Startup-Phase Finanzierung

Tabelle: Vor- und Nachteile der Beteiligungsfinanzierung

Was nach der Seed-Phase passiert

In dieser Phase steht die offizielle Unternehmensgründung auf dem Plan, sowie die Fertigstellung eines marktreifen Produkt- beziehungsweise Dienstleistungsangebotes und der Abschluss eines tragfähigen Geschäftskonzeptes. Der dritte Artikel der Reihe “Phasengerechte Finanzierung” gibt einen Überblick über die Startup-Phase sowie typische Finanzierungsformen.

In der Seed-Phase stehen die Vorbereitungen zur Unternehmensgründung, das heißt, die Entwicklung eines Unternehmenskonzeptes und die Durchführung von Markt- und Kundenanalysen, sowie die Grundlagenentwicklung für das zukünftige Angebot des Unternehmens im Fokus der Aktivitäten. Der Kapitalbedarf in dieser Frühphase ist, verglichen mit den nachfolgenden Gründungsphasen, noch relativ gering und das hohe Risiko erschwert die Suche nach geeigneten Investoren.

Die Startup-Phase beginnt mit der offiziellen Unternehmensgründung und umfasst die Fertigstellung eines marktreifen Produkt- beziehungsweise Dienstleistungsangebotes sowie den Abschluss eines tragfähigen Geschäftskonzeptes. Analog der Seed-Phase, ist die Startup-Phase der Frühphasen-Finanzierung zuzuordnen. Jedoch steigen die Erwartungen der Investoren im Hinblick auf den Detailierungsgrad der vorgelegten Konzepte. Die Etablierung eines aussagekräftigen Berichtswesens stellt, in Kombination mit einer ausgereiften Finanzplanung, einen elementaren Schritt bei der Gewinnung neuer Kapitalgeber dar.

Die Finanzplanung sollte hierbei neben einer Aufstellung des Kapitalbedarfs für die ersten drei bis fünf Jahre, geplanter Finanzierungsform, sowie einer Ergebnisplanung auch rechtliche- und steuerrechtliche Aspekte berücksichtigen. Durch die hierdurch geschaffene Transparenz kann das Vertrauen potentieller Investoren in die Unternehmung gestärkt und unnötigen Kosten, zum Beispiel durch nachteilige Konditionen bei der Aufnahme neuer Finanzmittel, vorgebeugt werden. Dies trägt insgesamt dazu bei, den Unternehmenswert nachhaltig zu erhöhen.

Grundsätzlich ist zwischen zwei Finanzierungsformen zu unterscheiden. Der Innen- und der Außenfinanzierung. Bei der Außenfinanzierung werden dem Unternehmen Finanzmittel von extern zugeführt. Bei der Innenfinanzierung hingegen werden Mittel aus dem laufenden Geschäftsbetrieb in liquide Mittel umgewandelt. Jedoch spielt diese Art der Eigenkapitalbeschaffung eine untergeordnete Rolle, da in der Start-up-Phase weiterhin mit Verlusten gerechnet werden muss.

Auch in späteren Stadien, nach Erreichen der Gewinnschwelle, werden Gewinne zunächst für den Lebensunterhalt der Unternehmer genutzt werden und stellen keine Finanzierungsalternative dar. Damit sind Unternehmen in der Startup-Phase auf Außenfinanzierung angewiesen, welche sich in Eigenkapital, Fremdkapital und Hybride Finanzierungsformen untergliedern lässt.

Start-up-Phase

Außenfinanzierung in der Startup-Phase

Die tragende Komponente der Finanzierung bildet in der Startup-Phase das Eigenkapital, wobei die Bedeutung von Venture-Capital-Gesellschaften (VC-Gesellschaften oder Wagniskapital-Gesellschaften) deutlich an Bedeutung gewinnt. Begründet liegt die weiterhin sehr hohe Relevanz des Eigenkapitals in dem gegenüber der Seed-Phase zwar geringeren aber nach wie vor hohen Gründungsrisiko, fehlenden Vergangenheitsdaten, Erfahrungswerten und Sicherheiten, sowie den nahezu unvermeidbaren Anlaufverlusten.

