UGH, UG (haftungsbeschränkt), GmbH, Mini-GmbH, Ein-Euro-GmbH, Gesellschaft mit beschränkter Haftung

GbR, OHG, GmbH, KG, UG, Ltd., PartG, Inc., eV, AG und zahlreiche Misch- und Sonderformen (KG a.A., & Co. KGs. etc.) – Die Entscheidung für die Rechtsform des eigenen Gründungsvorhabens ist weit mehr als eine Formsache!

Sie hat wirtschaftliche, steuerliche und rechtliche Folgen und die augenscheinliche Auswahl an Varianten und Möglichkeiten ist auf den ersten Blick recht groß. Näher betrachtet schrumpft der Kreis relevanter Formen jedoch stark zusammen, wenn man als Gründer sich bereits vorab über einige grundsätzliche Aspekte des geplanten Vorhabens Gedanken macht.

Wichtige Fragen, welche die Wahl der Rechtsform beeinflussen sind insbesondere:

  • Wird allein oder mit Partnern gegründet?
  • Bestehen beim geplanten Betrieb der Unternehmung besondere Risiken, die nicht oder nur schwer versicherbar sind?
  • Welche steuerlichen Vor- und Nachteile sind zu erwarten?
  • Muss in der Anfangsphase mit der Möglichkeit einer Überschuldung gerechnet werden, oder arbeitet das Unternehmen von Beginn an profitabel?
  • Sind der rechtsformbedingte Verwaltungsaufwand und die Kosten der geplanten Unternehmung angemessen?
  • Wie hoch ist der gesetzliche Mindestkapitalbedarf?

Eine in Bezug auf die eigene Unternehmung ideale und allen Alternativen in jedem Aspekt haushoch überlegene Rechtsform wird nur in den wenigsten Fällen ermittelbar sein. Als Folge muss jeder Gründer für sich den verschiedenen Wahlkriterien Prioritäten zuteilen.

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In der Gruppe der wachstumsorientierten Internet-StartUps scheint die GmbH derzeit (noch) der absolute Platzhirsch zu sein. Für welche Gründungsvorhaben die GmbH wirklich geeignet ist, ob sich beispielsweise eine Limited oder UG (haftungsbeschränkt) als eine (bessere?) Alternativ darstellt und wie es sich mit Rechtsformen verhält, die in der Regel nicht so häufig auf dem Radar sind, soll in dieser Reihe näher beleuchtet werden. Den Anfang machen wir direkt mit dem Platzhirsch-Test: GmbH vs. UG (haftungsbeschränkt).

Hintergründe zur Mini-GmbH

Während die „Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)” als Gesellschaftsform bereits im Jahr 1892 in Deutschland entstand, breitete sich das Konzept schnell in andere Länder und Kontinente aus. Neben vielen kleineren und mittleren Änderungen im GmbH-Gesetz über die Zeit hat es 116 Jahre gedauert bis am 01. November 2008 mit dem “Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG)” die erste wirklich umfassende Reform des GmbH-Rechts vorgenommen wurde. Die GmbH bekam mit der „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)” (UG) eine kleine Schwester, die vielzitierte “Mini-GmbH“.

Charakteristika der UG (haftungsbeschränkt)

GmbH und UG sind Kapitalgesellschaft und führen somit als juristische Person praktisch ein Eigenleben, welches grundsätzlich erst einmal von Ihren Gesellschaftern getrennt ist. Als Körperschaft sind GmbH und UG mit selbstständigen Organen ausgestattet, die für sie handeln. Dies sind ein oder mehrere Geschäftsführer/-innen, die Gesellschafterversammlung und je nach Gesellschaftsvertrag ein Aufsichts- oder Beirat. Das Recht der GmbH ist in dem anfangs eingeführten GmbH-Gesetz geregelt. Die UG als aus der GmbH abgeleitete Rechtsform unterliegt grundsätzlich erst einmal denselben Regelungen und Gesetzen.

Gegründet wird eine GmbH mit der notariellen Beurkundung eines Gesellschaftsvertrages (Satzung) und deren Anmeldung im Handelsregister. Im Gründungsprozess, der für beide Rechtsformen identisch ist, schließen sich also die gründungswilligen Gesellschafter zusammen und beschließen eine GmbH zu errichten und den Gesellschaftsvertrag zu verhandeln. Sie bilden praktisch implizit eine mündliche GbR (in seltenen Fällen auch eine OHG), die auch als Vorgründungsgesellschaft bezeichnet wird, die zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrags automatisch in eine “Vor-GmbH”, eine GmbH in Gründung (GmbH i.G.), übergeht.

