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Investoren als Mehrwert

Olaf Jacobi, Partner beim Münchner Venture-Capital-Investor Target Partners (www.targetpartners.de), erklärt in seiner Gründerszene-Kolumnenreihe, was Startups beachten sollten, damit Investoren nicht den Deal verderben, sondern einen Mehrwert bieten.

Verderben Investoren den Deal oder sind sie das Salz in der Suppe? Die Erfahrungen als Unternehmer, Business-Angel und Venture-Capitalist zeigen, dass dabei vor allem folgende Punkte eine Rolle spielen:

  • Welches Gewürz: Wie findet ein Startup den richtigen Investor? Worauf sollte es bei der Suche achten?
  • Eine Brise oder eine Handvoll: Sollte ein Gründer nur einen oder gleich mehrere Venture-Capitalisten (Syndikat) an Bord holen? Was gilt es bei einem Venture-Capital-Syndikat zu bedenken?
  • Viele Köche: Was sind die Vor- und Nachteile, wenn mehrere Investoren an einem Unternehmen beteiligt sind?

Hat sich ein Unternehmen für Venture-Capital entschieden, gilt es zunächst einen für sich geeigneten Investor zu finden.

Die Kriterien für einen passenden Investor

Nur ein passender Investor kann einen Mehrwert für das StartUp darstellen und es über das bloße Kapital hinaus unterstützen. Darum sollte der Gründer bei der Suche und Auswahl eines Investors folgende Punkte kritisch hinterfragen:

1. Welche Erfahrungen haben der Venture-Capitalist und sein Investment-Manager in dem vom Startup angestrebten Markt?

Meist sind Venture-Capital-Investoren auf einen bestimmten Markt spezialisiert – dieser sollte mit dem des Startups übereinstimmen. Hat der Investor ausreichend Erfahrung in dem entsprechenden vertikalen und regionalen oder nationalen Markt, kann er dem Unternehmen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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Und wie sieht es international aus? Ist der Gründer beispielsweise ein Software-Unternehmer, wie etwa JouleX Inc., der Softwarehersteller für Green IT, so ist insbesondere der US-amerikanische Markt relevant. Hier eignet sich ein Venture-Capitalist, der bereits Unternehmenserfahrung in den USA sammeln konnte. Er kann auf verschiedene Weise helfen: entweder durch sein in den USA aufgebautes Netzwerk oder durch die Erfahrungen in Bezug auf Business-Cases, die anders als in Deutschland umgesetzt werden.

2. Wobei und wie können der Venture-Capitalist und der Investment-Manager den Unternehmer und sein Startup unterstützen?

Konkret bedeutet dies: Welche Kenntnisse und Erfahrungen hat der Venture-Capitalist? Nützlich ist beispielsweise, wenn er bereits selbst unternehmerisch tätig war. Oder er ist branchenerfahren, das heißt, er hat schon mehrere Portfolio-Unternehmen betreut, die in derselben Branche wie das eigene Startup angesiedelt waren.

Grundsätzlich sollte jeder Investor fähig sein, das Unternehmen in den Bereichen des Networkings, Coachings und Teambuildings sowie bei der Arbeit im Aufsichtsrat beziehungsweise Beirat zu unterstützen. Zudem kann das StartUp von ihm Hilfe bei weiteren Finanzierungsrunden und dem Exit erwarten.

4. Hat der Venture-Capital-Investor genügend Geld im Funds?

Das Startup braucht einen Investor, der es ausreichend mit Kapital versorgen kann. Wenn ein Venture-Capitalist sich entschließt, in ein Unternehmen zu investieren, dann ist in den meisten Fällen klar, dass es nicht bei einer Finanzierungsrunde bleiben wird. Er muss also auch im weiteren Verlauf in der Lage sein, das StartUp finanziell zu unterstützen.

Ein professioneller Venture-Capitalist hat solche Reserven – und setzt sie auch ein, wenn die Geschäftsidee ein Erfolg ist und das Unternehmen sich am Markt behaupten kann.

5. Was hat der Venture-Capitalist mit seinem Investment vor?

Wo sieht der Investor das Unternehmen in einem, drei oder fünf Jahren? Die Erwartungen und Ziele an das Unternehmen sollten auf beiden Seiten – Gründer und Investor – in etwa übereinstimmen. Wann plant der Investor den Exit? Sind seine Ziele realistisch für das Startup?

6. Kann der Gründer mit dem Investment-Manager und Investor zusammenarbeiten? Passen sie kulturell zueinander?

Eine Finanzierung durch Venture-Capital bedeutet, auf längere Zeit mit dem Investor und seinem Investment-Manager zusammenzuarbeiten. Damit dies gelingt, ist Sympathie und gegenseitiger Respekt notwendig. Probleme kann es beispielsweise geben, wenn Gründer oder Jungunternehmer und Investor aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen.

Sieht der Investor etwa mündlich getroffene Vereinbarungen als verpflichtend an, der Gründer jedoch nicht, kann das zu Missverständnissen und Unmut führen. Eine gute Zusammenarbeit ist dann kaum mehr möglich.

7. Welche Unternehmer haben bereits Erfahrungen mit dem Venture-Capitalisten und dem Investment-Manager gemacht? Wie ist das Feedback?

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Hilfreich für die Suche nach einem geeigneten Venture-Capitalisten ist außerdem, sich bei anderen Unternehmern umzuhören, die mit dem Investor bereits zusammengearbeitet haben. Wie waren ihre Erfahrungen? Gibt es keine positive Resonanz, so sollte der Gründer den Venture-Capitalisten von seiner Liste streichen.

Zusammenfassung: Der ideale Investor

Ein Unternehmer sollte bei der Wahl eines Venture-Capital-Investors vor allem auf dessen Erfahrungen, Möglichkeiten und Fähigkeiten achten. Passen diese zum Unternehmen, so steht einer Finanzierung mit Mehrwert nichts im Weg.

Die kommende Kolumne widmet sich der Frage, ob und wann mehrere Venture-Capital-Investoren sinnvoll sind und was es bei einem so genannten Venture-Capital-Syndikat zu beachten gilt.