Bei Dreamlines brennt noch Licht. Das Startup bietet Schiffsreisen an

Es klingt nach Wahrsagerei, basiert aber auf Wahrscheinlichkeitsrechnung: Gpredictive aus Hamburg sagt voraus, welche Kaufentscheidungen Kunden in Zukunft treffen werden. Der Algorithmus wertet dazu Kundendaten aus und schließt beispielsweise von der Bestellhistorie auf das spätere Kaufverhalten.

Potenzielle Käufer lassen sich mit der Gpredictive-Software außerdem in eine Relevanz-Reihenfolge bringen: Bei wem lohnt sich die Aussendung eines Newsletters? Wer könnte meinem Unternehmen bald den Rücken kehren? Marketing- und Vertriebsverantwortlichen sollen diese Informationen als Entscheidungsgrundlage dienen.

Die Gründer Björn Goerke und Dennis Proppe lernten sich bereits während ihres BWL-Studiums kennen. Die Gpredictive GmbH gründeten sie 2009, zunächst noch als Big-Data-Beratung für Großkonzerne. Weil sie dabei vieles manuell ausführen mussten, machten sie sich 2012 an die Entwicklung einer Software, die diese Abläufe automatisieren sollte.

Ein Algorithmus erkannte von da an mithilfe von Machine Learning Muster im Datenwust. Im selben Jahr holten sich Goerke und Proppe mit Philippe Take einen dritten Geschäftsführer an Bord, der seitdem die Bereiche Marketing und Vertrieb verantwortet. Gpredictive beschäftigt derzeit 20 Personen. Für seine Software-as-a-Service-Lösung bekam der Big-Data-Analyst zuletzt 2,5 Millionen Euro von der Venture-Capital-Gesellschaft Target Partners, die dafür etwa ein Viertel der Anteile einsteckte. Die Series B soll 2016 folgen.

Platz Nummer 31: Gpredictive GmbH

  • Wachstumsrate : 178 Prozent
  • Gründungsjahr: 2009
  • Firmensitz: Hamburg
  • Branche: Big Data
  • Website: www.gpredictive.de

Digitaler Magnetismus bei der Dateiverwaltung

Die erste Dokumenten­managementsoftware (DMS) von Jens Büscher war nicht gerade ein Erfolg. Banken ließen den Gründer abblitzen, Förder­gelder waren rar gesät. Dabei war Büschers Idee im wahrsten Sinne des Wortes ordentlich. Mit DocuPortal wollte er die Büroarbeit in Unternehmen digitalisieren und so Berge von Belegen und E-­Mails vermeiden.

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Jens Büscher wusste, was er tat: Er hatte sieben Jahre im öffentlichen Dienst gear­beitet und sich, genervt vom Papierchaos, zur Gründung entschieden. Das war 2003. Turbulente Zeiten für IT-­Pro­dukte. Trotz der Abfuhren hielt Büscher an seinem Vorhaben fest – und gründete sieben Jah­re später sein zweites DMS­-Unternehmen: Amagno. Rech­nungen, Notizen und andere Dokumente werden hier nach vorab festgelegten Regeln analysiert und automatisch von „digitalen Magneten“ an die richtigen Orte gezogen, etwa auf Basis von Kundennum­mern oder Fachbegriffen.

„Oft legen Mitarbeiter Doku­mente nicht in den richtigen Ord­nern ab“, meint Büscher. Daher soll sein Magnetsystem chaotische Netzlaufwerke ablösen. Insgesamt, so Büscher, nutzen die B2B-­Software aktuell 100 Unternehmen, hauptsächlich aus dem Mittelstand. Weil der hier­zulande aber nicht sehr innova­tionsfreudig sei, wolle man 2016 in den englischsprachigen Raum expandieren.

Erfolgreicher als Büschers erstes Projekt ist Ama­gno damit schon mal. Auch weil es bei der Finanzierung etwas besser klappte: Büscher holte sich zum Start Geld von der KfW – und überzeugte später zwei Business Angels. Heute arbeitet sein Unternehmen eigenen Angaben zufolge „in der Gewinnzone“.

