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Ein Interview

Egal ob Venture-Capitalist, Business-Angel oder Inkubator – ohne das nötige Kleingeld gäbe es so manche spannende Business-Idee nur auf dem Papier. Gründerszene hat sich daher einmal die Mühe gemacht und unter dem Motto “Interview mit einem VC” – und nein, Anspielungen an Blutsauger sind gänzlich zufällig – Deutschlands spannendste Geldgeber zu einem Interview gebeten. Dieses mal: Wolfgang Krause von Seventure Partners (www.seventure.fr).

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Hallo, mein Name ist Wolfgang Krause. Ich bin seit fast 14 Jahren in der Venture-Capital-Branche aktiv und heute bei Seventure Partners der für den deutschsprachigen Raum verantwortliche Partner mit Büro in München.

Ins Venture-Capital-Geschäft hat es mich durch Zufall verschlagen. Mein damaliger Arbeitgeber Mannesmann suchte 1997 jemanden, der bei einem größeren Silicon-Valley-Venture-Fonds als Venture-Partner mitarbeitet, denn Mannesmann hatte gerade in diesen Fonds investiert (Telesoft Partners). Und so kam es, dass ich in der verrückten Zeit von 1998 bis 2001 im Valley als aktiver Investor viele Internetmillionäre kommen aber auch (leider) wieder gehen gesehen habe.

2001 kam ich dann mit einem Telefosoft Ticket zurück nach Deutschland und habe kurz danach den Fonds gewechselt und einige Zeit als Partner bei der DVC gearbeitet. 2004 habe ich die Seiten gewechselt und bin in England bei Apertio, einer meiner damaligen Portfoliogesellschaften, ins Management eingestiegen. Da hatte ich die Gelegenheit auch die andere Seite kennen zu lernen, übrigens mit Erfolg: Apertio haben wir für 160 Millionen Euro an Nokia Siemens verkauft.

Gleich danach bekam ich 2007 das Angebot von Seventure Partners, als Partner deren Deutschlandgeschäft aufzubauen. Seitdem bin ich aktiv am investieren. Mit Conject, Retailo, Plinga (plinga.com) und Tradoria (www.tradoria.de) habe ich auch schon ein recht umfassendes Portfolio in Deutschland.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

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Seventure Partners ist seit 1996 im Markt und hat seinen Hauptsitz in Paris. Wir verwalten rund 500 Millionen Euro und nehmen jedes Jahr zwischen 30 und 40 Millionen Euro neue Mittel auf. Das Team in Frankreich umfasst zehn Partner die von Seed bis hin zu Late-Stage-Investments alle Bereiche abdecken. Unser Portfolio umfasst heute mehr als 60 aktive Gesellschaften.

Anders ist das in Deutschland. Hier ist unser Fokus ganz klar der Bereich Expansionskapital, das heißt Series B oder Series C. Idealerwiese sollte das Unternehmen schon über eine Million Euro Umsatz machen und das Team sollte gezeigt haben, dass es in der Lage ist, in kurzer Zeit kapitaleffizient seine Marktpositionierung gefunden zu haben. Wir investieren dann zwischen zwei und vier Millionen Euro pro Runde, meist als Lead-Investor. Unsere Schwerpunkte sind Internetmodelle im B2B und B2C Bereich, SaaS, Mobile und Entreprise-Software. Wir investieren hingegen nicht in Cleantech und Hardware-Themen.

Wie viel investiert Ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten? „Das ist eine individuelle Sache“ zählt als Antwort übrigens nicht.

Für die zwei bis vier Millionen Euro wollen wir je nach Reife des Unternehmens 20 bis 40 Prozent.

Bist du selbst an den Investments Deines Fonds beteiligt? Zum Beispiel direkt oder über carry.

Als Partner habe ich einen Carrie- Interest an unseren Fonds.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Für mich der absolute Traumjob. Man lernt ständig neue Dinge und vor allem tolle Menschen kennen. Es kommt nie Routine auf und man kann sich alles selber einteilen. Geld ist natürlich auch wichtig, wenngleich man realistisch sein muss. Bis ein Fonds zurückgezahlt ist und die Partner an den Carry kommen, müssen viele gute Deals gemacht werden.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung?