Da die Eigenkapitalbasis der Gründer nach der Seed-Phase häufig bereits deutlich reduziert ist, müssen dem Unternehmen in der Startup-Phase Finanzmittel mit Eigenkapitalcharakter von außen hinzu geführt werden, welche dieses Defizit ausgleichen.

Die Stärkung der Eigenkapitalbasis verbessert die Bonität des Unternehmens – unter anderem durch geringere Kapitalkosten, kann die erstmalige Aufnahme von Fremdkapital ermöglichen und sichert die notwendige Liquidität, da aufgrund des Eigenkapitalcharakters belastende Zins- und Tilgungszahlungen entfallen.

Für die Aufnahme von Eigenkapital steht Gründern eine Vielzahl von Alternativen zur Verfügung. Einerseits Zuwendungen der öffentlichen Hand, in Form von Finanzierungsprogrammen, aber auch Realleistungen, andererseits die Einbeziehung nicht-staatlicher Stellen in Form von privaten Anlegern oder den eingangs erwähnten Venture-Capital-Gesellschaften.

Start-up-Phase

Finanzierung aus öffentlichen Förderprogrammen

Für Fälle, in denen die Mittel aus dem Privatvermögen der Gründer und Gesellschafter nicht ausreichen, ist eine Vielzahl öffentlicher Förderprogramme, auf Stadt-, Landes- beziehungsweise Bundesebene aufgelegt worden. Die Finanztransfers dienen hierbei vornehmlich der Verbesserung der Eigenkapitalbasis; wohingegen die Leistungstransfers darauf abstellen die realen Aufwendungen der Gründer, zum Beispiel für Büroräume und externe Beratungsleistungen, zu reduzieren.

Gerade Förderprogramme auf Stadt- und Landesebene konzentrieren sich auf diese Realtransfers, in Gegensatz zu Programmen auf Bundesebene, bei denen der Fokus auf Finanzierungen liegt.

So bietet beispielsweise die Kreditanstalt für Wiederaufbau- (KfW) Bankengruppe im Rahmen des European Recovery Program- (ERP) Eigenkapitalhilfeprogramms (Programmnummer 085) zinsgünstige Kredite. Aufgrund der überdurchschnittlich langen Laufzeit, dem nachrangigen Anspruch im Falle einer Insolvenz, und der fehlenden Notwendigkeit einer Besicherung hat dieses Förderprogramm Eigenkapitalcharakter, sollte jedoch aufgrund der bestehenden Rückzahlungsverpflichtung nicht als “echtes” Eigenkapital interpretiert werden.

Siehe zum Beispiel: ERP-Kapital für Gründung oder auch Unterstützung der KfW-Bankengruppe

Eigenkapitalfinanzierung

Bei der Aufnahme “echten” Eigenkapitals spielt die gewählte Rechtsform des Unternehmens eine entscheidende Rolle. Hierbei sind Personengesellschaften (Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Offene Handelsgesellschaft (OHG), Kommanditgesellschaft (KG)) und Kapitalgesellschaften (Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), Aktiengesellschaft (AG), Kommanditgesellschaft auf Aktien (KgaA)) zu unterscheiden.

Grundsätzlich stehen, in Abhängigkeit von der jeweiligen Gesellschaftsform, zwei Alternativen zur Aufnahme neuen Eigenkapitals zur Verfügung; die Erhöhung der Beteiligung bereits bestehender Gesellschafter und die Aufnahme von neuen Gesellschaftern.

Jedoch ist davon auszugehen, dass bei den meisten Startups die Möglichkeit der Erhöhung der Beteiligung bestehender Gesellschafter bereits in der Seed-Phase ausgeschöpft wurde und häufig nur die Aufnahme neuer Gesellschafter realistisch ist.

