Spreadshirt nimmt Venture Capital auf
Geclosed haben wir letzte Woche. Investiert hat das Londoner Büro von Accel Partners (www.accel.com), und zwar einige Millionen Euro (mehr als zwei, aber weniger als zehn ;). Braucht man denn so viel Geld und was macht man eigentlich damit? Das habe ich mich vor etwas mehr als einem Jahr auch gefragt, als ich darüber nachdachte, dass einige der meistgeachteten VCs der Welt in US-Wettbewerber von Spreadshirt (www.spreadshirt.de) investiert haben (Sequoia in Cafepress und Kleiner Perkins in Zazzle… siehe auch ein alter Lakattack-Post).
Nun, es ist nicht klar, was unsere Wettbewerber mit dem Geld gemacht haben oder machen. Zazzle stellt sehr viele Ingenieure ein, welche in Stanford studiert haben. Das ist vermutlich teuer. Cafepress… ähm, immer noch keine Ahnung, was die mit dem vielen Geld anfangen.
Spreadshirt ‘braucht’ eigentlich auch keines, vor allem nicht so viel. Ein wenig ist aber schon durchaus sinnvoll, gerade wenn man international expandiert und Teams zum Beispiel in den USA aufbauen will und nebenbei auch die Produktentwicklung (das heißt Software und alles, was dazu gehört) stärken möchte.
Ein Großteil eines solchen Invests ist aber ‘Cushion’, das heißt Geld, welches zur Verfügung steht, um entweder bei Katastrophen zum Einsatz zu kommen, oder um irgendwelche Gelegenheiten (zum Beispiel Akquisitionen) wahrnehmen zu können. Es kann also durchaus sein, dass man Geld aufnimmt, sich damit viel Arbeit gemacht hat, seine Anteile verwässert, das Geld aber nie wirklich gebraucht hat. Bei eBay war das offenbar der Fall. Die hatten Geld von Benchmark aufgenommen, es aber nie wirklich angerührt. Für Benchmark einer der größten Erfolge, aber auch die eBay-Gründer waren damit nicht wirklich unzufrieden (was ist noch mal die market cap von eBay?).
Neben dem Geld bringt ein VC nämlich noch mehr an den Tisch, wie man so schön sagt (to the table). Und zwar seine Erfahrung, Kontakte und auch mal handfeste Hilfeleistungen. Das war offenbar auch bei eBay der Fall und deswegen waren die durchaus zufrieden.
Wie relevant solche VC-Hilfestellungen allerdings sind, ist tatsächlich umstritten. Manche Stimmen sagen, dass die VCs einem das Blaue vom Himmel versprechen, dann aber eigentlich nichts tun. Andere wiederum loben die VCs als einen der Erfolgsfaktoren. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen und hängt wohl vor allem von der Firma, die investiert sowie – und das ist vermutlich noch wichtiger – von dem konkreten Partner ab, welcher in das Board des Investees geht.
Bei Spreadshirt zum Beispiel hatten wir am Anfang recht große Schwierigkeiten, einen Kreditkartenakzeptanzvertrag zu erhalten – zumal zu vernünftigen Konditionen. Bei einem Bekannten von mir hatten Burda und Holtzbrinck investiert und da ging es dann wohl zack zack und gute Kondis. Ist sicher eine Kleinigkeit, aber solche Kleinigkeiten können sich durchaus summieren.
Zweifelsohne können einem VCs helfen, wenn man an die Börse gehen möchte. Da reden dann die Investment-Banker gleich anders mit einem, als wenn man alleine ankommen würde. Hier ist aber wiederum fraglich, ob ein Börsengang an sich überhaupt eine gute Idee ist. Ich zum Beispiel bin da eher skeptisch – das hört sich alles nach recht viel Aufwand und Restriktionen an. Und ein Ziel ist ein Börsengang schon mal gar nicht, höchstens ein Finanzierungsinstrument oder ein Exit-Kanal.
Apropos Exit: den wollen die VCs natürlich sehen. Kann ein Börsengang sein oder ein Verkauf des Unternehmens oder inzwischen auch Buy Outs via Private Equity. Letzte sind mir übrigens am sympathischsten, weil sie am unaufwändigsten scheinen und man sein Baby nicht gleicht an Dritte übergibt.
