Finanzen Rückblick 2012 Ausblick 2013

 

Crowdinvesting im Aufstieg

Aus Finanzierungssicht gilt es rückblickend das Crowdinvesting hervorzuheben. 2012 ist eine Vielzahl an neuen Plattformen online gegangen; hierunter auch sehr innovative Konzepte. Das Thema Crowdinvesting wurde bereits ausführlich thematisiert.

“Crowdinvesting hat sich im vergangenen Jahr vom erfolgreichen Experiment zunehmend zu einem normalen Bestandteil der Finanzierungslandschaft entwickelt. Crowdinvesting kann die Finanzierungslandschaft komplementieren und somit das gesamte Ökosystem für Gründungen positiv beeinflussen. Um diese Potenziale zu heben, muss die Branche jedoch weiter daran arbeiten, ein faires Gleichgewicht zwischen den Interessen der Gründungen und der Investoren zu schaffen“, fasst Thomas Herzog von Innovestment (www.innovestment.de) das Jahr 2012 in Hinblick auf die Entwicklung des Crowdinvesting zusammen.

Des Weiteren stellte er heraus, dass die Branche gut daran täte, diesen Interessenausgleich selbst in ausreichendem Maß herzustellen und nicht auf Aktionen von Regulierungsbehörden und Gesetzgebern zu warten.

Bergfürst machte 2012 mit dem Erhalt der BaFin-Lizenz auf sich aufmerksam. Das erste Funding dieser Plattform ist für das erste Quartal 2013 geplant. Emittiert werden vinkulierte Namensaktien. Damit ist das umsetzbare Volumen praktisch unbegrenzt. Angestrebt werden Volumina von zwei bis fünf Millionen Euro in der ersten Phase. 2013 wird sich zeigen, ob die Entwicklung des Crowdinvesting hin zu einem normalen Bestandteil der Finanzierungslandschaft fortschreitet und weitere Investoren und Unternehmen für dieses Konzept begeistert werden können.

“Auch Regionalbanken leisten einen wichtigen Beitrag”

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Andre Hilberink, zuständig für die Betreuung von Existenzgründern bei der Sparkasse Elmshorn, merkte an, dass in Hinblick auf die Qualität der Vorbereitung von Unternehmensgründungen ein positiver Trend zu verzeichnen sei. Dies schlage sich sowohl in der Qualität als auch in der Quantität der Businesspläne nieder und wirke sich positiv auf die Verfügbarkeit von Bankdarlehen aus.

“Insgesamt wurde uns 2012 bescheinigt, dass die Kreditvergabepolitik der Banken nicht mehr so restriktiv gewesen sei, wie sie vielleicht noch 2010 war“, sagte er und ergänzte, dass trotz der erkennbar besseren Vorbereitung jeder sechste Existenzgründer seine Selbständigkeit innerhalb von einem Jahr beende. Hauptgründe für eine frühzeitige Geschäftsaufgabe seien laut Herrn Hilberink die schwache Liquidität, welche nicht ausreiche, um Anlaufverluste kompensieren zu können, sowie mangelndes kaufmännisches Know-how.

“Regionalbanken haben 2012 einen wichtigen Beitrag zur Begleitung von Gründungsvorhaben geleistet. Großbanken und auch ausländische Banken hingegen haben diese Kundenzielgruppe ganz bewusst vernachlässigt und als C-Kunden gebrandmarkt“, stellt Herr Hilberink heraus. Diesen Trend sieht er auch für das kommende Jahr.

Ausländische Investoren, VCs und Family Offices

Dr. Alexander Graf zu Eulenburg, Partner und CFO des Hamburger Inkubators Hanse Ventures, kann die zunehmend bessere Vorbereitung deutscher Unternehmensgründer bestätigen. Die deutschen Startups seien im internationalen Vergleich gut aufgestellt, wozu die Inkubatoren einen wichtigen Beitrag leisten. Die in Deutschland typische Kooperation von Startups mit Inkubatoren oder Business Angels werde von ausländischen Investoren sehr geschätzt.