Die Aufnahme neuer Gesellschafter kann jedoch einen Verlust an unternehmerischer Selbstständigkeit bedeuten, da diese im Gegenzug zum bereitgestellten Kapital Mitsprache- und Kontrollrechte einfordern. Auf der anderen Seite kann die sorgfältige, strategieorientierte Auswahl von neuen Gesellschaftern auch wertvolle neue Kontakte und Wissen in die Unternehmung einbringen und so die Unternehmensentwicklung nachhaltig fördern.

Damit erscheinen Eigenkapitalsurrogate ohne Mitspracherechte zum Beispiel von öffentlichen Stellen, sowie die Aufnahme neuer Gesellschafter als geeignete Lösung der Kapitalbeschaffung.

Der Eigenkapitalzuführung über Beteiligungsfinanzierung kommt für junge Unternehmen eine besondere Rolle zu, da sie sich aufgrund der Vielzahl von Real- und Finanzleistungen optimal an die Bedürfnisse des jeweiligen Startups anpassen lässt. Zudem lässt sich beobachten, dass Beteiligungskapital als Eigenkapital die Attraktivität des Unternehmens für Fremdkapitalgeber erhöht, was sich vorteilhaft auf mögliche Anschlussfinanzierungen auswirkt.

Eine neue, vom Volumen her in Deutschland noch recht unbedeutende, aber aufstrebende Tendenz aufweisende Form der Beteiligungsfinanzierung ist das Crowdfunding. Diesem innovativen Konzept wird aufgrund seiner Aktualität ein separater Artikel gewidmet werden.

Abgesehen von der neuen Idee des Crowdfundings gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Beteiligungsgesellschaften (Venture-Capital-Geber) unterschiedlichster Rechtsformen und Investitionsstrategien. Neben den öffentlichen Gesellschaften, welche zumeist nicht renditeorientiert arbeiten und innerhalb von Landesgrenzen operieren, existieren private Beteiligungsgesellschaften. Diese stellen den Großteil der Beteiligungsgesellschaften dar.

Die Beteiligung von Venture-Capital-Gesellschaften kann entweder über sogenannte aktive Beteiligungen, das heißt, mit der Mitwirkung an der Geschäftsführung oder über eine stille Beteiligung erfolgen. Für das Beteiligungskapital erhält die VC-Gesellschaft Anteilsrechte. Bei Personengesellschaften am Unternehmensvermögen, bei Kapitalgesellschaften am Unternehmenseigenkapital.

Die Venture Capital Investoren, sind nicht als “normale” Kapitalgeber zu verstehen, da VC-Geber bereit sind ein wesentlich höheres Investitionsrisiko einzugehen. Folglich gehört auch ein gewisser Anteil von Fehlinvestitionen zum Geschäftsmodell, diese werden jedoch durch ein breites Spektrum an Investitionen kompensiert.

Startup-Phase

 

Grundsätzlich sollten, in Bezug auf die Beteiligungsfinanzierung, folgende Punkten beachtet werden:

  • Steuerliche Aspekte
  • Wie können die Renditeerwartungen potentieller VC-Investoren befriedigt werden?
  • Aktuelle und zukünftige Bilanzstruktur des Startups
  • Welche Mitsprache- und Kontrollrechte sind Gründer bereit, neuen Gesellschaftern einzuräumen?
  • Wie hoch wird das Ausfallrisiko des Investments der VC-Gesellschaften eingeschätztund auf welcher Basis beruhen diese Annahmen?
  • Wie hoch ist der Liquiditätsbedarf und welche Annahmen liegen der Ermittlung des Liquiditätsbedarfs zugrunde?

Während der Frühphasenfinanzierung kommen insbesondere Early-Stage-Venture-Capital-Funds als Kapitalquelle in Betracht. Diese sind auf die Beteiligung an Unternehmen in der Start-up-Phase ausgerichtet. Wie bei der Aufnahme eines neuen Gesellschafters, besteht auch bei der Beteiligung durch VC-Gesellschaften die Möglichkeit des Wissens- und Informationstransfers. In diesem Zusammenhang wird oft von “Smart Money” gesprochen. Der Venture Capitalist stellt neben frischem (Wachstums-) Kapital meist ein umfangreiches Netzwerk mit nützlichen Kontakten zur Verfügung.