Platz Nummer 32: amagno GmbH & Co KG

  • Wachstumsrate : 177 Prozent
  • Gründungsjahr: 2010
  • Firmensitz: Oldenburg
  • Branche: Software
  • Website: www.amagno.de

Daniel Kummer, Bernd Molzahn und Patrick Bunck sortieren mit Ubermetrics Daten für ihre Kunden

Pfadfinder im Datendschungel

Die Daten sind ja alle ir­gendwo da draußen. Das wissen wir. Aber wer soll diesen ganzen unübersicht­lichen Haufen sortieren? Firmen können das nur selten selbst leisten, obwohl sie wissen, dass sie es tun müss­ten. Wer die Daten hat, hat die Macht. Das ist inzwischen ein geflügeltes Wort auf allen Bühnen und Panels, die sich mit der Digitalisierung be­schäftigen. Das ist natürlich eine wunderbare Ausgangs­lage für junge Unternehmen, die es sich zur Aufgabe ge­macht haben, Unternehmen relevante Daten so hübsch aufgeräumt zur Verfügung zu stellen, dass sie navigierbar, verständlich und nutzbar sind.

UberMetrics gehört zu den digitalen Auskennern, die genau diese Aufgabe für an­dere Firmen übernehmen und damit gutes Geld verdienen. In eigenen Worten klingt das dann so: „UberMetrics nutzt eine proprietäre, kontext­spe­zifische Such-­Technologie, um hochvolumige Datenströme aus Online­- und Offline­-Me­dien, wie Nachrichten, Blogs und Social Networks zu analysieren. Dabei baut die Technologie auf Algorithmen, die sicherstellen, dass keine entscheidenden Informatio­ nen übersehen werden.“ Das kann man als Kunde jetzt einfach mal glauben, oder man erkennt den Erfolg bei der Zusammenarbeit mit dem Startup, weil sich die eigenen Geschäftszahlen verbessern.

Die drei Gründer Bernd Molzahn, Patrick Bunck und Daniel Kummer starteten ihre Firma im Jahr 2011. Inzwi­schen haben sie 32 Mitarbei­ter. Unter den Kunden sind DHL, TÜV Rheinland, Deloitte, BMW, Zalando, Burson­Marsteller, Kaspersky, randstad, Vodafone, Danone, Red Bull und AXA. Im nächsten Schritt soll die Internationalisierung in Angriff genommen werden. Als Erstes eine Expansion in die USA. Das Know-­how dafür holte sich UberMetrics unter anderem beim Ger­man Accelerator Program.

 Platz Nummer 33: uberMetrics Technologies GmbH

Beraterstab für den Kreuzfahrer von heute

Statt auf Algorithmen setzt das Kreuzfahrtportal Dreamlines bei der Kun­denbetreuung auf Menschen: Auf der Webseite des Unternehmens sind knapp 60 Berater aufgeführt, jeweils mit Foto, ausgewiesenem Spezialgebiet und eigener Durchwahl.

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Dreamlines selbst spricht von rund 100 Exper­ten – und ist auf diese Zahl besonders stolz, weil sie höher sei als bei jedem anderen Portal. Dabei ist Dreamlines auch darauf bedacht, die Konkurrenz zu schlucken: Im November 2013 kaufte das Startup 1000Kreuzfahrten aus dem Hause Hanse Ventures, zwei australische Portale gingen im Oktober des Folge­jahres in seinen Besitz über.

In der Selbstauskunft des Unternehmens, das seinen Hauptsitz in Hamburg hat, heißt es, man sei der „größte Anbieter für Schiffsreisen im deutschsprachigen Markt“. Für Dreamlines arbeiten weltweit rund 400 Mitarbeiter, auch in Nizza, Amsterdam, São Pau­lo und an der Gold Coast in Australien.

Das Portal existiert seit 2012, Felix Schneider und Nils Regge gründeten es mit Anschubhilfe von der Betei­ligungsgesellschaft Truventuro. Inzwischen sollen sich 30.000 Kreuzfahrtprodukte im Angebot finden, von der Atlantiküberquerung bis zur Weltumrundung. Unterstützt wurde das Portal bisher unter anderem vom Gründerfonds der Samwer­-Brüder, Global Founders Capital, außer­ dem investierten Holtzbrinck Ventures und Hasso-Plattner-Ventures mehrmals. Ge­schäftsführer des Unterneh­mens ist Felix Schneider.

Platz Nummer 34: Dreamlines GmbH

  • Wachstumsrate : 171 Prozent
  • Gründungsjahr: 2012
  • Firmensitz: Hamburg
  • Branche: Travel & Leisure
  • Website: www.dreamlines.de 

Übersicht: Die Top Ten des Gründerszene-Rankings

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1. Platz: Das Berliner Startup KW-Commerce verkauft Elektronikzubehör. Die Studienfreunde Jens Wasel (links) und Max Kronberg haben das Unternehmen 2012 gegründet. Wachstumsrate: 2.307 Prozent.