Mittelstandsanleihen Anleihe Emissionen Startups

Mittelstandsanleihen: 25 Millionen Euro für PosterXXL

Das Mittel der Wahl: Mittelstandsanleihen. Heiß diskutiert, aber nicht ohne Risiken finden entsprechende Emissionen auch in der Finanzierung von kleinen und mittelgroßen Unternehmen immer häufiger Anwendung. Gründerszene hat sich den Finanzierungsweg einmal aus dem Blickwinkel der Startup-Branche angeschaut.

Gerade erst hat PosterXXL (www.posterxxl.de) Schlagzeilen damit gemacht, sich über das Mittelstandssegment der Bayerischen Börse zunächst 15 Millionen Euro an neuen Mitteln besorgt zu haben. Später sollen im Rahmen einer zweiten Tranche zehn weitere Millionen dazu kommen. Mit dem neuen Kapital will der Fotodienstleister “den Markt aktiv konsolidieren”, lässt sich Vorstand Christian Schnagl zitieren – mit anderen Worten: Es sind Übernahmen geplant.

Spätestens damit sind Mittelstandsanleihen ein viel diskutiertes Thema – auch bei Startups. Gleichzeitig weisen die Papiere einiger Emittenten eine schlechte Performance auf. Was ist also dran, am Medienrummel um das erst 2010 gestartete Anleihesegment für kleine und mittelgroße Unternehmen? Immerhin steht die Suche nach neuem Kapital bei Startups in der Regel weit oben auf der Agenda.

In einem noch jungen Segment wiegen Negativschlagzeilen wie etwa um die Insolvenz des Windkraftspezialisten SIAG Schaafs schwer: Im März dieses Jahres kam es zum ersten offiziellen Ausfall einer Mittelstandsanleihe – gefundenes Fressen für die Kritiker, die eine generell schlechte Qualität der Unternehmen, zumindest relativ zu den Erwartungen der Investoren, und eine zu geringe Transparenz der Emittenten bemängeln. Nachdem (private) Banken im Finanzierungsgeschäft für viele kleinere Unternehmen immer weniger als Partner in Frage kommen, bleiben wenige Alternativen, von “Growth Debt”-Anbietern wie etwa Kreos Capital (www.kreoscapital.com) einmal abgesehen.

Anleihen sind beliebte Instrumente…

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Wirklich neu ist das Finanzinstrument auch gar nicht, Anleihen zumeist größerer Konzerne gibt es bereits seit Langem. Und die Papiere erfreuen sich, immer in Abhängigkeit von der gegenwärtigen Zinslage, recht großer Beliebtheit – nicht nur der verlockenden Hebelwirkung des Fremdkapitals bei der Eigenkapitalrendite wegen. Auch aus Investorensicht können sie dank der bevorzugten Behandlung von Fremdkapital den Anlage-Mix sinnvoll ergänzen.

Jung ist derweil die Tendenz, als Emittenten auch kleinere und mittelgroße Unternehmen zuzulassen. Genau zu diesem Zweck wurden sogar Börsenplattformen wie Bond-M in Stuttgart, der Mittelstandsmarkt in Düsseldorf, M-Access in München, die Mittelstandsbörse Deutschland in Hamburg/Hannover und der Entry Standard in Frankfurt gestartet beziehungsweise ausgeweitet. Spezielle Anforderungen, so werben die Börsen, sollen sowohl beim Anleger wie auch beim Emittenten für mehr Transparenz sorgen.

Neben einem stabilen Geschäftsmodell müssen die Unternehmen insbesondere solide Finanzen und Cash-Flows nachweisen – bereits hier sollte deutlich werden, dass das Konzept für kleinere beziehungsweise sehr junge Startups meist weniger geeignet ist. Den begleitenden Banken obliegt es derweil, durch entsprechende Vorselektion nur qualitätiv hochwertige Anleihen auf den Markt zu bringen. Für das generell etwas höhere Risiko bekommt der Investor allerdings auch meist eine deutlich höhere Verzinsung – zwischen sechs und acht, mitunter sogar neun Prozent und mehr sind dabei drin. Bei PosterXXL etwa sind das 7,25 Prozent, durch die Struktur der Anleihe errechnet sich eine Rendite von 8,85 Prozent.