Interessant ist aber der Exit-Zeitpunkt. Accel erwartet hier fünf bis sieben Jahre, manchmal können die Beteiligungen sogar bis zu zehn Jahren halten. Das war übrigens mit ein Grund die als Partner zu wählen. Weitere Gründe waren:
- Internationale Präsenz: Wir wollten mit jemandem arbeiten, der mindestens in den USA sowie in Europa präsent ist. Accel hat neben Büros in London und Palo Alto über eine Kooperation mit IDG zudem auch noch einen Fuß im asiatischen Markt.
- Reputation, Portfolio: Wie ist der Ruf eines VCs (Accel gilt als ‘tier one’)? In welche Felder hat der VC noch so investiert? Wichtig ist, dass eine gewisse Expertise im eigenen Markt gegeben ist. Accel hat vor allem in Facebook investiert… ;)
- Partner: Den konkreten Partner, welcher den Deal von VC-Seite betreut, sollte man definitiv mögen – besser aber auch noch achten. Bei uns ist das Harry Nelis, ein Niederländer mit technischem Hintergrund, eigener StartUp-Erfahrung (Software) sowie mehreren Jahren im Silicon Valley sowie bei Goldman Sachs. Analytisch, ruhig, erfahren, vernetzt, sehr sympathisch und im VC-Business relativ frisch (knapp zwei Jahre). Außer einem VC-Track-Record hat er somit eigentlich alles, was man sich von einem VC wünscht. Und das mit dem Track-Record ist oft zweischneidig, weil die ‘Stars’ oft den Nachteil haben, dass sie zum einen teuer sind (sprich, niedrigere Bewertungen bieten) und zum anderen wenig Zeit haben, da sie ja nun mal Stars sind…
- Konditionen: Last but not least sind auch noch die Konditionen entscheidend. Am wichtigsten ist die Bewertung sowie die Summe des investierten Kapitals. Hinsichtlich der Summe möchten die VCs am besten so viel investieren, dass sie gleich 20 Prozent vom Unternehmen haben, aber auf keinen Fall weniger als zehn Prozent. Als Gründer ist das aber nicht unbedingt sinnvoll. Gerade wenn das Kapital ‘Cushion’ ist, möchte man unter Umständen nicht mehr weggeben als notwendig. Bei den sonstigen Rechten geht es um Mitspracherechte, Garantien etc. Hier haben wir von Accel einen recht humanen Vertrag bekommen bzw. hat Michael recht gut verhandelt :).
Für eine VC-Runde waren wir übrigens in einer recht komfortablen Situation – das Marktumfeld ist gerade günstig, Spreadshirt ist profitabel und andere Top-VCs haben in Konkurrenten investiert. Unter solchen Umständen ist nahezu jeder VC ernsthaft interessiert. Gut für die Verhandlungsposition, gut für wenig bis keinen Kontrollverlust.
Nun hoffen wir, dass die VCs ihr Ziel erreichen (in der Regel wollen sie den Wert ihrer Beteiligungen verzehnfachen).
So, das war es erst einmal, bin gerade in NYC und habe gleich noch ein Treffen mit einem potentiellen Job-Kandidaten und muss dann rasch zum Flieger (JFK, Delta… würg…). Bald dann mehr von der Beteiligungs- und Geldausgebe-Front…
Über den Autor Lukasz Gadowski:
Lukasz Gadowski Lukasz hat in paderborn, Mannheim, Leipzig (HHL) und am Georgia Tech BWL und Wirtschaftsinformatik studiert.Er hat gemeinsam mit Matthias Spieß spreadshirt gegründet und groß gemacht. Ferner ist Lukasz auch Co-Founder von StudiVZ.Derzeit inkubiert/ investiert er in Internet Unternehmen in frühen Phasen.Unter anderem beteiligt an: amiando.de, imedo.de, hitflip.de, dawanda.de, brands4friends.com, absolventa.de uvm. (Deutsche Startups dürfte noch ein paar mehr gelistet haben und es einigermaßen aktuell halten...).Lukasz hat auch Gruenderszene.de gegründet. Er gilt somit als Vater der Gründerszene in Deutschland ;)



[...] Spreadshirt ist sicherlich eines der interessantesten Unternehmen derzeit. Und das behaupte ich nicht (nur?), weil ich derzeit einen Teil meines Tages in den Flughallen des Spreadshirt-HQ in Leipzig verbringe. Vor einigen Wochen hat sich das “StartUp” relativ heimlich von einer GmbH in eine AG gewandelt (sicherlich um dem jetzt verlauteten Deal den Weg zu ebnen) und jetzt gibt man die erste VC-Spritze bekannt. Die Höhe Füllmenge der Spritze ist irgendwo zwischen 2 und 10 Millionen Euro, wie Firmengründer Lukasz Gadowski in seinem Blog schreibt. Und was man mit dem vielen Geld machen will, darüber denkt er bei gruenderszene.de nach. [...]