Schlimm ist es immer dann, wenn man sich auf das Wort seines Geschäftspartners nicht verlassen kann. Gott sei Dank ist mir das so gut wie nie passiert und lediglich einmal ist mir dadurch ein Deal im letzten Moment durch die Lappen gegangen. Meine beste Erfahrung war natürlich der Exit an Nokia Siemens. Apertio haben wir wirklich von ganz klein aufgebaut. Als ich kam, waren wir 15 Leute, als wir verkauften 250 und wir hatten in unserem Marktsegment (Telekommunikationsinfrastruktur für Mobilfunknetze) in unserer Nische die ganz Großen (Nokia, Siemens, Ericsson) aus dem Markt gekegelt!

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Die richtige Idee mit dem richtigen Team ist natürlich immer der Idealfall. Häufig muss man sich allerdings wieder neu positionieren, um im Markt zu überleben, und das können nur sehr gute Teams. Deshalb eindeutig, das Team!

Gibt es das ideale Gründerteam?

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Ja, manchmal kommt es vor, dass man ein Team sieht, von denen man im ersten Moment weiß, dass Sie das Ding bis um Exit durchziehen können. Meistens haben solche Teams schon unternehmerische Erfahrung und Sie sind vor allem schon komplett, das heißt es muss nicht noch die halbe Mannschaft nach dem Investment aufgebaut werden.

Was muss ein Gründer machen, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen? Welches sind die bedeutendsten Kriterien bei Startups für Dich?

Schwierig zu sagen. Klar, der Markt, das Produkt, die Zahlen – alles wichtig, aber am Ende muss die Chemie einfach stimmen und der Bauch entscheidet!

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Venture-Capital ist Wachstumskapital. Aber das Wachstum sollte profitabel sein, das heißt es ist wichtig, dass die Unternehmer ihre Zahlen im Griff haben und nicht einfach nur das Geld ausgeben, um Nutzer oder Umsatz zu erreichen!

Welches sind die Top 3 Kardinalsfehler von Startups in Deutschland?

Ich glaube nicht, dass es typisch deutsche Fehler gibt. Generell gilt, eine Firma, die auf zehn Slides erklären muss, dass es einen Markt für das Produkt geben wird, wird ihn sicherlich nicht finden.

Oft wird auch der Aufwand unterschätzt. Es gilt in der Regel: 70 bis 80 Prozent der Kosten liegen nicht in der Produktentwicklung, sondern gehen in die Vermarktung.

Im strukturieren von Seed oder Series-A-Runden kann man auch viel falsch machen, zum Beispiel beim Cap-Table. Zu hohe, aber auch zu niedrige Bewertungen sind einfach Gift für eine erfolgreiche Anschlussfinanzierung!

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Ja und nein. Auch in Deutschland sind wir jetzt in der zweiten Generation. Und hier in Europa können wir einfach besser mit Geld umgehen, das heißt wir brauchen häufig keine zehn Millionen Euro plus Schecks um sehr weit zu kommen.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

Mobiles Internet, SaaS (in allen Facetten), B2B Internetmodelle.

Wie stehst du zu Copycat?

Positiv, wenn eine Idee in den USA oder anderswo funktioniert, funktioniert sie meist auch in Deutschland. Dann ist der Markt schon mal validiert! Es dann auf deutsche oder europäische Verhältnisse anzupassen ist unternehmerische Herausforderung genug.

Auf welchen Startup-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Wir lesen vor allem die branchentypischen Blogs wie Gründerszene, Deutsche Startups und TechCrunch sowie in gedruckter Form das VentureCapital Magazin. Die Events variieren, aber auf dem Family Day des HTGF, dem Venture Capital Market, dem Unternehmertag und der Venture Lounge findet man uns eigentlich jedes Jahr.

Wolfgang, danke für das Gespräch.

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