Das Term-Sheet ist fertig und abgestimmt. Wie weit ist es nun noch bis zum Abschluss der Finanzierungsrunde? Olaf Jacobi, Partner beim Münchner Venture-Capital-Investor Target Partners (www.targetpartners.de), gibt in seiner Gründerszene-Kolumne einen Einblick, wie Venture Capital-Investoren vom Zeitpunkt, an dem ein Businessplan eintrifft, bis hin zum Abschluss der Finanzierungsrunde vorgehen.

Venture Capital Investment: Was gehört dazu?

Wie funktioniert das erste Screening eines Businessplans? Und was muss bei der Erstellung eines Term-Sheets beachtet werden? Diese Fragen wurden bereits in den ersten beiden Teilen der VC-Kolumne beantwortet. Ist das Term-Sheet fertig und sind sowohl das Startup als auch der Venture-Capital-Investor damit zufrieden, dann fehlen nur noch zwei Dinge bis zur Überweisung der Investmentsumme: die Due-Diligence und das Erstellen der Investment-Verträge.

Due-Diligence: Venture Capital Investment – geprüft bis ins kleinste Detail

Meine eigene erste Due-Diligence erlebte ich nicht als Venture-Capitalist, sondern als Unternehmer. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Damals war ich noch etwas grün hinter den Ohren und dachte, eine Evaluierung wird wenn, dann schon vor der Unterzeichnung des Term-Sheets durchgeführt. Damals wurde ich aber eines Besseren belehrt: Die eigentliche Detailarbeit startet erst, nachdem das Term-Sheet unterzeichnet ist. Der Venture-Capitalist drehte jeden Stein um. Dieses detaillierte Vorgehen konnte ich damals nicht recht verstehen. Ich hatte den Eindruck, dass der Venture-Capitalist nicht glaubte, was ich ihm erzählt und präsentiert habe. Er schien regelrecht nach Fehlern zu suchen.

Nachdem ich mehrere Venture-Capital-Runden als Unternehmer durchgeführt hatte und letztendlich seit nunmehr drei Jahren als Venture-Capital-Investor arbeite, weiß ich, warum eine Due-Diligence so detailliert durchgeführt wird, sogar werden muss. Schließlich investiert ein Venture-Capitalist nicht nur sein eigenes Geld, sondern zum überwiegenden Anteil das Geld Dritter. Der Verantwortliche für einen Venture-Capital-Fonds muss alle Eventualitäten kennen. Und deshalb schaut er sich jedes Detail im Unternehmen genauestens an.

Venture Capital Investment: Was zählt bei Due-Diligence?

Bei einer Due-Diligence werden folgende Punkte en détail geprüft:

  • Corporate-Legal-Due-Diligence: Untersucht wird hier die rechtliche Struktur der Gesellschaft. Sämtliche Verträge, Kapitalerhöhungen und andere Kapitalmaßnahmen, Gesellschafter- und Beirats-/Aufsichtsratsbeschlüsse sowie die Anteilseignersituation werden unter die Lupe genommen.
  • Financial-Due-Diligence: Wie der Name schon andeutet, widmet sich diese Prüfung der finanziellen Situation des Unternehmens. Der Venture-Capitalist durchforstet alle Verträge, Abschlüsse, Verpflichtungen und Forderungen sowie die Budgets des StartUps, um ein genaues Bild zu bekommen.
  • Technical-Due-Diligence: Stimmen Technologie und Produkt? Zur Beantwortung dieser Frage werden meistens Spezialisten und Experten hinzugezogen. Diese durchleuchten nicht nur das fertige Produkt, sondern auch den Entstehungsprozess – bei einer Software also beispielsweise das Projektmanagement und die Dokumentation sowie die Qualitätskontrolle. Dieser Report wird dann häufig mit dem jungen Unternehmen besprochen und kann zukünftig als Vorlage für Verbesserungen dienen.
  • IPR-Due-Diligence: Bei der IPR-Due-Diligence geht es um rechtliche Dinge: Wie sind bestehende Patente und Copyrights zu bewerten? Werden Rechte und Patente Dritter tangiert oder verletzt?
  • Personnel-Due-Diligence: Ein Venture-Capitalist investiert nicht nur in das Unternehmen, sondern auch in Personen, das heißt in das Unternehmer- und Management-Team. Der Erfolg des StartUps hängt maßgeblich auch von diesem Personenkreis ab. Wichtig ist deshalb, einen umfassenden Eindruck über die Gründer, deren Erfahrungen und Referenzen zu bekommen.

Alle Erkenntnisse aus den Einzelprüfungen werden in einem Due-Diligence-Report zusammengefasst. Dieser wird mit dem Gründer- und Management-Team durchgegangen und mögliche Unklarheiten werden gemeinsam geklärt.

Venture Capital Investment: Vom Aufsetzen des Vertrags bis zum Closing-Dinner

Nach der Due-Diligence folgt der Investment-Vertrag. Meist beginnt ein Anwalt schon während der Due-Diligence die Verträge aufzusetzen. Gute Anwälte auf Seiten des Venture-Capitalisten und auf Seiten des StartUps sind hier wichtig. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wasserdichte Verträge ohne Interpretationsspielraum für alle Beteiligten ein Muss sind. Das Jungunternehmen sollte zwar auf die anfallenden Kosten für Anwälte achten und die Gesamtkosten einer Finanzierungsrunde nicht ausufern lassen. Es bringt aber nichts, an der falschen Stelle zu sparen und nur unerfahrene beziehungsweise schlechte Anwälte zu engagieren.

Eine weitere Empfehlung: Die Verträge sollten auf Englisch geschrieben werden. Denn oftmals hat ein StartUp die Chance, international tätig zu werden. Oder Kapital von internationalen Venture-Capitalisten in weiteren Finanzierungsrunden zu bekommen. Auch bei der Exit-Variante Trade-Sale kann es einen internationalen Käufer geben.

In die Investment-Dokumente gehören dann folgende Punkte, die sich am Term-Sheet orientieren:

Wenn das Term-Sheet ausführlich und ohne Lücken erstellt ist, wird es bei den einzelnen Punkten nicht zu grundlegenden Problemen kommen. Kleinere Verhandlungen über gewisse Formulierungen oder über die Auslegung wichtiger Konditionen sind jedoch normal.

Nun müssen alle Beteiligten die Dokumente lesen und redigieren. Gegebenenfalls werden unterschiedliche Positionen verhandelt und abgestimmt. Ist alles geklärt, vereinbart man einen „Closing-Termin“. An diesem Termin treffen sich alle Gesellschafter, das Management und der neue Investor, um beim Notar die Verträge zu unterschreiben. Ein Ereignis, das vor allem in der ersten Finanzierungsrunde für den Unternehmer von entscheidender Bedeutung ist.

Die Verträge sind also unterzeichnet und die Investitionssumme ist überwiesen – nun bleibt nur noch, bei einem “Closing-Dinner” mit einem lauten „Prost!“ auf eine positive Zukunft anzustoßen.

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Bildmaterial: cohdra
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