…aber sind sie auch für Startups relevant?

Generell liegen die üblichen Umsatzmarken von Unternehmen an den mittelständischen Anleihemärkten zwischen einigen Millionen bis hin sogar zur Milliarde Euro. Damit befinden sich selbst die Jungunternehmen, die bereits Millionenumsätze verbuchen können, hinsichtlich ihrer Größe am unteren Ende der Spanne. Die etwa von der Agentur Scope vergebenen Ratings schwanken im von “BBB+” bis hin zu “B-” – was ebenfalls als Indiz dafür zu werten ist, dass Verluste schon vorprogrammiert sind.

Insbesondere besteht das Risiko einer möglicherweise unzureichenden Profitabilität der mit der Anleihe finanzierten Wachstumsaktivitäten. Letztere wird auch durch die Anleihe selbst beeinträchtigt, da der (Mehr-)Aufwand für die Begleichung der Zinsschuld durch das operative Geschäft erst einmal finanziert werden muss. Bei PosterXXL etwa fallen einschließlich des laufenden Jahres bis zum Laufzeitende im Jahr 2017 bei vollständiger Platzierung jährlich Zinszahlungen von bis zu 1,8 Millionen Euro an – kein kleiner Happen, der die Ausgaben für die tatsächliche Expansion entsprechend deutlich reduziert.

Insbesondere ins Verhältnis gesetzt zu den Ausgaben an Löhnen und Gehältern von drei Millionen Euro wird schnell klar, welche Rolle solche Zinszahlungen für PosterXXL in den nächsten Jahren spielen werden. Auch sollte generell der Aufwand für die Berater, die notwendige Kommunikation und vor allem die Erfüllung der Prospekt-/Transparenzpflichten nicht unterschätzt werden. Dabei kann die Wahl des Handelsplatzes durchaus entscheidend sein: Mindestratinganforderungen, Mindestemissionsvolumen oder auch Varianten in der Produktgestaltung entscheiden darüber, welcher zu den individuellen Vorhaben am besten passt.

Wagnisfinanzierung

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Nicht zuletzt darf der mögliche Fehlschlag einer Anleihenfinanzierung nicht vergessen werden. Zwar wurden an den größeren deutschen Anleihesegmenten bislang bereits mehr als drei Milliarden Euro eingeworben. Der genauere Blick zeigt jedoch schnell, dass einige der Emissionen alles andere als erfolgreich verlaufen sind (PDF). So gibt es mitunter Emissionen, bei denen nicht einmal zehn Prozent der angestrebten Mittel realisiert werden.

Besonders jene kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die aus Kostengründen die Bank als Mittelsmann ausgelassen und eine Eigenemission durchgeführt haben, schnitten hier in der Vergangenheit schlecht ab – was nicht heißt, dass die Berater immer alles richtig machen. Betrachtet man die hohen Fixkosten, kann hier schnell ein beträchtlicher finanzieller Schaden entstehen.

Als Frühfinanzierung kommt die Mittelstandsanleihe ohnehin kaum in Frage. Darüber hinaus kann sie allerdings ein durchaus probates Mittel darstellen – insbesondere wenn die Anteile der bisherigen Investoren nicht verwässert werden sollen. Kommunikation ist dabei das “A und O”, nicht zuletzt, um die notwendige Zinsbelastung möglichst gering zu halten.

Allein auf Anleihen sollten sich kleine und mittelgroße Unternehmen keinesfalls verlassen, sondern im Idealfall eine bestehende Finanzierung erweitern. Dabei sollte die Mittelstandsanleihe aus gutem Grund immer als Wagnisfinanzierung verstanden werden. Weder für die Unternehmen noch für die Investoren muss das allerdings etwas Schlechtes sein.

Einen Überblick der wesentlichen Finanzierungsformen hat Gründerszene übrigens hier veröffentlicht.

Bildmaterial: Börse Stuttgart
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