Holtzbrinck Ventures, Martin Weber, VC, Venture-Capital

Sie sind gemeinsam mit einem motivierten Gründerteam und einer guten Idee der Motor eines jungen Unternehmens: Investoren. Egal ob Venture-Capitalist, Business-Angel oder Inkubator – ohne das nötige Kleingeld gäbe es so manche spannende Business-Idee nur auf dem Papier. Gründerszene hat sich daher einmal die Mühe gemacht und unter dem Motto “Interview mit einem VC” – und nein, Anspielungen an Blutsauger sind gänzlich zufällig – Deutschlands spannendste Geldgeber zu einem Interview gebeten.

Dieses mal: Martin Weber stellvertretend für Holtzbrinck Ventures, das er im Bereich Neue Medien als General Partner und Managing Director leitet. Martin Weber ist seit gut zwölf Jahren im Venture-Capital-Segment aktiv und war seither in die  Akquisition von über 40 Beteiligungen und verschiedene Exits involviert, unter denen sich neben verschiedenen Joint-Ventures auch fünf Eigengründungen finden.

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Mein Name ist Martin Weber und ich verantworte seit über zehn Jahren gemeinsam mit einem sehr engagierten Team bei Holtzbrinck Ventures (www.holtzbrinck-ventures.com) Investments in Unternehmen im Bereich Neue Medien. Wir haben dabei sehr erfolgreich von der ersten Stunde an Unternehmen wie Experteer und Parship gegründet, Unternehmen wie Brands4Friends, Groupon CityDeal, MyHammer, GameDuell oder AdScale begleitet und in etablierte Unternehmen wie StudiVZ, Bol.com oder Ozon.ru investiert.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

Unsere Strategie ist es, Unternehmer von einer sehr frühen Phase der Unternehmensgründung an über mehrere Entwicklungsstufen hin zum Exit zu begleiten. Dabei setzen wir auf einen Mix aus jungen Unternehmern, erfahrenen Business-Angels und Geschäftskonzepte, die ihre Bestätigung gerne in anderen Branchen und Märkten gefunden haben. Wir haben bisher im Schnitt zirka 1,5 Millionen Euro pro Investment investiert (gehen dabei aber auch über fünf Millionen Euro je Einzelinvestment) und haben oft mit einem Einstiegsinvestment zwischen 250.000 und 750.000 Euro angefangen. Wir sind heute so ausgestattet, dass wir aber junge Unternehmer auch über einen längeren Zeitraum hin finanziell begleiten können.

Wie viel investiert ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten? „Das ist eine individuelle Sache“ zählt als Antwort übrigens nicht :-).

Es gilt eine ausgewogene Balance zu finden, die uns als Frühphaseninvestor genug Upside nach oben und den Unternehmern genügend Spielraum lässt. Gerne stocken wir auch unsere Beteiligung im Zeitverlauf auf, um so den Verwässerungsinteressen der Gründer in frühen Phasen gerecht zu werden. Wenn wir von einer Zielquote von rund 20 Prozent sprechen liegen wir sicherlich nicht falsch.

Bist Du selbst an den Investments Deines Fonds beteiligt? Zum Beispiel direkt oder über carry.

Wir sind seit 2004 mit eigenem Geld investiert und bekommen einen marktüblichen Carry, nachdem wir unseren Geldgebern eine gewisse Mindestrendite erwirtschaftet haben. Wir sitzen also mit Investoren und Gründen auch finanziell in einem Boot.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Abwechslung, die Unsicherheit welches Modell am Markt erfolgreich ist und welcher Unternehmer mit welchen Strategien Erfolg hat, sind sehr spannend. Kein Tag ist wie der andere und kein Unternehmen entwickelt sich wie ein anderes. Wir lernen viele tolle Leute kennen und versuchen ihnen in einem sehr dynamischen Umfeld, geprägt mit viel Unsicherheit ein verlässlicher und berechenbarer Partner zu sein.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung.

Die schlimmste Erfahrung ist immer, bereits nach kurzer Zeit einsehen zu müssen, dass man sich getäuscht hat: in Märkten, im Modell, in Menschen. Man denkt dann schon darüber nach, was man falsch gemacht hat und das ist auch gut so, schließlich investieren und verwalten wir immer noch vornehmlich das Geld, das uns Dritte anvertraut haben. In unserem Geschäft und mit unserem sehr frühen Ansatz gehören Fehler und Risiko aber zum Geschäft.

Eine der besten Erfahrungen war sicher die Übernahme des Geschäftes von Bol.nl mit T-Venture und Weltbild und dem Management zusammen. Das Unternehmen war hoch defizitär und konnte durch das Management in einem selbstverantwortlichen Umfeld zu einem der profitabelsten und größten E-Commerce-Unternehmen in Holland aufgebaut werden. Hier hat sich gezeigt, was Menschen mit genügend unternehmerischem Freiraum bewegen können.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Eine gute Idee ist mit einem schlechten Team kein Selbstläufer, aber es werden ihm mehr Fehler vom Markt verziehen. Ein gutes Management wird seinen Weg finden, auch wenn ggf. die erste Idee nicht top war.

Gibt es das ideale Gründerteam?

Ambitioniert, hungrig und analytisch gut ausgebildet mit Praxiserfahrung in anderen jungen Unternehmen. Das Team muss offen dafür sein, nach rechts und links zu schauen und Ratschläge anzunehmen und zu durchdenken. Aber es muss auch seinen Weg gehen können und wollen. Das Team muss mit einer konkreten und schlüssigen Idee kommen, einer Idee die Märkte verändern kann und die genügend Potential hat. Sie muss relevant sein.

 

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Das kommt darauf an in welcher Lebenzyklusphase sich ein Unternehmen befindet. In der Anfangsphase gilt es, Märkte zu verändern und relevant zu sein. Zu klein zu denken bringt einen da nicht weiter. Nach einer gewissen Anlaufphase gilt es aber natürlich die Profitabilität unter Beweis zu stellen. Im Consumer-Internet-Bereich wird nicht für IP bezahlt, sondern für Ertragsstärke.

Welches sind die Top 3 Kardinalsfehler von StartUps in Deutschland?

Blauäugig ins Rennen zu gehen und analytisch nicht genug nachgedacht zu haben, sich nicht rechtzeitig um eine Finanzierung zu kümmern und zu klein zu denken, was Wachstum und Human-Resources angeht.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Ja, aber wir holen auf, auch Dank der „Super-Angels“, die viel für Unternehmer und die Professionalisierung der Branche tun.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

Viele.

Wie stehst Du zu Copycats?

Im Consumer-Internet geht es nicht um Innovation sondern um Execution. Ein Unternehmer und auch ein Investor wird zur Verringerung des Risikos immer versuchen, von anderen Unternehmern oder anderen Märkten zu lernen. Wenn er sich entscheidet, ein ähnliches Modell zu starten in einem anderen Markt oder Segment, halte ich das für clever. Keiner wartet darauf bis das vermeintliche Original in den betreffenden Markt oder das betreffende Segment eintritt. Wir investieren in Copycats und unsere Unternehmen werden kopiert. Der bessere wird dabei gewinnen. Die hitzige Diskussion halte ich für fehlgeleitet.

Auf welchen StartUp-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Wir versuchen bei den Events präsent zu sein, wo wir Unternehmer kennenlernen und nicht nur, wo sich unsere Branche trifft. Wir lesen alle einschlägigen Blogs ständig, sie sind eine wichtige Quelle der Information. In Zeitungen steht selten neues zu unserem Markt, dazu scheint der noch nicht relevant genug zu sein?

Martin, danke für das Gespräch.

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