Online-Zahlungsmittel, Payment-Anbieter, Bezahlanbieter

Im ersten und zweiten Teil seines Beitrags zur richtigen Auswahl an Zahlungsmitteln hat Martin Ott aufgegriffen, welche Anforderungen an ein Zahlungsverfahren gestellt werden sollten und was die gängigen Zahlungsmethoden sind. Im dritten und letzten Teil seiner Reihe geht er auf Kosten und Schutzmaßnahmen ein.

Kosten für Payment-Anbieter

Wie bei jeder Dienstleistung variieren auch bei den Bezahlanbietern die Preise für die angebotenen Services. Neben sehr unterschiedlichen Preisen pro Transaktion stellen viele Anbieter noch separate Einrichtungs- oder andere monatliche Gebühren in Rechnung. Diese reichen von einigen hundert bis zu tausenden Euro pro Monat und Integration. Insbesondere in der Gründungsphase sollte daher ein Anbieter gefunden werden, der rein transaktionsbasiert abrechnet. Je nach Umsatzvolumen liegen die Preise dabei zwischen 0,99 bis 3,5 Prozent plus 30 Cent je Transaktion.

Neben den Gebühren für die Nutzung der Dienstleistung dürfen gerade von jungen Unternehmen die Kosten und Aufwendungen für Integration, Risikomanagement, Inkasso, Reporting und Kundenservice nicht vergessen werden. Daher empfehlen sich gerade für Schnellstarter, die sich auf ihre Kernkompetenz und schnelles Wachstum konzentrieren wollen, solche Anbieter im Markt, die diese zusätzlichen Dienstleistungen komplett übernehmen – ohne Mehrkosten für den Shopbetreiber. In späteren Jahren der Unternehmensentwicklung kann dann entschieden werden, welche Prozesse auch intern aufgebaut werden sollten.

Schutzmaßnahmen von Zahlungssystemen

Viele Online-Händler werden auch in Zukunft vermehrt von Kreditkartenbetrug betroffen sein und massive Probleme mit Rücklastschriften haben, abhängig davon, welche Zahlart und Produkte sie anbieten. Damit sie aber nicht auf möglichen Kosten sitzen bleiben, sollten Start-Ups darauf achten, einen Online-Zahlungsanbieter mit professionellem Risikomanagement zu wählen, der für den Fall des Betrugs einen umfassenden Schutz bietet. So sollten Lastschriftverfahren und Kreditkarten nicht ohne Schufa-Scoring, Adressabgleich, Blacklisten und einen geeigneten Inkasso-Dienst angeboten werden.

Doch Vorsicht: Die meisten Zahlungssysteme behaupten einen solchen Schutz für Shopbetreiber zu bieten, leiten jedoch die Kosten des Betrugs letztendlich zum Händler weiter. Deshalb sollte man sich für einen Online-Zahlungsanbieter entscheiden, der die Betrugskosten selbst auf sich nimmt, beispielsweise durch eine „Zahlungsausfallversicherung”. Diese übernimmt im Zahlungsausfall die Kosten der Ausgleichsbuchung anstatt diese an die Händler weiterzuleiten. Bei einer Verkaufsbestätigung kann sich so ein Händler sicher sein, weder ohne seine Waren noch ohne das Geld vom Kunden zurückzubleiben. Durch eine komplette Rücklastschriftgarantie gegen den Aufschlag einer geringen Risikogebühr erreicht der Shopbetreiber zudem mehr Umsatz bei gleichzeitig geringeren Kosten und Aufwand.

Warnhinweise für Zahlungsbetrug

Viele Online-Einzelhändler sind unerfahren im Umgang mit betrügerischen Zahlungen. Aus diesem Grund sind sie ein attraktives Ziel für eine steigende Zahl von Kriminellen. Shopbetreiber sollten daher stets die Sicherheitskriterien der Zahlungsmittel überprüfen und auf Warnzeichen achten, damit es gar nicht erst zum Betrug kommt.