Denn die Inkubatoren übernehmen einen für Investoren wichtigen Auswahlprozess: Sie prüfen genau, welche Teams und welche Ideen zu unterstützen sind und sorgen gerade in der Anfangsphase für eine schnelle und professionelle Konzeptumsetzung. Insbesondere im Rahmen größerer Finanzierungsrunden sei diese Vorselektion für weitere Investoren sehr hilfreich, denn so werden mögliche Exekutionsrisiken aus Sicht der Investoren reduziert. Inkubatoren tragen demnach erheblich dazu bei, die Attraktivität deutscher Startups für ausländische Investoren zu steigern.

Mit Blick auf die deutsche VC-Szene sieht Herr Eulenburg jedoch nach wie vor ein deutliches Missverhältnis zwischen dem anhaltenden Startup-Hype einerseits und der geringen Anzahl an deutschen Venture Capital-Gesellschaften andererseits. Es sei aber eine leichte Zunahme der Corporate VCs zu verzeichnen.

Zunehmend treten Family Offices als Geldgeber am Venture-Capital-Markt in Erscheinung. Die Verwalter privater Vermögen befassen sich aufgrund anhaltend niedriger Zinsen und mangels attraktiver Anlagealternativen verstärkt mit dem Thema Venture Capital. Unternehmerfamilien schätzten Startups als die “unternehmerischste” aller Anlageformen.

Das Investorenumfeld aus Sicht eines VC

Matthias Grychta, Managing Partner bei Neuhaus Partners (www.neuhauspartners.com), beschreibt das Investorenumfeld 2012 wie folgt. “Beim Betrachten des Investorenumfelds fällt mir auf, dass 2012 im klassischen Venture-Capital-Bereich weiterhin die ausländischen Gesellschaften dominierten. Im Frühphasen-Bereich hingegen waren beziehungsweise sind deutsche Investoren mit ihren zahlreichen Business Angels und Entrepreneuren sehr gut aufgestellt. Dazu kommen institutionelle oder halb-institutionelle Investoren wie der High-Tech Gründerfonds oder regionale Fonds.

Die eigentlichen Probleme entstehen erst ab der zweiten oder dritten Finanzierungsrunde, selbst wenn internationale Investoren mit an Bord sind. Dafür profitieren Startups der Seedphase vermehrt von neuen Modellen wie Inkubatoren oder Crowdinvesting-Plattformen, die immer zahlreicher die Internet-Szene ergänzen. Generell gilt für 2012 wie eh und je: Ideen und Produkte, die “gehypt” werden, hatten beziehungsweise haben keine Probleme, genügend Kapital zu akquirieren.“

Für das Jahr 2013 sieht er keine grundlegenden Änderungen der Situation in Deutschland. “Junge Unternehmen werden innovative Konzepte entwickeln und bis zu einer bestimmten Größe wachsen, bevor große Konzerne sich anschicken, diese Ideen aufzukaufen. Es gibt in Deutschland einfach zu wenig Kapital, um kleine Startups nach dem Modell “Google” oder “Microsoft” wachsen zu lassen“, sagte Herr Grychta und weist auf die abnehmende Einflussmöglichkeit hin, die aus einer Abwanderung von Fonds ins Ausland resultiert.

Es sei wichtig, die Attraktivität des Standortes Deutschland beziehungsweise die Attraktivität Europas für Private-Equity-Gesellschaften zu erhöhen, und die Rahmenbedingungen für diese Gesellschaften zu verbessern, sagte er. Herr Grychta befürwortet Änderungen wie die Sicherstellung der Steuertransparenz oder die Beibehaltung und Erweiterung von Verlustvorträgen in VC-finanzierten Unternehmen. Er sieht die Politik in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass Deutschland kein Importland von Private Equity bleibt.