Die Ausübung der durch die Beteiligung erworbenen Kontrollrechte ist zum einen abhängig vom relativen Unternehmensanteil, zum anderen von der Einhaltung von Kennzahlen und vereinbarten Zielen. Solange die Entwicklung des Startups im Plan liegt, behält der Venture Capitalist seine Cash-Flow-Rechte, macht aber keinen Gebrauch von den häufig umfassenden Kontroll- und Liquidationsrechten.

Die Wahl einer “passenden” VC-Gesellschaft, welche im Idealfall als Gründungs-Partner und nicht als reiner Kapitalgeber betrachtet wird, stellt eine Entscheidung dar, die die zukünftige Unternehmensentwicklung stark prägen wird. Daher sollten Gespräche mit mehreren potentiellen Kapitalgebern geführt und positive sowie negative Aspekte sorgsam abgewogen werden.

Aufgrund von Risikodiversifikation, der Einholung einer zweiten Expertenmeinung sowie der mit der Bedeutung des Finanzierungsvolumens steigenden Verhandlungsmacht der Kapitalgeber findet häufig ein Zusammenschluss mehrerer VC-Gesellschaften als Kapitalgeber statt.

Somit zeigt sich, dass VC-Gesellschaften eine wichtige Rolle bei der Erhaltung und Förderung der Innovationskraft eines Landes zukommt.

Unterstützende Instrumente

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Obwohl die Fremdkapitalfinanzierung in Form von langfristigen Krediten in den ersten Gründungsphasen nachrangige Bedeutung hat, gibt es für Gründer die Möglichkeit, in begrenztem Rahmen auf Fremdkapital zuzugreifen. So können Kontokorrentkredite und Betriebsmitteldarlehen eine sinnvolle Ergänzung zur Aufnahme weiteren Eigenkapitals darstellen. Zudem entsprechen sie dem Grundsatz der Fristengleichheit von Finanzierung und Verpflichtung.

Hierbei sollte die Höhe des Kontokorrentkredites immer wieder der Geschäftsentwicklung angepasst werden, insbesondere, da sich mit wachsender Vertrauensbasis zwischen Kreditgeber und Startup die Konditionen verbessern. Als Ansprechpartner dienen hier die Hausbanken der Unternehmer, welche die Kreditanfragen in einem mehrstufigen Prozess prüfen. Zur Prüfung werden zumeist Vergleichswerte aus vergangenen Gründungsfinanzierungen herangezogen, was sich jedoch bei innovativen Startups als problematisch und nachteilig für die Kreditkonditionen darstellen kann.

Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass Kontokorrentkredite an fixe Zins- und Tilgungszahlungen gebunden sind, welche Startups bei längeren “Durststrecken” in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen können.

Weniger als Form der Finanzierung, jedoch als Mittel der Eigenkapitalschonung, können Leasing und Factoring dienen. Wobei hier von Fall zu Fall nach intensiver Abwägung der Vor- und Nachteile in Bezug auf die Strategie und das Kundenportfolio des Startups entschieden werden sollte.

Vorteil des Leasings ist, dass es bei adäquater Vertragsgestaltung zu einer besseren Eigenkapitalquote führt und den Liquiditätsabfluss im Investitionszeitpunkt reduziert. Dennoch stellt das Leasing eine langfristige finanzielle Verpflichtung dar, also eine Fremdfinanzierung, die bei der Beurteilung der Kreditfähigkeit herangezogen wird.

Im Rahmen des Factoring werden ausstehende Forderungen an einen Factor, meist Tochtergesellschaften von Banken oder Versicherungen, verkauft. Vorteilhaft hierbei ist die Übertragung des Ausfallrisikos, welches insbesondere bei jungen Kundenbeziehungen einen großen Unsicherheitsfaktor darstellt. Mit der Übernahme der Forderungen bieten diese Gesellschaften meist weitere Dienstleistungen an, beispielsweise die Debitorenbuchhaltung, die Rechnungserstellung, das Mahnwesen und die Bonitätsprüfungen.

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