In der Vorgründungsgesellschaft haften sämtliche beteiligten Gesellschafter noch uneingeschränkt mit ihrem Privatvermögen für eingegangene Verbindlichkeiten. Die GmbH als solche ist noch nicht rechtsfähig. In der Phase der Vor-GmbH ist die Gesellschaft als solche bereits teilrechtsfähig und kann beispielsweise Eigentumsrechte erwerben und Verbindlichkeiten begründen. Die Haftung geht in diesem Stadium bereits auf die Vor-GmbH über, allerdings haften die Gesellschafter gemeinschaftlich dafür, dass der Vor-GmbH zum Tag ihrer Eintragung ins Handelsregister das volle Stammkapital ungemindert zur Verfügung steht.

Sollte das Stammkapital in der Zeit zwischen notarieller Beglaubigung des Gesellschaftsvertrages und der Eintragung ins Handelsregister also – aus welchen Gründen auch immer – reduziert werden, haften die Gesellschafter somit auch über Ihren eigenen Anteil am Stammkapital hinaus für die Tätigkeiten der Gesellschaft. Mit Eintragung der Gesellschaft ins Handelsregister wird aus der Vor-GmbH eine vollwertige GmbH, und die Haftungsbeschränkung für die Gesellschafter tritt in Effekt. Ab jetzt haftet ausschließlich die Gesellschaft mit ihrem Gesellschaftsvermögen für eingegangene Verbindlichkeiten.

Gegründet werden kann die GmbH von einer oder mehrerer natürlicher als auch juristischer Personen. Der der Gesellschaft zu Grunde liegende Gesellschaftsvertrag muss gewisse Mindestangaben enthalten (Firma, Sitz, Unternehmensgegenstand, Höhe des Stammkapitals, Betrag und Zuteilung der Geschäftsanteile), ist ansonsten aber verhältnismäßig frei gestaltbar.

Das Mindest-Stammkapital der GmbH beträgt 25.000 Euro, von dem mindestens die Hälfte vor Eintragung ins Handelsregister der Gesellschaft frei zur Verfügung stehen (beispielsweise auf ein Konto der Gesellschaft eingezahlt) sein muss.

Soweit die Grundzüge und die Definition der ursprünglichen Gesellschaft mit begrenzter Haftung. Dadurch, dass die UG weniger eine eigenständige Rechtsform, als vielmehr eine spezielle “Variante” der GmbH ist, ist sie der “altbekannten” GmbH in den oben beschriebenen Regelungen mit Ausnahme des Mindeststammkapitals exakt gleich. Der große Unterschied zwischen beiden Rechtsformen liegt auf der Seite der Kapitalintensität:

Unterschiede zwischen Mini-GmbH und UG (haftungsbeschränkt)

Das Mindeststammkapital für die Errichtung einer Mini-GmbH wurde gegenüber der altbekannten GmbH stark gesenkt und beträgt für die UG nur einen Euro. Die Zulässigkeit von Sacheinlagen und die Möglichkeit der hälftigen Einbringung wurde hingegen gestrichen. Das Stammkapital ist vor Eintragung der Gesellschaft in voller Höhe bar zu erbringen.

Für die Gründung einer UG mit bis zu drei Gesellschaftern und einem Geschäftsführer gibt es die Möglichkeit, dies in einem vereinfachten Verfahren mittels eines vom Gesetzgeber zur Verfügung gestellten vorgedruckten Musterprotokolls durchzuführen. Die Vereinfachung wird vor allem durch die Zusammenfassung von drei Dokumenten (Gesellschaftsvertrag, Geschäftsführerbestellung und Gesellschafterliste) in einem bewirkt. Bei der haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft mit geringem Stammkapital führt die Gründung unter Verwendung eines Musterprotokolls aufgrund einer kostenrechtlichen Privilegierung zu einer echten Kosteneinsparung gegenüber der Gründung einer GmbH.

Im Rechtsverkehr darf die Unternehmergesellschaft nur mit dem Rechtsformzusatz „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)” oder „UG (haftungsbeschränkt)” auftreten. Eine Abkürzung des Zusatzes haftungsbeschränkt ist nicht zulässig.