Und was machst Du jetzt konkret mit dem Geld ;-) Expansion in die USA?
Wie läuft so eine Verhandlung um so viel Geld eigentlich ab? Trifft man sich da auf einen Kaffee und klärt das so nebenbei oder wird das mit einem Dutzend Anwälten in wochenlangen Verhandlungen erledigt.
Glückwunsch Lukasz! Neulich auf reboot hast du ja noch kräftig dementiert ;-). Grüße, Florian
[...] Lukasz Gadowski erzählt in seinem Weblog „gründerszene“ mehr über die Hintergründe des Einstiegs der Venture-Capital-Firma Accel bei Spreadshirt. [...]
[...] Lukasz Gadowski dazu auf dem Blog Gruenderszene: Spreadshirt ‘braucht’ eigentlich auch keines, vor allem nicht so viel. Ein wenig ist aber schon durchaus sinnvoll, gerade wenn man international expandiert und Teams z.B. in den USA aufbauen will und nebenbei auch die Produktentwicklung (d.h. Software und alles, was dazugehört) stärken möchte. [...]
Lukasz, Glückwunsch!
Was mich noch interessieren würde: hast Du bei dem Deal auch teilweise selbst ausgecasht? Oder fließt 100% des Geldes in Spreadshirt?
Fabian: ja, z.B. USA oder auch akquisitionen (dazu schon sehr bald ein post).
Re Bewertung: das ist eine interessante Frage, ist schon ein wenig ‘Black Art’. Die wichtigsten Treiber sind:
- Team
- Umsatz
- Wachstumsrate
- Profitabilität
Man schaut, zu welchen Konditionen vergleichbare DEals gelaufen sind und nimmt das als Anhaltspunkte. Ebenso schaut man sich Börsennotierte Unternehmen an und nimmt deren Bewrtung als Anhaltspunkt.
Anwälte bleiben dabei aussen vor, die kommen später wenn dann irgendwelche Details in den Verträgen ausgehanldet werden (bzw. implementiert werden, verhandelt wird auch das grösstenteils ohne Anwälte).
@Florian: vielen dank! Re dementi: hmmm, sicher ein Missverständniss, denn eigentlich habe ich immer gesagt, dass wir uns auch überlegen, ob wir nicht VC aufnhemen.
@Christian: ja, ich habe ein wenig selbst ausgecasht, aber nicht viel. Geld investiere ich teilweise auch wieder in Internetstartups (beziehungsweise gleiche meinen Dispo aus, denn aus diesem habe ich tatsächlich im Vorfeld investiert… ähm, ja, ich weiss, macht man nicht… ;)
[...] Und eines der Gesprächsthemen war natürlich die Übernahme vom französischen “Spreadshirt” namens La Fraise. Patrice Cassard hatte seine Unternehmung rein via Weblog gegründet und einige Ideen aus den USA übernommen. So zB die Einreichung von T-Shirt Motiven gegen 300 Euro bei Übernahme in die Produktion (hatte ja einige Male auf MEX und hier über La Fraise berichtet, siehe zB Artikel 1 und Artikel 2). Ich Idiot wollte noch unbedingt Patrice zu La Fraise gratulieren, denn er war auch vor Ort, kam aber auch nicht dazu. Anyway, Glückwünsch via diesem Weg, auch wenn Du Franzmann kein Deutsch kannst ;-) Und ich bin sehr gespannt, ob La Fraise ohne Patrice und seine Art, die Leute per Weblog zu begeistern, mindestens genauso gut laufen wird. Aber so what, Spreadshirt – das werden sie sich wohl bei jeder Entscheidung künftig anhören müssen – hats ja. [...]
fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2007
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