ePayment, Zahlungsmittel, Bezahldienstleister, Payment-Anbieter

Im ersten Teil seines Beitrags zur richtigen Auswahl an Zahlungsmitteln hat Martin Ott aufgegriffen, welche Anforderungen an ein Zahlungsverfahren gestellt werden sollten und welche Besonderheiten und Kriterien man bei deren Auswahl und der Integration beachten muss. Teil zwei widmet sich nun vor allem den verschiedenen Zahlungsmethoden.

Wie funktionieren Online-Zahlungsmittel?

Die Bezahlung per Rechnung ist zwar bei Kunden noch immer stark verbreitet, allerdings ist hierbei speziell für den Händler das Risiko sehr hoch. Zum einen besteht die Möglichkeit des Zahlungsausfalls, zum anderen muss der Händler anfallende Kosten der Abwicklung tragen, die sich schnell summieren können.

Bei Zahlung per Vorkasse entfällt zwar das Ausfallrisiko für den Händler, dafür trägt jedoch der Kunde das Risiko, ein fehlerhaftes Produkt zu erhalten. Zudem ist das Zahlen per Vorkasse für den Käufer umständlich und es können – bedingt durch banktechnische Abläufe – Verzögerungen beim Kauf und der Auslieferung auftreten. Aus diesem Grund wird die Option der Vorkasse von immer weniger Kunden in Anspruch genommen.

Die Bezahlung per Rechnung macht nur dort Sinn, wo physische Waren über den Online-Shop ausgeliefert und gegebenenfalls wieder zurückgeschickt werden können. Für StartUps, die im Internet rein virtuelle Waren oder Dienstleistungen verkaufen, ist daher der Aufwand für Rechnungsversand, Abgleich mit der Buchhaltung und das Eintreiben von nicht bezahlten Rechnungen zu hoch und viel zu bürokratisch. Aus diesem Grund ist der reine Rechnungskauf nicht unbedingt die beste Bezahloption. Andere Bezahlmethoden erlauben hier mehr Flexibilität, Sicherheit und Komfort.

Online zahlen per Nachname

Die Zahlung per Nachnahme ist zwar sehr verbreitet, jedoch umständlich und teuer. Oft ist der Kunde schwer anzutreffen, sodass zusätzliche Versandkosten veranschlagt werden müssen, die gerade bei kleinen Beträgen kaum im Verhältnis stehen. Deshalb ist auch diese Bezahlmethode für junge Internetfirmen nicht unbedingt zu empfehlen. Besser ist hier das Lastschriftverfahren, das eine einfache und gut akzeptierte Alternative zu Rechnung/Vorkasse und Nachnahme darstellt.

Online zahlen per Lastschrift

Lastschrift (auch ELV: elektronisches Lastschriftverfahren) ist bei deutschen Kunden und Shopbetreibern aufgrund der einfachen Handhabung sowie der bequemen und schnellen Ausführung sehr beliebt. Das Lastschriftverfahren ist daher ein Muss für jedes StartUp und nimmt zirka 40 bis 50 Prozent des gesamten Transaktionsvolumens ein. Viele Kunden scheuen jedoch zunehmend die vollständige Preisgabe ihrer Bankdaten. Für den Händler von Nachteil: Im möglichen Streitfall liegt ihm keine Einzugsermächtigung vor. Die Quote der Rücklastschriften ist daher sehr hoch (je nach Produkt und Partner teilweise bis zu 40 Prozent), da der Kunde jederzeit die Möglichkeit hat, die anfallenden Beträge über die Bank zurück zu buchen.

TIPP: Man sollte sich für diese wichtige Bezahloption einen Partner suchen, der neben der einfachen Einbindung einer Lastschrift-Option ein professionelles Risikomanagement zur Verfügung stellen kann. Einige Anbieter stellen Internetfirmen sogar komplett vom Risiko der Rücklastschriften frei – bei nur geringfügig höheren Gebühren. Mit solchen Angeboten etabliert sich das System der Lastschrift schnell als die erfolgversprechendste Bezahloption im Internet.

Online zahlen per Kreditkarte

Bezahlen per Kreditkarte ist die zweitwichtigste Bezahlmethode in Deutschland und für nationale wie auch internationale Zahlungen geeignet. Die Kreditkarte ist deshalb für alle StartUps ein Muss! Gründe, die für eine Kreditkarte sprechen, sind neben der weltweiten Verbreitung der Sicherheitsaspekt sowie der hohe Automatisierungsgrad. Visa, Mastercard und American Express sollte man daher als Webshop immer mit anbieten.

Bei den meisten Payment-Anbietern müssen separate Kreditkarten-Akzeptanzverträge abgeschlossen werden, einige bieten hingegen alle Bezahlmethoden aus einer Hand. Dabei ist zu beachten, dass oft so genannte „Rolling-Reserves” einbehalten werden. In der Regel bedeutet dies, dass die Auszahlung von 10 bis 20 Prozent des Umsatzes für drei bis sechs Monate vom Anbieter zurückgehalten wird, um sich gegen etwaige Zahlungsausfälle abzusichern. Auch gibt es strenge Vorschriften für Rücklastschriften. Bei zu hoher Rücklastschrift-Quote drohen Strafgebühren und Kündigung des Vertrages.