Die zunehmende Bedeutung von IT und Internet

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Dr. Alexander Graf zu Eulenburg sieht vor allem für Startups im Online-Bereiche eine positive Entwicklung: “Es werden weitere Branchen und Dienstleistungen den Weg ins Internet finden, auch solche, von denen man es nicht im entferntesten erwarten würden. Dieser Innovationsprozess wird auch weiterhin stark von Startups getrieben. Die etablierten Unternehmen passen sich meist erst mit Verzögerung an und werden deshalb auch in Zukunft nicht müde werden, einschlägige Startups zu übernehmen“, meint Eulenburg.

Viele Konzerne hätten zudem inzwischen verinnerlicht, dass Startups nicht ohne weiteres in eine bestehende Organisation integriert werden können. Erfolgsversprechend sei vielmehr, das Startup als eigenständige Organisation zu betrachten und ihr die notwendigen Freiräume zu schaffen.

Auch Herr Grychta erkennt gewisse Trends im IT Bereich. “Vor allem im Bereich ‘Mobile’ ist viel passiert, insbesondere was die Entwicklung neuer Apps für Tablett-PCs betrifft. Auch in Bezug auf Enterprise-Applikationen und Entertainment-Anwendungen hat sich viel Potenzial entwickelt. Gaming für mobile Endgeräte ist noch wichtiger geworden, allerdings ist hier die Anzahl der Anbieter und damit der Wettbewerb untereinander stark gewachsen – der Markt wächst zwar weiter, das Angebot dazu von Spielen und Spieleanbietern allerdings überproportional. Online Marketing und Werbung – speziell auch im mobilen Umfeld – sind große Themen.

“Im Verlagsbereich haben wir viele Aktivitäten zugunsten der neuen Medien beobachten können und die Trennung von Print-Bereichen, wie gerade kürzlich bei Gruner + Jahr.“ Er ergänzte, dass sich auch im E-Commerce-Umfeld viel getan habe, wobei 2012 vertikale Angebote besonders “in” gewesen seien, was in diesem Segment viele Unternehmensgründungen nach sich zog.

Der Standort Deutschland

Auch in Bezug auf die Entwicklung des Standortes Deutschland vertritt Herr Grychta eine klare Ansicht. “Bezogen auf die Lokalität muss man ganz klar sagen, dass sich Berlin neben London zum Zentrum der europäischen Internet-Szene entwickelt hat. Hier spiegelt sich nicht nur ein besonderer Gründergeist wider, vielmehr sind die Rahmenbedingungen für junge Gründer und Unternehmen ideal, mit bezahlbaren Mieten, einer ausgeprägten Infrastruktur und den vielen Universitäten und Forschungseinrichtungen. Hinzu kommt die interessante Historie der Stadt, die auf Mitarbeiter aus dem Ausland besonders anziehend wirkt.

Qualifizierte Arbeitskräfte, vor allem Entwickler sind sehr gefragt und kommen in der Regel gern nach Berlin. Auch deutsche und ausländische Venture Capital-Investoren lockt es vermehrt in die Hauptstadt. Dadurch entsteht hier die für Startups so wichtige Networking-Szene“, berichtete er.

Unbestritten sei die Attraktivität Berlins als Startup-Standort in Deutschland. Dr. Graf zu Eulenburg sieht aber auch Vorteile anderer deutscher Städte. Hanse Ventures (www.hanseventures.com) habe sich beispielsweise gezielt für den Standort Hamburg entschieden. “Die Rekrutierung und insbesondere die längerfristige Bindung von IT-Experten ist in Berlin zunehmend herausfordernd“, merkt er an.

Standortunabhängig sei bei Gründern die Verschiebung weg von materiellen und hin zu ideellen Werten. Junge Fachkräfte wollen laut Eulenburg nicht mehr in erster Linie das große Geld verdienen, sondern vor allem Freude an dem haben, was sie beruflich machen und dabei möglichst schnell eigenverantwortlich arbeiten.

Bild: Jorma Bork  / pixelio.de
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