Eine UG darf ihre Gewinne nicht voll ausschütten. Um das Mindeststammkapital der “regulären” GmbH nach und nach anzusparen, muss sie jährlich 25% ihres Gewinns rücklegen, bis das Stammkapital einer GmbH in Höhe von 25.000€ erreicht ist. Dann kann die Rücklage in echtes Stammkapital umgewandelt werden, wodurch die UG auch den Status und die Firmierung einer “regulären” GmbH erhält.

Einschätzung und Wertung

Ob GmbH und UG die richtige Rechtsform für das eigene Gründungsvorhaben sind, hängt wie beschrieben stark von der eigenen Interessenlage und Prioritätensetzung ab.

Für Einzelkämpfer, Freiberufler auf dem Weg zur Gründung der ersten eigenen Agentur und typische Nebenerwerbsgründungen, mag der generell höhere Aufwand bei der Gründung einer Kapital- im Vergleich zur Gründung einer Personengesellschaft nicht in jedem Fall gerechtfertigt sein.

Grundsätzlich gilt jedoch, dass StartUps die im Bereich der Neuen Medien arbeiten sich in einem Kontext bewegen, in dem noch längst nicht alle Fragen nach rechtlicher Zuordbarkeit, Rechten und Haftung abschließend geklärt sind. Durch ihre innovativen Geschäftsmodelle und insbesondere in Urheber- und Datenschutzrechtlich relevanten Gebieten sind sie regelmäßig substantiellen Haftungsrisiken ausgesetzt. Um allzu große persönliche Haftungsrisiken auszuschließen, ist die Gründung einer Kapitalgesellschaft für viele wachstumsorientierte Gründer(-teams) daher nachvollziehbarerweise die erste Wahl und durchaus ratsam.

Innerhalb der Gruppe der Kapitalgesellschaften zeichnen sich die GmbH und insbesondere die UG als die “günstigeren” Varianten aus, deren Gründungs- und Verwaltungsaufwand sowohl finanziell als auch vom zeitlichen Aufwand vertretbar ist. Für jede Internet-Teamgründung mit starken Wachstumsambitionen und der etwaigen Absicht einmal Wagniskapital aufzunehmen, sind daher die GmbH und die UG sicherlich am Besten geeignet.

Die Gründung einer AG ist – wie wir in weiteren Folgen dieser Reihe sehen werden – für die meisten StartUps überdimensioniert und lähmt kleinere Teams mit hohem Verwaltungsaufwand und hohen Gründungskosten. Die englische “Limited (Ltd.)” hingegen ist der deutschen UG für Gründungsvorhaben mit Fokus auf dem deutschen Markt auf Grund eines klar höherem Verwaltungsaufwandes und einigen weiteren Aspekten unterlegen. Im Fazit behauptet der Platzhirsch der GmbH seine herausragende Stellung also zu Recht. Doch welche der beiden existenten Varianten sollte es denn nun sein?

GmbH vs. UG (haftungsbeschränkt): Normale oder kleine GmbH?

Erstmals gehört hatte ich von den Plänen zur Modernisierung des GmbH-Gesetzes irgendwann in 2007. Damals hieß es noch das Stammkapital sollte nur von 25.000 auf 10.000 Euro gesenkt werden. Die Nachricht, dass im MoMiG eine vollständige Aufhebung des Mindeststammkapitalgebots beschlossen werden sollte, hatte mich wie sicherlich auch viele andere Gründer dann ordentlich überrascht. Und diese Überraschung war auf meiner Seite sehr positiv! Was man dem Gesetzgeber nach 116 Jahren halbherzigen Reförmchen schon kaum mehr zugetraut hatte, hat er mit dem MoMiG doch vollbracht. Das GmbH-Gesetz ist nicht nur deutlich Unternehmerfreundlicher in der Handhabung geworden (Beschleunigte Eintragung, erleichterte Anteilsübertragung etc.), sondern hat uns Gründern mit der UG auch endlich eine wirkliche deutsche Alternative zur Limited beschert. Und um es vorweg zu nehmen – mich hat die UG voll überzeugt! Aber nun zu dem Für und Wider der neuen “Mini-GmbH”:

Kosten einer UG- gegenüber einer GmbH-Gründung

Die Notarkosten bei dem vereinfachten Verfahren einer UG-Gründung liegen mit weniger als 200 Euro deutlich unter den normalen Gründungskosten einer GmbH (in der Regel zwischen 1500 bis 2000 Euro) und bringen somit eine hohe direkte Kosteneinsparung. “Aufgebraucht” wird diese Einsparung jedoch zum Teil wieder durch den Nachteil, dass viele wichtige und wesentliche Bestandteile einer professionellen Satzung in den Mustervorlagen nicht enthalten sind.

