrechnungen – da es eben Projektionen in die Zukunft sind.
Als solche sind sie trotzdem wertvoll, sie ermöglichen dem Team das Delta zu bestimmen.
Die relevante Grösse für den Erfolg eines Projektes ist nach m. E. das Team, oder die Qualität der Organisation. Die Idee von absoluter Planbarkeit der Zukunft ist da kontraproduktiv.
Bernd
@Bernd:
a) Ich halte die Aussage, dass ein VC in ein Team investiert und nicht in einen Businessplan, für nur zum Teil richtig. Selbst wenn das Team auf dem Papier gut aussieht, würde wahrscheinlich niemand in das Start-up investieren, wenn der Business Case überhaupt nicht erfolgsversprechend ist.
b) Jeder Businessplan (Finanzplanung) ist eine Planung der Zukunft. Und wie wir alles wissen: “Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum”. http://de.wikipedia.org/wiki/Irrtum
Jedoch ist der Businessplan mehr als ein Excel-Chart. http://www.targetpartners.de/index.asp?Modus=97&ContentID=149&ParentFolder=&LangID=
Das Team ist in der Tat sehr wichtig, jedoch ist auf keinen Fall die einzige relevante Größe für den Erfolg eines Start-ups und somit für die Entscheidung eines VCs.
@Olaf
Wenn Du Recht hast, warum gibt es dann sowenige Berater(teams), die erfolgreich Unternehmen gründen? Die schreiben nämlich meist excellente BPs, sind aber in der Umsetzung i.d.R. Totalversager.
Diese Erfahrung bestätigen erfahrene VCs, wie z.B. Conny Bösch.
Der BP ist insofern relevant, da er sichtbar macht, ob das Team in der Lage ist, Planungen durchzuführen – er berichtet insofern über die Fähigkeit eines Teams. Natürlich brauchen wir ihn auch um das Projekt zu beschreiben – aber da steht meine Beurteilung meist nach dem Lesen der ES.
@Bernd:
…weil Berater in den meisten Fällen keine Technologie oder Produkte entwickeln können.
Es geht nicht um exzellente Businesspläne in Hochglanzformat sondern um gute Ideen, verteidigbare Technologie und Produkte, die einen hohen Kundennutzen haben.
Ein gutes Team ist sehr wichtig aber ich würde nicht behaupten, dass man nur in ein Team investiert.
Ich glaube nicht, dass man Dinge verallgemeinern sollte, denn so einfach ist das VC-Gschäft nicht und der Aufbau eines Start-ups schon gar nicht.
@Olaf
aha, dann liegt also doch am Team -)
Aber es ist letzendlich auch eine Frage, wie reif das Projekt ist. Je reifer, um so wichtiger sind die BPs.
Ich beobachte halt, dass Gründer erfolglos von VC zu VC tingeln, weil sie angeblich Seed machen.
M.E. hat man als Gründer in so einer Situation nur eine Chance, wenn man einen im Team hat, der einen Track-Record hat.
Ich verurteile das Verhalten der VCs auch nicht, da sie fremdes Geld verwalten und eigentlich kaum anders können – sie müssen ja irgendeine Art von Risikomanagement machen und der Übergang eines Projektes von der Ideenphase in die Realisierung ist ein sehr alchimistischer Vorgang.
Hallo Olaf,
der Beitrag ist ja nun schon ein paar Tage alt, habe ihn gerade aber gelesen.
Ich plane derzeit einen BP und denke darüber nach diesen alsbald einem VC zukommen zu lassen.
In dem Artikel steht, dass ein VC etwa 40-100 BPs im Monat zugesendet bekommt.
Mich würde einmal interessieren, wie hoch die Quote derer ist, die positives Feedback bekommen, angenommen das Investitionsgebiet stimmt?
Vielen Dank,
André
hi ihr profis,
angenommen ich möchte in ein start-up-unternehmen eines mir bekannten menschen investieren, der ein unternehmen gründet, über einen überzeugenden businessplan verfügt und der schon relativ zeitnah eine gute rendite ermöglichen könnte, dabei aber vermutlich relativ wenig potenzial in richtung 2-stelligen millionenwert des unternehmens bietet.
wie viel prozent des unternehmens kann ein venture capital geber in solch einem fall erwarten.
ich weiß, dass viele venture capital fonds 51% vom unternehmen fordern. ist dies eine nahezu allgemeingültige regel oder ist das ganze von fall zu fall unterschiedlich? prinzipiell dürfte wieder gelten: je höher das risiko, desto höher die beteiligung oder?
hängt die beteiligung auch vom umfang der investition ab?
sollte ich prinzipiell nichts ohne anwalt machen? die person, die das unternehmen starten möchte, ist diesbezüglich auch verhältnismäßig unerfahren, so dass ich die gefahr über den tisch gezogen zu werden als recht gering ansehe.
bei einigung wird das ganze natürlich sowieso noch vom anwalt geprüft und notariell beglaubigt oder ist dort ein anderes vorgehen typisch?
wenn ihr sonst irgendwelche sinnvollen hinweise oder ratschläge bzgl dieses themas habt, wäre ich euch sehr verbunden, wenn ihr sie mit mir teilen würdet!