Obwohl sich die Kreditkarte wachsender Beliebtheit erfreut, ist die Verbreitung in Deutschland im Vergleich zum Ausland noch sehr gering. Vor allem bei jüngeren Zielgruppen wie Teenagern, Auszubildenden und Studenten, aber auch bei bestimmten kulturellen oder sozialen Schichten werden Kreditkarten bisher nur vereinzelt verwendet. Auch ist die Bezahlung per Kreditkarte für kleine Beträge aufgrund der oft höheren Transaktionskosten nicht geeignet. Besonders im Kreditkartenbereich ist es von immenser Bedeutung, von Anfang an einen Partner mit professionellem Risiko- und Betrugsmanagement zu wählen, der den zunehmenden Trend zum Kreditkartenbetrug weitestgehend verhindern und ihm Einhalt gewähren kann. Anbieter von kompletten Bezahlsystemen liegen hier meist im Vorteil.

Online zahlen per Giropay / Sofortüberweisung

Online-Banking-Verfahren sind auch in Deutschland dabei, sich stärker zu etablieren. Giropay und Sofortüberweisung erfreuen sich hierzulande einer immer größeren Beliebtheit und erzielen bereits einen Marktanteil von knapp 10 Prozent. Deshalb sollten sie bei Internet-Unternehmen im Portfolio nicht mehr fehlen.

Um die Verzögerungen bei der Bezahlung per Vorkasse zu beheben, wurde mit Giropay ein Verfahren entwickelt, welches heute von Kunden der Postbank, Raiffeisenbank und den Sparkassen genutzt werden kann. Die Bezahlung per Giropay erfolgt unmittelbar und hat sich als sicher erwiesen: Wenn Kunden ein Produkt per Giropay im Internet kaufen, werden sie beim Bezahlen sofort auf den Online-Account ihrer Bank geleitet und müssen dort die Transaktion per persönlichem PIN und TAN bestätigen.

Das Prinzip der „Sofortüberweisung” funktioniert ähnlich wie Giropay und ermöglicht die direkte Bezahlung über Online-Konten anderer Banken, wie der Deutschen Bank oder der Dresdner Bank.

Bei Giropay benötigt der Händler zunächst einen Akzeptanz-Vertrag mit einem so genannten Acquirer (dem kaufmännischen Bindeglied zwischen Giropay und dem Online-Händler) und muss Giropay anschließend über ein so genanntes Internet-Kassensystem in seinen Shop integrieren. Mit den Anbietern solcher Kassensysteme handelt der Shopbetreiber dann seine individuellen Transaktionsgebühren aus.

Online zahlen per Micropayment / ePayment

Um neue Zielgruppen zu erschließen und das Bezahlen von kleinen Beträgen – so genannten Micropayments – zu ermöglichen, haben viele Anbieter neue Möglichkeiten für das Bezahlen im Internet entwickelt. So sind im Internet verwendbare Prepaid-Karten bereits für Jugendliche ab 14 Jahren verfügbar wie beispielsweise die PaysafeCard. Daneben gibt es auch Mobile-Payment-Verfahren, welche jedoch aufgrund der schlechten Konvertierung, der Limitierung auf Kleinstbeträge, der Schwierigkeit der Zuweisung der Transaktionen sowie der immens hohen Kosten heute noch nicht massentauglich und daher für StartUps nicht zu empfehlen sind.

Neben den „klassischen” Bezahlmethoden setzen sich immer mehr innovative ePayment-Verfahren durch, die eigens dem elektronischen Handel angepasst wurden. Unter ihnen spielen die so genannten „eWallets” die wichtigste und sichtbarste Rolle. In den USA laufen heute bereits über 20 Prozent aller Internet-Transaktionen über eWallets. Auch in Deutschland wächst die Beliebtheit der elektronischen Geldbörsen stetig, denn eWallet-Lösungen reagieren auf die Ängste vieler Kunden, im Internet Kreditkarten- und Bankinformationen preisgeben zu müssen. Ferner gestatten eWallets die Bündelung einer Vielzahl an lokalen Bezahl- und Transfer-Optionen unter einem einzigen leicht nutzbaren System. Kunden müssen sich dabei nur einmal initial beim System anmelden und fortan nur noch E-Mail-Adresse und Passwort wählen, um Zahlungen zu autorisieren.

Shopbetreiber bekommen über das eWallet-System Zugang zu allen verfügbaren Bezahloptionen durch eine einzige Integration und unter Nutzung eines einzigen Vertrages. Ein weiterer Vorteil: Shopbetreiber müssen sich bei eWallet-Lösungen nicht um die Abwicklung der einzelnen Bezahloptionen kümmern und können dies komplett dem Anbieter überlassen.

Zahlungssysteme wie Paypal bieten zudem ihre eWallets mit einem eigenen umfangreichen Kundenstamm an, der dank Marketingaktivitäten seitens der Anbieter gerade bei jungen StartUps für zusätzliche Starthilfe sorgen kann. Dienstleister bieten auch kostenlose Beratung bei der Auswahl der geeigneten Bezahlsysteme für das entstehende Geschäft und können sowohl direkte, traditionelle Bezahloptionen als auch neue ePayment-Verfahren direkt aus einer Hand liefern. eWallet-Systeme bieten somit eine kundenfreundliche, sichere und einfache Bezahlalternative und sollten heutzutage bei StartUps nicht mehr fehlen.

Bestimmte Payment-Service-Provider können sowohl direkte und traditionelle Bezahloptionen als auch neue ePayment-Verfahren aus einer Hand liefern. Große Plattformen wie Bibit (in Deutschland RBS Worldplay), Moneybookers (www.moneybookers.com) oder Pago bündeln die unterschiedlichen Bezahlmethoden und reduzieren somit die Komplexitätskosten und den Aufwand, den verschiedene Abrechnungssysteme und Systemintegrationen bedeuten würden.

UPDATE: Hier den dritten und letzten Teil der Reihe finden, oder auch hier eine PDF mit allen drei Artikeln in einer Datei runterladen: Zahlungsmittel im Internet

Bildmaterial: Cohdra
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