Entschlüsselung der Warnzeichen: Wenn beispielsweise ein Kunde, der niemals zuvor etwas über den Shop bezogen hat, plötzlich eine große Anzahl an Posten kauft, die sich leicht wiederverkaufen lassen, sollten Online-Händler auf der Hut sein. Während einige Kriminelle erst einmal eine Reihe seriöser Käufe tätigen, um Vertrauen aufzubauen und dann den betrügerischen Großkauf vorzunehmen, kaufen viele Betrüger einmalig eine große Menge ein und sind nach der Transaktion nicht mehr auffindbar. Besondere Wachsamkeit ist bei Bestellungen zwischen 1 und 4 Uhr nachts geboten, da hier viele Kriminelle darauf bauen, dass es zu dieser Zeit nur wenig manuelle Überprüfungen der Zahlungen gibt.

Überprüfung des Kundenverhaltens: Bei gewissen Verhaltensmustern sollte man besonders aufmerksam sein, zum Beispiel wenn sich die Rechnungsadresse von der Lieferadresse unterscheidet. Sobald man ein ungutes Gefühl hat, sollten die Kunden überprüft werden. Auch sollten Online-Händler keine Waren an ein Postfach schicken, wenn nicht zwingende und plausible Gründe vorliegen. Bei ausländischen Käufen, Großeinkäufen, ungewöhnlichen Adressen oder dem Gefühl, dass die Transaktion nicht richtig abläuft, ist eine Kontaktaufnahme mit dem Kunden sinnvoll. Es ist Vorsicht geboten, wenn niemand auf die Nachfrage reagiert. Kriminelle ziehen es vor, keinen Kontakt zu hinterlassen, selbst wenn das bedeutet, dass sie ihren Betrug nicht durchführen können. Notfalls sollten Shopbetreiber die Zahlung für ungültig erklären oder zurückerstatten.

Nutzung sicherer Zahlungstechnologien: Wenn Online-Händler Kredit- und EC-Karten als Zahlungsservice akzeptieren, sollten sie alle verfügbaren Zahlungskontrollen benutzen, wie den CVC-Code (dreistelliger Sicherheitscode), eine Adressverifikation und die 3-D Secure-Technologie („Verified by Visa” bzw. „Mastercard SecureCode”). Zudem ist es ratsam, als Shopbetreiber eine „Schwarze Liste” bei ihrem Zahlungsanbieter zu organisieren, welche über gestohlene Karten informiert, sodass Zahlungen mit diesen Karten beim Bezahlvorgang abgelehnt werden können.

Fazit: Sorgfältige Auswahl von Payment-Anbietern

Mit der Auswahl des richtigen Zahlungsanbieters können Gründer viel Geld, Zeit und Mühe sparen und mehr Umsatz erzielen. Gerade StartUps machen häufig bei der Auswahl des Anbieters den Fehler, exklusive oder langjährige Verpflichtungen mit Bezahlanbietern einzugehen. Sie akzeptieren meist den erstbesten Anbieter, weil der Bereich Bezahlung in ihrer Planung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dadurch werden höhere Kosten, unzuverlässige Plattformen und schlechtes Account-Management in Kauf genommen. Wichtig bei der Auswahl: Referenzkunden überprüfen, keine Exklusivität unterschreiben, keine Einrichtungsgebühren oder Mindestgarantien akzeptieren und das Gesamtpaket der Leistungen bewerten.

Für StartUps ist nicht nur das Zahlungsportfolio entscheidend (Lastschrift, Kreditkarten, Giropay/Sofortüberweisung plus ein oder zwei eWallets), sondern zudem das richtige Risikomanagement, Reportingsysteme, internationale Bezahloptionen sowie ein überschaubarer Integrationsaufwand. Daher sollte man sich für die Auswahl des geeigneten Partners genügend Zeit lassen. Diese wird spätestens bei Vertragsverhandlungen und der technischen Integration wieder eingespart. Viel wichtiger ist jedoch: Mit dem richtigen Zahlungsanbieter kann bei geringerem Risiko schneller skaliert und somit mehr Umsatz erzielt werden.

UPDATE: Auf Anregung von Stefan hier noch einmal ein PDF mit der Zusammenfassung aller drei Teile. Einfach downloaden und alles zuhause nochmal in Ruhe nachlesen: Zahlungsmittel im Internet

Bildmaterial: Kahle
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