Für wachstumsorientierte StartUps, die mit der Aufnahme von Wagniskapital planen, oder einen weiteren Gesellschafterkreis bzw. Mitgründer haben, die sie noch nicht ein Leben lang kennen, ist es daher ratsam, zusätzliche Gesellschaftervereinbarungen zu beschließen, um die “Regelungslücken” gegenüber einer professionellen Satzung zu schließen. Je nachdem in welchem Umfang man diese Gesellschaftervereinbarungen ebenfalls beglaubigen läßt, wird der Kostenvorteil reduziert. Dass die Gründung einer UG mehr Notarkosten hervorruft, als die Gründung einer GmbH ist jedoch extrem unwahrscheinlich.

Der größte Vorteil einer UG gegenüber einer GmbH liegt in dem geringeren Kapitalbedarf zur Gründung. Für Gründungsteams frisch von der Universität oder generell in jüngeren Jahren kann die Bereitstellung von 25.000 Euro Mindestkapital ein nicht zu unterschätzender Stolperstein werden. Insbesondere wenn die Geschäftsanteile zu Zwecken der steuerlichen Optimierung nicht privat, sondern über eine weitere eigene Kapitalgesellschaft gehalten werden sollen. Dieses Problem wird durch die UG nahezu vollständig gelöst. Für eine Gesellschaft mit beispielsweise einem oder 1.000 Euro Stammkapital sollte jeder engagierte Gründer die notwendigen Einlagen aufbringen können.

Bei all der Euphorie über die neuen Möglichkeiten der 1-Euro-GmbH, ist allerdings zu beachten, dass die Vorschriften des bestehenden Insolvenzrechts für die UG ebenfalls volle Gültigkeit besitzen. Bei Der Festlegung eines besonders niedrigen Stammkapitals besteht somit die Gefahr, dass die Gesellschaft unmittelbar nach Gründung (bei Eintreffen der ersten Notarrechnung oder der ersten Kontoführungsgebühren) überschuldet und somit insolvenzreif sind. Ratsam ist daher entweder das Stammkapital etwas zu erhöhen, oder zumindest unmittelbar nach Gründung eine Einlage zu tätigen.

Von vielen Autoren (zumeist mittleren Alters) skeptisch betrachtet wird oftmals der Aspekt, dass eine GmbH durch ihre Haftungsbeschränkung von Banken, Leasinggesellschaften und Geschäftspartnern als wenig kreditwürdig angesehen werden könnte und sich daraus Nachteile im täglichen Geschäft ergeben. Im Falle einer UG – die mit noch weniger Kapital ausgestattet ist – potenziert sich aus Sicht dieser Autoren dieser Nachteil.

Aus meiner eigenen (noch relativ jungen) Erfahrung als Gründer kann ich jedoch nur entgegnen, dass Banken (von KfW, Investitions- und Förderbanken einmal abgesehen) einen ohnehin nicht mit dem Hintern ansehen, wenn man als junges Unternehmen – auch noch im Internet, oh mein Gott! – vor Ihre Türe tritt. Bei Leasinggesellschaften und ähnlichen Finanzgesellschaften ist es genau dasselbe. Ob man also eine GmbH oder eine UG hat, ist in diesem Sinne herzlich egal. Ohne Sicherheiten geht in den ersten ein bis drei Jahren Geschäftstätigkeit ohnehin nichts.

In punkto Rechtssicherheit liegen GmbH und UG gleich auf. Da die UG als “Variante” der GmbH erschaffen wurde, gelten für sie nicht nur dieselben geschriebenen Gesetze, sondern auch sämtliches für GmbH relevantes so genanntes “Richterrecht”, welches sich aus gültigen Rechtssprechungen deutscher Gerichte bei Einzelverfahren zusammensetzt und den relevanten Rechtskanon substantiell erweitert. Der eigentliche Coup, der den Gesetzgebern mit dem MoMiG somit gelungen ist, ist eine echte Alternative zur englischen Limited eingeführt zu haben, ohne die Nachteile der Schaffung einer völlig neuen Rechtsform in Kauf nehmen zu müssen.

Diese Gründe führen dazu, dass in meinen Augen die UG für viele geplante Vorhaben der direkten Gründung einer GmbH ebenbürtig und durch den niedrigeren Kapitalbedarf ggf. auch vorzuziehen ist.

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