Business-Angel, BA, Finanzierung, Förderung, VC, Venture-Capital

Es gibt wohl keinen Business-Angel (BA) in der deutschen Gründerlandschaft, der nicht von sich behaupten würde, “echten Mehrwert” zu stiften. Neben den “Klassikern” Geld, Kontakten und Beratung kann die Aufnahme von Business-Angel-Money noch einige weniger verbreitete Vorteile mit sich bringen.

Vor der Auswahl und der Kontaktaufnahme mit einem oder mehreren Investoren, sollte man sich darüber im Klaren sein, was man sich von dem Engagement (neben Geld) eigentlich erhofft. Ist das geklärt, lassen sich zielgenau die Investoren auswählen, die den besten Fit versprechen.

Es lohnt sich daher genauer unter die Lupe zu nehmen, welche Funktionen Investoren eigentlich haben bzw. welche Werte sie für Gründer schaffen können. Es lassen sich aus meiner Sicht 8 (nicht gänzlich überschneidungsfreie) Motive identifizieren um Investoren ins Boot zu holen:

  1. Finanzierung
  2. Beratung
  3. Kontakte
  4. Transfer von Reputation
  5. Aufbau von Markteintrittsbarrieren
  6. Zugang zu Ressourcen und Kooperationspartnern
  7. operative Mitarbeit
  8. Ideen

1. Finanzierung durch einen Business-Angel

Das ureigenste Motiv…

Beratung von einem erfahrenen Business-Angel

Das Knowhow von Business-Angels kann insbesondere für unerfahrenere Gründer sehr wertvoll sein. Es lohnt sich, genau hinzusehen, welcher BA das benötige Knowhow tatsächlich mitbringt. Wichtig ist der Fit zur eigenen Geschäftsidee und die Schließung von Kompetenz-Lücken des Gründer-Teams.

Je nach Nähe des Business Angels zum eigenen Geschäftsmodell und Produkt kann dieser verschiedene Arten von Know-How einbringen:

a) allgemeines Gründungs-Knowhow (zum Beispiel Gründung einer GmbH)
b) Branchen-Know-how (zum Beispiel Internet-Ökonomie im Allgemeinen)
c) spezielles fachliches Know-how (zum Beispiel Erfahrung mit dem eigenen Geschäftsmodell oder Produkt)

Je mehr Erfahrung der Business Angel mit dem eigenen Geschäftsmodell hat, desto besser. Vorraussetzung für den Knowhow-Transfer ist natürlich, dass der BA auch die entsprechende Zeit aufbringen kann um die Gründer zu beraten. Um das abzuklären, ist es sinnvoll im Vorfeld Referenzen von befreundeten Gründern einzuholen.

3. Kontakte über Business-Angel

Einer der Klassiker unter den Funktionen von Business-Angels. Hierbei gilt: Je mehr Investments ein BA hat, desto breiter dürfte sein Kontaktnetzwerk sein. Xing liefert ebenfalls Anhaltspunkte, wie stark ein Investor vernetzt ist. Es kommt dabei aber weniger auf die Anzahl der Kontakte an, sondern vielmehr auf die Art und Qualität der Kontakte. Bei den Kontakten gilt natürlich: Nur die Kontakte sind wertvoll, an die man nicht auch selber leicht heran kommt. Dies können vor allem Kontakte zu anderen Business-Angels, VCs oder namhaften Kooperationspartnern sein, die sich in der Regel nicht auf den üblichen “Gründerkontaktbörsen” wie den Barcamps tummeln. Es macht daher Sinn, im Vorfeld zu prüfen, welche Art von Kontaken überhaupt benötigt werden.

4. Transfer von Reputation durch den eigenen Business-Angel

Nicht unterschätzt werden sollte der Wert der Reputation, den erfolgreiche Business-Angel als Investoren einbringen können. Außenstehenden signalisiert der Einstieg von erfahrenen BAs eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit und senkt hierdurch bestehende Informations-Asymmetrien. Externe Stakeholder wie Kooperationspartner, potenzielle Mitarbeiter etc. können darauf vertrauen, dass die Angel – zumindest zum Zeitpunkt des Einstiegs – das Team und die Idee positiv beurteilt haben. Renommierte BA erleichtern Start-Ups daher das Finden von guten Mitarbeitern, Kooperationspartnern und Kunden.

5. Aufbau von Markteintrittsbarrieren

Ein weiterer Effekt der Aufnahme von BA ist – insbesondere, wenn diese “im Rudel” investieren – dass Markteintrittsbarrieren aufgebaut werden können. Der Einstieg wirkt abschreckend auf Konkurrenten, weil diese mit härterem Wettbewerb rechnen und weniger Finanzierungsmöglichkeiten haben. Markteintrittsbarrieren durch BA können insbesondere auf “The-Winner-Takes-It-All-Märkten” aufgebaut werden. Weniger Wirkung besteht naturgemäß auf zersplitterteren Märkten.

6. Zugang zu Ressourcen und Kooperationen

Ein weiterer Grund, Business-Angel ins Boot zu holen, kann im erwarteten Zugang zu Ressourcen (zum Beispiel Kunden oder User) oder Kooperationen liegen. Insbesondere wenn die benötigten Ressourcen nicht marktfähig oder anderweitig schwer zu bekommen sind, können gut ausgewählte Business Angels an dieser Stelle sehr wertvolle Dienste leisten.

7. Operative Mitarbeit von Business-Angels

Operative Mitarbeit von Business-Angels ist eher selten, kommt aber vor. Je wertvoller und größer die Anteile des Business-Angels sind, umso mehr Anreize sich operativ zu betätigen hat der Business-Angel natürlich.

8. Ideen

Nicht selten kommt auch die Geschäftsidee nicht vom Gründerteam, sondern von einem Business Angel. In diesem Fall verschwimmen die Grenzen zw. “Gründer” und “Business-Angel”.

Fazit: Business-Angels mit Voraussicht auswählen

Die Liste potentieller Funktionen von Investoren ist länger als vielleicht zunächst erwartet. Steht man vor einer Finanzierungsrunde lohnt es sich deshalb genau hinzuschauen, welche Funktionen in der eigenen Situtation am Wichtigsten sind. Anschließend kann man sich sein (Wunsch)-Investoren-Netzwerk strategisch zusammenstellen. Damit der Mehrwert dann mangels Engagement des Investors nicht nur auf dem Papier entsteht, sollten Gründer ihre strategischen Investoren genauso intensiv screenen, wie diese das mit dem Team auch tun werden.

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